Privatdozent

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Ein Privatdozent (PD oder Priv.-Doz.) ist die Bezeichnung für einen habilitierten Wissenschaftler mit Lehrberechtigung an einer Universität oder einer sonstigen Hochschule, der keine reguläre Professorenstelle innehat. Privatdozenten sind als Hochschullehrer selbständig und alleinverantwortlich zur akademischen Lehre berechtigt. Er gehört dem akademischen Oberbau an. In vielen Ländern sind sie zu einer Mindestzahl von Lehrveranstaltungen verpflichtet, andernfalls verlieren sie die Bezeichnung (sog. Titellehre). Die Bezeichnung Privatdozent stellt weder einen Titel noch einen akademischen Grad, sondern eine Funktionsbezeichnung dar. Es wird durch die Bezeichnung auch kein Amts- bzw. Dienstverhältnis begründet.

In Österreich verliehen Universitäten bis 2003 mit der Habilitation die Lehrbefugnis als Universitätsdozent (Univ.-Doz.), was immer wieder zu Verwechslungen mit der gleichnamigen Verwendungsgruppe für Beamte führte. Erst 2004 wurde die Bezeichnung Privatdozent auch in Österreich eingeführt, damit wurde die Lehrbefugnis (als Privatdozent) von der Beamtenstellung (Univ.-Doz.) auch begrifflich unterschieden.

Deutschland[Bearbeiten]

Häufig wird zwischen Lehrbefähigung und Lehrberechtigung unterschieden. In den theologischen Fakultäten ist die Unterscheidung bedeutsam, da die Lehrberechtigung außer der Habilitation auch eine kirchliche Erlaubnis voraussetzt. In einigen Ländern wird mit der Habilitation, welche die Lehrbefähigung umfasst, der akademische Grad eines habilitierten Doktors („Dr. habil.“) verliehen, die Lehrberechtigung (lat. venia legendi) mit der Bezeichnung Privatdozent und der Zugehörigkeit zur Hochschullehrerschaft muss separat beantragt werden:

  • In Bayern erlangt die habilitierte Person mit der Feststellung der Lehrbefähigung den akademischen Grad eines habilitierten Doktors („Dr. habil.“). Die Universität erteilt auf Antrag der habilitierten Person die Lehrbefugnis in dem Fachgebiet der Lehrbefähigung, womit das Recht zur Führung der Bezeichnung „Privatdozent“ verbunden ist.[1] Privatdozenten sind zur unentgeltlichen Lehrtätigkeit im Umfang von mindestens zwei Semesterwochenstunden verpflichtet.[2]
  • In Brandenburg wird die Habilitation durch die Habilitationsordnungen der zuständigen Fachbereiche geregelt. Auf Antrag wird dem Habilitierten die Lehrbefugnis verliehen, wodurch er berechtigt ist, die Bezeichnung „Privatdozent“ zu führen.[3] Die philosophische Fakultät der Universität Potsdam verleiht mit der Lehrbefähigung den akademischen Grad „Dr. phil habil.“.[4] Die juristische Fakultät der Universität Potsdam vergibt den akademischen Grad „Dr. iur. habil.“. Damit erhält der Bewerber das Recht, seinem Doktortitel den Zusatz „habil.“ hinzuzufügen.[5] An der TU Cottbus wird der akademische Grad „Dr. habil.“ nach Abschluss des Habilitationsverfahrens verliehen. Die akademische Bezeichnung „Privatdozent der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus“ wird verliehen, wenn der Habilitierte beantragt, an der Hochschule zu lehren und daraufhin die Lehrerlaubnis erhält.[6]
  • In Hessen können Fakultäten nach erfolgreicher Habilitation den akademischen Grades eines habilitierten Doktors (Dr. habil.) verleihen.[7] Auf Antrag verleiht der Fachbereich Habilitierten die Bezeichnung „Privatdozent“. Wer unbegründet zwei aufeinander folgende Semester keine Lehrtätigkeit ausübt, verliert das Recht, die akademische Bezeichnung zu führen.[8]
  • In Nordrhein-Westfalen treffen die Fachbereiche/Fakultäten der Hochschulen in ihren Habilitationsordnungen Regeln in eigener Verantwortung durch Satzungen. Diese können vorsehen, dass der Habilitierte seinem Doktorgrad den Zusatz „habil.“ (habilitatus) hinzufügen kann. Die Venia legendi, die Befugnis selbständig Lehrveranstaltungen anbieten zu dürfen, muss separat beantragt werden. Auf Grund der Verleihung der Befugnis ist der Habilitierte berechtigt, die Bezeichnung „Privatdozentin“ oder „Privatdozent“ zu führen.[9] Der Priv.-Doz. hat eine bestimmte Lehrverpflichtung, von der er sich zeitweise beurlauben lassen kann.
  • In Sachsen wird mit der Habilitation die Lehrbefugnis zuerkannt und die Befugnis eingeräumt, den Zusatz „habil.“ zum Doktorgrad zu führen. Auf Antrag verleiht der Fakultätsrat einem Habilitierten die Bezeichnung „Privatdozent“, wenn er sich zur Übernahme von Lehrverpflichtungen in seinem Fachgebiet von mindestens 2 Semesterwochenstunden verpflichtet.[10]

In einigen Ländern wird auf Grund der erfolgreichen Habilitation (Lehrbefähigung) direkt die Lehrbefugnis und die Bezeichnung „Privatdozent“ verliehen:

  • In Baden-Württemberg wird auf Grund der erfolgreichen Habilitation die Lehrbefugnis für ein bestimmtes Fach verliehen. Damit ist das Recht zur Führung der Bezeichnung „Privatdozent" verbunden, wenn diese in ihrem Fachgebiet Lehrveranstaltungen von mindestens zwei Semesterwochenstunden abhalten.[11]
  • In Rheinland-Pfalz als einzigem Land wurde der Titel Privatdozent zwischen 2003 und 2008 nicht verliehen. Durch einen einstimmigen Beschluss des Landtages vom 27. Februar 2008 wurde die Bezeichnung durch Änderung des Hochschulgesetzes wieder eingeführt.[12] Habilitierte können an der Hochschule, an der sie sich habilitiert haben, selbstständig lehren (Lehrbefugnis) und sind in diesem Falle berechtigt, sich „Privatdozent“ zu nennen. Die Lehrbefugnis kann widerrufen werden, wenn unangemessen lange von der Lehrbefugnis kein Gebrauch gemacht wird.[13] Die Habilitationsordnungen der verschiedenen Fakultäten können vorsehen, dass der Habilitierte außerdem seinem Doktorgrad den Zusatz „habil.“ (habilitatus) hinzufügen darf.[14]
  • Im Saarland berechtigt die erfolgreiche Durchführung eines Habilitationsverfahrens zur Führung der Bezeichnung „Privatdozent“. Damit erhält der Habilitand die Lehrbefugnis für das angestrebte Fach. Privatdozenten müssen in ihrem Fachgebiet, für das ihnen die Lehrbefugnis verliehen worden ist, Lehrveranstaltungen im Umfang von einer Semesterwochenstunde anbieten.[15]
  • In Sachsen-Anhalt wird nach erfolgreicher Habilitation der Grad „doctor habilitatus“ („Dr. habil.“) verliehen. Mit der Verleihung dieses Grades wird die Lehrbefugnis und die Berechtigung zur Führung der Bezeichnung „Privatdozent“ zuerkannt.[16]

Stellung der Universitäten[Bearbeiten]

