profil (Zeitschrift)

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Profil
Profil.svg
Beschreibung Österreichisches Nachrichtenmagazin
Verlag Kurier Zeitungsverlag und Druckerei GmbH (Österreich)
Hauptsitz Wien
Erstausgabe 7. September 1970
Erscheinungsweise wöchentlich (montags)
Verkaufte Auflage 61.864 Exemplare
(ÖAK 1. Halbjahr 2018[1])
Reichweite 0,308 Mio. Leser
(Media-Analyse 2017/18[1])
Chefredakteure Christian Rainer
Sven Gächter
Herausgeber Christian Rainer
Weblink profil.at
ISSN (Print)

profil ist ein österreichisches Nachrichtenmagazin. Es wurde 1970 von Oscar Bronner als Monatsmagazin gegründet, der zuvor bereits das Wirtschaftsmagazin trend geschaffen hatte und 1988 die Tageszeitung Der Standard auf den Markt brachte. 2008 wurde die Zeitschrift als wichtigstes österreichisches Nachrichtenmagazin bezeichnet.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

profil erschien am 7. September 1970 zum ersten Mal; die Titelgrafik hatte Erich Sokol gezeichnet, der Aufmacher lautete FPÖ zwischen Macht und Pleite. Die Auflage betrug 25.000 Stück, der Heftpreis lag bei 20 Schilling. Anfänglich monatlich publiziert, erschien profil ab Oktober 1972 14täglich[3] und wird seit Jänner 1974 wöchentlich publiziert. Im Juni 1979 wurde der Erscheinungstag von Dienstag auf Montag vorverlegt.

In seinem "Brief des Herausgebers" zur ersten Ausgabe formulierte Oscar Bronner den Gründungsgedanken des profil so:

"Wir sind der Meinung, dass es in Österreich endlich eine Zeitschrift geben sollte, die intelligente Menschen unabhängig von allen Interessengruppen über die Hintergründe des politischen, kulturellen und sonstigen Geschehens informiert (...) Im übrigen aber sehen wir unsere Aufgabe weniger darin, selbst Kritik zu üben, als darin, die Hintergründe des Geschehens mit so viel Informationsmaterial wie möglich so transparent zu machen, dass sich der Leser selbst ein Urteil bilden kann."[4]

Die Redaktion bezog die Räumlichkeiten einer ehemaligen Blusenfabrik in der Wiener Marc-Aurel-Straße. Zur Gründergeneration gehörten neben Bronner auch Peter Michael Lingens, damals Gerichtsreporter des Kurier, Helmut Voska, Claus Gatterer und Jens Tschebull, der auch Chefredakteur des trend war.

Erstmals sorgte profil mit seiner Ausgabe vom 2. Februar 1971 (Heft Nr. 6) für überregionales Aufsehen. Die Ausgabe wurde gleich zwei Mal beschlagnahmt, beim zweiten Mal auf Betreiben des Wiener Bürgermeisters Felix Sklavik. profil hatte über Grundstücksgeschäfte seines Schwagers berichtet. Der Skandal bescherte profil große Bekanntheit und steigende Abonnentenzahlen, das Magazin wurde zur ersten Adresse für Whistleblower und Insider-Informanten. Um durch Beschlagnahmungen nicht finanziell ruiniert zu werden, wurden die „profil-Dokumente“ eingeführt, ein Heft im Heft, in dem besonders brisante Artikel erschienen und die bei Beanstandung unkompliziert entfernt werden konnten. Zu den Tippgebern der frühen Jahre zählte auch der Wiener Bauingenieur Alfred Worm, der unter anderem den sogenannten Bauring-Skandal aufdeckte und als Investigativ-Journalist bei profil anheuerte.[5]

1974 verkaufte Bronner 51 Prozent der Anteile am Trend- und Profil-Verlag für 18 Millionen Schilling an die Kurier-Gruppe, den Großteil vom Rest verschenkte er an langjährige Mitarbeiter.[6]

Im Jahr 1980 deckte Alfred Worm in einer Serie von Artikeln den AKH-Skandal[7] auf: Im Zuge des Neubau des Wiener Allgemeinen Krankenhauses waren einem Spitzenbeamten der Stadt Wien und seinen Komplizen Schmiergelder in Millionenhöhe zugeflossen. Der Skandal hatte auch politische Folgen, weil mehrere der handelnden Personen engen Kontakt zu Spitzenpolitikern der Sozialdemokratischen Partei Österreichs pflegten.[8]

Am 3. März 1986 zitierte Hubertus Czernin im profil aus dem Wehrmachtsakt des ehemaligen UN-Generalsekretärs und damaligen Bundespräsidentschafts-Kandidaten Kurt Waldheim. Unter anderem ergaben die Dokumente zweifelsfrei, dass Waldheim Mitglied der nationalsozialistischen SA gewesen war.[9] Im weiteren Verlauf der Waldheim-Affäre wurde auch die mögliche Verwicklung Waldheims in NS-Kriegsverbrechen thematisiert.

