Prager Frieden (1635)

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Der Prager Frieden vom 30. Mai 1635 zwischen Kaiser Ferdinand II. und der katholischen Liga einerseits und dem protestantischen Kurfürstentum Sachsen beendete den Krieg zwischen vielen protestantischen Reichsständen und dem Kaiser. Bis auf Bernhard von Sachsen-Weimar und dem Landgrafen Wilhelm V. von Hessen-Kassel ratifizierten nach und nach viele weitere protestantische Reichsstände den Friedensschluss.

Ein allgemeiner Frieden in Deutschland war aber nicht die Folge, weil Frankreich und Schweden weiter gegen den Kaiser Krieg führten. Noch 13 Jahre dauerte der Dreißigjährige Krieg an, bis 1648 der Westfälische Frieden geschlossen wurde, in den viele Bestimmungen des Prager Friedens übernommen wurden.

Die historische Forschung hatte den Prager Frieden trotz seiner Bedeutung lange vernachlässigt. Daraufhin wies Christoph Kampmann in seiner Überblicksdarstellung von 2008 darauf hin, dass deshalb auch keine Monographie zu diesem Ereignis vorliege. Erst seit der „auch in methodischer Hinsicht bahnbrechenden“ Quellenedition von Kathrin Bierther mit Akten aus dem Umfeld des Friedens, die 1997 erschien, sei der Grund für eine eingehende Bearbeitung des Themas gelegt worden.[1]

Vorgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erzherzog Ferdinand König von Ungarn, ab 1637 Kaiser Ferdinand III., Ölgemälde von Jan van den Hoecke, 1643
Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen

Nach der verheerenden Niederlage der Schweden in der Schlacht bei Nördlingen im September 1634 hatte sich Johann Georg I. von Sachsen aus dem ungeliebten Bündnis mit Schweden lösen können. In Pirna und Leitmeritz verhandelten Delegationen des Kaisers unter Führung des kaiserlichen Oberbefehlshabers Erzherzog Ferdinand, König von Ungarn und des sächsischen Kurfürsten mehrere Monate über die Vertragsbestimmungen. Ziel beider Parteien war es, den Frieden zwischen Kaiser und Reichsständen wiederherzustellen. Dem Kaiser ging es darum, freie Hand gegen die äußeren Feinde des Reiches, Frankreich und Schweden, zu bekommen. Er hoffte dabei auf die militärische Unterstützung Sachsens und anderer protestantischer Reichsstände. In der Forschung wird seit Jahrzehnten diskutiert, inwiefern die kaiserliche Politik Tendenzen hin zur Durchsetzung eines Absolutismus aufwies. So spricht der österreichische Historiker Adam Wandruszka von einem „relativen Absolutismus“.[2]

