Problembär

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Als Problembär werden wild lebende Bären bezeichnet, die vom Menschen unerwünschte Verhaltensmuster aufweisen. Problembären sind regelmäßig nur eine indirekte Gefährdung für Menschen, produzieren durch ihr Verhalten aber oft erhebliche Schäden.

Schweiz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als Problembär werden nach dem Konzept Bär[1] des Bundesamts für Umwelt in der Schweiz wild lebende Bären bezeichnet, die für Menschen problematische Verhaltensweisen zeigen, deren Schwere jedoch noch keinen Abschuss des Tieres rechtfertigt. Für die Risikoeinschätzung steht ein Problembär über dem Unauffälligen Bären, aber noch unter dem Risikobären.[2] Rechtliche Grundlage war bis 2012 Art. 10 Abs. 6 JSV, seither Art. 10bis Ziffer f JSV.

Definition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ein Problembär ist nach Konzept Bär ein Bär, der sich zur Nahrungssuche oft in der Nähe von Siedlungen aufhält, dabei große Schäden an Einrichtungen und/oder Landschaft anrichtet und der durch mangelnde Menschenscheu oft für Menschen potentiell gefährliche Situationen schafft.[3]

Umgang mit Problembären[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da der Braunbär in allen europäischen Ländern zu den streng geschützten Arten gehört, sind bei problematischem Verhalten zuerst nicht-letale Maßnahmen anzuwenden. Bei ausbleibendem Erfolg kann die letale Entnahme eines Exemplars nur im Rahmen der in der Habitatsdirektive vorgesehenen Ausnahmen erfolgen.[4][5][6][7] Das Konzept Bär sieht vor, dass Problembären eingefangen, mit einem Sender versehen und vergrämt werden. Problembären, die trotz wiederholter Vergrämung keine wachsende Scheu vor Menschen zeigen und/oder einen Menschen angegriffen und verletzt haben, werden als Risikobären eingestuft und zum Abschuss freigegeben.

Bisher erlegte Risikobären[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Schweiz wurde zum ersten Mal am 14. April 2008 im Kanton Graubünden ein Risikobär erschossen. Der erschossene Bär JJ3 war ein Bruder des 2006 in Bayern erschossenen Bären JJ1. Beide Bären hatten ihr problematisches Verhalten vermutlich von ihrer Mutter erlernt.[8]

Am 19. Februar 2013 wurde der Bär M13 im Kanton Graubünden erlegt,[9] der kurz zuvor noch im Mittelpunkt des medialen Interesses gestanden hatte, weil ein Kapitalverbrechen entdeckt worden war, als der Schaden, den er durch Umstoßen eines Baumes angerichtet hatte, beseitigt werden sollte.[10][11]

Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff „Problembär“ kam in Deutschland erstmals im Zusammenhang mit dem Bären JJ1 („Bruno“) auf. In politischen Zusammenhängen wurde der Begriff als Synonym für JJ1 verwendet, was die Tagespresse und einige Gruppierungen aufgriffen und auch auf andere Zusammenhänge übertrugen. Populär und zu einem zeitweise das Tagesgeschehen mitbestimmenden Wort wurde der Ausdruck durch eine Rede des damaligen bayerischen Ministerpräsidenten Edmund Stoiber Ende Mai 2006, der im Rahmen einer Pressekonferenz die Abschussgenehmigung des Bären JJ1 rechtfertigte. Hierbei unterschied Stoiber zwischen „Normalbären“ mit erwartungsgemäßem Verhalten, „Schadbären“ sowie „Problembären“, zu denen er auch JJ1 zählte.[12] Bei der Wahl zum Wort des Jahres 2006 erreichte das Wort den siebten Platz. Die Satirezeitschrift Titanic bezeichnet Ende Juni 2006 den SPD-Vorsitzenden Kurt Beck als Problembären. Daraufhin wurde sie von ihm verklagt.[13]

Österreich[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff „Problembär“ wurde in den 1990er Jahren in der österreichischen Medienberichterstattung aufgrund von Zwischenfällen mit Bären in Niederösterreich und der Steiermark verwendet. Der ehemalige Moderator der ORF-Fernsehsendung „Inlandsreport“, Helmut Brandstätter, erklärte im Jahre 1994 das Wort „Problembär“ scherzhaft zum „Wort des Jahres“.

Nordamerika[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Nordamerika wird für Problembären neben der Bezeichnung Problem Bears[14] auch die Bezeichnung Nuisance Bears[15] („lästige Bären“, „Störbären“) verwendet.

Beim Tod von Grizzlybären in den nördlichen Rocky Mountains handelte es sich in 80 % der Fälle um Tötungen durch Menschen. Meist waren es entweder vom Prädatorenmanagement vorgenommene Entnahmen wegen Erbeutens von Vieh oder Kollisionen mit Fahrzeugen. Von Grizzlybären als Omnivoren ist bekannt, dass sie auf der Nahrungssuche um Häuser streunen und sogar in Häuser einbrechen. Im Jahr 2015 waren 12 von 59 Todesfällen bei Grizzlybären in Wyoming, Idaho und Montana vom Management durchgeführte Entnahmen von Tieren, die infolge Belohnung durch Auffinden von Nahrung und Gewöhnung an die Anwesenheit von Menschen (Habituation) problematisch wurden. Mindestens ein Bär musste getötet werden, nachdem er einen Menschen getötet hatte. [16]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. BAFU: Konzept Bär - Managementplan für den Braunbären in der Schweiz, 8. Juli 2009, abgerufen am 2. Mai 2016.
  2. Medienmitteilung des UVEK
  3. Konzept Bär Schweiz (PDF; 1,5 MB)
  4. European Commission: Conservation Status of large Carnivores
  5. European Commission: Environment Habitats Directive
  6. Habitats Directive: Composite European Commission Report on derogatons in 2007-2008 according to article 16 of directive 92/43/EEC Tabelle Seite 39, PDF Seite 41
  7. European Commission: Status, management and distribution of large carnivores – bear, lynx, wolf & wolverine – in Europe Dezember 2012, Seite 17 und 24.
  8. Bär JJ3 erschossen auf link-gr.ch.
  9. Kanton Graubünden: Risikobär M13 erlegt (PDF; 76 kB).
  10. Die Welt: M13, die Leiche und die Kollision mit einem Zug, abgerufen am 20. Februar 2013
  11. Schweizer Radio und Fernsehen: Bär M13 wurde abgeschossen., abgerufen am 20. Februar 2013.
  12. Transkript von Stoibers Erklärung mit Link zur MP3-Datei auf stoibaer.de, abgerufen am 17. August 2013.
  13. Spiegel Online: SPD verklagt "Titanic", 3. Juli 2017.
  14. Umweltministerium von British Columbia (englisch)
  15. Talking Points – “Nuisance” Bears. NoBearHuntNV.org, archiviert vom Original am 23. Dezember 2011; abgerufen am 22. Dezember 2011 (englisch).
  16. Katherine V. Wolley: A Policy Analysis of Large Carnivore Responses to Habitat Fragmentation and Human – Carnivore Conflicts in the High Divide University of Colorado, Boulder CU Scholar 2016, Seite 17, PDF Seite 18