Project Blue Book

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Das Project Blue Book war eine von mehreren systematischen Studien des Geheimdienstes der US-Luftwaffe zur Sammlung und Auswertung der Sichtungen von UFOs durch Luftwaffenpiloten, Luftwaffenradarstationen, andere Luftwaffenangehörigen sowie zur Ermittlung vor Ort. Die Studie begann 1952 und war die dritte dieser Art nach Sign (1947) and Grudge (1949). Das Projektende wurde im Dezember 1969 befohlen und alle Aktivitäten wurden bis Ende Januar 1970 eingestellt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Project Sign, Project Grudge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1947 wurde das Project Sign (dt. Zeichen) eingerichtet und berichtete auch über den größten Teil des Jahres 1948. Ein Teil des Personals, darunter der Projektleiter Robert Sneider, bevorzugte die außerirdische Hypothese als beste Erklärung für einige UFO Berichte. Hochrangige Vorgesetzte lösten daraufhin das Projekt auf und im Schlußbericht stand, dass während einige UFOs realen Flugzeugen entsprächen, es nicht genug Daten gäbe, um Ihre Herkunft zu bestimmen.

Im Februar 1949 folgte das Project Grudge (dt. Groll) und alles wurde unter der Prämisse bewertet, UFOs gäbe es nicht. Im Pentagon verbreitete sich Hohn und viele behandelten das Thema als lächerlichen Witz. Das Personal untersuchte wenig bis gar nichts, erklärte aber gleichzeitig das Gegenteil. Einige Militärs verbreiteten soviel Häme und Spott, dass Generäle Respekt für die Berichte und deren Beobachter einfordern mussten. Die Öffentlichkeit wurde gezielt mit Falschmeldungen desinformiert. Piloten wurden als inkompetent und halluzinatorisch hingestellt und Generäle belogen sich. Der Schlußbericht vom August 1949 nannte als Erklärungen für UFOs die Falschinterpretation konventioneller Objekte, Massenhysterie, Lügen von Personen mit Geltungsbedürfnis und psychopathologische Personen.

Project Blue Book[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1951 wurde das neue Project Blue Book unter der Leitung von Edward J. Ruppelt gegründet. Er versuchte, die Untersuchungen systematischer und wissenschaftlicher zu gestalten. Insbesondere förderte er eine Standardisierung der Fragebögen, mit denen Personal konfrontiert wurde, das Sichtungen gemacht hatte.[1]

1954 stellte das Project Blue Book den Bericht Project Blue Book - Special Report No. 14 vor, der Sichtungsberichte und Tabellen enthielt. Insgesamt waren rund 3200 Sichtungen vom Project Blue Book dokumentiert. Die Sichtungen wurden nach known (dt. bekannt), unknown (dt. unbekannt) und insufficient information (dt. ungenügende Informationen) kategorisiert, die Qualität der Berichte auf einer Skala von eins bis vier eingestuft.[2]

Rund 69 % der Fälle wurden als bekannt kategorisiert, bei 9 % fehlten weitere Angaben, 22 % wurden als unbekannt bewertet.[3] 33 % aller exzellenten Fälle waren unbekannt gegenüber nur 17 % der schlechtesten Fälle.[4] Als exzellent wurden Fälle bewertet, die besonders zuverlässig beobachtet wurden, also zum Beispiel von mehreren vertrauenswürdigen und erfahrenen Personen. Weiterhin unterschieden sich die bekannten von den unbekannten Sichtungen signifikant in den beobachteten Merkmalen. Trotz dieser statistisch auffälligen Umstände wurde von der Air Force behauptet, der Bericht würde bestätigen, dass keine der Sichtungen mit außerirdischen Fahrzeugen in Verbindung gebracht werden könne.[5] Edward J. Ruppelt kritisierte in seinem 1956 erschienenen Buch Report On Unidentified Flying Objects diese Bewertung des Reports. Er war der Auffassung, der Bericht wäre zu politischen Zwecken missbraucht worden, ohne auf die Inhalte einzugehen.

Der astronomische Berater von Project Blue Book war J. Allen Hynek, Direktor des McMillin Observatoriums der Ohio State Universität. Auch er hat das Projekt aus seiner Sicht beschrieben (New York 1972, The UFO Experience - A Scientific Inquiry, München 1978 UFO Report - Ein Forschungsbericht). 1973 gründete er CUFOS (Center for UFO Studies).

Condon Committee und Beendigung von Project Blue Book[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Condon Committee war eine von der USAF als unabhängig und objektiv angekündigte Untersuchungskommission unter der Leitung von Edward Condon von der Universität Colorado. Es sollte alle bis dahin gesammelten Unterlagen über UFO-Vorfälle auswerten. 1969 wurde das Project Blue Book beendet. Das Condon Committee kam nach schwerwiegenden internen Zerwürfnissen zu der im Januar 1969 veröffentlichten Schlussfolgerung der Irrelevanz der UFO-Sichtungen für die Wissenschaft und der Überflüssigkeit weiterer Untersuchungen. Daran orientierte sich die USAF in ihrer Begründung der Beendigung von Project Blue Book.

