Provinz (Niederlande)

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Die niederländischen Provinzen (2019)

Die Provinzen der Niederlande gehen auf alte feudale Einheiten zurück, spätestens seit der Französischen Zeit um 1800 haben sie ihre heutige Bedeutung als Verwaltungseinheiten eines Zentralstaates. Seit dem 1. Januar 1986 gliedern sich die Niederlande in zwölf Provinzen (provincies).

Man teilt die Provinzen oft in vier Gruppen ein:

  1. Utrecht, Nord- und Südholland im Westen
  2. Zeeland, Nordbrabant und Limburg im Süden
  3. Flevoland, Gelderland und Overijssel im Osten
  4. Drente, Groningen und Friesland im Norden

Die Provinzen wiederum gliedern sich seit dem 24. März 2022 in 344 Gemeinden (gemeenten). In der europäischen NUTS-Einteilung entsprechen die Provinzen der Ebene NUTS2. An der Spitze einer Provinz steht ein Commissaris van de Koning (Kommissar des Königs), eingesetzt vom Reichsinnenminister. Der Kommissar sitzt dem Provinzparlament vor, den Provinciale Staten, ebenso der Regierung der Provinz, sie heißt Gedeputeerde Staten.

Übersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nr. Provinz Nieder­ländischer
Name
Haupt­stadt Größte Stadt Flagge Lage Gemeinden
Stand: März 2022
Bevölkerung
Stand: 1. Januar 2022[1]
Bevölkerungs­dichte Gesamt­fläche[2]
01 Groningen Groningen Groningen Groningen Flag Groningen.svg Groningen-Position.png 10 000000000590234.0000000000590.234
3,4 %
000000000000253.0000000000253 Einw./km² 2.959,68 km²
7,12 %
02 Friesland Fryslân
(bis 1996 Friesland)
Leeuwarden Leeuwarden Frisian flag.svg Friesland-Position.png 18 000000000654061.0000000000654.061
3,7 %
000000000000196.0000000000196 Einw./km² 5.748,77 km²
13,84 %
03 Drente Drenthe Assen Emmen Flag Drenthe.svg Drenthe-Position.png 12 000000000497684.0000000000497.684
2,8 %
000000000000188.0000000000188 Einw./km² 2.680,39 km²
6,45 %
04 Overijssel Overijssel Zwolle Enschede Flag Overijssel.svg Overijssel-Position.png 25 000000001171715.00000000001.171.715
6,7 %
000000000000352.0000000000352 Einw./km² 3.420,74 km²
8,23 %
05 Gelderland Gelderland Arnheim Nijmegen Flag of Gelderland.svg Gelderland-Position.png 51 000000002110516.00000000002.110.516
12 %
000000000000425.0000000000425 Einw./km² 5.136,31 km²
12,36 %
06 Utrecht Utrecht Utrecht Utrecht Utrecht (province)-Flag.svg Utrecht-Position.png 26 000000001369830.00000000001.369.830
7,8 %
000000000000989.0000000000989 Einw./km² 1.449,13 km²
3,49 %
07 Nordholland Noord-Holland Haarlem Amsterdam Flag North-Holland, Netherlands.svg Noord Holland-Position.png 44 000000002911054.00000000002.911.054
16,5 %
000000000001090.00000000001.090 Einw./km² 4.091,93 km²
9,85 %
08 Südholland Zuid-Holland Den Haag Rotterdam Flag Zuid-Holland.svg Zuid Holland-Position.png 52 000000003753668.00000000003.753.668
21,3 %
000000000001334.00000000001.334 Einw./km² 3.418,78 km²
8,23 %
09 Zeeland Zeeland Middelburg Terneuzen Flag of Zeeland.svg Zeeland-Position.png 13 000000000386707.0000000000386.707
2,2 %
000000000000216.0000000000216 Einw./km² 2.933,44 km²
7,06 %
10 Nordbrabant Noord-Brabant ’s‑Hertogen­bosch Eindhoven North Brabant-Flag.svg Noord Brabant-Position.png 56 000000002592899.00000000002.592.899
14,7 %
000000000000527.0000000000527 Einw./km² 5.082,06 km²
12,23 %
11 Limburg Limburg Maastricht Maastricht NL-LimburgVlag.svg Limburg position.svg 31 000000001118234.00000000001.118.234
6,4 %
000000000000520.0000000000520 Einw./km² 2.209,84 km²
5,32 %
12 Flevoland
(neu seit 1986)
Flevoland Lelystad Almere Flevolandflag.svg Flevoland-Position.png 6 000000000434792.0000000000434.792
2,5 %
000000000000307.0000000000307 Einw./km² 2.412,31 km²
5,81 %

Bedeutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flaggen der Provinzen am Binnenhof in Den Haag

Die niederländischen Provinzen bilden die Verwaltungsebene zwischen der nationalen Regierung und den Gemeinden. In ihrem Verantwortungsbereich liegen Fragen regionaler Bedeutung. Sie sind vor allem mit Aufgaben der Raumplanung und der Gemeindeaufsicht betraut, daneben mit einem breiten Spektrum von Umwelt, Sozialem und Kultur. Die Rahmenbedingungen werden jedoch recht eng von Ministerien in Den Haag vorgegeben. Der weitaus größte Teil der Einnahmen stammt aus dem nationalen Provinciefonds. Nur die Kraftfahrzeugsteuer darf von den Provinzen selbst bestimmt werden und weist von Provinz zu Provinz durchaus hohe Unterschiede auf.

Die Provinzen sind nicht mit deutschen Bundesländern gleichzusetzen, denn sie haben keine Staatsqualität und dürfen vom niederländischen Innenminister neugeordnet werden. Seit dem 19. Jahrhundert hat sich kaum etwas an der Einteilung geändert. Es gibt allerdings Bestrebungen, die Nordprovinzen zusammenzufassen, Overijssel und Gelderland zu vereinigen oder in der Randstad Stadtprovinzen (beispielsweise Rotterdam) einzurichten. Ein weitergehender Vorschlag der Partei D66 will die Provinzen durch eine Handvoll Landesteile ersetzen. 2012 hat das zweite Kabinett Rutte angekündigt, die zwölf Provinzen langfristig durch fünf Landesteile zu ersetzen.

Das Interesse der Bevölkerung für die Provinzen ist eher gering, was sich auch an der niedrigen Wahlbeteiligung für die Provinciale Staten erkennen lässt (die 60 Prozent von 2011 waren überdurchschnittlich). Die Provinzialstaaten aller Provinzen wählen gemeinsam die Mitglieder der Ersten Kammer des niederländischen Parlaments, die ebenfalls eine weitaus geringere Rolle hat als beispielsweise der deutsche Bundesrat.

Seit 1986 gibt es das Interprovinciaal Overleg (IPO, etwa: Beratschlagung zwischen den Provinzen). Darin hat jede Provinz einen Sitz. Als Zusammenarbeitsorgan behandelt das IPO Themen wie Koalitionsverträge, Einsparungen, Fragen mit Bezug auf Gesetze. Es hat mehrere Dutzend Angestellte und residiert in Den Haag gegenüber dem Gebäude der Vereniging van Nederlandse Gemeenten. Wie dieser Gemeindebund ist das IPO ein eingetragener Verein.[3]

Traditionell galten die drei westlichen Provinzen Nordholland, Südholland und Utrecht (die Randstad) als reich und die übrigen als vergleichsweise ärmer. Heutzutage ist das Bild differenzierter. So haben vor allem Gelderland und Overijssel viel Geld aus dem Verkauf von Energieaktien erhalten. Die westlichen Provinzen samt Flevoland und dem Norden sind durchweg arm.[4]

Struktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Clemens Cornielje (VVD), damals Kommissar der Königin in Gelderland, am Wahlabend des Provinzparlamentes in Arnheim 2011. Der Commissaris gehört zwar in der Regel einer Partei an, spielt aber im Wahlkampf keine Rolle.

Die Provinciale Staten (abgekürzt Staten oder PS) sind das Parlament der Provinz, das alle vier Jahre gewählt wird, in den Statenverkiezingen. Ursprünglich galt das Provinzparlament als das bestuur (Regierung, Leitung) der Provinz, aus deren Reihen die eigentliche Regierung gebildet wurde: Gedeputeerde Staten (GS). Seit 2003 gilt nur GS als die Regierung. Sie setzt sich zusammen aus:

  • den Deputierten, Vertrauten der Mehrheit in den PS, die jeweils eigene Aufgabenbereiche einander zuweisen,
  • dem Commissaris van de Koning – dem vom Innenminister eingesetzten königlichen Kommissar, der den Vorsitz in den Gedeputeerde Staten hat.

Beispielsweise in Friesland ist der Commissaris von der Partei VVD, daneben gibt es im College fünf Deputierten, zwei vom CDA, zwei von der PvdA und einer von der „ChristenUnie“. Einer der Gedeputeerden ist gleichzeitig loco-commissaris, eine Art (demokratisch legitimierter) Vertreter des commissaris. GS wird von einem secretaris-directeur unterstützt; in den übrigen Provinzen lautet sein Titel provinciesecretaris.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Provinces of the Netherlands – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bevolkingsontwikkeling; regio per maand. In: StatLine. Centraal Bureau voor de Statistiek, 28. Februar 2022 (niederländisch).
  2. Regionale kerncijfers Nederland. In: StatLine. Centraal Bureau voor de Statistiek, 19. Oktober 2018, abgerufen am 28. November 2018 (niederländisch).
  3. Edward L. Figee: Het is van tweeën één. Over de ongekende kansen in de samenwerking tussen Gelderland en Overijssel. Een essay over twee eigenstandige buren. Den Haag 2011, S. 74/76.
  4. Edward L. Figee: Het is van tweeën één. Over de ongekende kansen in de samenwerking tussen Gelderland en Overijssel. Een essay over twee eigenstandige buren. Den Haag 2011, S. 77.