Project Gutenberg

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Project Gutenberg
Project Gutemberg logo.svg

Gründung 1. Dezember 1971[1]
Bibliothekstyp Digitale Bibliothek
Website www.gutenberg.org

Das Project Gutenberg (PG) ist eine über das Internet zugängliche und von Ehrenamtlichen erstellte digitale Bibliothek. Auf der Website des Projekts können im September 2018 mehr als 57.000 hauptsächlich englischsprachige E-Books kostenlos gelesen und heruntergeladen werden. Eines der Partnerprojekte ist das Projekt Gutenberg-DE, das vorrangig deutschsprachige Literatur anbietet.

Technische Aspekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Project Gutenberg werden E-Books von gemeinfreien literarischen Texten erstellt. Dazu wurden die Bücher ursprünglich von Hand abgetippt, auf den Server des Projekts hochgeladen und schließlich korrekturgelesen. Seit den 1990er Jahren kommen zunehmend auch Buchscanner und Texterkennungssoftware zum Einsatz. Seit Mitte der 1990er Jahre stehen die angebotenen Texte über das Internet zur Verfügung.

Die Bücher sind in verschiedenen Datenformaten verfügbar: Als ASCII-Textdateien (die neueren Ausgaben im Format UTF-8), als EPUB und Mobi für den Amazon Kindle (jeweils mit und ohne Bilder) sowie als HTML-Dateien. Letztere kann man direkt online im Webbrowser lesen. Alle Daten können sowohl einzeln als auch in größeren Paketen – in passenden Größen für CDs oder DVDs – heruntergeladen werden. Dateien werden als HTTP-, FTP- und Peer-to-Peer-Downloads (über Magnet-Links) angeboten.

Neben elektronischen Texten finden sich in geringerem Umfang auch Bilder, Filme, Audiodateien und andere Dokumenttypen. Einige Dateien stehen unter einem Urheberrecht, in diesen Fällen haben die Autoren ihre Zustimmung zur Aufnahme in das Projekt erteilt.

Beim Korrekturlesen wird das Projekt von den Distributed Proofreaders unterstützt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gründer Michael S. Hart (links) und der erste CEO Gregory Newby (rechts) bei der H.O.P.E.-Konferenz 2006

Das Project Gutenberg ist die älteste digitale Bibliothek der Welt. Es wurde von dem US-Amerikaner Michael S. Hart gegründet und nahm seinen Betrieb 1971 auf. Namensgeber war der Erfinder des modernen Buchdrucks Johannes Gutenberg. Das erste Dokument wurde am 1. Dezember 1971 veröffentlicht.

Das Corpus besteht ganz überwiegend aus englischsprachigen Werken, zunehmend werden aber auch anderssprachige Bücher aufgenommen.

Neben literarischen Werken kann seit dem November 2002 das entschlüsselte menschliche Genom des Human Genome Projekts abgerufen werden.

Neben Schriftwerken gibt es auch Hörbücher.

Alle Dateien des Project Gutenberg können durchweg kostenlos heruntergeladen und weiterverteilt werden; bei der Weiterverwendung besteht lediglich die Einschränkung, dass der Vorspann des Project Gutenberg stets unverändert erhalten bleiben muss. Sollte der weiterverteilte Text geändert worden sein, darf er nicht mehr als Gutenberg-Text bezeichnet werden. Das Projekt legt US-amerikanisches Recht zugrunde und weist ausdrücklich darauf hin, dass das Urheberrecht des jeweiligen Landes, in dem der Benutzer lebt, anderes vorsehen kann.

Das Projekt hat schon mehr als 54.000 Werke veröffentlicht, darunter auch mehr als 700 deutschsprachige Bücher.[2] Ein Großteil der veröffentlichten Werke wird durch die Organisation Distributed Proofreaders aufbereitet (korrekturgelesen).

Entwicklung des Angebots an E-Books im Project Gutenberg
Jahr 1997 2002 2003 2005 2006 2008 2013 2015 2018
Bücher 1000 5000 10.000 15.000 20.000 25.000 42.000 50.000 56.000

Geoblocking gegen Nutzer in Deutschland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 1. März 2018 sind Benutzer, die eine deutsche IP-Adresse verwenden, von der Nutzung des gesamten Angebots ausgeschlossen.[3] Aus technischen Gründen galt dies zunächst nur für Benutzer, die über eine IPv4-Adresse mit dem Internet verbunden sind; ab Mitte März 2018 wurden auch IPv6-Adressen erfasst.[4]

Das Projekt reagiert damit auf ein vom S. Fischer Verlag erwirktes Urteil des Landgerichts Frankfurt am Main, nach dem es Werke von Thomas Mann, Heinrich Mann und Alfred Döblin, die in den USA schon gemeinfrei sind, nach deutschem Recht aber noch urheberrechtlichen Schutz genießen, in Deutschland nicht in elektronischer Form zugänglich machen darf. Die Nutzungsrechte liegen bis zum Ablauf des urheberrechtlichen Schutzes beim Verlag.[5]

Die Sperre, die vorsorglich eingerichtet wurde und die nur vorübergehend gelten sollte, trifft mitunter auch Benutzer, die sich nicht von Deutschland aus ins Internet einwählen.[6]

Der S. Fischer Verlag kritisierte die Praxis des Project Gutenberg, weil damit auch die übergroße Mehrzahl gemeinfreier Texte nicht mehr frei abrufbar sei, was nicht das Ziel der Klage gewesen sei. Das lege „aus Sicht des Verlags doch den Schluss nahe, dass man die Nutzer instrumentalisieren und zu Protesten gegen den Verlag veranlassen will, weil man das Urteil eines Gerichts nicht akzeptieren möchte“.[7][8] Das Project Gutenberg sah sich andererseits aber der Gefahr ausgesetzt, auch wegen weiterer Titel verklagt zu werden.[4]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Project Gutenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Michael S. Hart: United States Declaration of Independence by United States. Project Gutenberg, abgerufen am 17. Juli 2017 (englisch).
  2. Free ebooks. Project Gutenberg, abgerufen am 17. Juli 2017 (englisch).
  3. “PGLAF complied with the Court’s order on February 28, 2018 by blocking all access to www.gutenberg.org and sub-pages to all of Germany.” Court Order to Block Access in Germany Project Gutenberg, abgerufen am 2. März 2018
  4. a b Martin Holland: Gutenberg.org: Blockade deutscher Nutzer ist nun komplett. In: Heise Online. 16. März 2018, abgerufen am 17. März 2018.
  5. LG Frankfurt am Main, Urteil vom 9. Februar 2018 – Az.: 2-03 O 494/14 (abgerufen am 4. März 2018).
  6. Martin Holland: Gutenberg.org: Aussperrung Deutschlands keine Rache, sondern Vorsichtsmaßnahme. In: Heise Online. 4. März 2018, abgerufen am 4. März 2018.
  7. S. Fischer Verlag: Der S. Fischer Verlag zum Thema Gutenberg.org. 5. März 2018, abgerufen am 6. März 2018.
  8. Martin Holland: Gutenberg.org: S. Fischer Verlag kritisiert Aussperrung der deutschen Nutzer. In: Heise Online. 6. März 2018, abgerufen am 6. März 2018.