Prinz-Carl-Palais

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Prinz-Carl-Palais (2012)
ehemaliger Kabinettssaal
Ministerpräsidentenzimmer

Das Prinz-Carl-Palais ist ein frühklassizistisches Palais in München. Es ist Amtssitz (nicht Wohnung) des Bayerischen Ministerpräsidenten[1], wird aber seit dem Bezug des Neubaus der Bayerischen Staatskanzlei im Jahre 1993 von der Staatsregierung nur noch für Repräsentationszwecke genutzt.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Prinz-Carl-Palais (Franz-Josef-Strauß-Ring 5) befindet sich östlich des Finanzgartens zwischen Hofgarten und Englischem Garten. Es bildet den optischen Beginn der Prinzregentenstraße.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der aus Lothringen stammende Kommendatar-Abt der Benediktinerabtei St. Mauritius in Tholey[2][3], Pierre de Salabert, Erzieher von Kurfürst Max IV. Joseph, dem späteren König Max I. Joseph, erwarb in umfangreichem Maße Grund im Bereich der ehemaligen Wallbefestigung, welche die Anlage des später so genannten Finanzgartens ermöglichten. Im März 1803 wurde der erst 21-jährige Karl von Fischer mit der Planung des Palais beauftragt. Karl von Fischer musste den ersten ausgearbeiteten Entwurf unter Beibehaltung der repräsentativen Hauptfassade erheblich reduzieren: es blieb ein Komplex aus Haupttrakt und kurzem linksseitigen Flügel an der Rückseite übrig. Die Grundsteinlegung war am 24. Mai 1804; das Palais wurde im August 1806 bezogen. Nachdem Pierre de Salabert 1807 verstorben war, erwarb König Max I. Joseph das Gebäude, das nun Palais Royal oder Pavillon Royal genannt wurde. Kurz nach seiner Thronbesteigung übertrug es König Ludwig I. am 14. November 1825 seinem Bruder, dem Prinzen Carl, der das Palais durch Jean Baptiste Métivier beträchtlich erweitern ließ. Die Haupträume wurden 1827 bis 1830 durch Jean-Baptiste Métevier und Anton Schwanthaler neu dekoriert. Nach dessen Tod wurde das Palais 1876 Sitz der Österreichisch-Ungarischen Gesandtschaft, das es bis 1919 blieb. Bayern bat zwar in den ersten Nachkriegsjahren wiederholt um die Wiedererrichtung einer österreichischen Gesandtschaft in München, Wien jedoch ging auf diesen Wunsch aus Rücksichtnahme auf die Interessen der deutschen Reichsregierung wie der Alliierten nicht ein.[4] 1924 wurde das Palais dann zur Dienstwohnung des Bayerischen Ministerpräsidenten bestimmt.

Prinz-Carl-Palais, 1937
Prinz-Carl-Palais über dem Altstadtringtunnel

Nach der Gleichschaltung und Aufhebung der Bayerischen Staatsregierung durch die NS-Machthaber wurde 1937 das Prinz-Carl-Palais aufwendig zum Gästehaus umgebaut. Das Palais wurde dabei beträchtlich nach Westen verlängert; der Nordflügel Métiviers, der wegen der gleichzeitigen Verbreiterung der Von-der-Tann-Straße abgerissen wurde, wurde durch einen neuen nach Plänen von Fritz Gablonsky, die nach dem Vorbild des Südflügels ausgearbeitet wurden, ersetzt. Das Prinz-Carl-Palais überstand die Luftangriffe auf München im Zweiten Weltkrieg nur wenig beschädigt. Es wurde dann 1948 Sitz der neu gegründeten Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Zusätzlich wurde das Palais ab 1967 als Notquartier der Glyptothek und der Staatlichen Antikensammlungen gebraucht. Seit 1968 ist das Prinz-Carl-Palais Dienstsitz des Bayerischen Ministerpräsidenten, allerdings nicht als Wohnung und nur zu Repräsentationszwecken. Beim Bau des Altstadtringtunnels 1970 mussten die Kellerräume für die Unterfangung mit einer Stahlbetonplatte des Tunnels abgerissen werden; seitdem steht das Prinz-Carl-Palais quasi auf der Decke des Altstadtringtunnels. 1971-1975 restaurierte und baute das Landbauamt München für rund 87 Millionen DM um. Dabei wurde die Gartenfront leicht vorgerückt und eine zentrale zweigeschossige Empfangshalle in modernen Formen mit Treppe, Galerie und Oberlicht eingefügt. Die ursprünglichen Planungen der 1970er Jahre sahen die Nutzung des Palais durch den Ministerpräsidenten und seinen engeren Stab vor. Auch die Sitzungen des Ministerrats (Kabinett) fanden hier statt. Nach der Fertigstellung der neuen Bayerischen Staatskanzlei 1993 zog der Ministerpräsident schließlich mit seinen Mitarbeitern in das neue Gebäude. Seitdem beschränkt sich die Nutzung des Palais auf Repräsentationszwecke. Das Prinz-Carl-Palais ist dem Ministerpräsidenten vorbehalten, selbst Minister haben nicht die Möglichkeit, Veranstaltungen in dem Haus durchzuführen. Eine der wenigen Möglichkeiten, das Gebäude zu besichtigen, war der bis 2010 jährlich im Juni stattfindende Tag der offenen Tür der Staatskanzlei.

Würdigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Prinz-Carl-Palais ist ein Musterbeispiel des Münchner Frühklassizismus. Im Altbau ist die klassizistische Raumausstattung - vor allem Tafelparkett, geschnitzte Füllungstüren, Stuckdekor und reiche Dekorationsmalerei an den Spiegeldecken - weitgehend erhalten geblieben. Sie wird wohl im Wesentlichen Métivier zuzuschreiben sein. Der querrechteckige Festsaal im Obergeschoss sowie das weiß-blau gehaltene "Ministerpräsidenten-Zimmer" gehören zu den bedeutendsten noch erhaltenen Palast-Innenräumen Münchens.

Im Innenraum des Palais finden sich Bilder aus dem Griechenlandzyklus von Carl Rottmann (1797–1850), der im Auftrag Ludwigs I. entstand und als Rottmanns Hauptwerk gilt. Zu sehen sind "Sikyon mit Korinth" (Griechenlandzyklus Nr. 18), "Eleusis" (Nr. 22), "Das Löwentor von Mykene" (Nr. 2) und "Olympia" (Nr. 16). Im Erdgeschoss findet sich ein Marmorkandelaber aus römischer Kaiserzeit. Im Rundgang des Obergeschosses finden sich eine Statue der Flora aus Carrara-Marmor (Pietro Tenerani, 1789–1869, Rom) und der Nyx aus weißem und schwarzem Marmor.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Fred Angerer, Herbert Jensen, Karl-Heinz Schaechterle: München, Gutachten für den Bereich Prinz-Carl-Palais. Technische Hochschule, München 1967.
  • Inge Feuchtmayr: Das Prinz-Carl-Palais in München. Gestalten und Begebenheiten. Süddeutscher Verlag, München 1966.
  • Klaus Gallas: München. Von der welfischen Gründung Heinrichs des Löwen bis zur Gegenwart: Kunst, Kultur, Geschichte. DuMont, Köln 1979, ISBN 3-7701-1094-3 (DuMont-Dokumente: DuMont-Kunst-Reiseführer).
  • Christine Götz, Elfi M. Haller: Prinz-Carl-Palais. Vom Palais Salabert zum Sitz des Bayerischen Ministerpräsidenten. Bayerische Vereinsbank, München 1989.
  • Heinrich Habel u. Lothar Altmann: Einst vornehme Villa - Das Prinz-Carl-Palais, in: Die Bayerische Staatskanzlei, 10. Auflage, Regensburg 2013, S. 35–39.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Prinz-Carl-Palais – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Johannes Merz: Prinz-Carl-Palais, München. In: Historisches Lexikon Bayerns. 29. August 2006, abgerufen am 7. Januar 2017 (deutsch).
  2. Die Benediktinerabtei St. Mauritius zu Tholey, Rheinische Kunststätten, Heft 321, Neuss 1987.
  3. Die Benediktinerabtei Tholey, in: Dieter Staerk (Hrsg.): Das Saarlandbuch, 5. Auflage, Saarbrücken 1990.
  4. historisches-lexikon-bayerns.de (Auswärtige Gesandtschaften in München)

Koordinaten: 48° 8′ 39″ N, 11° 34′ 59″ O