Proskau

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Der Titel dieses Artikels ist mehrdeutig. Zum österreichischen Diplomaten siehe Moritz II. von Dietrichstein-Proskau-Leslie.
Proskau
Prószków
Wappen von Proskau
Proskau Prószków (Polen)
Proskau Prószków
Proskau
Prószków
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Opole
Powiat: Opole
Fläche: 16,23 km²
Geographische Lage: 50° 33′ N, 17° 55′ OKoordinaten: 50° 33′ 0″ N, 17° 55′ 0″ O
Höhe: 153 m n.p.m.
Einwohner: 2725
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 46-060
Telefonvorwahl: (+48) 77
Kfz-Kennzeichen: OPO
Wirtschaft und Verkehr
Straße: PrudnikOpole
Nächster int. Flughafen: Breslau
Sołectwo
Gmina
Gminatyp: Stadt- und Landgemeinde
Gminagliederung: 16 Ortschaften
Fläche: 121,23 km²
Einwohner: 9895
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 82 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 1609103
Verwaltung (Stand: 2015)
Bürgermeisterin: Róża Malik[2]
Adresse: ul. Opolska 17
46-060 Prószków
Webpräsenz: www.proszkow.pl



Proskau (polnisch Prószków), ist eine Stadt in Oberschlesien im Powiat Opolski der Woiwodschaft Opole in Polen, zehn Kilometer südlich von Opole und Hauptort der gleichnamigen Stadt- und Landgemeinde.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Proskau liegt etwa zwölf Kilometer südlich der Kreisstadt und Woiwodschaftshauptstadt Opole (Oppeln). Durch den Ort verläuft in Nord-Süd Richtung die Woiwodschaftsstraße Droga wojewódzka 141 sowie in West-Ost Richtung die Woiwodschaftsstraße Droga wojewódzka 429. Südlich von Proskau befindet sich die Autobahn Autostrada A4. Proskau liegt an dem Bach Prószkowski Potok (dt. Proskauer Bach).

Nachbarorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nachbarorte von Proskau sind im Norden Neuhammer (Nowa Kuźnia) und Zlattnik (Złotniki), im Osten Groß Schimnitz (Zimnice Wielkie) und Klein Schimnitz (Zimnice Małe), im Süden Przyschetz (Przysiecz) und im Westen Jaschkowitz (Jaśkowice).

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das alte Wappen der Grafen
Postkarte von 1903: „Gruß aus Proskau. Ringansicht“

Proskau wurde bereits im Jahr 1250 in einer Urkunde erwähnt. [3] Es gehörte zum Herzogtum Oppeln, das ab 1327 ein Lehen der Krone Böhmen war, die 1526 an die Habsburger gelangte.

Vom 14. Jahrhundert an bis 1769 war das Gebiet um Proskau Familienbesitz der Proskowskis. Die Familie ließ hier 1563 ein Schloss im Renaissancestil errichten, das im Dreißigjährigen Krieg durch die Schweden niedergebrannt wurde. Der Wiederaufbau wurde 1677 durch den Architekten Johann Seregno vollzogen. Im Jahre 1763 ließ Graf Leopold Proskowski im Hinterhof des Schlosses eine in Europa und in der Welt berühmte Fayence-Fabrik bauen, die bis 1793 produzierte.

1560 erlangte Proskau die Stadtrechte, welche ihm 1863 wieder aberkannt wurden, aber 2004 wieder verliehen wurden. Nach dem Ersten Schlesischen Krieg 1742 gelangte das Proskauer Gebiet zusammen mit dem größten Teil Schlesiens an Preußen. 1763 wurde hier im Auftrag des preußischen Königs Friedrich den Großen eine Steingutmanufaktur erbaut, welche die größte in Schlesien war. 1853 wurde diese geschlossen.[3] 1783 war Proskau im Besitz des Grafen von Dietrichstein, der es an Friedrich den Großen verkaufte. Im Schloss und auf dem Gut Proskau richtete der preußische Staat 1847 eine höhere landwirtschaftliche Lehranstalt ein, die spätere landwirtschaftliche Akademie und 1881 als Königlich Landwirtschaftliche Hochschule nach Berlin verlegt wurde.

