Prachatice

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Prachatitz ist eine Weiterleitung auf diesen Artikel. Zu den böhmisch-österreichischen Architekten und Steinmetzen siehe Peter von Prachatitz und Hans von Prachatitz, zu dem böhmischen Mathematiker und Arzt siehe Christian von Prachatitz
Prachatice
Wappen von Prachatice
Prachatice (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Jihočeský kraj
Bezirk: Prachatice
Fläche: 3891,7214[1] ha
Geographische Lage: 49° 1′ N, 14° 0′ OKoordinaten: 49° 0′ 46″ N, 13° 59′ 51″ O
Höhe: 561 m n.m.
Einwohner: 10.943 (1. Jan. 2017)[2]
Postleitzahl: 383 01
Kfz-Kennzeichen: C
Verkehr
Straße: Vodňany - Volary
Bahnanschluss: Číčenice–Haidmühle
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 12
Verwaltung
Bürgermeister: Martin Malý (Stand: 2014)
Adresse: Velké náměstí 3
383 01 Prachatice
Gemeindenummer: 550094
Website: www.prachatice.cz

Prachatice (deutsch Prachatitz) ist eine tschechische Stadt. Sie liegt im Jihočeský kraj (Südböhmische Region) und hat 11.332 Einwohner (Stand: 1. Januar 2012). In der Vergangenheit war Prachatitz ein wichtiger Ort am Goldenen Steig, einem alten Handelsweg von Passau nach Prag.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prachatice liegt am nördlichen Fuße des Libín im Böhmerwaldvorland. Durch die Stadt fließt der Bach Fefrovský potok, der am östlichen Stadtrand in den Živný potok mündet. Nördlich erheben sich der Šibeniční vrch (681 m) und die Výrovčice (708 m), im Nordosten die Kobylí hora (767 m), östlich die Zdenice (758 m) und der Na Vrších (777 m), im Süden der Na Vyhlídce (828 m), der Libín (1093 m) und die Černá hora (897 m), südwestlich der Volovický vrch (961 m), im Westen der Dubový vrch (760 m) sowie im nordwestlich der Výrovec (686 m). Nördlich der Stadt befindet sich im Blanicetal die Talsperre Husinec. Durch Prachatice führt die Staatsstraße II/141 zwischen Vodňany und Volary, von der in der Stadt die II/143 nach České Budějovice abzweigt. Am östlichen Stadtrand verläuft die Bahnstrecke Číčenice–Haidmühle.

Nachbarorte sind Staré Prachatice, Nové Město und Ostrov im Norden, Slepý Mlýn, Městská Lhotka, Bernatů, Žernovice, Hořejší Chalupy und Dolejší Chalupy im Nordosten, Dvůr u Lípy, Kroupův Dvůr, Irův Dvůr, Zdenice und Nebahovy im Osten, Strachotínský Dvůr, Kandlův Mlýn, Jelemek, Starý Bolech und Velišův Mlýn im Südosten, Lázně svaté Markéty, Libínské Sedlo und Perlovice im Süden, Volovice und Křeplice im Südwesten, Cvrčkov, Stádla, Podolí und Kahov im Westen sowie Oseky, Podedvorský Mlýn, Dvory und Horouty im Nordwesten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Ort mit dem Namen Pragaticih ist erstmals im 11. Jahrhundert als Stapelplatz für Handelswaren belegt und lag außerhalb der heutigen Stadt. Meistens wird dieser Ort mit dem heutigen Stadtteil Alt Prachatitz identifiziert. Einer Legende nach wurde in Prachatitz Ende des 10. Jahrhunderts durch den heiligen Adalbert, Bischof von Prag, die erste christliche Kirche unter der Oberhoheit der Pröpste des Klosters Vyšehrad in der sich bildenden Ansiedlung in der Nähe des Stapelplatzes geweiht.

Der erste historische Nachweis des Ortes Prachatitz stammt aus dem Jahr 1088 und ist eine Erwähnung im Zusammenhang mit dem Marktrecht auf dem Salzweg nach Passau. Im Jahr 1323 erhielt der Magistrat der wirtschaftlich aufblühenden Stadt gegen eine ständige Zahlung an die Pröpste von Vyšehrad (eine Art Pacht) das Recht, die Einnahmen aus den Mautgebühren an der Salzstraße für eigene Zwecke zu verwenden.

