Propsteikirche St. Trinitatis (1982)

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Trinitatiskirche (2010)
51° 20′ 47,9″ N, 12° 21′ 50,5″ O

Die Propsteikirche St. Trinitatis war eine römisch-katholische Pfarrkirche in Leipzig. Sie wurde 1982 erbaut und geweiht. 2018 wurde sie abgerissen.

Alte Trinitatiskirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ruine der Alten Trinitatiskirche (1950)

Seit der Erhebung der Leipziger Innenstadtpfarrei zur Propstei durch Bischof Christian Schreiber am 27. Juli 1923 trugen nacheinander zwei verschiedene Kirchengebäude diesen Namen.

Die erste Propsteikirche war die 1847 geweihte Alte Trinitatiskirche. Sie stand zentral in der Rudolphstraße an der Südwestecke des Innenstadtrings. 1943 wurde sie durch Bombentreffer stark beschädigt und 1954 gesprengt.

Propsteigemeinde in der Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von 1943 bis 1945 fand die Propsteigemeinde gastweise in der Thomaskirche Heimat. Später wurden die Gottesdienste zunächst in der Universitätskirche gefeiert, nach deren Sprengung im Jahre 1968 in der Lutherkirche, später in der Peterskirche. Der Propsteichor durfte in der Nikolaikirche proben und auftreten. Dies tat er auch noch nach Fertigstellung der Propsteikirche 1982.

Im ersten Nachkriegsjahrzehnt bestand die Hoffnung, am alten Standort eine neue große Propsteikirche für die durch die Ostvertreibungen gewachsene Gemeinde bauen zu können. Die Propsteigemeinde stellte einen Bauantrag, der nach anfänglicher, zögernd und mit vielen Änderungswünschen erteilter Genehmigung durch den Rat der Stadt im Jahre 1958 dann doch endgültig abgelehnt wurde. Weitere anderthalb Jahrzehnte vergingen mit Verhandlungen über einen neuen Bauplatz. 1973 erklärte der Rat der Stadt die Verhandlungen über einen katholischen Kirchenneubau in Leipzig für endgültig beendet.

In den 1970er Jahren fanden Gespräche zwischen der Leitung des Bistums Meißen mit dem Außenhandelsministerium über einen Neubau statt, in deren Verlauf besonders die Devisenfinanzierung des Kirchbaus Thema war. Im Anschluss an diese Gespräche stellte der Leipziger Rat im Jahre 1976 auf Anweisung des Ministeriums der Propsteigemeinde ein Grundstück an der Emil-Fuchs-Straße, weit vom Innenstadtkern entfernt, als Bauplatz zur Verfügung. Bis zum Beginn der Bauarbeiten vergingen weitere drei Jahre. Finanziert wurde die neue Trinitatiskirche mit Pfarrzentrum durch das Bonifatiuswerk aus Spenden westdeutscher Katholiken. Die Mittel für die Inneneinrichtung brachte die Gemeinde selbst auf. Am 21. November 1982 wurde die Kirche durch Bischof Gerhard Schaffran geweiht.[1]

Propsteikirche von 1982[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenraum der Propsteikirche von 1982
Propsteikirche (von der Brücke über den Elstermühlgraben aus gesehen)

Die neue Trinitatiskirche und das Pfarrzentrum am Rosental wurden durch die Bauakademie der DDR entworfen, leitender Architekt war Udo Schultz. Sie war ein beispielhaftes Zeugnis für einen Sakralbau der DDR-Architektur in den 1980er Jahren. Das Interesse des Staates zielte auf Randlage, unsakrale Erscheinung und hohe, in D-Mark zu begleichende Materialkosten. So entstand ein quadratischer, flach gedeckter Bau aus Stahl und Sichtbeton mit einem 18 m hohen freistehenden, offenen Glockenturm. Der nüchterne Innenraum hatte den Charakter einer Halle.

Mit der Innenausstattung der Kirche nach theologisch-liturgischen Vorgaben wurde der Berliner Bildhauer und Metallkünstler Achim Kühn beauftragt.

Die Orgel von St. Trinitatis wurde 1987 von der Orgelbaufirma Schuke (Potsdam) erbaut. Das Schleifladen-Instrument hatte 36 Register (2538 Pfeifen) auf zwei Manualen (12 Register im Hauptwerk, 13 Register im Schwellwerk) und 11 Register im Pedal. Die Spiel- und Registertrakturen waren mechanisch.[2]

Im Turm von St. Trinitatis hingen vier Bronzeglocken, die 1981 vom Glockengießermeister Franz Peter Schilling in Apolda gegossen und am Pfingstmontag 1982 geweiht wurden.[3] Am 28. November 2017 wurden die vier Glocken dem Turm entnommen,[4] zwei dieser Glocken wurden in das neue Geläut der neuen Propsteikirche übernommen.[5]

Nr.
 
