Programmzeitschrift

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Die Programmzeitschrift ist eine Publikumszeitschrift mit der Hauptaufgabe, über das Fernsehprogramm und Rundfunkprogramm zu informieren.

Auf speziellen Programmseiten stehen die Angebote der Sender aufgelistet. In Deutschland ist es üblich, dass jedem Sender ein bestimmter Platz zugeordnet wird. In anderen Ländern gibt es auch Fernsehzeitschriften, die Sendungen nur nach Uhrzeit sortieren. Viele Fernsehzeitschriften wandelten sich in den 1990er Jahren immer mehr zu Multimedia-Zeitschriften. Neben dem Fernsehen und Radio spielen auch Kino, Computer, Buch, DVD und Musik eine Rolle. Seit dem Erfolg von Smartphones und Tablet-Computern etwa um das Jahr 2010 nutzen immer mehr Menschen auf diesen Geräten laufende, kostenlose Computerprogramme mit Programmzeitschriften-Apps. (Siehe auch Second Screen.)

Die ersten deutschen Programmzeitschriften entstanden mit dem Beginn des Rundfunks. Ab etwa 1926 bildete sich im deutschen Reich eine föderale Rundfunkstruktur mit zehn Sendern heraus, die 1932 alle ihre eigenen Programmzeitschriften herausgaben, etwa die Südwestdeutsche Rundfunkzeitung S.R.Z. oder die Mirag, NORAG und WERAG der Mitteldeutschen, Norddeutschen und Westdeutschen Sender AGs.[1]

Vertriebsformen, Typisierung und Zielgruppen[Bearbeiten]

Programmzeitschriften werden je nach Herausgeber und Erlösmodell verschiedenen Gruppen zugeordnet - hier die vier wichtigsten:

  • klassische Kaufzeitschriften mit Kiosk- und Abonnementsvertrieb als Programmzeitschriften im engeren Sinn,
  • objektübergreifende, werbefinanzierte Programmsupplements zu Tageszeitungen,
  • Anzeigenblätter oder Kundenzeitschriften mit Programminformationen als inhaltlichem Schwerpunkt,
  • Programmhefte einzelner Sender im kostenlosen oder erlösgerichteten Vertrieb.

Die klassischen Kaufzeitschriften bilden nach ihrem Erscheinungstakt (wöchentlich, 14-täglich, monatlich) drei weitere Untergattungen, die jeweils unterschiedliche Zielgruppen bedienen und spezifische redaktionelle Konzepte abbilden.

So haben die wöchentlichen Programmzeitschriften als älteste Untergattung einen signifikant höheren Frauenanteil und durchgehend eine ältere Leserschaft als die erst Anfang der 1990er Jahre Zielgruppen gerichtet eingeführten 14-täglichen Magazine: Extrembeispiele sind zum Beispiel in Deutschland die Wochentitel die zwei (Frauenanteil 79,3 Prozent) und Auf einen Blick (53,4 Prozent der Leser 60 Jahre und älter) im Gegensatz zur 14-täglichen TV Digital (Frauenanteil 39,9 Prozent, 60-plus-Anteil 11,0 Prozent) oder zur seit 1990 erscheinenden TV Spielfilm (47,0 Prozent Frauen, 13,4 Prozent 60 plus).[2]

Die typische Gründungsphase der monatlichen Programmzeitschriften als dritter und jüngster Untergattung liegt ab dem Jahr 2000. Titel wie TV pur oder Nur TV unterscheiden sich vom umfangreichen redaktionellen Zusatzinhalt der 14-täglichen Konkurrenten durch ihre Beschränkung auf die reinen Programmdaten und einen aggressiven Vertriebspreis. Ende Februar 2012 attestierte DWDL.de den monatlichen Programmzeitschriften eine nach hinten hin stark abnehmende Zuverlässigkeit[3].

