Prix de Rome

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Villa Medici in Rom

Der Prix de Rome oder Rompreis war eine erstmals im 17. Jahrhundert von der Académie royale de peinture et de sculpture an Bildende Künstler verliehene Auszeichnung, die mit einem Stipendium und einem mehrjährigen Aufenthalt in Rom verbunden war. Nach der Schließung der Académie royale (1793) schrieb die im Jahr 1803 neu gegründete Académie des Beaux-Arts den Preis und den entsprechenden Wettbewerb aus – nun auch im Studienfach Musik. Die Preisverleihungen wurden nach den Studentenunruhen im Mai 1968 eingestellt.

Prix de Rome der Académies royales[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Rompreis wurde von Ludwig XIV. im Jahr 1666 ins Leben gerufen, um jungen talentierten Architekten, Malern, Radierern sowie Bildhauern das Studium der klassischen Künste in Rom, der Wiege der europäischen Kunst, zu ermöglichen. Als Sitz der zu diesem Zweck von Jean-Baptiste Colbert gegründeten Académie de France à Rome wurde zunächst das Haus des Abtes Saraca auf dem Ianiculus angemietet. Umzüge fanden 1673 in den Palazzo Caffarelli, 1685 in den Palazzo Capranica, 1725 in den Palazzo Mancini und 1803 in die Villa Medici statt.[1] Dort residiert die Akademie bis heute: unter dem Namen Villa Médicis – Académie de France à Rome.[2]

Kunstpreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Idee einer Preisvergabe an talentierte junge Künstler wurde bereits 1654 an der 1648 gegründeten Académie royale de Peinture et de Sculpture geboren; bis zur tatsächlichen Einrichtung sollten jedoch noch einige Jahre vergehen. 1663 setzte das Ehrenmitglied Gédéon Berbier du Metz drei Preise für die besten Schülerzeichnungen aus, 1665 reisten die ersten Preisträger nach Rom: Pierre Monier und Jean-Baptiste Corneille. Bis 1672 wurden meistens drei der eingereichten Arbeiten – i. d. R. Zeichnungen – prämiert. Die Trennung der Wettbewerbe in die beiden Klassen Malerei und Skulptur erfolgte 1673. Bis auf wenige Ausnahmen wurden jährlich zwei prix de peinture und zwei prix de sculpture verliehen. Der jeweils erste Preis war gleichbedeutend mit einem drei-, später vierjährigen Rom-Stipendium.[3] Die beiden folgenden Listen führen einige der Gewinner des prix de Rome auf.

Malerei[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preisträger (Auswahl)

Skulptur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preisträger (Auswahl)

Architekturpreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ab 1720 kamen die besten Architekturstudenten der 1671 gegründeten Académie royale d'Architecture ebenfalls in den Genuss des Prix de Rome.

Preisträger (Auswahl)

Prix de Rome der Académie des Beaux-Arts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 8. August 1793 hob der Nationalkonvent sämtliche königlichen Akademien und Gelehrtengesellschaften auf – um sie im Oktober 1795 als Institut National des Sciences et Arts, später (und heute) Institut de France, in einer Institution zu vereinen. Die Schönen Künste, zunächst noch mit der Literatur in einer Klasse verbunden, erhielten im Januar 1803 eine eigene Klasse als Académie des Beaux-Arts. Die Académie de France à Rome, seit November 1801 unter der Leitung des bereits im November 1792 nominierten flämischen Malers Joseph-Benoît Suvée, zog kurz darauf in die neu erworbene Villa Medici um. Die Wettbewerbe um die Rompreise wurden umgehend wieder aufgenommen.

Malereipreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preisträger (Auswahl)

Skulpturpreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preisträger (Auswahl)

Architekturpreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Preisträger (Auswahl)

Musikpreis[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahr 1803 weitete man die Vergabe des Prix de Rome auf den Bereich der Musik aus. Von da an wurde er jährlich verliehen. Voraussetzung war das Studium am Pariser Konservatorium, und in einer mehrphasigen Ausscheidung konnten die Musikstudenten mit einer abschließenden Kantaten-Komposition (auf einen vorgegebenen Text) dieses renommierte und äußerst begehrte Stipendium gewinnen. Während ihres Aufenthalts mussten die Stipendiaten jährlich ein weiteres Musikstück einreichen, das von den Mitgliedern der Académie bewertet wurde. Zahlreiche namhafte Komponisten gewannen diesen begehrten Preis. Im Jahr 1968 wurde der Wettbewerb abgeschafft, seit 1971 werden jedoch wieder Stipendien der Akademie verliehen.

Der Preis wurde in vier Abstufungen verliehen, die nicht alle in jedem Jahr verliehen wurden: „premier Premier Grand Prix“ (1. Hauptpreis), „deuxième Premier Grand Prix“ (2. Hauptpreis), „premier Second Grand Prix“ (1. Zweiter Preis) und „deuxième Second Grand Prix“ (2. Zweiter Preis). Dass die Jury sich auch irren kann und nicht jeder Anwärter auf den musikalischen Rompreis zu Recht in seiner künstlerischen Leistung gewürdigt wird, zeigt sich am Beispiel von Maurice Ravel, der sich fünfmal bewarb und ihn nie bekommen hat. Beim ersten Versuch 1900 und beim letzten Versuch 1905 (1904 probierte er es nicht) schied er bereits in der Vorrunde aus. 1905 führte dies zu einem solch großen Skandal, dass Théodore Dubois, der Leiter des Pariser Konservatoriums, zurücktreten musste.

Preisträger (Auswahl)

Prix de Rome für Musik in Belgien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach französischem Vorbild führte François-Joseph Fétis 1841 in Belgien einen Prix de Rome für Komposition ein, dieser wurde bis 1973 vergeben, Pflichtwerk war eine Kantate.

Preisträger (Auswahl)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gudrun Valerius: Académie Royale de Peinture et de Sculpture 1648 – 1793. Geschichte. Organisation. Mitglieder. BoD, Norderstedt 2010, Seite 181–201 (Preisvergabe) und 95–102 (Académie de France à Rome)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. G. Valerius, Seite 97, 99f und 102; auch zu den 13 Direktoren Seite 98–102
  2. Offizielle Website der Villa Medici (Text frz., ital., engl.)
  3. G. Valerius, Seite 181–184; auch zum Wettbewerbsverfahren Seite 184–187 und vollständige Liste der Preisträger Seite 187–194
  4. Originaltitel: Érasistrate découvrant la cause de la maladie d’Antiochius
  5. Originaltitel: La Cananéenne aux pieds du Christ
  6. Originaltitel: Le Cheval compagnon de l'Homme [1]