Proaktivität

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Proaktivität (Adj. proaktiv) ist ein Neologismus aus den lateinischen Bestandteilen pro ,für‘ und activus ‚tätig‘, also ‚für [etwas] handelnd‘, eigentlich eine "Übersetzung" des englischen Begriffs ‚proactive‘ (im Sinne von dt. ‚initiativ‘) ins Deutsche als Gegensatz (Antonym) zum Begriff ‚reactive‘ (dt. ‚reaktiv‘). Proaktives Handeln bezeichnet zielgerichtetes Handeln.[1]

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemäß Duden bedeutet proaktiv „durch differenzierte Vorausplanung und zielgerichtetes Handeln die Entwicklung eines Geschehens selbst bestimmend und eine Situation herbeiführend“.[1] Der Fremdwörter-Duden erfasst das Wort seit der 3. Auflage, 2003. Proaktivität bezeichnet initiatives Handeln – im Gegensatz zu einem abwartenden oder reaktiven Handeln – und beinhaltet auch eine besondere Bejahung des Handelns als innerer Einstellung.

Während Aktivität nicht zwingend planvoll ist (z. B. in Form von blindem Aktionismus), setzt proaktives Handeln eine Vorausplanung und eine Erwartungshaltung voraus.

Im angelsächsischen Sprachraum ist der Begriff (erst seit diesem Jahrtausend) – aus dem Bereich des Managements[2] kommend – deutlich weiter verbreitet.

Verwendung in der Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im deutschen Sprachraum wurde der Begriff Proaktivität 1946 von Viktor E. Frankl im psychologischen Kontext eingeführt. Das Wort bezeichnet dort die bewusste Steuerung des eigenen Verhaltens unabhängig von äußeren Einflüssen, indem das Schema von Reiz und darauf folgender Reaktion durchbrochen wird.

Weite Verbreitung fand der Begriff durch den Selbstfindungs-Bestseller 7 Wege zur Effektivität (The Seven Habits of Highly Effective People, 1989) des US-amerikanischen Schriftstellers Stephen R. Covey.

Der Begriff findet sich darüber hinaus vielfach im wirtschaftswissenschaftlichen Schrifttum oder in der Managementliteratur, in der deutschen u. a. bei Christian Scholz, Personalmanagement, 1989, S. 13. Scholz definiert: „Proaktivität bedeutet frühzeitiges Handeln, noch ehe die Umwelt das Unternehmen zu (reaktiven) Maßnahmen zwingt.“ Später erweitert Scholz den Begriff im Sinne einer Szenario-Technik: „[…] frühzeitiges und differenziertes Vorbereiten auf mindestens zwei unterschiedliche Umweltkonstellationen oder bewusstes Gestalten ausgewählter strategischer Tatbestände in eine Richtung […]“ (Personalmanagement, 5. Aufl. 2000).

Für andere Autoren büßt der so verstandene Begriff seine Trennschärfe ein und bezeichnet einen Sachverhalt, der sich auch allgemein mit dem Begriff Planung übersetzen lässt. So begreift etwa Wolfgang H. Staehle den Begriff Proaktivität: Planung bedeute gerade das frühzeitige Vorbereiten auf antizipierte Umweltkonstellationen, das die Proaktivität für sich in Anspruch nimmt.[3]

Verwendung in der Umgangssprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Umgangssprache wird der Begriff floskelhaft und oft inhaltsleer verwendet. Meist soll er generell für positives Denken und entschlossenes, tatkräftiges, zupackendes Handeln stehen. Besonders häufig findet er sich Texten, die zum Gutteil aus Floskeln zusammengesetzt werden:

  • In Stellenanzeigen wird von Bewerbern erwartet, dass sie proaktiv „agieren“, „reagieren“, „handeln“, „erkennen“, „informieren“, „Probleme lösen“ und „Lösungen suchen“.[4] Dieselben Verben wurden bis Ende der 2000er Jahre in gleicher Weise mit aktiv verknüpft.[5]
  • Die Werbung arbeitet u.a. mit Personen fortgeschrittenen Alters, die erstaunlich jung und frisch wirken, weil sie fleißig proaktiv etwas für ihre Gesundheit und ihre körperliche Leistungsfähigkeit tun, im Gegensatz zu einer bloß symptomatischen Behandlung schon eingetretener Erkrankungen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Viktor E. Frankl: Der Mensch auf der Suche nach Sinn. Ernst Klett Verlag Stuttgart, 1972, ISBN 3-451-01930-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b duden.de – Eintrag proaktiv, abgerufen am 26. Februar 2016, statischer Link
  2. Olev Verwaltungslexikon, Definitionen Reaktiv - Aktiv - Proaktiv
  3. Wolfgang H. Staehle: Management. Eine verhaltenswissenschaftliche Perspektive. Vahlen, München, 7. Aufl. 1994, S. 575.
  4. Leipziger Wortschatz, Abfrage am 11. April 2016.
  5. Leipziger Wortschatz, Abfrage am 1. Juli 2008.