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Prosumer

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Dieser Artikel behandelt den Konsumenten-Begriff. Für den deutschen DJ siehe Prosumer (DJ).

Mit dem Kofferwort Prosumer (engl.), später germanisiert zu Prosument, wird zunächst ein Verbraucher (engl. (end) consumer) bezeichnet, der professionellere Ansprüche an ein bestimmtes Produkt stellt (sprich: ein Produkt mit einem gewissen professional grade (engl.) erwartet) im Vergleich zum durchschnittlichen Endverbraucher.

Später wurde die Wortbedeutung erweitert um den Prosumer als einen Verbraucher (im Sinne von Konsument; engl. consumer), der gleichzeitig auch Produzent (engl. producer) ist.

Produzent und Konsument[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alvin Toffler führte 1980 in dem Buch Die dritte Welle (The Third Wave)[1] den Begriff ein. Er bezeichnet Personen, die gleichzeitig Konsumenten, also Verbraucher (englisch: „consumer“), als auch Produzenten, also Hersteller (englisch: „producer“), des von ihnen verwendeten Produkts sind.

Toffler sieht den Prosumenten als eine Person an, die ein Produkt oder eine Dienstleistung erzeugt und entwirft, um sie zu verbrauchen, also für den persönlichen Gebrauch[2].

Die oben angegebene Definition zeigt den Prosumenten in zwei Dimensionen:

1. Als Designer oder Co-Designer des Produkts, z.B. ein Konsument, der das professionelle und umfassende Wissen über die Produkte und umweltfreundliche Technologien besitzt und er nutzt es, um den Herstellern bei der Modifikation der vorhandenen Produkte (in der Regel durch die Anwendung von Web 2.0) zu helfen, so dass die Produkte seine Bedürfnisse besser befriedigen[3]. Zu dieser Gruppe gehört u.a. lead user, der mit den R&D-Abteilungen von Produzenten zusammenarbeitet, um innovative Produkte zu entwickeln[4].

2. Als Hersteller oder Co-Hersteller des Produkts, z.B. ein ökologischer Prosument, der den Müll zur Wiederverwendung der sekundären Rohstoffe sortiert, wird ein Teil des Produktionsprozesses der Produkte, die aus Recycling entstanden sind (Altpapier, Plastik, Glas) und die anschließend von ihm gekauft werden; eine Person[5], die elektrische Energie aus den Photovoltaikanlagen auf dem Dach ihres Hauses für den persönlichen Gebrauch erzeugt[6], eine Person, die selbständig das Gemüse in ihrem Garten zu diesem Zweck anbaut[7].

Etwa ab 2008 wird der Begriff in Deutschland im Zusammenhang mit User-Generated-Content im Internet eingesetzt. Mit der Entwicklung der sozialen Netzwerke und der steigenden Anzahl von Blogs sind Konsumenten von Informationen im Web oft auch gleichzeitig deren Produzenten. Hauptsächliche Motive seien Freude am Gedankenaustausch und Spaß an der Erstellung von Beiträgen.[8]

Der Begriff wird neuerdings in der Energiewirtschaft genutzt. Er bezeichnet Energieverbraucher, die selbst Energie produzieren oder umwandeln (z. B. Besitzer von Solaranlagen).

Professional und Consumer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Unabhängig von der Definition durch Toffler entstand Ende des 20. Jahrhunderts eine zweite Bedeutung, zusammengesetzt aus den englischen Begriffen „Professional“ und „Consumer“ – also „Professionist“ und „Konsument“. Diese beschreibt eine Gattung von Produkten, die sich an eine Zielgruppe richten, die zwischen den einfachen Konsumenten und den beruflichen Anwendern („professional“) steht.

Charakteristisch für diese Produkte ist ihre Leistung, die über die Bedürfnisse des Gelegenheitsbenutzers deutlich hinausgehen und oft eine erweiterte Sachkenntnis zur Benutzung erfordern. Produkte dieses Marktsegments werden auch als „semiprofessionell“ bezeichnet.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Alvin Toffler, Die dritte Welle, Zukunftschance. Perspektiven für die Gesellschaft des 21. Jahrhunderts. (Übers., The third wave, 1980), München 1983: Goldmann, ISBN 3-442-11350-4.
  2. Szymusiak T., Prosumption – ein neues Konzept. Zwischen Markt und Ökologie., Sustainability Solutions, München, 2013. ISBN 978-83-936843-2-8
  3. Tapscott D., Williams A. D., Wikinomics: How Mass Collaboration Changes Everything, Penguin, Nowy Jork, 2007.
  4. Szymusiak T.,Is Alvin Toffler Prosumer or Lead User of the modern economics? (Alvin Toffler Prosument czy Lead User współczesnej ekonomii?), Creativetime, Kraków, 2013.
  5. Szymusiak T., Social and economic benefits of Prosumption and Lead User Phenomenon in Germany - Lessons for Poland [in:] Sustainability Innovation, Research Commercialization and Sustainability Marketing, Sustainability Solutions, München, 2013. ISBN 978-83-936843-1-1
  6. Szymusiak T., Prosumer – Prosumption – Prosumerism, OmniScriptum GmbH & Co. KG, Düsseldorf, 2015. ISBN 978-3-639-89210-9
  7. Kotler P., Prosumers: A new type of consumer, “The Futurist”, 1986.
  8. http://www-05.ibm.com/de/media/news/medienstudie-28-04-08.html


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