Privatuniversität

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Eine Privatuniversität ist eine private Hochschule mit dem Rang einer Universität. In Österreich ist Privatuniversität eine durch den Staat akkreditierte, nichtstaatliche Universität. Sie kann einen privaten Träger haben, Träger kann aber auch z. B. ein Bundesland oder eine Religionsgemeinschaft sein.

In Deutschland wird der Begriff Privathochschule verwendet, da die Bezeichnung Universität in der Regel staatlichen Hochschulen vorbehalten ist.

Deutschland[Bearbeiten]

Da in einigen deutschen Ländern der Begriff der Universität staatlichen Hochschulen vorbehalten ist, wird in Deutschland für private Universitäten, Fachhochschulen sowie Kunst- und Musikhochschulen die Bezeichnung Private Hochschule oder Privathochschule verwendet. Es gibt aber einige Ausnahmen wie z.B. die EBS Universität für Wirtschaft und Recht, die Universität Witten/Herdecke, die Deutsche Universität für Weiterbildung in Berlin, die Jacobs University Bremen oder die Zeppelin Universität.

Eine Liste der staatlich anerkannten Privathochschulen in Deutschland, darunter auch private Universitäten und gleichgestellte Hochschulen in privater Trägerschaft, findet sich im Artikel Private Hochschule. Eine Liste der kirchlichen Hochschulen in Deutschland, darunter kirchliche Universitäten, findet sich im Artikel Kirchliche Hochschule.

Österreich[Bearbeiten]

Akkreditierung[Bearbeiten]

Seit 2001 ist auch in Österreich die Akkreditierung von Privatuniversitäten möglich. Die Akkreditierung erfolgt durch die Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria, bis zum 29. Februar 2012 war der Österreichische Akkreditierungsrat zuständig. Bis einschließlich 2010 gab es 120 Projektbetreiber, von denen 47 die Akkreditierung beantragt haben und 16 akkreditiert wurden.[1] Vier Privatuniversitäten haben die Akkreditierung verloren oder darauf verzichtet, somit sind derzeit (Dezember 2012) 12 Institutionen akkreditiert.[2]

Am 1. März 2012 wurde das Universitäts-Akkreditierungsgesetz durch zwei neue Gesetze abgelöst, das Hochschul-Qualitätssicherungsgesetz (HS-QSG) sowie das Bundesgesetz über Privatuniversitäten (PUG).[3] Die neuen Gesetze bringen für die Privatuniversitäten einige Neuerungen: So wird es beispielsweise in Zukunft Privatuniversitäten möglich sein, akademische Ehrengrade zu vergeben, und sie dürfen sich um kompetitiv vergebene staatliche Forschungsgelder bewerben, von denen sie bisher (im Gegensatz z. B. zu privaten Unternehmen) ausgeschlossen waren.

Bis Ende August 2012 blieb der Österreichische Akkreditierungsrat noch für Verfahren zuständig, die vor dem 1. März 2012 eingeleitet wurden. Dann übernahm seine Aufgaben die neue Agentur für Qualitätssicherung und Akkreditierung Austria, die für die Qualitätssicherung in allen drei Hochschulsektoren (Privatuniversitäten, staatliche Universitäten und Fachhochschulen) zuständig ist.

Die Akkreditierung ist jeweils für fünf Jahre, bei Akkreditierungen ab 2012 für sechs Jahre gültig; nach zwei Akkreditierungsperioden kann die dritte Akkreditierung auf zwölf Jahre ausgesprochen werden.

Voraussetzungen für die Akkreditierung[Bearbeiten]

Von der zuständigen Agentur wird die Erfüllung der gesetzlichen Voraussetzungen für den Privatuniversitätsstatus geprüft:

  • Ausreichend wissenschaftlich oder künstlerisch qualifiziertes Stammpersonal (Professoren und promovierte wissenschaftliche Mitarbeiter)
  • Forschung (institutionalisierte Wissensproduktion mit Rückkopplung zur Lehre)
  • Transparente und qualitätsgeleitete Personalauswahlverfahren
  • Studienpläne und Prüfungsordnungen nach internationalen Standards
  • Adäquate Raum- und Sachausstattung
  • Ausreichende Breite und Vielfalt des Studienangebots, das sich am europäischen Universitätsbegriff zu orientieren hat
  • Sicherung der mittelfristigen Finanzierung
  • Vorhandensein eines Entwicklungsplanes

Wirkungen der Akkreditierung[Bearbeiten]

