Premnitz

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Stadt Premnitz
Premnitz
Deutschlandkarte, Position der Stadt Premnitz hervorgehoben
Koordinaten: 52° 32′ N, 12° 20′ O
Basisdaten
Bundesland: Brandenburg
Landkreis: Havelland
Höhe: 30 m ü. NHN
Fläche: 46,27 km²
Einwohner: 8422 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 182 Einwohner je km²
Postleitzahl: 14727
Vorwahl: 03386
Kfz-Kennzeichen: HVL, NAU, RN
Gemeindeschlüssel: 12 0 63 244
Adresse der
Stadtverwaltung:
Gerhart-Hauptmann-Straße 21
14727 Premnitz
Webpräsenz: www.premnitz.de
Bürgermeister: Ralf Tebling (SPD)
Lage der Stadt Premnitz im Landkreis Havelland
Brieselang Dallgow-Döberitz Falkensee Friesack Gollenberg (Havelland) Großderschau Havelaue Ketzin/Havel Kleßen-Görne Kotzen (Havelland) Märkisch Luch Milower Land Mühlenberge Nauen Nennhausen Paulinenaue Pessin Premnitz Rathenow Retzow Rhinow Schönwalde-Glien Seeblick Stechow-Ferchesar Wiesenaue Wustermark BrandenburgKarte
Über dieses Bild
Luftaufnahme

Die Kleinstadt Premnitz befindet sich an der Havel im Landkreis Havelland im Land Brandenburg. Die Stadt Premnitz ist Rechtsnachfolger des von 1992 bis 2003 existierenden Amtes Premnitz.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Premnitz liegt in den Niederungen des westlichen Havellandes ca. 65 Kilometer westlich von Berlin. Nächstgrößere Städte sind Rathenow, Brandenburg an der Havel, Potsdam und Stendal. Premnitz liegt im Naturpark Westhavelland. Durch das Stadtgebiet erstreckt sich das Naturschutzgebiet Untere Havel Süd. Daneben gibt es weitere Schutzgebiete.

Gliederung der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Stadt Premnitz gehören

  • die Ortsteile Mögelin und Döberitz[2]
  • die Wohnplätze Ausbau Döberitz, Ausbau Mögelin, Gapel, Grünaue, Königshütte, Siedlung Döberitz und Waldkolonie.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Ort wurde als „Prebenitz“ 1375 erstmals urkundlich erwähnt. Mit der Ende des 19. Jahrhunderts einsetzenden Industrialisierung wandelte sich das bis dahin dörflich geprägte Ortsbild.

Premnitz gehörte bis 1952 zum Landkreis Westhavelland (bis 1947 in der preußischen Provinz Brandenburg, 1947–1952 im Land Brandenburg der SBZ bzw. DDR). Von 1952–1993 lag die Stadt im Kreis Rathenow (bis 1990 im DDR-Bezirk Potsdam, 1990–1993 wieder im Land Brandenburg). Seit 1993 gehört Premnitz zum Landkreis Havelland.

Protest gegen Arbeitsplatzabbau vor dem Werk der Faser AG in Premnitz am 10. Dezember 1990

Von erheblicher Bedeutung für die wirtschaftliche Entwicklung Premnitz’ war insbesondere die seit 1915 hier angesiedelte Chemieindustrie, die später in das Eigentum der I.G. Farben überging. Während des Zweiten Weltkrieges mussten dort 1.200 Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene, die in sieben großen und mehreren kleinen Lagern untergebracht waren, Zwangsarbeit verrichten: in der Rüstungs- und Kohleproduktion, im „Havellager“ der DAF und bei den I.G. Farben. Deren Werk wurde 1949 in einen Volkseigenen Betrieb umgewandelt und 1960 in VEB Chemiefaserwerk „Friedrich Engels“ umbenannt.

Im Zuge des Ausbaus der Chemiefaserindustrie in den 1950er- und 1960er-Jahren und der damit verbundenen Zunahme der Einwohnerzahl entstanden neue Wohnviertel mit entsprechenden Versorgungseinrichtungen. 1962 wurde Premnitz das Stadtrecht verliehen.