Am 25. März 1995 löste profil mit einer Coverstory über den "Fall Groer"[10] einen der größten Skandale der jüngeren österreichischen Kirchengeschichte aus. Ein ehemaliger Zögling des Wiener Erzbischofs Kardinal Hans Hermann Groer hatte profil-Chefredakteur Josef Votzi berichtet, Groer habe ihn als Schüler sexuell missbraucht. Es meldeten sich bald weitere mutmaßliche Opfer des Kardinals. Die Affäre führte zum Rücktritt Groers, dem als Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn nachfolgte, sowie zum Kirchenvolksbegehren.

Mitarbeiter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1971 war Jens Tschebull Chefredakteur. 1972–1987 war Peter Michael Lingens, bis Mai 2017 auch Kolumnist des Magazins, profil-Herausgeber. Zu den Mitarbeitern der frühen profil-Jahre zählten Sigrid Löffler, Trautl Brandstaller, Elizabeth T. Spira, Peter Pilz, Hans Rauscher und Ursula Pasterk. Von 1988 bis 1991 war Peter Rabl Herausgeber, der nach einem Streik der profil-Redaktion im Oktober 1991 (es ging um Rabls geplante Doppelrolle als Mitglied von Redaktion und Geschäftsführung) aus dem Amt schied[11]. Ihm folgte als Herausgeber der Waldheim-Aufdecker Hubertus Czernin. 1996 wurde Czernin im Konflikt mit den damaligen Eigentümervertretern gekündigt, ihm folgte der langjährige Chefredakteur Josef Votzi. Seit 1998 ist Christian Rainer Herausgeber und Chefredakteur. Die Chefredaktion besteht außerdem aus Sven Gächter. Herbert Lackner war von 1992 bis Ende Februar 2015 Chefredakteur.[12] Zu den aktuellen Mitarbeitern gehören Stefan Grissemann, Angelika Hager, Michael Nikbakhsh, Georg Hoffmann-Ostenhof, Marianne Enigl (seit 1983 beim Blatt, Ende 2014 pensioniert, aber als freie Mitarbeiterin weiterhin tätig), Alwin Schönberger, Martin Staudinger, Rainer Nikowitz und Eva Linsinger. Als Kolumnistin ist Elfriede Hammerl tätig. Eine weitere regelmäßige Kolumne schreibt der Leiter des wirtschaftsliberalen Thinktanks Agenda Austria, Franz Schellhorn.

Eigentümer, Auflage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

profil gehörte bis zum 31. Oktober 2019 zur VGN (Verlagsgruppe News) und erscheint seither im Kurier Zeitungsverlag.[13] Im 1. Halbjahr 2005 hatte profil eine Auflage von etwa 100.000 Stück sowie eine Reichweite von 6,5 %. 2009 hatte profil im Jahresschnitt eine Druckauflage von 90.487 Stück (davon 74.004 verkauft).[14] Im zweiten Halbjahr 2013 betrug die Druckauflage 91.269 Exemplare.[15] Im zweiten Halbjahr 2015 betrug die Druckauflage 89.920 Stück (davon 67.479 verkauft), die Reichweite war 4,8 %.[16]

Menschen des Jahres[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 2008 wählt die Redaktion des Nachrichtenmagazines jährlich eine Person zum Menschen des Jahres, aufgrund seines oder ihres konkreten Einflusses auf das gesellschaftliche und politische Leben im abgelaufenen Jahr.[17] Unter den bisherigen Menschen des Jahres waren etwa Arigona Zogaj (2009), Edward Snowden (2013), Angela Merkel (2015) und Greta Thunberg (2019).

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b profil – Mediadaten vgn.at
  2. Harald Fidler: Österreichs Medienwelt von A bis Z, Falter-Verlag, Wien 2008, ISBN 978-3-85439-415-0, S. 497
  3. [1]
  4. https://twitter.com/eugenafreund/status/1300721035172548608/photo/2. Abgerufen am 17. September 2020.
  5. Tod eines Jägers. 10. Februar 2007, abgerufen am 25. September 2020.
  6. Oscar Bronner. Ein Stück österreichische Mediengeschichte im Schnelldurchlauf. In: Der Österreichische Journalist, Nr. 8+9 2008, S. 46
  7. AKH-Skandal. Abgerufen am 25. September 2020 (englisch).
  8. AKH-Skandal. Abgerufen am 25. September 2020 (englisch).
  9. Medien: Die Geschichte einer Recherche. 18. März 2006, abgerufen am 25. September 2020.
  10. Das erste "Spotlight": Die Groer-Affäre als historischer Tabubruch. 12. März 2016, abgerufen am 25. September 2020.
  11. Immer wieder montags: Seit 35 Jahren begleitet profil die österreichische Politik. 5. November 2005, abgerufen am 6. September 2020.
  12. derStandard.at - "Profil": Eva Linsinger folgt Herbert Lackner als Innenpolitik-Chefin nach. APA-Meldung vom 21. Jänner 2015, abgerufen am 14. März 2015.
  13. Grünes Licht von der Bundeswettbewerbsbehörde: profil kehrt vollständig ins KURIER Medienhaus zurück. Abgerufen am 4. September 2020.
  14. News: Auflagen (Memento vom 29. Dezember 2010 im Internet Archive)
  15. Impressum in profil, Nr. 26, 23. Juni 2014, S. 6
  16. profil - Mediadaten. Abgerufen am 27. Juli 2016.
  17. profil.at: Menschen des Jahres (Memento vom 27. Dezember 2014 im Internet Archive)