Propsteikirche St. Trinitatis (1982)

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Trinitatiskirche (2010)
51° 20′ 48″ N, 12° 21′ 51″ O

Die Propsteikirche St. Trinitatis ist eine profanierte römisch-katholische Pfarrkirche in Leipzig.

Alte Trinitatiskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruine der Alten Trinitatiskirche (1950)

Seit der Erhebung der Leipziger Innenstadtpfarrei zur Propstei durch Bischof Christian Schreiber am 27. Juli 1923 trugen nacheinander zwei verschiedene Kirchengebäude diesen Namen.

Die erste Propsteikirche war die 1847 geweihte Alte Trinitatiskirche. Sie stand zentral an der Südwestecke des Innenstadtrings. 1943 wurde sie bei einem Bombentreffer zerstört und nach dem Zweiten Weltkrieg nicht wieder aufgebaut.

Propsteigemeinde in der Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im ersten Nachkriegsjahrzehnt bestand die Hoffnung, am alten Standort eine neue große Propsteikirche für die durch die Ostvertreibungen gewachsene Gemeinde bauen zu können. Die Propsteigemeinde stellte einen Bauantrag, der nach anfänglicher, zögernd und mit vielen Änderungswünschen erteilter Genehmigung durch den Rat der Stadt im Jahre 1958 dann doch endgültig abgelehnt wurde. Weitere anderthalb Jahrzehnte vergingen mit Verhandlungen über einen neuen Bauplatz. 1973 erklärte der Rat der Stadt die Verhandlungen über einen katholischen Kirchenneubau in Leipzig für endgültig beendet.

In den 1970er Jahren fanden Gespräche zwischen der Leitung des Bistums Meißen mit dem Außenhandelsministerium über einen Neubau statt, in deren Verlauf besonders die Devisenfinanzierung des Kirchbaus Thema war. Im Anschluss an diese Gespräche stellte der Leipziger Rat im Jahre 1976 auf Anweisung des Ministeriums der Propsteigemeinde ein Grundstück an der Emil-Fuchs-Straße als Bauplatz zur Verfügung. Bis zum Beginn der Bauarbeiten vergingen weitere drei Jahre. Finanziert wurde die neue Trinitatiskirche mit Pfarrzentrum durch das Bonifatiuswerk aus Spenden westdeutscher Katholiken. Die Mittel für die Inneneinrichtung brachte die Gemeinde selbst auf. Am 21. November 1982 wurde die Kirche durch Bischof Gerhard Schaffran geweiht.[1] Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Gottesdienste zunächst in der Universitätskirche gefeiert. Nach deren Sprengung im Jahre 1968 fand die Propsteigemeinde gastweise in der Lutherkirche, später in der Peterskirche Heimat.

Propsteikirche von 1982[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenraum der Propsteikirche von 1982
Propsteikirche (von der Brücke über den Elstermühlgraben aus gesehen)

Die neue Trinitatiskirche und das Pfarrzentrum am Rosental wurden durch die Bauakademie der DDR entworfen, leitender Architekt war Udo Schultz. Sie ist ein beispielhaftes Zeugnis für einen Sakralbau der DDR-Architektur in den 1980er Jahren. Das Interesse des Staates zielte auf Randlage, unsakrale Erscheinung und hohe, in D-Mark zu begleichende Materialkosten. So entstand ein quadratischer, flach gedeckter Bau aus Stahl und Sichtbeton mit einem 18 m hohen freistehenden, offenen Glockenturm. Der nüchterne Innenraum hat den Charakter einer Halle.

Mit der Innenausstattung der Kirche nach theologisch-liturgischen Vorgaben wurde der Berliner Bildhauer und Metallkünstler Achim Kühn beauftragt.

Die Orgel von St. Trinitatis wurde 1987 von der Orgelbaufirma Schuke (Potsdam) erbaut. Das Schleifladen-Instrument hat 36 Register (2538 Pfeifen) auf zwei Manualen (12 Register im Hauptwerk und 13 Register im Schwellwerk) und Pedal (11 Register). Die Spiel- und Registertrakturen sind mechanisch.[2]

Im Turm von St. Trinitatis hängen vier Bronzeglocken, die 1981 in Apolda gegossen, und am Pfingstmontag 1982 geweiht wurden.[3] Zwei dieser Glocken werden in das neue Geläut der neuen Propsteikirche übernommen.[4]

Nr.
 