1990 wurde das Chemiefaserwerk privatisiert und unter erheblichen Umstrukturierungen in die „Märkische Faser AG“ umgewandelt. Durch den Abbau von Arbeitsplätzen stieg die Arbeitslosigkeit stark an, was zu einer Abwanderung vieler Einwohner führte. Premnitz ist Höchstfördergebiet der EU.

In den 1990er-Jahren wurde das Stadtzentrum mit dem Marktplatz neugestaltet.

Blick von den Havelwiesen auf den Ortsteil Döberitz

Am 13. Juli 1992 erteilte der Minister des Innern des Landes Brandenburg seine Zustimmung zur Bildung des Amtes Premnitz.[4] Als Zeitpunkt des Zustandekommens des Amtes wurde der 21. Juli 1992 festgelegt. Die Zustimmung war zunächst bis zum 21. Juli 1994 befristet. Das Amt hatte seinen Sitz in der Stadt Premnitz und bestand zunächst aus drei Gemeinden im damaligen Landkreis Rathenow:

  1. Stadt Premnitz
  2. Döberitz
  3. Mögelin

Die Befristung wurde ab 11. Juli 1994 aufgehoben.[5] Zum 31. Dezember 2002 wurde Mögelin in die Stadt Premnitz eingegliedert.[6]

Zum 26. Oktober 2003 wurde auch die Gemeinde Döberitz per Gesetz in die Stadt Premnitz eingegliedert. Das Amt Premnitz wurde aufgelöst, die Stadt Premnitz wurde amtsfrei.[7]

Bevölkerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach 1915 stieg die Einwohnerzahl von Premnitz stark an. Dieser Anstieg verstärkte sich während der Zeit des Nationalsozialismus durch den Ausbau der Kriegsproduktion. Nach dem Zweiten Weltkrieg setzte sich der Zuwachs zunächst fort, als die DDR Premnitz zum Chemiestandort ausbaute. Nach der Wende schrumpfte die Bevölkerungszahl deutlich. In seiner Bevölkerungsvorausschätzung 2011–2030 rechnet das Brandenburger Landesamt für Bauen und Verkehr mit einem weiteren Rückgang der Bevölkerungszahl.[8]

Jahr Einwohner
1875 510
1890 662
1910 610
1925 2 154
1933 2 683
1939 3 846
1946 6 387
1950 6 089
1964 10 082
1971 11 808
Jahr Einwohner
1981 11 726
1985 11 661
1989 11 479
1990 11 196
1991 10 662
1992 10 566
1993 10 445
1994 10 327
1995 10 236
1996 9 915
Jahr Einwohner
1997 9 539
1998 9 315
1999 9 087
2000 8 794
2001 8 592
2002 9 671
2003 10 295
2004 10 078
2005 9 850
2006 9 655
Jahr Einwohner
2007 9 490
2008 9 249
2009 9 095
2010 8 893
2011 8 552
2012 8 474
2013 8 414
2014 8 430

Gebietsstand des jeweiligen Jahres,[9][10] ab 2011 auf Basis des Zensus 2011

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtverordnetenversammlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kommunalwahl 2014
Wahlbeteiligung: 44,1 %
 %
30
20
10
0
26,9 %
25,6 %
20,8 %
20,7 %
6,0 %
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Die Stadtverordnetenversammlung besteht aus 18 Mitgliedern und dem hauptamtlichen Bürgermeister.

  • SPD 5 Sitze
  • CDU 4 Sitze
  • Unabhängige Wählergemeinschaft Döberitz-Mögelin-Premnitz 4 Sitze
  • Die Linke 4 Sitze
  • AfD 1 Sitz

(Stand: Kommunalwahl am 25. Mai 2014)[11]

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1994–2000: Joachim Aurich (parteilos, Kandidat der Liste CDU/Kulturbund)
  • 2000–2016: Roy Wallenta (parteilos)
  • seit 2016: Ralf Tebling (SPD)

Bei der Bürgermeisterstichwahl am 24. April 2016 wurde Ralf Tebling (SPD) mit 53,6 Prozent der gültigen Stimmen für eine Amtsdauer von acht Jahren[12] gewählt.[13]

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen wurde am 13. März 1997 genehmigt.

