Präfrontaler Cortex

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Der präfrontale Cortex oder Cortex praefrontalis ist ein Teil des Frontallappens der Großhirnrinde (Cortex cerebri). Er befindet sich an der Stirnseite des Gehirns und ist eng mit den sensorischen Assoziationsgebieten des Cortex, mit subcorticalen Modulen des limbischen Systems und mit den Basalganglien verbunden.

Funktionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der präfrontale Cortex empfängt sensorische Signale und steht in korrelativem Zusammenhang mit der Integration von Gedächtnisinhalten und emotionalen Bewertungen. Auf dieser Basis besteht weiterführend ein korrelatives Verhältnis zwischen präfrontaler Hirnaktivität und der Handlungsplanung. Die Funktionen und Prozesse präfrontaler Hirnstrukturen werden als notwendige Bedingungen für eine situationsangemessene Handlungssteuerung und der Regulation emotionaler Prozesse angesehen. Deshalb wird er auch als „Supervisory Attentional System“ (SAS) bezeichnet.

Anatomie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präfrontaler Cortex in der lateralen Aufsicht auf die linke Großhirnhemisphäre mit Nummerierung der Brodmann-Areale.
Mediale Ansicht mit Nummerierung der Brodmann-Areale.

Den präfrontalen Cortex kann man in einen orbitofrontalen, medialen und lateralen Anteil gliedern; der laterale präfrontale Cortex wird in dorsolaterale und ventrolaterale Bereiche unterteilt.

Die Funktionen einzelner Anteile des präfrontalen Cortex sind Gegenstand klinischer Forschung. Topografisch werden unterschieden[1]:

  • der VLPFC – ventro-lateraler präfrontaler Cortex, Brodmann-Areal (BA) 45 + laterale Anteile von BA 47/12
  • der DLPFC – dorso-lateraler präfrontaler Cortex, BA 9/46
  • ein frontopolarer oder anteriorer präfrontaler Bereich (anteriorer PFC, BA 10)
  • ein orbitofrontaler Bereich (OFC, BA 10, 11, 47/12, 13, 14, ventrale Anteile des BA 45)
  • der FMPFC – fronto-medialer präfrontaler Cortex, insbesondere der anteriore cinguläre Cortex (ACC; BA 24, 25)
  • der VMPFC – ventro-medialer präfrontaler Cortex (Siehe: Somatic marker hypothesis)
  • frontales Augenfeld (BA 8)
  • das sprachmotorische Broca-Areal (BA 44)

Folgen von Verletzungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Präfrontale Läsionen können u.a. folgende Konsequenzen haben (siehe Frontalhirnsyndrom):

  • Zerfall des Kurzzeitgedächtnisses und der Langzeitplanung,
  • Entscheidungsunfähigkeit (Abulie),
  • Perseveration und Inflexibilität im Verhalten
  • v.a. bei orbitofrontalen Läsionen starke Persönlichkeitsveränderungen (emotionale Verflachung, Triebenthemmung, situationsunangemessene Euphorie, Missachtung sozialer Normen (Pseudopsychopathie))

Neben Verletzungen durch Schädel-Hirn-Traumata gibt es auch degenerative Erkrankungen (Morbus Pick), die vorwiegend die präfrontale Rinde betreffen. Tests haben ergeben, dass sich die Impulskontrolle mit Magnetfeldern reduzieren lässt.[2]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Simone Goebel, Klinische und experimentelle Neuropsychologie der strategischen Fähigkeiten, Kapitel 4 (PDF; 397 kB)
  2. Knoch D, Pascual-Leone A, Meyer K, Treyer V, Fehr E; Diminishing reciprocal fairness by disrupting the right prefrontal cortex. Science. 2006 Nov 3;314(5800):829-32. Epub 2006 Oct 5. PMID 17023614