Da es in der Vergangenheit in Österreich auch nichthochschulischen privaten Anbietern möglich war, akademische Grade zu verleihen (sogenannte "Lehrgänge universitären Charakters") - diese Möglichkeit wird mit Ende 2012 abgeschafft - stellt die Akkreditierung als Privatuniversität ein wichtiges qualitatives Unterscheidungsmerkmal dar. Die Akkreditierung ist die rechtliche Voraussetzung dafür, dass sich die Bildungseinrichtung für die Dauer der Akkreditierung als Privatuniversität bezeichnen darf und dass sie Universitätsprofessoren berufen darf. Die von Privatuniversitäten verliehenen akademischen Grade dürfen wie bei Abschlüssen an öffentlichen Universitäten geführt werden und entfalten laut Gesetz die gleichen Rechtswirkungen wie solche Grade. Die Lehrenden und Studierenden sind hinsichtlich des Fremdenrechtes und des Ausländerbeschäftigungsgesetzes den Lehrenden und Studierenden staatlicher Universitäten gleichgestellt. Für Studienförderung, Familienbeihilfe und Sozialversicherung gelten für Studenten von Privatuniversitäten die gleichen Regelungen wie für Studenten an staatlichen Universitäten. Spenden an Privatuniversitäten werden steuerlich wie Spenden an staatliche Universitäten behandelt. Ein anderer Vorteil ist die unechte Umsatzsteuer-Befreiung, d. h. eine Privatuniversität muss für die Studiengebühren keine Umsatzsteuer in Rechnung stellen, im Gegensatz zu nicht akkreditierten Bildungseinrichtungen.

Qualitätssiegel[Bearbeiten]

Akkreditierte Privatuniversitäten dürfen das Qualitätssiegel des Akkreditierungsrates verwenden. Dieses soll Studierenden und Arbeitgebern die Einschätzung der Angebote erleichtern und den Privatuniversitäten helfen, sich besser zu positionieren.[4]

Debatte um akademische Ehrengrade[Bearbeiten]

Da auf eine Regelung der Vergabe von akademischen Ehrengraden durch Privatuniversitäten im ursprünglichen Gesetz (UniAkkG) vergessen worden war, gab es darüber eine öffentliche Debatte, die auch die Gerichte beschäftigte. Der Österreichische Akkreditierungsrat (ÖAR) vertrat die Ansicht, dass nach österreichischer wie auch internationaler Praxis ausschließlich solche Grade ehrenhalber verliehen werden können, die an der Privatuniversität auch im Regelstudium verliehen werden. Nach dieser Ansicht wäre z. B. die Vergabe eines „Dr.h.c.“ durch eine Privatuniversität dann erlaubt, wenn sie über ein Promotionsrecht verfügt. Zumindest drei Privatuniversitäten – die mit Promotionsrecht ausgestattete Katholisch-Theologische Privatuniversität Linz und die Private Universität für Gesundheitswissenschaften, Medizinische Informatik und Technik sowie die nicht promotionsberechtigte IMADEC University – verliehen Ehrendoktorate wie auch andere Ehrentitel. Nachdem der ÖAR mehrmals schriftlich moniert hatte,[5] wurde gegen den Geschäftsführer der IMADEC University ein Verwaltungsstrafverfahren angestrengt, das bis zum Verwaltungsgerichtshof ausgefochten wurde und mit einer Bestätigung der Verurteilung endete.

Das Urteil stellte darüber hinaus klar, dass Privatuniversitäten – unabhängig von einem etwaigen Promotionsrecht – nach damals geltender Rechtslage (UniAkkG) keinerlei Ehrengrade vergeben durften[6]. Dies wurde von Rechtswissenschaftlern als verfassungsrechtlich bedenklich angesehen, da staatlichen Bildungseinrichtungen ein solches Recht selbst dann zusteht, wenn sie über kein Promotionsrecht verfügen (Pädagogische Akademien, Donau-Universität Krems). Eine Bekämpfung vor dem Verfassungsgerichtshof wurde aber als schwierig angesehen, weil dieser Zustand nicht durch ein Gesetz, sondern durch Untätigkeit des Gesetzgebers hervorgerufen worden war.[7] Der ÖAR setzte sich für eine Gesetzesänderung im Sinne der Privatuniversitäten ein und forderte die Ergänzung des UniAkkG dahingehend, dass die Verleihung von Ehrengraden explizit darin vorgesehen sein sollte.[8] Mit Inkrafttreten des neuen Hochschul-Qualitätssicherungsgesetzes am 1. März 2012 wurde diese gesetzliche Schwachstelle beseitigt. Nun ist es Privatuniversitäten mit Promotionsrecht erlaubt, Ehrendoktorate zu vergeben. Privatuniversitäten dürfen nun auch andere im Universitätswesen üblichen Ehrenbezeichnungen wie z. B. „Ehrensenator“ oder „Ehrenbürger“ vergeben.

In Österreich akkreditierte Privatuniversitäten[Bearbeiten]

Die Eigentümerstruktur österreichischer Privatuniversitäten ist heterogen. Manche sind zu 100 % in Privatbesitz, andere werden teilweise von öffentlichen Körperschaften (z. B. Bundesländern oder Religionsgemeinschaften) finanziert. Laut Gesetz ausgeschlossen ist nur die Finanzierung durch die Republik Österreich.

Derzeit sind folgende Privatuniversitäten akkreditiert:

Nicht mehr akkreditiert sind:


Irrtümlich wird die Universität für Weiterbildung Krems von den Medien manchmal zur Kategorie der Privatuniversitäten gezählt. Diese vom Land Niederösterreich gemeinsam mit dem Bund getragene Einrichtung wurde jedoch durch ein eigenes Bundesgesetz zur Hochschule erhoben.