Zu dem sich vermehrenden Reichtum der Stadt im 15. Jahrhundert trug bei, dass sie im Jahr 1381 von König Wenzel IV. das Stapelrecht des nach Böhmen eingeführten Salzes erhielt. Eine besondere kulturelle Rolle unter den führenden Städten in Südböhmen bekam Prachatitz mit der Gründung einer Lateinschule. Obwohl der tschechische Reformator Jan Hus, zeitweilig Rektor der Karls-Universität Prag, Absolvent dieser Lateinschule war, lehnten die Handels- und Ratsherren der Stadt Prachatitz einen Anschluss der Stadt an seine Glaubenslehre ab und hielten am römisch-katholischen Bekenntnis fest. Am 12. November 1420 eroberten die Hussiten unter ihrem Heerführer Jan Žižka die mit Mauern befestigte Stadt Prachatitz, trieben die meisten männlichen Bewohner in die Sakristei der Hauptkirche, wo sie in den Flammen starben, als diese niedergebrannt wurde. Frauen und Kinder wurden als vogelfrei aus der Stadt vertrieben, wie Magister Laurenz von Brezowa in der Chronik Historia Hussitica berichtete.

Rathaus in Prachatitz 2009

Im Jahre 1436 wurde Prachatitz freie böhmische Königsstadt. 1501 fiel sie an die Familie der Rosenberger (Herren von Rožmberk), deren letzter Angehöriger sie 1601 Kaiser Rudolf II. verkaufte. Im Dreißigjährigen Krieg verlor die Stadt ihre Privilegien und wurde mehrfach geplündert, der eigentliche Niedergang begann aber 1692 mit der Einführung des kaiserlichen Salzmonopols. Seit 1719 gehörte die Stadt den Fürsten zu Schwarzenberg, die Prachatitz ihrer Allodialherrschaft Wallern zuschlugen und in deren Besitz die Stadt bis 1848 blieb. Die Häuser am Markt und den meisten Gassen waren mit Bemalungen, Wappen und Denksprüchen verziert. Beim Stadtbrand von 1832 wurden 80 Häuser zerstört. Nach dem Wiederaufbau wurde auf die mittelalterlichen Verzierungen verzichtet, so dass diese nur noch am Rathaus und zwei weiteren Häusern erhalten waren.

Im Jahre 1839 bestand die Schutz- und Munizipalstadt Prachatitz/Prachatice aus insgesamt 327 Häusern mit 2591 überwiegend deutschsprachigen Einwohnern. Sie gliederte sich in die Stadt und die nördlich davon gelegene Vorstadt, die nur durch die alten Ringmauern getrennt waren. In den 162 Häusern der Vorstadt lebten 1319 Personen, die Stadt bestand aus 165 Häusern mit 1272 Einwohnern. Unter obrigkeitlichem Patronat stand die Dechanteikirche des hl. Jakobus des Älteren, unter dem Patronat der Stadtgemeinde die dreiklassige deutsche Schule mit einer gymnasialen Vorbereitungsklasse. Außerdem gab es in der Stadt ein herrschaftliches Amtshaus, das städtische Rathaus, zwei Kasernen und ein Spital. Der Herrschaft gehörten weiterhin ein Bräuhaus in der Vorstadt und eine Mühle. Der Stadtgemeinde gehörten die Dörfer Altprachatitz (Staré Prachatice), Wostrow (Ostrov ), Lhotka (Městská Lhotka), zwölf Häuser des Dorfes Klistau (Chlístov), die Einschicht Zirkengast bei Albrechtschlag (Albrechtovice) sowie neun Mühlen, zwei Brettsägen, ein Bräuhaus, das Badehaus am Libin und 1760 Joch Wald am Libin und Zdenice. Die Bewohner lebten vor allem vom Ackerbau, der Viehzucht und der Branntweinbrennerei. Der als Prachatitzer bezeichnete Perlbranntwein wurde in ganz Böhmen und Österreich verkauft, in der Stadt gab es 138 Branntweinbrenner. Außerdem bestanden 173 weitere Gewerbebetriebe, darunter 17 Bierschänker, je 14 Bäcker und Schuster, 13 Fleischhauer sowie je zehn Müller und Griesler. Die Stadt besaß Privilegien auf drei Jahrmärkte und Wochenmärkte auf Getreide und Vieh sowie zwei große Wochenmärkte. Zu den Jahrmärkten kamen knapp 200 Verkäufer; auch die Wochenmärkte waren bedeutend, da sich auf ihnen die Bewohner des Böhmerwaldes mit Getreide und Viktualien versorgten.[3] Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts bildete Prachatitz den Amtssitz der Allodialherrschaft Wallern.