Blasonierung: „In Silber eine schräglinke, zweibogige, von schwarzen Steinen eingefaßte rote Brücke, vorne von zwei linkssehenden schwarzen Entenköpfen mit beringtem goldenem Halsband und silbernem Schnabel, hinten von einem gestürzten, schwarzen Fisch nach der Figur begleitet.“[14]

Die Flagge besteht aus drei Längsstreifen im Verhältnis 1:2:1 in den Farben Rot-Weiß-Rot mit dem Stadtwappen im Mittelstreifen.

Historisches Wappen
Ehemaliges Wappen von Premnitz

Das Wappen entstand unter Mitarbeit der Einwohner von Premnitz und wurde am 14. November 1963 durch die Stadtverordnetenversammlung bestätigt.

Blasonierung: „In Silber eine zweibogige rote Brücke, schwebend über blauem Wasser, darin ein silberner Fisch, über der Brücke schwebend eine goldene Retorte.“

Städtepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Premnitz unterhält seit 1967 eine Städtepartnerschaft zu der französischen Stadt Le Petit-Quevilly, ebenso seit 1990 zur Stadt Niederkassel in Nordrhein-Westfalen. Freundschaftliche Beziehungen bestehen weiterhin zur ebenfalls in Nordrhein-Westfalen gelegenen Stadt Willich.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wahrzeichen der Stadt: die Steinbogenbrücke im Zentrum

Vom alten Premnitz sind entlang der Hauptstraße noch einige Bürgerhäuser aus dem 19. Jahrhundert sowie die 1858 im neuromanischen Stil errichtete evangelische Kirche erhalten. Wahrzeichen der Stadt ist die Steinbogenbrücke, eine ehemalige Eisenbahnbrücke zwischen Pulverfabrik beziehungsweise Chemiefaserwerk und Havel, die auch im Stadtwappen dargestellt ist. In der Liste der Baudenkmale in Premnitz stehen die in der Denkmalliste des Landes Brandenburg eingetragenen Baudenkmale.

Mahnmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Denkmal auf dem Friedhof des Ortsteils Döberitz für 13 ums Leben gekommene Zwangsarbeiter aus den Niederlanden, Polen und der Sowjetunion
  • Mahnmalsanlage von 1964/1965 (erneuert 1974) an der Ernst-Thälmann-/Ecke August-Bebel-Straße von Bildhauer Karl Mertens für die zahlreichen Opfer unter den 1.200 Zwangsarbeitern und 100 Kriegsgefangenen aus 21 Nationen, die für die Rüstungsproduktion arbeiten mussten
  • Gedenkstein von 1969 auf dem Waldfriedhof nördlich der Bergstraße für zwölf umgekommene Zwangsarbeiter
  • Gräber-Reihe auf dem Evangelischen Friedhof an der Bergstraße zum Gedenken an mehrere Zwangsarbeiter
  • Gedenktafel von 1976 von dem Laienkünstler Egon Keller an der Feuerwache der Märkischen Faser AG an der Friedrich-Engels-Straße 1 zur Erinnerung an die in der Zeit des Nationalsozialismus umgekommenen Zwangsarbeiter

Parkanlagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Premnitz ist einer von fünf Standorten der Bundesgartenschau 2015. Der Premnitzer BUGA-Park liegt unmittelbar an der Havel. Auf dem Grünzug und der Uferpromenade werden Schattenstauden und Gräser gezeigt. Ein Naturerlebnispfad wurde eingerichtet.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Premnitz liegt an der Eisenbahnstrecke Brandenburg an der Havel–Rathenow, einem Teilabschnitt der 1904 eröffneten Brandenburgischen Städtebahn, auf der die Regionalbahnlinie RB51 der Ostdeutschen Eisenbahn (ODEG) verkehrt.[15] Die wichtigste Straßenverbindung der Stadt ist die Bundesstraße 102. Weiterhin liegt Premnitz an der Unteren Havel-Wasserstraße, einer bedeutenden Bundeswasserstraße.

