Prayner Konservatorium

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Das Prayner Konservatorium befindet sich im Palais Ehrbar an der Wiener Mühlgasse
Ehrbar-Saal-Podium
Ehrbar-Saal-Galerie

Das Prayner Konservatorium des Herrn Mag. Josef Schmid war eine Musikschule in Wien. Am 26. Juni 2020 wurde Insolvenz angemeldet. Dem Konservatorium war zuvor am 18. Juni 2020 vom Verwaltungsgerichtshof endgültig das Öffentlichkeitsrecht entzogen worden; das Konservatorium wurde behördlich geschlossen.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Konservatorium wurde 1905 von der Musikpädagogin Eugenie Patonay als Musikschule gegründet und dann als Konservatorium für Musik und dramatische Kunst weitergeführt. 1911 übersiedelte das Institut in die Räumlichkeiten der ehemaligen Klavierbaufirma Ehrbar. Bald wurden auch Schauspiel- und Ballettunterricht angeboten.[2]

Bis 1938 war Kurt Steinitz der Eigentümer der Liegenschaft in der Mühlgasse. Nach dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 flüchtete Steinitz nach Südamerika, und die Immobilie wurde durch den Gestapo-Vertrauensanwalt Stefan Lehner als Treuhänder verwaltet. 1939 wurde das Konservatorium für Musik und dramatische Kunst durch das Ehepaar Karl und Margarethe Prayner arisiert. Die Übertragung wurde nach 1945 gerichtlich anerkannt, und es erfolgten Rückstellung und finanzieller Ausgleich.[3]

Das Prayner Konservatorium erhielt als eines der ersten Konservatorien vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Forschung mit Erlass vom 31. März 1958 das Öffentlichkeitsrecht.[4], das ihm später entzogen wurde.

Das Konservatorium hatte seinen Hauptsitz im denkmalgeschützten Palais Ehrbar im 4. Wiener Gemeindebezirk Wieden.[5] Dort befanden sich neben dem denkmalgeschützten Ehrbarsaal 21 Unterrichtsräume, ein kleiner Konzertsaal, ein Ballettsaal, eine Probebühne und zwei Theoriesäle.[6] Seit 2011 gab es in der Mariahilfer Straße einen weiteren Standort.[7] Dort standen ein kommissioniertes Theater, vier Probebühnen, ein Ballettsaal, zwei Theoriesäle und rund 20 Unterrichts- und Übungsräume für das Musikstudium zur Verfügung.[8]

Im Sommer 2020 wurde das Konservatorium auf Grund der Insolvenz des Hr. Mag Josef Schmid behördlich geschlossen und es werden keine Studien mehr angeboten. Die Standorte übernahm die Firma FEURICH Pianoforte GmbH. Vorerst wird die Musikschule Spielstatt – als Untermieter – in den Räumlichkeiten Unterricht anbieten.[9]

Studium und Ausbildung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Studium am Prayner Konservatorium war je nach Studienrichtung in Abschnitte und Semester ähnlich wie an Universitäten gemäß Universitätsgesetz 2002 gegliedert. Für eine Zulassung zum Studium wurde eine Aufnahmeprüfung verlangt, die aus mindestens drei bis vier Stücken bestand. Etwa ein Viertel der Kandidatinnen und Kandidaten wurden aufgenommen. Im Schuljahr 2019/20 wurden – nach Übernahme der Studenten des Vienna Konservatoriums – in allen künstlerischen Abteilungen etwa 800 Studierende aus über 50 Ländern unterrichtet.

Die Ausbildung fand in den Bereichen Klassik und Jazz statt.

Klassik:
Klavier, Klavier-Kammermusik, Korrepetition, Sologesang, Lied- und Oratorium, Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass, Querflöte, Klarinette, Oboe, Fagott, Horn, Posaune, Trompete, Tuba, Gitarre, Harfe, Akkordeon, Schlagwerk
Orchesterrepertoire
Tonsatz/Songwriting/ Komposition
Dirigieren
Oper, Operette, Opernrepertoire
Jazz:
Jazzklavier, Jazzgesang, Jazzgitarre, Jazzsaxophon, Jazzschlagzeug, Jazz-E-Bass, Jazzbass/Jazz-Kontrabass, Jazzvioline, Jazzblasinstrumente

Zusätzlich zu dem Studium mit dem Ziel eines künstlerischen Abschlusses bot das Konservatorium als Zusatzangebot „Erwachsenenbildung“ an.

In den Räumlichkeiten des Prayner Konservatoriums befanden sich ca. 30 Flügel, 30 Pianinos und weitere für den Unterricht notwendige Instrumente. Auch eine der wenigen noch verwendeten und gepflegten mikrotonalen Orgeln in Europa stand im Prayner Konservatorium. Für diese enharmonisch-mikrotonale Orgel von Hans-André Stamm am Prayner Konservatorium in Wien hat Ulf-Diether Soyka zahlreiche Werke geschrieben. Soyka lehrte Tonsatz und Komposition und leitete in Wien am Prayner Konservatorium auch ein Seminar für mikrotonale Komposition.[10]

Das für das Konservatorium zusätzlich zum Studienerfolgsnachweis eingeführte European Credit Transfer and Accumulation System (ECTS) sollte sicherstellen, dass die erzielten Leistungen grenzüberschreitend anerkannt werden.[11] Seit 2008 war das Konservatorium Aktivmitglied der AEC.[12]

Dozenten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Dozentenkollegium bestand aus mehr als hundert Lehrkräften, darunter Daniel Auner, Alexandra Karastoyanova-Hermentin[13], Galina Mauracher, Giorgi Latso, Victoria Loukianetz, Ulrike Steinsky und Franz Zettl.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Insolvenzdatei, Handelsgericht Wien, Aktenzeichen 3 S 58/20d. 6. Juli 2020, abgerufen am 22. August 2020.
  2. Kaiser, MusikschuleÖsterreichisches Musiklexikon online, abgerufen am 24. August 2018
  3. Geschichte. In: schauspiel.prayner.at. 31. März 1958, abgerufen am 4. Januar 2019.
  4. Öffentlichkeitsrechtrechteasy.at, abgerufen am 24. August 2018
  5. Findbucheintrag Unterrichtsanstalten
  6. Musiklexikoneintag Familie Ehrbar
  7. Musikerziehung.memusikerziehung.me, abgerufen am 24. August 2018
  8. Konservatoriumkonservatorium-prayner.at, abgerufen am 24. August 2018
  9. [1]konservatorium-prayner.at, abgerufen am 2. September 2020
  10. Mikrotonale MusikÖsterreichisches Musiklexikon online, abgerufen am 24. August 2018
  11. Bundesrecht konsolidiert: Gesamte Rechtsvorschrift für Studienförderung für Studierende an KonservatorienRechtsinformationssystem des Bundes, abgerufen am 24. August 2018
  12. Prayner KonservatoriumFacebook, abgerufen am 24. August 2018
  13. Alexandra Karastoynova-HermentinÖsterreichisches Musiklexikon online, abgerufen am 24. August 2018

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 48° 11′ 46″ N, 16° 21′ 44″ O