Pre-Code (Hollywood)

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Joan Blondell auf einem provokanten Publicity-Foto, welches 1932 während des Pre-Code gemacht und nach Einführung des Hays Codes verboten wurde.

Pre-Code bezeichnet einen Abschnitt der Filmgeschichte in Hollywood zwischen der Einführung des Tonfilmes Ende der 1920er-Jahre bis zum Eintreten des Hays Codes im Jahre 1934. Die Zeit der Pre-Code-Filme zeichnet sich vor allem durch eine offene Behandlung von Themen wie Sexualität und Kriminalität aus, welche nach Einführung des Hays Codes für Jahrzehnte nicht geschah.

Pre-Code[Bearbeiten]

Beginn des Pre-Code-Filmes[Bearbeiten]

Die Goldenen Zwanziger brachten ein neues Verhältnis zur Sexualität und anderen Themen, welches zu der Zeit der ersten Tonfilme auch seinen Weg nach Hollywood fand. Somit begannen die Filme zunehmend freizügiger zu werden. In der Weltwirtschaftskrise verlangte das Publikum sowohl unterhaltsame als auch lebensnahe Stoffe. Über den genauen zeitlichen Beginn der Pre-Code-Ära in Hollywood gibt es unter Filmhistorikern unterschiedliche Meinungen, so schwanken die Quellen zwischen 1927 und 1930.[1]

Merkmale und Verlauf des Pre-Code-Filmes[Bearbeiten]

Insbesondere weibliche Schauspielerinnen hatten während des Pre-Codes einen guten Stand und feierten regelmäßig große Erfolge an den Kinokassen.[2] Häufig drehten sich die Filme um die Rolle der modernen Frau und behandelten Themen wie Affären, Ehen, Kinder und Sex; weshalb sie auch „Frauenfilme” (Woman's Pictures) genannt wurden. Gute Beispiele für Frauenfilme sind etwa Baby Face und Feuerkopf. Die Figuren in den Filmen spiegelten häufig die Ängste und Hoffnungen der von der Weltwirtschaftskrise schwer getroffenen Amerikaner wieder. In weiteren Melodramen wurden Themen wie Homosexualität, Vergewaltigung und Prostitution behandelt. Häufig wurde die Frage nach Moral und richtiger Lebensweise in den Pre-Code-Filmen gestellt, obwohl der Pre-Code bei ihren Kritikern als unmoralisch galt.[3]

Männliche Darsteller wurden vor allem in Kriminalfilmen eingesetzt.[4] Vor allem der Gangsterfilm erlebte mit Kassenerfolgen wie Der öffentliche Feind und Scarface seine erste Blütezeit. Häufig wurden die Gangster als tragische Helden gezeichnet und hatten in ihren Biografien Parallelen zu damals noch realen Gangstern wie Al Capone und John Dillinger. Neben den Gangsterfilmen beschäftigten sich auch weitere Filme mit der Gesellschaft. So zeigt der Film Employees’ Entrance einen harten Kapitalisten, der sein Unternehmen mit eiserner Hand durch die Weltwirtschaftskrise führt. In Night Nurse aus dem Jahre 1931 war eine Alkoholikerin als Mutter zu sehen, die ihre Kinder stark vernachlässigt.

In Komödien brachten Schauspielerinnen wie Mae West zahlreiche sexuelle Anspielungen in ihre Filme. Zudem waren Musical- und Tanzfilme mit aufwendigen Choreografien wie bei Busby Berkeley beliebt, wo die zahlreichen jungen Tänzerinnen und Sängerinnen meist nur leicht bekleidet waren. Auch Horrorfilme wie Dracula und Frankenstein, die das Publikum damals sehr schockierten, waren populär und brachten regelmäßig gute Einspielergebnisse. Einige der erfolgreichen Genres verloren nach dem Ende des Pre-Codes an Beliebtheit, so auch der Horrorfilm.

Ende des Pre-Codes[Bearbeiten]

Will H. Hays setzte sich vehement für die Einführung des Production Codes ein, der deshalb auch umgangssprachlich als Hays Code bekannt ist

Die Gegner der Pre-Code-Filme veröffentlichten bereits im Jahre 1930 eine formelle Version einer Liste, die den Namen Production Code (auch: Hays Code) trug und offene Darstellungen von schwierigen Themen wie Sexualität verbot. Allerdings war der Production Code zunächst freiwillig, sodass sich kaum ein Filmstudio an ihn hielt, zumal die Pre-Code-Filme Erfolge an den Kinokassen versprachen. Am 13. Juni 1934 wurde daher die Production Code Administration gegründet. Von nun an mussten alle neuen Filme von diesem Büro begutachtet werden. Stand der Film im Einklang mit den Forderungen des Codes, so konnte er veröffentlicht werden. Bei Verstößen wurde eine Strafe von 25.000 Dollar fällig und – weitaus schlimmer – er durfte nicht in den MPPDA-Kinos anlaufen, zu denen die wichtigen Premieren-Kinos gehörten.

Der Hays-Code behielt bis in die 1960er-Jahre seine Vormacht und verhinderte die Behandlung von schwierigen oder anzüglichen Themen, die in Pre-Code-Filmen besprochen wurden, für Jahrzehnte. In den Filmen kam Sexualität höchstens in Symbolen und Chiffren vor, so mussten Ehepaare in den meisten Filmen in getrennten Ehebetten schlafen und Filmküsse durften nicht zu innig sein. Auch wurden zu brutale Filmszenen verhindert.

Damit war der Pre-Code beendet und die meisten seiner Filme hatten während der Zeit des Hays-Codes einen schweren Stand. Beliebte Pre-Code-Schauspieler wie Warren William und Ruth Chatterton gerieten nach dem Ende der Ära in Vergessenheit, während andere Schauspieler wie Clark Gable, James Cagney und Barbara Stanwyck, die ihren Durchbruch während des Pre-Codes hatten, weiterhin erfolgreiche Schauspieler blieben. Erst in den letzten Jahrzehnten kam es bei Filmfans zu einer Wiederentdeckung der Pre-Code-Filme. Häufig ist bei Filmhistorikern die Theorie vertreten worden „dass die Tonfilme Hollywoods vor Inkrafttreten des Codes nicht nur provokativer, sondern auch künstlerisch ambitionierter gewesen seien, eine größere Vielfalt an Stilen und Themen entfaltet haben.“[5]

Beispielhafte Pre-Code-Filme (Auswahl)[Bearbeiten]

Berühmte Pre-Code-Schauspieler (Auswahl)[Bearbeiten]

Männer

Frauen

Weblinks[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://pre-code.com/what-is-pre-code-hollywood/
  2. http://www.greencine.com/static/primers/precode.jsp
  3. http://www.greencine.com/static/primers/precode.jsp
  4. http://www.greencine.com/static/primers/precode.jsp
  5. http://filmlexikon.uni-kiel.de/index.php?action=lexikon&tag=det&id=4015
  6. http://pre-code.com/my-10-essential-pre-code-hollywood-films/
  7. http://pre-code.com/my-list-of-essential-pre-code-hollywood-films/