Predigtkirche

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Predigtkirche mit Kanzelaltar in Rellingen

Als Predigtkirche bezeichnet man ein Kirchengebäude, das durch Architektur und Einrichtung auf die Wortverkündigung ausgerichtet ist.

Der klassische Bautyp der romanischen und gotischen Basilika mit Seitenschiffen und Seitenkapellen und der Ausrichtung auf Chor, Apsis und Hochaltar spiegelt ein sakramentales Liturgieverständnis wider, bei dem nicht die Wortverständlichkeit, sondern der Vollzug des Mysteriums im Vordergrund steht. Demgegenüber wird bei der Predigtkirche aus akustischen und theologischen Gründen auf trennende und gliedernde Elemente verzichtet und die Blick- und Hörrichtung der Versammelten auf den Verkündigungsort, die Kanzel, konzentriert. Dies ist besonders bei Hallenkirchen der Fall, die bereits in der Hochgotik aufkamen. Sie wurden besonders als Klosterkirchen der Predigerorden und als Marktkirchen des städtischen Bürgertums errichtet. Dabei blieb die Ausrichtung auf Chor und Altar erhalten, die Kanzel aber wurde in Richtung zum Volk, oft bis in die Mitte des Langschiffs vorgezogen. Noch stärker als in den Hallenkirchen wird die Kanzel in Zentralbauten in die Mitte gerückt.[1]

Die Reformation, die den Vorrang des Wortes vor dem Sakrament lehrte, entwickelte den eigentlichen Typ der Predigtkirche. In vorhandenen mittelalterlichen Kirchen wurde nun oft das Gestühl auf die Kanzel ausgerichtet und der Hochchor, besonders im reformierten Bereich, abgetrennt. Die Predigtkirche wird so zum klassischen Typ der protestantischen Kirche, was auch den Thesen des Wiesbadener Programms entnommen werden kann.[2]

Für Neubauten wurde die Anordnung des Kanzelaltars entwickelt.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Martin Grassnick: Die Architektur der Neuzeit. Springer-Verlag, 2013, ISBN 978-3-32-283181-1, S. 143
  2. Jörn Bahns: Johannes Otzen 1839-1911. Beiträge zur Baukunst des 19. Jahrhunderts. Prestel-Verlag, 1971, S. 38