Name / Inschrift
 
Gussjahr
 
Gießer/Ort
 
Durchmesser
(mm)
Gewicht
(kg)
Nominal
 
1 Pax vobis 1847–1981 1981 Apolda 1400 ~1800 d1
2 Sursum corda 1847–1981 1981 Apolda 1150 ~1000 f1
3 Deo gratias 1847–1981 1981 Apolda 1020 ~700 g1
4 Ecce Dominus venit 1981 1981 Apolda 900 ~500 a1

Bereits nach 20 Jahren wies diese Propsteikirche schwere Schäden auf. Es zeigte sich, dass das Gutachten über den Baugrund fehlerhaft war. Besonders das Fundament war durch Nässe und Baumängel geschädigt, sodass Setzungen und Risse auftraten. Das Bohren von sieben Brunnen, um den viel zu hohen Grundwasserstand zu senken, blieb ohne dauerhaften Erfolg. Das Dach war vielerorts undicht und musste nur zehn Jahre nach der Einweihung saniert werden. Die Kosten einer dauerhaften Sanierung würden denen eines Neubaus nahekommen.[6][7] Es gibt jedoch Vermutungen, dass die in einem von Bischof Reinelt 2008 in Auftrag gegebenem Gutachten ermittelten Sanierungskosten von 4,5 Mio. Euro absichtlich großzügig angegeben wurden, um eine Sanierung der an einem von der Gemeinde ungeliebtem, vom Stadtzentrum weit entferntem Standort stehenden Kirche zu vermeiden. Ein anderes Gutachten ging nämlich von lediglich 500.000 Euro aus.[8]

Die Entweihung der Kirche wurde am 3. Mai 2015 mit der Messe zur Profanierung durch Propst Gregor Giele vorbereitet.[9]

Im Juni 2015 wurde der DDR-Bau unter Denkmalschutz gestellt. Der Schutz umfasst das Kirchengebäude sowie den Gesamtkomplex und die Innengestaltung.[10]

Am 16. September 2016 wurde entdeckt, dass Metalldiebe eine Glocke, Teile der Orgel, Heizkörper und Türgriffe gestohlen hatten. Bei der Glocke handelte es sich um ein 240 Kilogramm schweres Exemplar von 1847, das noch aus der im Zweiten Weltkrieg beschädigten Propsteikirche stammte.[11] Ein Metallhändler, dem die von den Dieben in zwei Teile zerschnittene Glocke angeboten wurde, informierte die Polizei. Beim Einbruch erlitt die Schuke-Orgel einen Totalschaden durch Vandalismus.[12]

2017 verkaufte die katholische Propsteigemeinde das Gebäude und das Grundstück an ein Leipziger Immobilienunternehmen.[13] Trotz Denkmalschutz erteilte die Stadt Leipzig dem neuen Besitzer im Juni 2017 wegen „der wirtschaftlichen Unzumutbarkeit der Erhaltung“ eine Abrissgenehmigung. Zu den Auflagen dieser Genehmigung gehört unter anderem, den Glockenturm zu erhalten.[14]

Im Januar und Februar 2018 wurde das Kirchengebäude, mit Ausnahme des Turmes, abgerissen.[15][16]

Neue Propsteikirche (2015)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 9. Mai 2015 wurde in der Leipziger Innenstadt gegenüber dem Neuen Rathaus am Martin-Luther-Ring eine neue Propsteikirche geweiht.

Den Ausschlag für einen Neubau gaben die Randlage und insbesondere der Bauzustand der Propsteikirche von 1982. Die Propsteigemeinde erwarb von der Stadt Leipzig ein dreieckig zugeschnittenes unbebautes Gelände gegenüber dem Neuen Rathaus, in Sichtweite des Standorts der Alten Trinitatiskirche von 1847. Nach einem besonders unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten entwickelten Architektenwettbewerb fiel am 7. Dezember 2009 die Entscheidung für den Entwurf des Leipziger Büros Schulz und Schulz Architekten.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Propsteikirche 1982 (Leipzig) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Zeittafel zur Gemeindegeschichte
  2. Informationen zur Schuke-Orgel (Memento des Originals vom 3. Februar 2015 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-leipzig.de
  3. Informationen zu den Glocken (Memento des Originals vom 14. April 2016 im Internet Archive) i Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.propstei-leipzig.de
  4. Tag des Herrn (Zeitung), Ausgabe 49/2017 vom 10. Dezember 2017, S. 13.
  5. Informationen zum neuen Geläut
  6. Bistum Dresden-Meißen: Geschichte der Bauproblematik in der Propstei St. Trinitatis (Memento vom 20. März 2015 im Internet Archive)
  7. https://www.bistum-dresden-meissen.de/aktuelles/archiv-2008/fakten-propstei-neubau-kompakt/index.html
  8. Bekommt die alte Propsteikirche doch noch eine Chance? in: https://www.wandererarchitekten.de/upload/16666546-LVZ-St.Trinitatis-2017-10-04.pdf
  9. Bistum Dresden-Meißen: Gottesdienst zur Profanierung der alten Leipziger Propsteikirche (Memento vom 5. Mai 2015 im Internet Archive)
  10. Ex-Propsteikirche unter Denkmalschutz. In: Leipziger Volkszeitung, 19. Juni 2015, S. 16.
  11. Tag des Herrn (Zeitung), Ausgabe 39/2016 vom 25. September 2016, S. 15.
  12. Dominic Welters: Orgel hat Totalschaden - Der Einbruch in die stillgelegte Propsteikirche am Rosental – es ist alles noch viel schlimmer. Bislang bekannt: das Schicksal einer alten Glocke, sie wurde von den Dieben mit einer Flex zerlegt. Zwei Teile sind wieder aufgetaucht. Doch um die Schuke-Orgel steht es ganz schlecht: Totalschaden. Leipziger Volkszeitung, Online-Portal. Abgerufen am 11. Mai 2018.
  13. Katholische Nachrichten-Agentur, 22. August 2017.
  14. Ende eines DDR-Kirchenbaus. In: domradio.de, 22. August 2017, abgerufen am 25. August 2017.
  15. Dominic Welters, Jens Rometsch: Abriss der früheren Propsteikirche hat begonnen. In: Leipziger Volkszeitung. 15. Januar 2018, abgerufen am 28. Januar 2018.
  16. Propstei weitgehend abgerissen. In: Tag des Herrn. Ausgabe 8/2018 vom 25. Februar 2018, S. 9.