Privileg (Soziologie)

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Als Privileg wird in der Soziologie die Annahme verstanden, dass bestimmte Rechte oder Vorteile nur für bestimmte Person oder Gruppen zur Verfügung stehen. Der Begriff wird häufig im Zusammenhang mit sozialer Ungleichheit, insbesondere in Bezug auf Alter, Behinderung, ethnische oder rassische Zuordnung, Geschlecht, Geschlechtsidentität, sexuelle Orientierung, Religion und/oder soziale Klasse verwendet.[1] Geläufige Beispiele wären etwa der Zugang zu Hochschulbildung oder Wohnraum.[1] Privilegien können auch emotional oder psychologisch erlebt werden, etwa in Bezug auf Geborgenheit und persönliches Selbstvertrauen, oder mit einem Gefühl der Zugehörigkeit oder Wert in der Gesellschaft.[2] Das Konzept gewann insbesondere in den letzten Jahren auch außerhalb akademischer Analysen an Popularität, was mitunter zu Missverständnissen, Widerstand und Kontroversen führte.[3] Ein häufiges Missverständnis dabei ist, dass sich Privilegien auf Individuen bezögen, während das sozialwissenschaftliche Verständnis den Begriff vor allem auf Gruppen bezieht. Somit können Individuen auch mehreren Gruppen angehören, was dazu führt, dass Weiße z. B. als Menschen mit Behinderung, Angehörige der Arbeiterschicht etc. Opfer von Diskriminierung werden können.[4]

Die Analyse von Privilegien und sozialen Gruppen weist eine Vielzahl von Perspektiven auf. Lawrence Blum kritisiert die Begrenztheit des Begriffs, wie etwa die Unfähigkeit, zwischen Begriffen der „verschonten Ungerechtigkeit“ und „ungerechtfertigten Bereicherung“ zu unterscheiden, und ihre Tendenz, unterschiedliche Gruppen zu verschmelzen.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Twine, France Winddance (2013): Geographies of Privilege. Hrsg.: Routledge. ISBN 0-415-51961-6, S. 8–10.
  2. Kimmel, Michael S.: Privilege: A Reader. Westview Press, ISBN 0-8133-4426-3, S. 1, 5, 13–26.
  3. Cory Weinberg: Academics who study white privilege experience attention and criticism. In: Inside Higher Ed. 28. Mai 2014, abgerufen am 28. März 2021 (englisch).
  4. Rachel McKinnon, Adam Sennet: Survey Article: On the Nature of the Political Concept of Privilege. In: Journal of Political Philosophy. Band 25, Nr. 4, 2017, ISSN 1467-9760, S. 487–507, doi:10.1111/jopp.12113 (wiley.com [abgerufen am 28. März 2021]).
  5. Blum, Lawrence: Theory and Research in Education. 2008, abgerufen am 8. August 2017.