Der Abschlussbericht enthält eine Statistik über 12.618 gemeldete Vorfälle von 1947 bis 1969. Die meisten Vorfälle konnten angabegemäß auf Naturphänomene oder herkömmliche Flugkörper zurückgeführt werden. Bei manchen Meldungen handelte es sich laut Condon um mutwillige Fälschungen. 701 Vorfälle (ca. 6 %) wurden als „unidentified“ klassifiziert.

Kritik an Project Blue Book[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

David R. Saunders fiel angeblich ein Memo des Projektmanagers der Kommission, Robert Low, in die Hände, das kurz vor der Aufnahme der Tätigkeit der Kommission geschrieben gewesen sein soll und unumwunden dargelegt haben soll, welches Ergebnis die Kommission zu zeigen gehabt hätte, und auf welche Weise die Öffentlichkeit getäuscht werden sollte. Nachdem die Öffentlichkeit von dieser Tatsache erfuhr, wurde Saunders gefeuert [keine Quelle]; eine andere Mitarbeiterin schrieb ein ausführliches Memo über eklatante Missstände an Condon und quittierte ihre Mitarbeit. Andere UFO-Experten, die zur Mitarbeit eingeladen worden waren - z. B. Donald E. Keyhoe (NICAP) - zogen sich ebenfalls zurück.[6]

Nach der Einstellung von 'Blue Book' im Jahr 1969 veröffentlichte J. Allen Hynek 1972 ein Buch mit dem Titel The UFO Experience (Die UFO-Erfahrung), in dem er Fakten und Zahlen aus seiner Sicht nennt und vor allem über seine Erfahrungen in Project Sign/Grudge/Blue Book berichtet. Nach seiner Darstellung war die USAF beständig bestrebt, die Öffentlichkeit über Realität und Ausmaß des UFO-Problems zu täuschen, woran er selbst nicht unbeteiligt war. Jedoch konzentrierte sich Hynek vor allem auf die wissenschaftliche Seite des Problems und kritisierte in aller Schärfe die Unzulänglichkeit der Ausstattung und die Unwissenschaftlichkeit von Project Blue Book. Inzwischen sind allerdings neuere Studien zur amerikanischen Faszination mit UFOs[7] und dem staatlichen Interesse daran erschienen.[8]

Leiter von Project Blue Book[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Liste der Leiter von Project Blue Book[9]
Von Bis Name
März 1952 Februar 1953 Capt. E.J. Ruppelt
Februar 1953 Juli 1953 1st Lt. Bob Olsson
Juli 1953 Mai 1954 Capt. E.J. Ruppelt
März 1954 April 1956 Capt. Charles Hardin
April 1956 Oktober 1958 Capt. George T. Gregory
Oktober 1958 Januar 1963 Maj. (später Lt. Col.) Robert Friend
Januar 1963 Dezember 1969 Maj. (später Lt. Col.) Hector Quintanilla

Dokumentation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Akten des Project Blue Book sind nach dem Freedom of Information Act im National Archive gelagert und der Öffentlichkeit zugänglich. Das Mikrofilm-Archiv kann auch vollständig im Internet abgerufen und durchsucht werden (siehe Weblinks). Namen der Augenzeugen wurden allerdings aus den Dokumenten gelöscht. Das Dokument enthält ferner Hinweise auf zwei Untersuchungen der University of Colorado und eine öffentliche Erklärung (UFO Fact Sheet), die klarstellt, dass in keinem der untersuchten Fälle ein Nachweis außerirdischer Fahrzeuge gefunden werden konnte.

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Project Blue Book Special Report #14 auf www.archive.org, S. vii f., Abschnitt: Summary, abgerufen am 3. Februar 2016.
  2. Project Blue Book Special Report #14 auf www.archive.org, S. 10–14, Abschnitt: Evaluation of individual reports, abgerufen am 3. Februar 2016.
  3. Project Blue Book Special Report #14 auf www.archive.org, S. 18, Abbildung 2, abgerufen am 3. Februar 2016.
  4. Project Blue Book Special Report #14 auf www.archive.org, S. 24, Abbildung 8, abgerufen am 3. Februar 2016.
  5. Project Blue Book Special Report #14 auf www.archive.org, S. 94, Abschnitt: CONCLUSIONS, abgerufen am 3. Februar 2016.
  6. Raphael Maercker: Der Condon Report. Abgerufen am 23. April 2018.
  7. David Jacobs: The UFO Controversy in America. Indiana University Press, Bloomington 1975, ISBN 0-253-19006-1.
  8. Kevin D. Randle: The UFO dossier. 100 years of government secrets, conspiracies and cover-ups. Visible Ink Press, Detroit MI 2016, ISBN 978-1-57859-564-8.
  9. J. Allen Hynek: The Hynek UFO Report. 1. Auflage. Sphere Books Limited, New York 1978, S. 25.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]