Sport[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sporthalle am Tor II: Heimstätte der Handballer der BSG beziehungsweise des TSV Chemie Premnitz

Bedeutendster und größter Sportverein in Premnitz ist der TSV Chemie Premnitz. Die Handballer des Vereins spielten in der DDR mehrfach sowohl im Feldhandball als auch im Hallenhandball erstklassig. Zwischen 1971 und 1973 konnte der Verein insgesamt dreimal den FDGB-Pokal gewinnen. Die Mannschaft trägt ihre Heimspiele in der 1962 fertiggestellten Sporthalle am Tor II aus. In dieser Halle fanden auch wiederholt internationale Sportveranstaltungen wie Länderkämpfe im Turnen und Handball- und Volleyballländerspiele statt.

Neben den Handballern erlangten auch die Fußballer der BSG Chemie eine gewisse Bekanntheit. Sie spielten zwischen 1967 und 1984 mehrfach in der zweitklassigen DDR-Liga. In der Saison 2015/2016 spielt die Mannschaft der TSV Chemie Premnitz in der Landesliga Nord Brandenburg.

Die Sektion Bowling des TSV Chemie spielt seit der Saison 2004/2005 ununterbrochen in der 1. Bundesliga. Dreimal (2005/2006, 2009/2010 und 2010/2011) konnten der Verein die Deutsche Meisterschaft gewinnen. Bereits in der DDR war Chemie ein herausragender Verein und gewann mehrere Meisterschaften.

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quellenangaben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevölkerung im Land Brandenburg nach amtsfreien Gemeinden, Ämtern und Gemeinden 31. Dezember 2015 (XLS-Datei; 83 KB) (Fortgeschriebene amtliche Einwohnerzahlen) (Hilfe dazu).
  2. Hauptsatzung der Stadt Premnitz vom 18. Dezember 2007
  3. Dienstleistungsportal der Landesverwaltung - Stadt Premnitz
  4. Bildung der Ämter Gartz/Oder, Bad Liebenwerda, Mühlberg/Elbe, Plessa, Märkische Schweiz, Premnitz, Rüdersdorf, Scharmützelsee, Steinhöfel/Heinersdorf Elsterland, Kleine Elster und Falkenberg Uebigau. Bekanntmachung des Ministers des Innern vom 21. Juli 1992. Amtsblatt für Brandenburg - Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 3. Jahrgang, Nummer 54, 31. Juli 1992, S. 970/1.
  5. Aufhebung der Befristung von Ämtern. Bekanntmachung des Ministers des Innern vom 20. September 1994. Amtsblatt für Brandenburg - Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 5. Jahrgang, Nummer 71, 7. Oktober 1994, S. 1446.
  6. Eingliederung der Gemeinde Mögelin in die Stadt Premnitz. Mitteilung des Ministeriums des Innern vom 30. April 2002. Amtsblatt für Brandenburg - Gemeinsames Ministerialblatt für das Land Brandenburg, 13. Jahrgang, Nummer 20, 15. Mai 2002, S. 519
  7. Viertes Gesetz zur landesweiten Gemeindegebietsreform betreffend die Landkreise Havelland, Potsdam-Mittelmark, Teltow-Fläming vom 24. März 2003. Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Brandenburg, I (Gesetze), 2003, Nr. 05, S. 73
  8. Bevölkerungsvorausschätzung 2011 bis 2030. Ämter und amtsfreie Gemeinden des Landes Brandenburg, Anlage 3, Blatt 2
  9. Historisches Gemeindeverzeichnis des Landes Brandenburg 1875 bis 2005. Landkreis Havelland (PDF) S. 18–21
  10. Bevölkerung im Land Brandenburg nach kreisfreien Städten, Landkreisen und Gemeinden 1991 bis 2014 (PDF)
  11. Ergebnis der Kommunalwahl am 25. Mai 2014
  12. § 74 des Brandenburgischen Kommunalwahlgesetzes
  13. Ergebnis der Bürgermeisterstichwahl am 24. April 2016
  14. Wappenangaben auf dem Dienstleistungsportal der Landesverwaltung des Landes Brandenburg
  15. Regionalbahnlinie RB51 (PDF)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Premnitz – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien