Priorisierung der COVID-19-Impfmaßnahmen

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Zur Priorisierung der COVID-19-Impfmaßnahmen kam es anlässlich der COVID-19-Pandemie, einem weltweiten Ausbruch der neu aufgetretenen Erkrankung COVID-19, hervorgerufen durch das Virus SARS-CoV-2. Ein SARS-CoV-2-Impfstoff ist ein Impfstoff gegen das Virus SARS-CoV-2. Ziel ist es, durch Impfung eine Immunantwort im Geimpften zu erzeugen, die vor der durch das Virus verursachten Erkrankung COVID-19 oder vor einer Infektion selbst schützt. Nachdem der Impfstoff nicht sofort weltweit in ausreichender Menge vorhanden sein wird, erfordert die anfängliche Knappheit von COVID-19-Impfstoffen und begrenzten Impfkapazitäten Auswahlentscheidungen darüber, wer zuerst geimpft werden soll.

Hintergrund[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es zeichnet sich die Zulassung des mRNA-Impfstoffs BNT162b2 der Firmen BioNTech und Pfizer ab. Am 16. November 2020 gab Moderna bekannt, dass ihr Impfstoff mRNA-1273 eine Wirksamkeit von mehr als 94 Prozent habe. Die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA beginnt dafür ebenfalls ein (beschleunigendes) „Rolling-Review-Verfahren“.

In einem ersten Vertrag mit der Europäischen Union erhalten alle EU-Mitgliedsstaaten zusammen von BioNTech/Pfizer 200 Millionen Impfdosen. 19 % stehen davon Deutschland zur Verfügung, das sind 38 Millionen Impfdosen. Nachdem eine Impfung zwei Mal pro Person durchgeführt werden muss, können damit vorerst 19 Millionen Personen (etwa 22 % der Bevölkerung) geimpft werden. Zusätzlich erhielt die EU eine Option für die Zukunft über weitere 100 Millionen Impfdosen, womit in Deutschland weitere 9,5 Millionen Menschen (etwa 11 % der Bevölkerung) geimpft werden könnten.[1] Es bestehen aber auch noch Verträge der EU mit drei weiteren Impfstoffherstellern, AstraZeneca, Sanofi und Johnson & Johnson, die ebenfalls an Corona-Impfstoffen arbeiten.

Die Europäische Kommission verhandelt derzeit nach eigenen Angaben mit dem US-Konzern Moderna über die Lieferung von bis zu 160 Millionen Impfdosen des Impfstoffs mRNA-1273. Laut Moderna zeigten neue Stabilitätsdaten, dass der Impfstoff 30 Tage lang bei Kühlschranktemperaturen stabil sei, viel länger als die zuvor geschätzten sieben Tage. Für eine längerfristige Lagerung kann es in Gefrierschränken aufbewahrt werden, benötigt damit nicht die für den BioNTech/Pfizer-Impfstoff erforderlichen speziellen Einrichtungen, wie Ultrakühlschränke. Die beiden Dosen des Impfstoffs von Moderna werden im Abstand von vier Wochen verabreicht.[2]

Internationale Organisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Strategic Advisory Group of Experts on Immunization der WHO veröffentlichte im Oktober 2020 ein Dokument mit dem Titel „Roadmap For Prioritizing Uses Of COVID-19 Vaccines In The Context Of Limited Supply“. In diesem werden verschiedene Priorisierungsstrategien basierend auf den aktuellsten epidemiologischen Erkenntnissen vorgestellt. Unterschiedliche Priorisierungsstrategien gehen von unterschiedlichen epidemischen Verbreitungsszenarien und unterschiedlichen Impfstoffkapazitäten aus. Die Verbreitungsszenarien, die sich die WHO anschaute, lauten:[3]

  • Verbreitungsszenario in Form einer anhaltenden Übertragung in der Allgemeinbevölkerung (Community Transmission setting:) Die Krankheit breitet sich gleichmäßig in der Bevölkerung aus. In diesem Fall liegt der Fokus auf der Reduzierung der Sterblichkeit durch Impfung von Risikogruppen und das Aufrechterhalten von kritischer Infrastruktur.
  • Verbreitungsszenario in Form des Auftretens von sporadischen Fällen oder Fallclustern (Sporadic Cases or Clusters of Cases setting:) Die Krankheit breitet sich ungleichmäßig durch Infektionscluster aus. Die Impfmaßnahmen sollten sich vor allem auf Gebiete mit hoher Inzidenz konzentrieren mit ansonsten ähnlicher Priorisierung wie in dem Community Transmission setting. Außerdem sollten Kapazitäten zurückgehalten werden für sich spontan entwickelnde Infektionsherde.
  • Verbreitungszenario in Form einer weitgehenden Abwesenheit von Fällen (No Cases setting:) Die Krankheit breitet sich kaum mehr in der Bevölkerung aus. In diesem Szenario stehen die Arbeiter für kritische Infrastruktur im Vordergrund und in zweiter Linie die Risikogruppen.

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Deutschland wurde ein gemeinsames Positionspapier durch die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut, den Deutschen Ethikrat und die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina erstellt. Darauf aufbauend soll eine Impfstrategie entwickelt werden.

Impfkapazitäten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf Grund einer komplexen Logistik für die Auslieferung der Impfdosen, die beispielsweise beim Impfstoff BNT162b2 in Ultratiefkühlschränken bei −70 °C transportiert und gelagert werden müssen, sind spezialisierte und entsprechend ausgestattete Impfzentren notwendig, die an insgesamt 60 Standorten bundesweit geplant sind. Die Impfkapazitäten sind deshalb begrenzt. Laut Recherchen des Business Insiders soll in den geplanten Impfzentren bei bis zu 4000 Menschen pro Tag der Wirkstoff verabreicht werden können. Die Gesamtprozess-Dauer je zu impfender Person beträgt basierend auf Erfahrungswerten aus den Grippeschutzimpfungen etwa 15 Minuten, einschließlich Datenerfassung und medizinischer Aufklärung. In jedem Impfzentrum seien dafür etwa 100 Mediziner in Vollzeit notwendig, insgesamt demnach 6.000 Ärzte. Hierfür sollen gegebenenfalls Ärzte im Ruhestand angeworben werden. Die Impfung selbst kann durch entsprechend qualifiziertes Personal in gleicher Größenordnung erfolgen. Für Flüchtlingsheime und Menschen mit Migrationshintergrund sind Dolmetscher in mehreren Sprachen notwendig. Damit könnten bundesweit – nach Überwindung der Anlaufschwierigkeiten – theoretisch bis zu 2,5 Millionen Menschen pro Monat (rund 3 %) geimpft werden.[4] Über mobile Impfteams können außerdem nichtmobile und vulnerable Personen aufgesucht und geimpft werden, beispielsweise in Alten- und Pflegeheimen. Ziel ist es, eine Herdenimmunität von 60 Millionen der rund 85 Millionen Einwohner Deutschlands zu erreichen. Eine Herdenimmunität könnte damit frühestens im Frühjahr 2023 erreicht werden, vorausgesetzt, der Impfschutz muss nicht vorher aufgefrischt werden.

Insgesamt würden die genannten Impfstoffe bislang für rund die Hälfte der deutschen Bevölkerung ausreichen.

Eine Umfrage vom November 2020 ergab, dass die Impfbereitschaft in Deutschland derzeit bei mehr als 62 Prozent liegt. Knapp 30 Prozent lehnen eine Impfung gegen COVID-19 ab. Ungefähr zehn Prozent haben sich noch nicht entschieden.[5] Die Bereitschaft zu Impfung gegen COVID-19 ist (Stand 17. November 2020) höher bei Personen, die älter sind, männlich sind und in einer Großstadt wohnen.

Vorgehen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gesundheitsminister von Bund und Ländern haben ein gemeinsames Vorgehen bei Impfungen gegen das Coronavirus beschlossen. Die Impfstoffe sollen durch die Bundeswehr oder durch die Hersteller angeliefert werden. Die Impfdosen sollen dem Bevölkerungsanteil entsprechend an die Bundesländer verteilt werden, die die Impfzentren in eigener Verantwortung errichten. Die Lieferung der Impfdosen sei mit Blick auf Lagerung und Transport nur an einer begrenzten Zahl von Standorten in jedem Bundesland möglich, da einige der Impfstoffe, die derzeit entwickelt werden, voraussichtlich bei −70 °C tiefgekühlt transportiert und gelagert werden müssen. Dafür müssten etwa entsprechende Ultratiefkühlschränke beschafft werden.[6] Auch deren Stromzufuhr muss bei Stromausfall beispielsweise durch Notstromaggregate gesichert sein.

Die drei Phasen für die Impfung sind:

  • Phase Ia: Gezielte, zentralisierte Verimpfung in Zentren und durch Impfteams; wenig Impfstoff verfügbar, teilweise komplexe Lagerung
  • Phase Ib: Erweiterte, zentralisierte Verimpfung in Zentren und durch Impfteams; mehr Impfstoff verfügbar, teilweise komplexe Lagerung
  • Phase II: Breite, dezentrale Routine-Verimpfung durch niedergelassene Ärzte und Betriebsärzte; Impfstoffe „großflächig“ und als Einzeldosen verfügbar bei geringen Lagerherausforderungen

Ethische und rechtliche Fragen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Priorisierungsentscheidungen berühren ethisch wie rechtlich elementare Fragen, insbesondere des Gesundheits- und Lebensschutzes jedes Einzelnen sowie der Gerechtigkeit und der Solidarität zwischen allen betroffenen Mitgliedern einer Gesellschaft. Die STIKO wird eine auf wissenschaftlichen Daten basierende, gegebenenfalls weiter zu entwickelnde Matrix vorlegen, in der verschiedene Personengruppen genauer hierarchisiert werden. Durch evidenzbasierte Begründungen wird transparent gemacht, warum welche Personengruppe welchem Prioritätsgrad zunächst zugeordnet wird. Weitere Anpassungen können im Verlauf der Epidemie nötig werden, wenn sich neue wissenschaftliche Erkenntnisse ergeben oder neue Impfstoffe verfügbar sein werden. Der Gesetzgeber ist in der Verantwortung, präzise gesetzliche Grundlagen für die Priorisierung zu schaffen.

Zu priorisierende Personengruppen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für Deutschland definiert das Positionspapier vier primäre Impfziele und leitet daraus zu priorisierende Personengruppen ab.[7]

  • Das erste Ziel ist die Verhinderung schwerer COVID-19-Verläufe (Hospitalisation) und Todesfälle. Aus diesen Ziel ergibt sich eine hohe Priorität für Personen beziehungsweise Personengruppen, die aufgrund ihres Alters oder vorbelasteten Gesundheitszustandes ein signifikant erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf haben, insbesondere bei erhöhter Kontaktdichte, etwa in Pflegeheimen und anderen Einrichtungen der Langzeitpflege.
    Laut Positionspapier ist evident, dass ein hohes Lebensalter den bei weitem stärksten und zudem am einfachsten feststellbaren generischen Risikofaktor darstellt. Aber auch unabhängig vom Alter können einige Vorerkrankungen das Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf deutlich erhöhen. Laut Robert Koch-Institut erhöhen folgende Faktoren nach bisherigen Erkenntnissen das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf:[8]
  • Das Risiko einer schweren Erkrankung steigt ab 50 bis 60 Jahren stetig mit dem Alter an.
  • Auch verschiedene Grunderkrankungen wie z. B. Herzkreislauferkrankungen, Diabetes, Erkrankungen des Atmungssystems, der Leber, der Niere, Krebserkrankungen oder Faktoren wie Adipositas und Rauchen scheinen das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf zu erhöhen.
  • Bei älteren Menschen mit vorbestehenden Grunderkrankungen ist das Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf höher als wenn nur ein Faktor (Alter oder Grunderkrankung) vorliegt.
  • Das zweite Ziel ist der Schutz von Personen mit besonders hohem arbeitsbedingten SARS-CoV-2-Expositionsrisiko.
  • Das dritte Ziel ist die Verhinderung von Transmission sowie Schutz in Umgebungen mit hohem Anteil vulnerabler Personen und in solchen mit hohem Ausbruchspotenzial. Aus diesen Zielen ergibt sich eine hohe Priorität für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von stationären oder ambulanten Einrichtungen der Gesundheitsversorgung und der Altenpflege, die aufgrund berufsspezifischer Kontakte ein signifikant erhöhtes Risiko für eine Infektion und gegebenenfalls zusätzlich für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf haben und die als Multiplikatoren das Virus in die Einrichtungen hinein- und in andere Bereiche der Gesellschaft hinaustragen können.
  • Das vierte Ziel ist die Aufrechterhaltung staatlicher Funktionen und des öffentlichen Lebens. Daraus ergibt sich eine hohe Priorität für Personen beziehungsweise Personengruppen, die in basalen Bereichen der Daseinsvorsorge und für die Aufrechterhaltung zentraler staatlicher Funktionen eine Schlüsselstellung besitzen, wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
    • der Gesundheitsämter
    • der Polizei- und Sicherheitsbehörden
    • der Feuerwehr
    • Lehrerinnen und Lehrer sowie Erzieherinnen und Erzieher, insbesondere, wenn sie direkten, risikoerhöhenden Kontakt mit Patienten, Angehörigen von Risikogruppen oder potenziell Infizierten haben.

Notärzte und Rettungsdienst[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bundesvereinigung der Arbeitsgemeinschaften der Notärzte Deutschlands (BAND) verweist auf die Notwendigkeit, Notärzte und Rettungsdienstfachpersonal bei der Versorgung mit einem zukünftigen COVID-19-Impfstoff neben anderen Beschäftigten im Gesundheitswesen, wie die Mitarbeiter, die in den Krankenhäusern und Arztpraxen die Akutversorgung von COVID-19-Patienten im persönlichen Kontakt bewältigen, bevorzugt zu berücksichtigen. Notärzte und Rettungsdienstfachpersonal können ihren Abstand zu erkrankten Personen nicht selbst bestimmen und sind daher, besonders in unklaren Lagen, einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt. Zugleich ist ihre Arbeit für die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung unverzichtbar und ein Ausfall ihrer Arbeitskraft nicht zu ersetzen. Letztlich muss die zugehörige Impfstrategie und Impflogistik bis auf jede einzelne Gemeinde heruntergebrochen werden, damit die Impfstrategie effektiv umgesetzt werden kann.[9]

Logistik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um einen geordneten Ablauf zu gewährleisten müssen Call-Center zur Terminvergabe eingerichtet werden. Terminvereinbarung sollen telefonisch oder digital über Terminservicestellen der Kassenärztlichen Vereinigungen unter der Telefonnummer 116117 des ärztlichen Notdienstes beziehungsweise mittels entsprechender App erfolgen können. Die Priorisierung der COVID-19-Impfmaßnahmen benötigt eine Logistik, mit der zunächst alle Personen überprüft werden müssen, ob sie zur entsprechenden Risikogruppe gehören. Hierzu gehören beispielsweise ärztliche Bescheinigungen oder Berufsnachweise. Nach Erhalt der Erstimpfung ist sicher zu stellen, dass die Geimpften nach vier Wochen eine Zweitimpfung zum vollständigen Schutz erhalten. Gleiches gilt, falls eine eventuelle Auffrischungsimpfung notwendig werden würde.

Zudem werde geprüft, in welchem Maß die Impfung nicht nur vor Covid-19 schützt, sondern auch vor schweren Verläufen der Krankheit. Insgesamt sollen sowohl die Schutzwirkung als auch etwaige Nebenwirkungen über einen Zeitraum von zwei Jahren beobachtet werden. Hierzu wird unter der Federführung des Paul-Ehrlich-Instituts eine App entwickelt. Mit der App sollen bereits geimpfte Personen die Möglichkeit bekommen, mögliche Symptome an die zuständigen Behörden übermitteln zu können.[10][11]

Eine zentrale Speicherung personenbezogener Daten berührt dabei Probleme des Datenschutzes und des Rechts auf informationelle Selbstbestimmung. Es ist nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts ein Datenschutz-Grundrecht. Einschränkungen des Grundrechts bedürften einer gesetzlichen Grundlage, müssen im überwiegenden Allgemeininteresse sein und dem Gebot der Normenklarheit entsprechen. Dabei sind Vorkehrungen zu treffen, um Datenmissbrauch zu verhindern.

Großbritannien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Großbritannien veröffentlichte im September 2020 das Joint Committee on Vaccination and Immunisation für das britische Gesundheitsministerium eine Zwischenempfehlung über die Priorisierung, falls ein Impfstoff zu Verfügung steht. Höchste Priorität haben ältere Bewohner von Pflegeheimen und deren Pfleger, danach andere Gesundheitsarbeiter und alle diejenigen über 80 Jahre. Die Gesamtbevölkerung folgt darauf nach Alter gestaffelt.[12]

Debatte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Physiker Shlomo Havlin schlägt eine Priorisierung von Superspreadern vor, um die Gesellschaft mit einem anfänglich begrenzten Angebot an Impfstoffen zu schützen. Er hat hierzu im Rahmen einer Studie ein Modell entwickelt, das von der Zeitschrift National Science Review angenommen wurde. Das Prinzip sei einfach, betont er und stellt fest, dass weltweit gezeigt wurde, dass ein großer Prozentsatz der Infektionen von einer kleinen Anzahl von Menschen verbreitet wird (siehe Überdispersion#Anwendung in der Epidemiologie), die als Superspreader bezeichnet werden und sich viel bewegen. Dieses Argument wurde in akademischen Kreisen einige Male vorgebracht, obwohl es in öffentlichen Diskussionen unter Gesundheitsbeamten nicht enthalten ist. Drei Gesundheitsexperten der Johns Hopkins University und der University of Southern California argumentierten zuvor in einem Artikel vom September, dass ältere Menschen warten sollten, bis potenzielle Superspreader geimpft worden seien.[13]

Ähnlich argumentieren Laura Matrajt et al., die in einer Modellrechnung, die noch kein Peer-Review durchlaufen hat[14], bei einer angenommenen hohen Impfstoffwirksamkeit einen Vorteil sehen, wenn dieser zunächst an medizinisches Personal und jüngere Personen verteilt wird, da dies die Pandemie stoppen könnte. Bei weniger wirksamen Impfstoffen genüge dies jedoch nicht, um die Pandemie zu stoppen, und die Verteilung sollte sich auf die Älteren und Risikogruppen konzentrieren, um dort Todesfälle zu vermeiden.[15]

Konfliktpotential[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Vorsitzende der Ständige Impfkommission (STIKO), einer Expertengruppe der Bundesrepublik Deutschland, Thomas Mertens rechnet damit, dass es angesichts eines zunächst knappen Impfstoffs Konflikte geben werde: Es werde nicht nur „zu Diskussionen um die gerechte Zuteilung“ kommen. „Es kann auch sein, dass Einzelne, die nicht gleich zum Zuge kommen, dagegen klagen werden.“[16]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Corona: Impfstoff-Durchbruch in Deutschland, Merkur, 11. November 2020. Abgerufen am 11. November 2020.
  2. „Besser wird es nicht“ – Fauci erfreut über Durchbruch bei Corona-Impfstoff, Welt, 16. November 2020. Abgerufen am 16. November 2020.
  3. WHO SAGE Roadmap For Prioritizing Uses Of COVID-19 Vaccines In The Context Of Limited Supply. Abgerufen am 22. November 2020 (englisch).
  4. Corona-Impfstoff kommt: Neue Strategie-Details bekannt, Merkur. Abgerufen am 11. November 2020.
  5. Impfskeptiker sind in Deutschland in der Minderheit, Der Spiegel, 12. November 2020. Abgerufen am 13. November 2020.
  6. Gesundheitsminister beschließen Impfstrategie, Tagesschau, 7. November 2020. Abgerufen am 9. November 2020.
  7. Ständige Impfkommission u.A. (Hrsg.): Wie soll der Zugang zu einem COVID-19-Impfstoff geregelt werden? Positionspapier der gemeinsamen Arbeitsgruppe aus Mitgliedern der Ständigen Impfkommission beim Robert Koch-Institut, des Deutschen Ethikrats und der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina. 9. November 2020 (leopoldina.org [PDF; 1,7 MB; abgerufen am 24. November 2020]).
  8. Informationen und Hilfestellungen für Personen mit einem höheren Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf, RKI. Abgerufen am 25. November 2020.
  9. Notärzte fordern Priorisierung der Beschäftigten im Rettungsdienst bei einer COVID-19-Impfung, BAND, 12. Oktober 2020. Abgerufen am 20. November 2020.
  10. „Sa­fe­Vac“ – App-ba­sier­te Er­fas­sung von Ne­ben­wir­kun­gen nach Gripp­eimp­fung in ers­ter Feld­stu­die, Paul-Ehrlich-Institut. Abgerufen am 14. November 2020.
  11. Bundesregierung plant App zur Coronavirus-Impfung, Tagesspiegel, 13. November 2020. Abgerufen am 14. November 2020.
  12. Priority groups for coronavirus (COVID-19) vaccination: advice from the JCVI, 25 September 2020. Abgerufen am 22. November 2020 (englisch).
  13. Israeli expert’s plan to triple impact of 1st shots: Don’t vaccinate the elderly, The Times of Israel, 16. November 2020. Abgerufen am 24. November 2020.
  14. Vaccine optimization for COVID-19: who to vaccinate first?, MedRxiv.org. doi:10.1101/2020.08.14.20175257 Abgerufen am 24. November 2020.
  15. Wer soll wann gegen Covid-19 geimpft werden? Abgerufen am 24. November 2020.
  16. Stiko-Chef: Corona Impfung der Bevölkerung dauert bis 2022, Berliner Morgenpost, 29. Oktober 2020. Abgerufen am 20. November 2020.