Name
 
Gussjahr
 
Gießer/Ort
 
Durchmesser
(mm)
Gewicht
(kg)
Nominal
Inschriften
1 1981 Apolda 1400 ~1800 d1 Pax vobis 1847–1981
2 1981 Apolda 1150 ~1000 f1 Sursum corda 1847–1981
3 1981 Apolda 1020 ~700 g1 Deo gratias 1847–1981
4 1981 Apolda 900 ~500 a1 Ecce Dominus venit 1981

Bereits nach 20 Jahren wies diese Propsteikirche schwere Schäden auf. Besonders das Fundament ist durch Nässe und Baumängel gefährdet. Die Kosten einer dauerhaften Sanierung würden denen eines Neubaus nahekommen.[5]

Die Entweihung der Kirche wurde am 3. Mai 2015 mit der Messe zur Profanierung durch Propst Gregor Giele vorbereitet.[6] 2017 verkaufte die katholische Propsteigemeinde das Gebäude und das Grundstück an ein Leipziger Immobilienunternehmen.[7]

Im Juni 2015 wurde der DDR-Bau unter Denkmalschutz gestellt. Der Schutz umfasst das Kirchengebäude sowie den Gesamtkomplex und die Innengestaltung.[8] Trotz Denkmalschutz erteilte die Stadt Leipzig dem neuen Besitzer der ehemaligen Kirche im Juni 2017 wegen „der wirtschaftlichen Unzumutbarkeit der Erhaltung“ eine Abrissgenehmigung. Zu den Auflagen dieser Genehmigung gehört unter anderem, den Glockenturm zu erhalten.[9]

Am 16. September 2016 wurde entdeckt, dass Metalldiebe eine Glocke, Teile der Orgel, Heizkörper und Türgriffe gestohlen hatten. Bei der Glocke handelte es sich um ein 240 Kilogramm schweres Exemplar, das noch aus der im Zweiten Weltkrieg zerstörten Propsteikirche stammte.[10]

Neue Propsteikirche (2015)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. Mai 2015 wurde in der Leipziger Innenstadt gegenüber dem Neuen Rathaus am Martin-Luther-Ring eine neue Propsteikirche geweiht.

Den Ausschlag für einen Neubau gaben die Randlage und insbesondere der Bauzustand der Propsteikirche von 1982. Die Propsteigemeinde erwarb von der Stadt Leipzig ein dreieckig zugeschnittenes unbebautes Gelände gegenüber dem Neuen Rathaus, in Sichtweite des Standorts der Alten Trinitatiskirche von 1847. Nach einem besonders unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten entwickelten Architektenwettbewerb fiel am 7. Dezember 2009 die Entscheidung für den Entwurf des Leipziger Büros Schulz und Schulz Architekten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Propsteikirche (Leipzig) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeittafel zur Gemeindegeschichte
  2. Informationen zur Schuke-Orgel
  3. Informationen zu den Glocken
  4. Informationen zum neuen Geläut
  5. Bistum Dresden-Meißen: Geschichte der Bauproblematik in der Propstei St. Trinitatis (Memento vom 20. März 2015 im Internet Archive)
  6. Bistum Dresden-Meißen: Gottesdienst zur Profanierung der alten Leipziger Propsteikirche (Memento vom 5. Mai 2015 im Internet Archive)
  7. Katholische Nachrichten-Agentur, 22. August 2017.
  8. Ex-Propsteikirche unter Denkmalschutz. In: Leipziger Volkszeitung, 19. Juni 2015, S. 16
  9. Ende eines DDR-Kirchenbaus. In: domradio.de, 22. August 2017, abgerufen am 25. August 2017.
  10. Tag des Herrn (Zeitung), Ausgabe 39/2016 vom 25. September 2016, S. 15