Nach der Aufhebung der Patrimonialherrschaften wurde Prachatitz 1849 zum Sitz eines Bezirksgerichts und bildete eine Stadtgemeinde im Gerichtsbezirk Prachatitz. Ab 1868 war die Stadt Verwaltungssitz des Bezirkes Prachatitz. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in der Gegend Textil- und Lebensmittelindustrie. Ab dem Ende des 19. Jahrhunderts erhielt Prachatitz mit dem prosperierenden St. Margarethenbad auch als Kneippkurort eine gewisse Bedeutung. Im Jahre 1893 bekam die Stadt mit der Eröffnung der Bahnstrecke Wodňan-Prachatitz einen Bahnanschluss; sechs Jahre später wurde die Eisenbahnstrecke bis Wallern und 1910 schließlich noch bis Haidmühle verlängert. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts bestand die Bevölkerung von Prachatitz überwiegend aus Deutschböhmen. Im Jahr 1900 meldeten sich in Prachatitz von 4.333 Einwohnern, 3.334 deutsch- (76,9 %) und 941 tschechisch-sprachig (21,7 %). Die Stadt lag unmittelbar an der deutsch-tschechischen Sprachgrenze. Die Orte nördlich, westlich und östlich der Stadt waren überwiegend tschechisch-sprachig. Nach der Gründung der Tschechoslowakei im Jahr 1918 änderten sich die Bevölkerungsverhältnisse. 1930 hatte Prachatitz 4745 Einwohner, darunter 2368 Deutsche und 2283 Tschechen. Im Oktober 1938 wurde die Stadt in Folge des Münchner Abkommens dem Deutschen Reich zugeschlagen. Nördlich von Prachatitz verlief an der Flanitz die Grenze zur „Resttschechei“. 1939 lebten in der Stadt 4442 Personen.[4] Der Landkreis Prachatitz wurde an den Regierungsbezirk Niederbayern und Oberpfalz angeschlossen. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs kam die Stadt zurück an die Tschechoslowakei. Die deutschböhmische Bevölkerung wurde 1946 auf Grund der Beneš-Dekrete zum großen Teil vertrieben. Der Böhmerwaldheimatkreis Prachatitz e.V. mit Sitz in Ingolstadt hält seither jährliche Heimattreffen (meistens in Bayern) ab. Im Jahre 1961 erfolgte die Eingemeindung von Oseky (mit Kahov, Podolí, Stádla, Třemšín und Volovice) und Staré Prachatice (mit Městská Lhotka und Ostrov). Libínské Sedlo (mit Perlovice) wurde 1971 eingemeindet. Kahov, Oseky und Podolí lösten sich am 24. November 1990 los und bildeten die Gemeinde Oseky, die sich am 14. Dezember 1993 wieder an die Stadt Prachatice anschloss.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkszählung Einwohner

gesamt

Nationalität
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1900[5] 4.333 3.334 941 31
1930[6] 4.745 2.358 2.283 -
1939[7] 4.442 - - -

Stadtgliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Prachatice besteht aus den Ortsteilen Kahov (Kahau), Libínské Sedlo (Pfefferschlag), Městská Lhotka (Städtische Oed), Oseky (Wosek), Ostrov (Wostrow), Perlovice (Perletschlag), Podolí (Podoly), Prachatice I (Prachatitz), Prachatice II (Prachatitz-Vorstadt), Stádla (Stadlern), Staré Prachatice (Alt Prachatitz) und Volovice (Wolletschlag).[8] Grundsiedlungseinheiten sind Kahov, Lázně svaté Markéty (St. Margarethenbad), Libínské Sedlo, Libínský les, Městská Lhotka, Nové sídliště, Oseky, Ostrov, Perlovice, Pod Cvrčkovem, Pod Černou horou, Pod lázněmi, Pod Zdenicemi, Podolí, Prachatice-střed, Probošt (Probost), Průmyslový obvod-jih, Průmyslový obvod-sever, Sídliště, Skalka, Stádla, Staré Prachatice, Šibeniční vrch, U kasáren, U nemocnice, U trati, Volovice und Výrovec.[9] Zu Prachatice gehören außerdem die Einschichten Cvrčkov (Grilling), Kamýk (Wildberg), Křeplice (Kreppenschlag), Třemšín (Hummelberg), Sedlmín (Zedlmin), Velišův Mlýn (Wallischmühle) und Vojtášek.

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Kahov, Libínské Sedlo, Oseky, Perlovice, Prachatice, Stádla, Staré Prachatice und Volovice.[10]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Theater und Museen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Stadttheater (Městské divadlo), Velké náměstí 2
  • Prachatické muzeum, Velké náměstí 13 und Zlatá stezka 245
  • Marionetten- und Zirkusmuseum (Muzeum české loutky a cirkusu), Velké náměstí 43

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das historische Stadtzentrum wurde 1981 zum städtischen Denkmalreservat erklärt.

  • Stadtmauer mit Bastion Helvit
  • Unteres Stadttor oder Piseker Tor mit Nepomuk-Kapelle
  • Literatenschule
  • Heydl-Haus, erbaut in den 1550er Jahren
  • Sitr-Haus, auch Zdiarsky-Haus (jetzt Museum) mit Allegorien Justitia (Gerechtigkeit), Patientia (Geduld), Prudentia (Stolz) und Fortitudo (Tapferkeit)
  • Hus-Haus
  • Dekanatskirche St. Jakobus
  • Altes Rathaus mit Darstellung der Tugenden (Medaillons)
  • Neues Rathaus (1902) mit sieben bedeutenden Männern aus Prachatitz (siehe unter Persönlichkeiten)
  • Stadtbrunnen mit Justitia-Standbild
  • Rumpal-Haus mit Lauben
  • Fürsten-Haus mit Sgraffito Weißer Elefant
  • Geburtshaus von Johann Nepomuk Neumann (Bischof von Philadelphia, Heiliger)

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ende Juni findet das zweitägige Fest des Goldenen Steiges (Slavnosti solné Zlaté stezky) statt.

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Prachatice unterhält Partnerschaften mit folgenden Städten und Gemeinden:

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am Neuen Rathaus (1902) sind folgende Personen aus Prachatitz abgebildet:[11]

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lillian Schacherl: Böhmen – Kulturbild einer Landschaft. Prestel-Verlag, München 1966, OCLC 10508066, S. 156–162: Prachatitz, das salis emporium.
  • Johanna von Herzogenberg: Zwischen Donau und Moldau – Bayerischer Wald und Böhmerwald. Das Mühlviertel und Südböhmen. Prestel-Verlag, München 1968, DNB 456973125, S. 122, 145–152, 331: Prachatitz (Prachatice).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Prachatice – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/550094/Prachatice
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2017 (PDF; 371 KiB)
  3. Johann Gottfried Sommer Das Königreich Böhmen, Bd. 8 Prachiner Kreis, 1840, S. 361-363
  4. http://www.verwaltungsgeschichte.de/bay_prachatitz.html
  5. K.K. Statistische Zentralkommission, Gemeindelexikon der im Reichsrate vertretenen Königreiche und Länder. Bearbeitet auf Grund der Ergebnisse der Volkszählung vom 31. Dezember 1900. Band IX Böhmen (Wien 1904) S. 654.
  6. Rudolf Hemmerle, Sudetenland: Wegweiser-- durch ein unvergessenes Land (2002) S. 316.
  7. Dr. Michael Rademacher: Deutsche Verwaltungsgeschichte. Abgerufen am 30.07.2016.
  8. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/550094/Obec-Prachatice
  9. http://www.uir.cz/zsj-obec/550094/Obec-Prachatice
  10. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/550094/Obec-Prachatice
  11. Johannes Jetschgo: Südböhmen, Natur- und Kunstführer. Landesverlag, Linz 1995, ISBN 3-85214-638-0.