Studienangebot der Privatuniversitäten[Bearbeiten]

2010 wurden 159 Studiengänge an Privatuniversitäten angeboten. Davon entfielen 67 (42 %) auf künstlerische, 30 (19 %) auf sozial- und wirtschaftswissenschaftliche, 28 (18 %) auf medizinische und gesundheitswissenschaftliche sowie 18 (11 %) auf geistes- und kulturwissenschaftliche Programme. Außerdem gab es je sieben informationswissenschaftliche und theologische sowie zwei technische Studien. Insgesamt studierten 6301 Personen an Privatuniversitäten. [15]

Österreichische Privatuniversitätenkoferenz[Bearbeiten]

Die Interessenvertretung der Privatuniversitäten ist die Österreichische Privatuniversitätenkonferenz (ÖPUK).

Schweiz[Bearbeiten]

In der Schweiz gibt es eine große Zahl von privaten Hochschulen. Die Abschlüsse einiger dieser Hochschulen sind international anerkannt, andere sind nur in der Schweiz anerkannt, wieder andere nur auf kantonaler Ebene.

Private Hochschulen, deren Abschlüsse international anerkannt werden[Bearbeiten]

(Liste möglicherweise noch unvollständig)

Private Hochschulen, deren Abschlüsse nicht international anerkannt werden[Bearbeiten]

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Ob ein Abschluss in Deutschland anerkannt wird, kann in der Website der deutschen Kultusministerkonferenz eingesehen werden.[16]

Folgende Bildungsinstitutionen werden dort als Hochschultyp „H-“ (Nichtanerkannte Hochschule) geführt:

Dies wird wie folgt begründet: „Es handelt sich um eine Institution, die nicht in der Liste der anerkannten Hochschulen zum Äquivalenzabkommen Deutschland - Schweiz geführt wird. Es ist durchaus möglich, dass eine kantonale Anerkennung vorhanden ist; sie ist jedoch nicht maßgebend für die Anerkennung in Deutschland.“

Institutionen, die sich als Hochschulen bezeichnen, aber nicht als solche anerkannt sind[Bearbeiten]

Einige Ausbildungsinstitutionen in der Schweiz führen Bezeichnungen wie „Universität“ oder „Hochschule“, ohne jedoch als Hochschule anerkannt zu sein,[17] z. B.:

  • Albert Schweitzer International University in Genf
  • University of Business & Finance Switzerland in Wettingen
  • EuroSwiss Universität in Neuhausen
  • Baptistische Theologische Hochschule in Rüschlikon

Quellen[Bearbeiten]

  1. Österreichischer Akkreditierungsrat: Zahlen und Fakten 2010 (PDF; 572 kB)
  2. PEF hat die Akkreditierung laut Mitteilung an die Privatuniversitätenkonferenz per 24. Oktober 2012 zurückgelegt.
  3. Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung: Hochschulgesetze
  4. Österreichischer Akkreditierungsrat: Qualitätssiegel
  5. Jahresbericht deas Österreichischen Akkreditierungsrates 2003 (Kapitel 10 „Aufsicht“, letzter Absatz)
  6. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatPrivatuniversität hat nicht das Recht, Ehrendoktorate zu verleihen. Österreichischer Verwaltungsgerichtshof, 28. April 2006, abgerufen am 2. Juli 2007.
  7. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorlage:Internetquelle/Wartung/Datum nicht im ISO-FormatZur Zulässigkeit der Vergabe von akademischen Ehrungen durch Privatuniversitäten und anderer postsekundäre Bildungseinrichtungen. Zeitschrift für Hochschulrecht, Hochschulmanagement und Hochschulpolitik, 16. März 2007, abgerufen am 20. Juni 2007.
  8. Vorlage:Internetquelle/Wartung/Zugriffsdatum nicht im ISO-FormatVorschläge zur Novellierung des Universitätsakkreditierungsgesetzes. Österreichischer Akkreditierungsrat, abgerufen am 27. Juni 2007 (PDF; 41 kB).
  9. AQ Austria – Akkreditierung der Karl Landsteiner Privatuniversität, abgerufen am 9. Dezember 2013.
  10. Österreichischer Akkreditierungsrat: Entzug der Akkreditierung der IU Vienna
  11. Österreichischer Akkreditierungsrat: Imadec-Info
  12. Meldung des Österreichischen Akkreditierungsrates zum Erlöschen der Akkreditierung der TCM Privatuniversität Li Shi Zhen
  13. AQ Austria: PEF Privatuniversität hat den Studienbetrieb eingestellt.
  14. AQ Austria – Widerruf der Akkreditierung der European Peace University, abgerufen am 9. Dezember 2013.
  15. Österreichischer Akkreditierungsrat: Newsletter April 2011 (PDF; 264 kB)
  16. Anabin -Institutionen
  17. Anabin - Nichtanerkannte Hochschulen in der Schweiz

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Private universities and colleges – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien