Primärenergiebedarf

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Der Primärenergiebedarf (nach EnEV kurz: QP) eines Systems umfasst zusätzlich zum eigentlichen Energiebedarf an einem Energieträger die Energiemenge, die durch vorgelagerte Prozessketten außerhalb der Systemgrenze bei der Gewinnung, Umwandlung und Verteilung des Energieträgers benötigt wird (Primärenergie). Zur Ermittlung der Energiebilanz wird der entsprechende Energiebedarf unter Berücksichtigung der beteiligten Energieträger mit einem Primärenergiefaktor (PEF, fP genannt) – in der deutschsprachigen Schweiz ist auch der Endenergiefaktor in Gebrauch – multipliziert.

Primärenergiebedarf[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Primärenergiebedarf ist das Hauptergebnis der Energiebedarfsberechnung nach Richtlinie 2002/91/EG (EPBD, Energieeffizienzrichtlinie),[1] die zur Berechnung der CO2-Emissionen als Faktor der Umweltbilanz dient.

Besondere Bedeutung hat der Wert bei der Ermittlung und Beurteilung des Heizenergiebedarfs bei Gebäuden. Die deutsche Energieeinsparverordnung (EnEV) etwa bestimmt für den Primärenergiebedarf Obergrenzen, die bei der Gebäudeerrichtung eingehalten werden müssen.

Primärenergiefaktoren/Endenergiefaktoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Primärenergiefaktoren, wie sie in der EN 15316 Heizungsanlagen in Gebäuden – Verfahren zur Berechnung der Energieanforderungen und Nutzungsgrade der Anlagen definiert werden, werden für die nicht-erneuerbaren Energien verwendet.[2]

Dieser Faktor ist regional unterschiedlich:

In Deutschland regelt die Energieeinsparverordnung von 2007 mit der letzten Änderung 2009 den Faktor etwa für Strom und verweist ansonsten auf die Normen DIN V 18599-1 und DIN 4701-10/A1.

Für Österreich wurde der PEF in der ÖNORM EN 15316-4-5[3] übernommen und spielt vorerst nur in der Beurteilung von Fernheizsystemen eine Rolle, wird aber zunehmend im Sinne einer Bewertung von Energiesystemen verwendet. Seit 2011 gibt es in Österreich gesetzlich verbindliche Primärenergiefaktoren über die OIB-Richtlinie 6. Die OIB-Richtlinie 6 Ausgabe 2011 wurde in jedem Bundesland mit Ausnahme von Salzburg, gesetzlich verpflichtend gemacht.[4]

In der Schweiz kommen unterschiedliche Faktoren zur Anwendung, einerseits die Endenergiefaktoren des Vereins Minergie und andererseits die Primärenergiefaktoren des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins SIA. Letzterer formuliert die anerkannten Regeln der Technik und so eben auch Primärenergiefaktoren, einerseits im Dokument SIA Effizienzpfad Energie und in Zukunft auch im SIA-Merkblatt 2031 Energieausweis für Gebäude.

Er liegt unterschiedlich je Normenwerk bei:[5]

Energieträger Primärenergiefaktor EnEV Gewichtungsfaktor Minergie[6] SIA Effizienzpfad EN 15603 Annex E
Heizöl 1,1 1,0 1,1 1,35
Erdgas, Flüssiggas 1,1 1,0 1,36
Steinkohle, Braunkohle 1,1 bzw. 1,2 1,0 1,19 bzw. 1,4
Holz(H) 0,2 0,7 0,1 0,09 bzw. 0,1
Nah- und Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung 0,0(W1) bzw. 0,7(W2) 0,6 0,9
Nah- und Fernwärme aus Heizwerken 0,1(W1) bzw. 1,3(W2) 1,0 0,9
Strom 1,8(S) 2,0 2,9 3,14(S)
„Umweltenergie“ (Solarenergie, Umgebungswärme, u.ä.) 0,0
(H) Der Wert stellt einen „nicht erneuerbaren Anteil“ dar, der berücksichtigt, dass biogene Energieträger aus nachhaltiger Wirtschaft zeitgleich nachwachsen.
(W1) bei Einsatz erneuerbarer Energieträger, unter Berücksichtigung der Substitution ineffizient produzierten Stroms im Netz
(W2) bei Einsatz fossiler Energieträger
(S) Ursprünglich nicht erneuerbarer Anteil. Aufgrund des zunehmenden Anteils von erneuerbaren Energien wurde der Primärenergiefaktor für elektrischen Strom in der deutschen EnEV von 3,0 über 2,7 und 2,6 auf 2,4 gesenkt (EnEV 2014 Anlage 1 Abschnitt 2.1.1)[7]. Ab 1. Januar 2016 ist für den nicht erneuerbaren Anteil eine weitere Absenkung auf 1,8 festgelegt.[8]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Richtlinie 2002/91/EG des Europäischen Parlaments und des Rates über die Gesamteffizienz von Gebäuden, engl. Energy Performance of Buildings Directive (EPBD)
  2. EN 15316 Kap. 3.1
  3. ÖNORM EN 15316-4-5 Heizungsanlagen in Gebäuden – Verfahren zur Berechnung der Energieanforderungen und Nutzungsgraden der Anlagen. Teil 4-5: Wärmeerzeugungssysteme, Leistungsfähigkeit und Effizienz von Fernwärme- und großvolumigen Systemen (Auszug der Einleitung, pdf, on-norm.at)
  4. OIB-Richtlinien 2011 abgerufen am 16. Februar 2014
  5. Andreas Oberhammer: Kälte aus Biomasse. (PDF; 220 kB) Vortrag anlässlich der Fernwärmetage 2009; Stand 31. Mai 2009, S. 12
  6. Nutzungsgrade und Gewichtungsfaktoren bei der Wärmeerzeugung Minergie.ch; abgerufen am 3. Februar 2012
  7. Nichtamtliche Lesefassung der EnEV 2014. BMVI, abgerufen am 5. Mai 2014 (PDF).
  8. EnEV Anhang 2 Punkt 2.1.1, abgerufen am 10. September 2015