Habilitation und Lehrbefugnis begründen kein Dienstverhältnis und keine Anwartschaft auf Begründung eines solchen. Privatdozenten konnten (von ca. 1947 bis ca. 1959) an der Hochschule als „Diätendozenten“ in einem Dienstverhältnis als Beamter auf Probe stehen. Auch heute können sie in einem Dienstverhältnis zur Hochschule stehen, beispielsweise als wissenschaftlicher Mitarbeiter (z. B. als Akademischer Rat oder im Angestelltenverhältnis) oder nebenberuflich tätig sein. In den 1960er Jahren wurden an Stelle der früheren Diätendozenten die beamteten Stellen eines „Wissenschaftlichen Rates“, eines „Abteilungsvorstehers“, eines „Universitäts-Dozenten“ bzw. „Hochschuldozenten“ und eines „beamteten Privatdozenten“ eingeführt, die dann ab 1970–1975 als in die Besoldungsgruppen AH 5 oder 6 übergeleitet wurden. Der außerplanmäßige Professor, der zugleich „Wissenschaftlicher Rat“ war, wurde zum ordentlichen Professor (AH 6) befördert.

Privatdozenten gehören ursprünglich überall, jetzt noch in einigen Ländern, zur Gruppe der Hochschullehrer. Als solche haben sie das Recht, im Rahmen von Promotions- und Habilitationsverfahren Betreuer, Gutachter und Prüfer zu sein, sowie akademische und – bei entsprechender Bestellung – auch kirchliche und staatliche Prüfungen abzunehmen. Die Prüfungsberechtigung ist je nach Landesrecht unterschiedlich ausgeprägt.

Auf Vorschlag der jeweiligen Fakultät bzw. des jeweiligen Fachbereichs kann aufgrund eines entsprechenden Verfahrens, das hervorragende Leistungen in Forschung und Lehre attestiert, der Titel Außerplanmäßiger Professor (apl. Prof.) verliehen werden. In einigen Ländern sind Mindestzeiten der Lehrtätigkeit als Privatdozent vorgeschrieben (in der Regel zwei bis sechs Jahre). Mit dem Titel Außerplanmäßiger Professor wird ebenfalls kein Dienstverhältnis begründet.

Anfang der 1970er Jahre war für einen befristeten Zeitraum in Hochschul- bzw. Hochschullehrergesetzen der Länder eine Übernahme von Habilitierten, die sich zum Zeitpunkt der Habilitation auf Stellen des sogenannten akademischen Mittelbaus alter Art befanden, auf Professorenstellen (Besoldungsgruppen AH 3 bis 5) vorgesehen. Diese Überleitungen führten in einigen Ländern (Hamburg, Nordrhein-Westfalen) zu Rechtsstreitigkeiten. In diesem Zusammenhang muss hervorgehoben werden, dass die Forderungen der damaligen Bundesassistentenkonferenz (BAK) – „jeder Assistent der lehrt ist Professor“ – erfüllt wurden, so dass z. B. an den West-Berliner Universitäten zwischen 1970 und 1975 auch Nicht-Habilitierte, wie die promovierten Oberassistenten und Oberingenieure (AH 5), die promovierten Assistenten, die seit mindestens vier Jahren promoviert waren und die nichtpromovierten Oberingenieure und Akademische Räte als Professor AH 4 (später C2) übergeleitet wurden (im Berliner Jargon „Aprilprofessoren“ oder „Discountprofessor“). Durch Klagen konnten weitere nichtpromovierte Oberingenieure und Akademische Räte, die just in dieser Zeitspanne ihr Dienstverhältnis begonnen hatten, erfolgreich zum „AH 4“, später C2-Professor, übernommen werden. Das neue Hochschulrahmengesetz vom 1. Januar 1976 beendete die Überleitung des Mittelbaus in Professorenstellen. Nachteilig für alle nachfolgenden Generationen von Habilitierten wirkte sich auch der Wegfall der akademischen oben genannten „Zwischenpositionen“ aus, die im neuen Hochschulrahmengesetz nicht mehr vorgesehen waren.