Bei der Volksabstimmung in Oberschlesien am 20. März 1921 stimmten 1587 Wahlberechtigte für einen Verbleib bei Deutschland und 151 für Polen.[4] Vogtsdorf verblieb beim Deutschen Reich. 1933 lebten im Ort 2512 Einwohner. 1939 hatte der Ort 2511 Einwohner. Bis 1945 befand sich der Ort im Landkreis Oppeln [5]. Vom 28. bis 30. Januar 1945 beging die Rote Armee Kriegsverbrechen an der deutschen Zivilbevölkerung, denen auch der örtliche Pfarrer Walloschek zum Opfer fiel[6]. Während und nach dem Zweiten Weltkrieg ist nur ein geringer Teil der einheimischen Bevölkerung vertrieben worden.

Bis heute leben drei Bevölkerungsgruppen in der Gemeinde: Polen, Deutsche (30,9 %) und Schlesier (4,0 %).[7] Im Jahr 2004 bekam Proskau die Stadtrechte wiederverliehen. Seit 2006 ist Prószków/Proskau offiziell „zweisprachig“ Polnisch und Deutsch, seit dem 30. April 2010 hat der Ort einen amtlichen deutschen Namen.[8] Seit Juni 2012 sind die Ortsschilder zweisprachig.[9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Proskauer Schloss
St. Georg Kirche
Barockes Haus am Proskauer Ring
Evangelische Kirche
Alter Friedhof

Proskauer Schloss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das barocke Proskauer Schloss ist das Wahrzeichen des Ortes. Das Schloss wurde 1563 als Residenz vom Grafen Georg Proskowski von Proskau im Stil der Renaissance erbaut. 1644 wurde es von den Schweden in Brand gesteckt. 1677 wurde es unter der Leitung des italienischen Baumeisters Giovanni Seregno im Stil des Barock wieder aufgebaut. Dabei entstanden die noch heute stehenden beiden Türme an der Vorderfront. Es gehörte bis 1769 dem oberschlesischen Adelsgeschlecht Proskowski von Proskau.[10][11] Von 1847 bis 1881 diente das Schloss der Königlichen Landwirtschaftlichen Akademie. Nach dessen Auflösung wurde das Schloss als Krankenhaus genutzt. Heute befindet sich hier ein Altersheim. 2011 wurde es saniert.

Kirche St. Georg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei diesem Bauwerk handelt es sich um eine römisch-katholische Kirche, welche sich am Ring (Marktplatz) befindet. Sie wurde 1587 vom Grafen Georg Pruskowski erbaut. Nach dem großen Brand 1644 erhielt sie beim Wiederaufbau 1687 ihren barocken Stil. Im Inneren befinden sich zahlreiche barocke Elemente, darunter die Stuckdekorationen, der Hauptaltar, mehrere Skulpturen und die Kanzel. Über dem Eingang hängt das Wappen der Familie Pruskowski [3]

Arboretum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Arboretum erinnert an die 1847 gegründete Königliche Landwirtschafts-Akademie. Diese wurde 1881 aufgelöst und durch das Königliche Pomologische Institut ersetzt. Dafür wurden nördlich des Ortes Gärten, Gewächshäuser und eine Obstbaumschule angelegt. Ab 1934 fand hier jährlich die Chrysanthemen-Ausstellung statt. Noch heute werden hier neue Generationen ausgebildet. Das Arboretum umfasst eine Fläche von ca. 17 Hektar. Des Weiteren wachsen hier Gewächse aus China, Japan und anderen exotischen Ländern. Zu Begutachten ist hier ebenfalls ein seit zwei Millionen Jahren versteinerter Baum [3]

Weitere Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Evangelische Kirche: erbaut im Jahr 1866.
  • Kapelle St. Nepomuk: Erbaut im Jahr 1877.
  • Friedhof: Auf dem alten deutschen Friedhof befinden sich noch immer alte Grabsteine aus den letzten drei Jahrhunderten.
  • Ring: Proskauer Marktplatz mit Häusern aus dem 17./18. Jahrhundert im Stil des Klassizismus und des Barock.
  • Gebäude der alten Brauerei aus dem Jahr 1870.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Wappen Proskaus

Das Wappen der Stadt zeigt im ersten und vierten Feld jeweils auf einem gold-schwarz geteilten Grund einen springenden Hirsch mit umgekehrten Farben. Das zweite und das dritte Feld sind gespalten in den Farben Silber und Rot. Auf silbernem Grund befindet sich ein rotes Hufeisen. Auf rotem Grund befindet sich ein silbernes Hufeisen.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Dammann (* 16. Juni 1857; † 15. Juni 1942), deutscher Bildhauer
  • Theodor Brylla (* 6. Januar 1882; † 17. August 1962), deutscher Gewerkschafter, Volkskammerabgeordneter
  • Kurt Otto (* 9. Juni 1887; † 9. August 1947), nationalsozialistischer Politiker
  • Hans Reichelt (* 30. März 1925), Politiker in der DDR
  • Alfred Gaida (* 27. Juli 1951), deutscher Radrennfahrer

Gemeinde[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Proskau umfasst ein Gebiet von 181 km² mit rund 10.000 Einwohnern. Zur Gemeinde gehören folgende Ortsteile:

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem Jahr 1881 trägt die Proskauer Straße im Berliner Stadtbezirk Friedrichshain den Namen der Stadt.[12]

Am 29. Juli 1921 wurde im damaligen Proskau mit 40,2 °C die höchste jemals auf dem heutigen polnischen Territorium gemessene Temperatur festgestellt.[13]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Proskau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erhard Heinrich, Andrzej Pawelczyk: Proskau – Eine Geschichte im Überblick. Hrsg.: Pfarrer der kath. Pfarrgemeinde St.Georg in Proskau [Prószków]. Erhard Heinrich, 2000, ISBN 83-913284-1-4.
  • Ryszard Emmerling, Urszula Zajaczkowska: Oppeln – Die Hauptstadt der Wojewodschaft. Schlesischer Verlag ADAN, Opole 2003, ISBN 83-915371-3-7.
  • Ryszard Emmering: Schlesische Schlösser und Paläste – Oppelner Land. Schlesischer Verlag ADAN, Opole 2000, ISBN 83-908136-4-5.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. Website der Stadt, Urząd Miejski – Kontakt, abgerufen am 26. Februar 2015.
  3. a b c d Anna Bedkowska-Karmelita: Reiseführer durch das Oppelner Land. Alkazar, Opole 2009, ISBN 978-83-925591-3-9, S. 30.
  4. Vgl. Ergebnisse der Volksabstimmung in Oberschlesien von 1921
  5. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte Schlesien, Kreis Oppeln. In: verwaltungsgeschichte.de. 2006, abgerufen am 14. März 2016.
  6. Coldwarhistory.us – Die drei Tage als Gott Gottesdorf vergessen hat
  7. @1@2Vorlage:Toter Link/www.dat.prosilesia.net Seite nicht mehr abrufbar; Suche in Webarchiven: dat.prosilesia.net
  8. Dz. U. Nr 17, poz. 141, z późn. zm.; Lista gmin wpisanych na podstawie art. 12 ustawy z dnia 6 stycznia 2005 r., abgerufen am 14. Mai 2010.
  9. DFK Proskau -Zweisprachige Ortsschilder
  10. Dehio-Handbuch der Kunstdenkmäler in Polen. Schlesien. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2005, ISBN 3-422-03109-X, S. 765–768.
  11. Website des Landkreises Oppeln
  12. Proskauer Straße. In: Straßennamenlexikon des Luisenstädtischen Bildungsvereins (beim Kaupert)
  13. W. Mizerski, J. Żukowski (Hrsg.): Tablice geograficzne. Adamantan, Warszawa 2001, ISBN 83-7350-121-5.