Markt und Gattungsreichweite[Bearbeiten]

Deutschland ist mit 34[4] erscheinenden Programm-Kaufzeitschriften weltweit der Markt mit der größten Auswahl: In den USA gibt es nur eine einzige landesweite Programmzeitschrift (TV Guide), Großbritannien zählt acht, Frankreich und die Niederlande je 13 Titel. Auf die Einwohnerzahl bezogen bemerkenswert hoch ist die Zahl von acht Zeitschriften in der Schweiz, während Österreich nur über ein Magazin (TV-Media) verfügt.[5] Dabei muss aber angemerkt werden, dass mit der Programmzeitschrift tele - das Fernsehmagazin vielen österreichischen Tageszeitungen wöchentlich ein Gratisexemplar beiliegt. Somit verzichten viele Österreicher, die eine Tageszeitung abonniert haben, auf den Kauf einer zusätzlichen Programmzeitschrift.

In Deutschland sind Programmzeitschriften mit einer Netto-Gattungsreichweite von mehr als 41 Millionen Lesern das reichweitenstärkste Segment in der Media-Analyse 2008, gefolgt von den „Aktuellen Zeitschriften“ (31,54 Mio.) und den Frauenzeitschriften (27,99 Mio.). Insgesamt erreichen die Kauftitel der Programmzeitschriften 63,3 Prozent der Bevölkerung. Die Gesamtauflage pro Erscheinungsintervall beträgt rund 18 Millionen Exemplare.[6]

Obwohl jeder zweite Deutsche eine Programmzeitschrift hat, werden aufwändige, teure Titel vom deutschen Markt nicht angenommen. Auch monatlichen Billigheften fehlen Anzeigen. Sämtliche etablierten Zeitschriften kommen von den Verlagen Bauer, Springer, Gong und Burda. Alle anderen Neuerscheinungen mussten aufgeben, beispielsweise TV49 Anfang 2009. Während Hörzu und Auf einen Blick seit den 1990er Jahren kontinuierlich an Auflage verlieren und seit einigen Jahren auch TV Movie und TV Spielfilm einen Auflagenschwund hinnehmen müssen, werden TV4Wochen und tvtop häufiger gelesen.[7]

Marktführende Titel und Anbieter[Bearbeiten]

Anzahl der verkauften wöchentlich erscheinenden Programmzeitschriften
Anzahl der verkauften 14-täglich erscheinenden Programmzeitschriften

Meistverkaufte deutsche Programmzeitschrift ist tv14 mit einer durchschnittlichen verkauften Auflage von 2,33 Millionen Exemplaren (IVW Quartal IV/2007). TV Digital folgt mit 1,99 Millionen Auflage, auf Platz drei liegt TV Movie mit 1,83 Millionen.[8]

Der Markt wird von vier Verlagen dominiert: Bauer Verlagsgruppe (Marktanteil im vierten Quartal 2007 nach Auflage 48,0 Prozent), Axel Springer Verlag (21,7 Prozent), Burda Verlag (19,5 Prozent) und Gong Verlag (10,9 Prozent).[9]

Elektronische Zeitschriften[Bearbeiten]

Für den Computer gibt es spezielle Fernsehzeitschriftprogramme wie das von Hörzu vertriebene TVgenial, das von TV Digital vertriebene tvDIGITAL OnGuide, teXXas, sowie das von TV Movie ClickFinder und das Open-Source-Projekt TV-Browser. Während TVgenial mehr Bilder bietet, enthält die kostenfreie Version des Programms nur wenige Sender, das Komplettprogramm ist nur in der Bezahlversion einsehbar. TV-Browser enthält die meisten Sender, jedoch nur zu einzelnen die Bilder.

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Siehe dazu Geschichte des Hörfunks, 10 Sender im Reich
  2. Media-Analyse Presse I 2008
  3. Uwe Mantel: Systematische Fehler: Vom Unsinn der 4-wöchentlichen TV-Zeitschriften in DWDL.de
  4. Stand Juni 2009, vgl. journalist 6/2009, S. 47 ff.
  5. „Der Markt der Programmzeitschriften“, Bauer Media KG, März 2008
  6. Media-Analyse Presse I 2008, auch journalist a.a.O. 2009
  7. Kein Markt für Neue...: journalist 6/2009, S. 47 ff.
  8. IVW IV/2007
  9. Berechnung nach Bauer Verlagsgruppe auf Basis IVW IV/2007