Finanzielle Situation[Bearbeiten]

Für Privatdozenten, die nicht in einem Dienst- oder Arbeitsverhältnis zu einer Hochschule (z.B. als akademischer Rat/Oberrat oder Angestellter) stehen, können sich verschiedene Verdienstmöglichkeiten eröffnen. Bis etwa 1965 erhielten sie wie Professoren Hörergeld nach der Zahl der an ihren Veranstaltungen teilnehmenden Studierenden. Für Privatdozenten war dies der einzige Lohn, für die planmäßigen Professoren ein Zusatzverdienst zu ihren Dienstbezügen. Einige Privatdozenten befinden sich in einem (zumeist befristeten) Beschäftigungs- bzw. Dienstverhältnis im Angestellten- oder Beamtenverhältnis oder werden aus Drittmitteln im Rahmen von Forschungsprojekten entlohnt. Die Vertretung einer Professur (beispielsweise bis zum Abschluss eines Berufungsverfahrens) ist möglich; die Besoldung bzw. Vergütung entspricht dann der eines entsprechend eingestuften Professors. Besonders in den Geisteswissenschaften arbeiten manche Privatdozenten auf der Grundlage von Lehraufträgen, die zwar Auslagenersatz (Anreisekosten, Material) vorsehen, aber insgesamt sehr deutlich unterhalb des Existenzminimums vergütet werden.[17]

Österreich[Bearbeiten]

Privatdozenten sind Personen, denen auf Grund ihrer wissenschaftlichen oder künstlerischen Qualifikation von der Universität die Lehrbefugnis (venia docendi) für ein wissenschaftliches oder künstlerisches Fach verliehen wurde (Habilitation).[18] Durch die Erteilung der Lehrbefugnis (venia docendi) wird weder ein Arbeitsverhältnis begründet, noch ein allfällig bestehendes Arbeitsverhältnis zur Universität verändert.[19] Privatdozenten zählen nicht zum Universitätspersonal, sehr wohl aber (wie auch z. B. die Studierenden) zu den Universitätsangehörigen.[20]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Bayerisches Hochschulgesetz - BayHSchG vom 23. Mai 2006, Artikel 65. [1].
  2. Bayerisches Hochschulpersonalgesetz - BayHSchPG vom 23. Mai 2006, Artikel 30. online version
  3. Brandenburgisches Hochschulgesetz - BbgHG (PDF; 530 kB)
  4. Habil.-Ordnung Phil.-Fak. Univ. Potsdam (PDF; 122 kB)
  5. Habilitations-Ordnung der Juristischen Fakultät der Universität Potsdam
  6. Habilitations-Ordnung der Fakultät für Mathematik, Naturwissenschaften und Informatik der TU Cottbus (PDF; 190 kB)
  7. Habilitationsordnung für den Fachbereich Medizin der Universität Frankfurt am Main (PDF; 63 kB)
  8. Hessisches Hochschulgesetz §25
  9. Hochschulgesetz NW § 68
  10. Sächsisches Hochschulfreiheitsgesetz §41
  11. Landeshochschulgesetz - LHG Baden-Würtemberg §39
  12. Landtagsbeschluss vom 27. Februar 2008
  13. Hochschulgesetz (HochSchG) Rheinland-Pfalz §61
  14. Habilitationsordnung des Fachbereichs Medizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz §11
  15. Saarländisches Universitätsgesetz §43 (PDF; 222 kB)
  16. Hochschulgesetz des Landes Sachsen-Anhalt (HSG LSA) §18
  17. Rheinische Post vom 30. Mai 2007: Der Betteldozent – Viele Lehrbeauftragte und Privatdozenten leben auf Hartz-IV-Niveau. Sie bekommen wenig bis gar nichts für ihre Arbeit. Zwei Dozenten brechen das Schweigen über den „Trend zur Billiglehre“ an deutschen Hochschulen.
  18. § 102 Universitätsgesetz 2002.
  19. § 103 Universitätsgesetz 2002.
  20. § 94 Universitätsgesetz 2002.

Weblinks[Bearbeiten]