Die Friedensbestimmungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Das im März 1629 von Kaiser Ferdinand II. erlassene Restitutionsedikt wurde für 40 Jahre ausgesetzt. Die konfessionelle Verteilung der weltlichen Kirchengüter zwischen Protestanten und Katholiken im Reich wurden nach dem Besitzstand von 1627 restituiert. Als „Normaljahr“ wurde 1627 festgelegt, da am 12. November 1627 das katholische Kurfürstengutachten abgegeben worden war, das zum Restitutionsedikt geführt hatte. Das Jahr 1627 wurde auch deshalb gewählt, weil kurz darauf Gustav Adolf mit seinen Truppen einmarschiert war, und die Schweden keinen Vorteil aus den Bestimmungen des Friedens ziehen sollten.
  • In den habsburgischen Ländern blieb die Regelung der konfessionellen Verteilung der Kirchengüter dem Kaiser vorbehalten. Damit wurde die dort vollzogene vollständige Rekatholisierung nachträglich bestätigt.
  • Protestantische Inhaber von reichsunmittelbaren Stiften erhielten im Reichstage weder Sitz noch Stimme; einzige Ausnahme war der 1628 zum Administrator des Erzstifts Magdeburg gewählte kursächsische Prinz August von Sachsen-Weißenfels.
  • Den Reichständen wurde verboten, militärische Bündnisse untereinander und mit ausländischen Mächten zu schließen. Das sollte aktuell sowohl für den Heilbronner Bund als auch für die katholische Liga gelten.
  • Es wurden neue Regelungen zur Reichskriegsverfassung getroffen. Der Kaiser sollte eine eigene Armee besitzen, die sich aus den Truppen aller Reichsstände zusammensetzen sollte. Reichsfürsten durften zwar das Kommando über das eigene Kontingent behalten, jedoch nur in der Funktion als Generäle des Kaisers. Aufgabe des Reichsheeres war die Vertreibung ausländischer Truppen vom eigenen Reichsgebiet.
  • Als wichtigste territoriale Veränderung wurde im Vertrag die Übergabe der Markgrafentümer Oberlausitz und Niederlausitz an den protestantischen sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. durch den sogenannten Traditionsrezess geregelt. Beide vorher zur böhmischen Krone gehörigen Länder wurden vom Kaiser zur Begleichung von Kriegsschulden an Sachsen abgetreten, denn 1620 hatte der sächsische Kurfürst dem katholischen Kaiser Ferdinand II. bei der Niederschlagung des böhmischen Ständeaufstands geholfen. Rechtlich blieben die Markgrafentümer bis 1815 Lehen der Böhmischen Krone, die den Wettinern erblich verliehen worden waren. Darüber hinaus erhielt Kursachsen auch vier magdeburgische Ämter.

Wirkungen und Folgen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Dem Prager Friedensvertrag zwischen Kaiser Ferdinand II und dem protestantischen Kurfürsten von Sachsen traten neben allen katholischen Reichsständen auch folgende, bis dahin mit Schweden verbündete protestantische Reichsfürsten und Reichsstädte bei: der Kurfürst von Brandenburg, die Herzöge von Sachsen Coburg, von Holstein, Mecklenburg und Pommern, Württemberg, Anhalt, Hessen-Darmstadt und Baden, die Städte Lübeck, Frankfurt (Main), Ulm, Worms, Speyer und Heilbronn.
  • Die weiterhin aufrecht erhaltene Feindschaft mit Schweden ermöglichte es dem Kaiser, das Verhältnis zu Dänemark zu verbessern.
  • Das durch den Friedensvertrag aufgehobene Bündnis zwischen Schweden und Sachsen ermöglichte es dem schwedischen Oberbefehlshaber Axel Oxenstierna, Frankreich nach wie vor finanziell damit erpressen zu können, dass nun allein die Schweden die kaiserlichen Truppen im Norden und Osten des Reiches bekämpfen müssten, damit die französischen Truppen einfacher im Süden und Westen agieren könnten.[5]
  • Der Prager Frieden bereitete in vielen seiner das Reichsrecht betreffenden Bestimmungen den Westfälischen Frieden vor. Wie ein Kritiker der Friedensverhandlungen, der sächsische Feldherr Hans Georg von Arnim vorausgesagt hatte, erreichte der Friedensvertrag aber keine Beendigung der Kampfhandlungen auf dem Gebiet des Reiches, weil die Ansprüche der beiden auswärtigen Mächte Schweden und Frankreich nicht in den Vertrag einbezogen worden waren. Dies war – zumindest vom Kaiser – auch gar nicht angestrebt worden, dachte Ferdinand II. doch, dass es ihm mit Hilfe der vereinigten Reichsstände gelingen könnte, Schweden und Franzosen aus dem Reich zu vertreiben, ohne ihnen politische oder territoriale Zugeständnisse machen zu müssen. Das erwies sich aber als fataler Irrtum, denn einerseits gelang die Vereinigung der Reichsstände nicht vollständig und andererseits musste der Kaiser nun bei der Kriegsführung gegen die Schweden auf die Belange der vereinigten Reichsstände Rücksicht nehmen, während die Schweden rücksichtslos - besonders gegen Brandenburg und Sachsen - vorgehen konnten.[6] In Frankreich blieb Generalleutnant Richelieu bei seiner Strategie, mit Hilfe der Schweden in Deutschland weiterhin alles im Fluss zu halten. Deshalb setzten sich die Verheerungen des Krieges im Reich noch jahrelang fort.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Heinrich Hitzigrath: Die Publizistik des Prager Friedens (1635). Halle 1880.
  • Ernst Dürbeck: Kursachsen und die Durchführung des Prager Friedens 1635. Leipzig, Diss. 1908.
  • Adam Wandruszka: Reichspatriotismus und Reichspolitik zur Zeit des Prager Friedens von 1635. Eine Studie zur Geschichte des deutschen Nationalbewusstseins (= Veröffentlichungen des Instituts für Österreichische Geschichtsforschung. Bd. 17). Böhlau, Graz u. a. 1955.
  • Kathrin Bierther (Bearb.): Der Prager Frieden von 1635. in der Reihe: Die Politik Maximilians I. von Bayern und seiner Verbündeten 1618–1651. Briefe und Akten zur Geschichte des Dreißigjährigen Krieges. Neue Folge, 2. Teil, 10. Band, Teilbände 1–4. Oldenbourg, München 1997, ISBN 3-486-56013-1.
  • Kathrin Bierther: Zur Edition von Quellen zum Prager Frieden vom 30. Mai 1635 zwischen Kaiser Ferdinand II. und Kurfürst Johann Georg I. von Sachsen. In: Konrad Repgen (Hrsg.): Forschungen und Quellen zur Geschichte des Dreissigjaehrigen Krieges. Aschendorff, Münster 1981, ISBN 3-402-05631-3, S. 1–30.
  • Michael Kaiser: Der Prager Frieden von 1635. Anmerkungen zu einer Aktenedition. In: Zeitschrift für Historische Forschung 28 (2001), S. 277–297.
  • Georg Schmidt: „Absolutes Dominat“ oder „deutsche Freiheit“. Der Kampf um die Reichsverfassung zwischen Prager und Westfälischem Frieden. In: Robert von Friedeburg (Hrsg.): Widerstandsrecht in der frühen Neuzeit. Erträge und Perspektiven der Forschung im deutsch-britischen Vergleich.(Zeitschrift für historische Forschung, Beiheft 26). Berlin 2001, ISBN 3-428-10629-6, S. 265–284.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Wikisource: Prager Frieden – Quellen und Volltexte

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Christoph Kampmann: Europa und das Reich im Dreißigjährigen Krieg. Geschichte eines europäischen Konflikts. Kohlhammer, Stuttgart 2008, ISBN 978-3-17-018550-0, S. 210, Anm. 30.
  2. Adam Wandruszka: Zum „Absolutismus“ Ferdinands II. In: Mitteilungen des Oberösterreichischen Landesarchives. Bd. 14, 1984, S. 261–268 (Digitalisat), hier S. 266. Dagegen Heiner Haan: Kaiser Ferdinand II. und das Problem des Reichsabsolutismus. In: Historische Zeitschrift. Bd. 207, 1968, S. 297–345.
  3. Christian Pantle: Der Dreissigjährige Krieg. Propyläen Ullstein Buchverlage GmbH, Berlin 2017, ISBN 978-3-549-07443-5, S. 194.
  4. C. V. Wedgwood: Der 30jährige Krieg. Lizenzausgabe Cormoranverlag, München 1999, ISBN 3-517-09017-4. Paul List Verlag München 1967, S. 340, 346
  5. C. V. Wedgwood: Der 30jährige Krieg. Lizenzausgabe Cormoranverlag, München 1999, ISBN 3-517-09017-4. Paul List Verlag München 1967, S. 340–346
  6. Lothar Höbelt: Von Nördlingen bis Jankau. Kaiserliche Strategie und Kriegführung 1634-1645. In: Republik Österreich, Bundesminister für Landesverteidigung (Hrsg.): Schriften des Heeresgeschichtlichen Museums Wien. Band 22. Heeresgeschichtliches Museum, Wien 2016, ISBN 978-3-902551-73-3, S. 440 f.