Projekt 1204

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Projekt 1204
Project 1204 Ak-248, 2015
Project 1204 Ak-248, 2015
Schiffsdaten
Land SowjetunionSowjetunion (Seekriegsflagge) Sowjetunion
RusslandRussland (Seekriegsflagge) Russland
Schiffsart Patrouillenboot
Bauwerft Zalif Kertsch
Mykolajiw
Leningrad
Bauzeitraum 1967 bis 1972
Gebaute Einheiten 118
Dienstzeit Seit 1967
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
27,4 m (Lüa)
Breite 4,32 m
Tiefgang max. 2 m
Verdrängung maximal: 71 t
 
Besatzung 7
Maschinenanlage
Maschine 2 × M50F Dieselmotor
Maschinen-
leistung
2 × 1200 PS (882) kW
Höchst-
geschwindigkeit
24 kn (44 km/h)
Propeller 2
Bewaffnung
Sensoren

Navigationsradar Donets 2

Projekt 1204, mit dem Decknamen „Shmel“ (russisch „ Шмель“ für „Hummel“), ist eine Klasse von kleinen Kanonenbooten der Sowjetischen Marine, die im Kalten Krieg entwickelt wurde, um in Flüssen und küstennahen Gewässern zu patrouillieren. Es wurden 118 Boote der Klasse gebaut und viele werden noch heute von der Russischen Föderation betrieben.

Technik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rumpf und Bewaffnung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

76,2-mm D-56TS Panzergeschütz auf dem Vorschiff von Projekt 1204.

Da die Boote zur direkten Feuerunterstützung entwickelt wurden, ist der 27 Meter lange Rumpf gepanzert und in 12 wasserdichte Abteilungen unterteilt. Die Brücke ist mit 10-mm Stahl an den Seiten und 15-mm an der Stirnseite gepanzert und die Fenster des Steuerstandes können mit Panzerläden verschlossen werden. Entlang der Seiten wurde der Rumpf von Spant 26 bis Spant 46 mit einem 8-mm dicken Stahlgürtel verstärkt. Das Stahldeck ist 4 mm dick. Der Geschützturm auf dem Vorschiff ist mit 15 mm rundum gepanzert. Geschützt sind die Boote damit jedoch nur sicher gegen 7,62-mm-Infanteriewaffenbeschuss aus 100 Metern Entfernung oder mehr.[1]

Die Boote sollten auch längere Zeit in entlegenen Regionen eingesetzt werden können und mussten so der Besatzung mehr Komfort bieten, als bei den Kanonenbooten im Krieg der Fall gewesen war. So entkoppelte man die Schlafräume vom Maschinenraum, indem man eine Abteilung mit Kontrollgeräten zwischen sie setzte.

Auf das Vorschiff wurde der Turm eines leichten PT-76B-Panzers mit einer stabilisierten 76,2-mm-L/42 D-56TS Kanone und einem achsparallelen 7,62-mm SG-43 Maschinengewehr gesetzt. Hinter dem Turm ist der gepanzerte Brückenaufbau mit Steuerstand und Suchscheinwerfern verbaut. In der Bootsmitte ist ein drehbarer 140-mm-BM-14-Mehrfachraketenwerfer mit 17 Rohren montiert, für den 34 ungelenkte Raketen als Munitionsreserve an Bord sind. Der Werfer muss von Hand nachgeladen werden, ist nicht stabilisiert und kann nur bei gestopptem Boot gezielt schießen. Am Heck steht ein 2M-3-Turm mit zwei 25-mm-L/70-Maschinenkanonen.

Die Boote wurden mit Ablaufschienen geplant, über die bis zu zehn Seeminen abgesetzt werden können.

Antrieb und Reichweite[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Antriebssystem besteht aus zwei M50F-Dieselmotoren, die zwei Propeller antreiben. Das genügt für Geschwindigkeiten von bis zu 24 Knoten. Bei 10 Knoten Fahrt liegt die Reichweite mit der Treibstoffreserve von 4,8 Tonnen bei 320 Seemeilen. Frischwasser und Nahrungsmittelvorräte sind für Einsätze von bis zu sieben Tagen vorgesehen.

Sensoren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Boote sind mit einem Donets-2-Radar zur Navigation am Mast ausgerüstet.

Modernisierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Es gab ursprünglich Vorhaben die Bewaffnung weiter zu verstärken, wie etwa die Ausrüstung mit einem Mörser, die aber scheiterten, weil die Waffen von den schwankenden Booten aus nicht präzise genug zielen konnten. Einige Boote wurden aber im Laufe ihrer Dienstzeit umgerüstet, um bis zu vier 30-mm-Granatwerfer BP30 zur Infanterieunterstützung zu tragen.[2]

Einsätze und Verbleib[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

118 Boote wurden von drei Werften zwischen 1967 und 1972 gebaut. Sie wurden von der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten eingesetzt. Etwa 50 waren bis 2008 ausgemustert.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Часть 3. Речной артиллерийский катер пр.1204 (Memento vom 14. November 2009 im Internet Archive) atrinaflot.narod.ru
  2. "AK-223" auf rusnavy.com (englisch)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: AK-354 class patrol boat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien