Hemisektion

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Keramikbrücke 43–46: Eckzahn (2) Brückenglieder (3) und (4), distale Hälfte des hemisezierten Zahns 46 (5) auf Gipsmodell (1)
Röntgenbild einer Prämolarisierung eines unteren rechten Molaren (Zahn 46):
1) Freiliegende Bifurkation (Pfeil);
2) Prämolarisierung und Wurzelkanalbehandlung; 3) Zustand nach Überkronung mit Stiftaufbau; (Darstellung durch Bildbearbeitung);
Eingezeichnete mögliche Durchtrennungsstellen bei einer Hemisektion an einem oberen Molaren. Die Darstellung der Durchtrennungsstelle zur Entfernung der palatinalen Wurzel ist aus dieser Projektion nicht möglich. Die Wurzelkanäle sind bereits optimal aufbereitet und gefüllt.

Unter einer Hemisektion (von Altgriechisch: ήμἰ (hemi) (vergleiche:lat. semi) „halb“ und lat. sectio „das Zerschneiden“) versteht man in erster Linie die Durchtrennung eines unteren Molaren mit einer Teilextraktion einer Zahnwurzel. In sehr seltenen Fällen wird die Hemisektion auch an anderen mehrwurzligen Zähnen durchgeführt. Ein Sonderfall der Hemisektion wird als Prämolarisierung bezeichnet, bei der beide Wurzeln erhalten bleiben.

Indikationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hemisektion wird in Betracht gezogen, wenn eine Wurzel eines mehrwurzligen Zahnes erkrankt und nicht therapiefähig ist. Dies ist der Fall, wenn eine Wurzelbehandlung nicht ordnungsgemäß durchführbar ist. Dies kann der Fall sein, wenn ein Wurzelkanal oblitieriert ist oder eine unvollständige Wurzelfüllung, die nicht revidiert werden kann, vorliegt. Eine weitere Indikation liegt vor, wenn eine der beiden Wurzeln eine apikale Veränderung (Apikale Parodontitis, apikales Granulom) aufweist und eine Revision der Wurzelbehandlung und/oder eine Wurzelspitzenresektion nicht durchführbar oder vom Patienten nicht gewünscht ist. Eine Hemisektion kann auch bei einer freiliegenden Bifurkation, einer Knochentasche, einer Wurzelkaries oder bei einer Zahn- beziehungsweise Wurzelfraktur indiziert sein.[1]

Therapieziel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ziel einer Hemisektion ist, die gesunde(n) Zahnwurzel(n) und einen Teil der Zahnkrone zu erhalten, wenn die verbleibende Wurzel noch gut erhalten ist und ausreichend im Knochen verankert ist. Die erkrankte Wurzel wird entfernt, gesunde Wurzeln bleiben erhalten und können z. B. als Brückenpfeiler dienen.

Vorgehensweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor der Operation wird eine Lokalanästhesie durchgeführt, gefolgt von einer Wurzelbehandlung an der(den) zu erhaltenden Wurzel(n). Dann wird die Zahnkrone mit einem diamantierten Schleifkörper oder einer Hartmetallfräse bis zur Bifurkation oder Trifurkation durchtrennt. Anschließend werden der abgetrennte Zahnkronenanteil und die Wurzel entfernt. Im Anschluss erfolgt die Anfertigung eines Stiftaufbaus und eine Versorgung mit einer künstlichen Krone.

Kosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Hemisektion ist unter bestimmten Voraussetzungen eine Leistung der Gesetzlichen Krankenversicherung und wird gemäß Bewertungsmaßstab zahnärztlicher Leistungen nach BEMA-Nr. 47b mit ca. 60,05 EURO honoriert. Sie ist als Sachleistung nur dann anrechenbar, wenn sie

  • zum Erhalt einer geschlossenen Zahnreihe und/oder
  • zum Erhalt einer bestehenden prothetischen Versorgung

notwendig ist. Dabei muss die Pfeilerwertigkeit der verbleibenden Wurzel gegeben sein, d. h. die erhaltene Zahnwurzel muss durch ihren Erhaltungsgrad in der Lage sein, langfristig als Zahnersatzpfeiler zu dienen.

In der Privatabrechnung erfolgt die Abrechnung nach der GOZ Nr. 3130 (36,22 € bei 2,3fachen Satz).[2]

Prognose[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit Ende der 1980er Jahre rückt die Hemisektion therapeutisch zunehmend in den Hintergrund, weil meist durch eine Implantatversorgung langfristig bessere Erfolge auf Grund einer höheren Pfeilerwertigkeit zu erzielen sind.

Prämolarisierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Sonderfall der Hemisektion wird als „Prämolarisierung“ bezeichnet (nicht zu verwechseln mit Prämolarisation). Dabei wird der Zahn nach durchgeführter Wurzelbehandlung ebenfalls durchtrennt, jedoch bleiben beide Wurzeln erhalten. Hierzu kommen in erster Linie die unteren Molaren in Frage. Damit wird eine freiliegende Bifurkation letztlich beseitigt, indem aus einem Molaren durch die Durchtrennung zwei Prämolaren, also zwei einwurzlige Backenzähne geschaffen werden. Diese sind nun besser zu reinigen und eine rezidivierende Entzündung wird durch die Auflösung der Bifurkation beseitigt. Der Therapieerfolg ist langfristig allerdings nur selten zufriedenstellend.[1]

Die Prämolarisierung selbst stellt keine vertragszahnärztliche Versorgung dar. Wenn bei der Zahnersatzversorgung ein prämolarisierter Zahn eine Versorgungsnotwendigkeit darstellt, kann dadurch ein Festzuschuss der Krankenkasse geleistet werden. Es handelt sich hierbei bei dem einen Zahnanteil um eine sog. gleichartige Versorgung. Die zweite Krone am zweiten Zahnanteil ist privat nach GOZ zu vereinbaren. Das Gleiche gilt für die gegossenen Stiftaufbauten beziehungsweise Schraubenaufbauten, die ebenfalls privat berechnet werden.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b N. Schwenzer, Mund-Kiefer-Gesichtschirurgie, Thieme Verlag, 2010, ISBN 3-13-593504-3
  2. GOZ Nr.3130

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Dentistry – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wiktionary: Prämolarisierung – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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