Pruszcz Gdański

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Pruszcz Gdański
Wappen von Pruszcz Gdański
Pruszcz Gdański (Polen)
Pruszcz Gdański
Pruszcz Gdański
Basisdaten
Staat: Polen
Woiwodschaft: Pommern
Powiat: Gdańsk
Fläche: 16,47 km²
Geographische Lage: 54° 16′ N, 18° 39′ OKoordinaten: 54° 16′ 0″ N, 18° 39′ 0″ O
Einwohner: 29.406
(30. Jun. 2015)[1]
Postleitzahl: 83-000, 83-004, 83-005
Telefonvorwahl: (+48) 58
Kfz-Kennzeichen: GDA
Wirtschaft und Verkehr
Straße: DK 1 (Europastraße 75): DanzigCieszyn/Tschechien
S 6 (Europastraße 28): Pruszcz Gdański–Stettin
DW 226: Przejazdowo–Horniki
DW 227: Pruszcz Gdański–Wocławy
Schienenweg: PKP-Strecke 9: Warschau−Danzig
Nächster int. Flughafen: Danzig
Gmina
Gminatyp: Stadtgemeinde
Fläche: 16,47 km²
Einwohner: 29.406
(30. Jun. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 1785 Einw./km²
Gemeindenummer (GUS): 2204011
Verwaltung (Stand: 2014)
Bürgermeister: Janusz Wróbel
Adresse: ul. Grunwaldzka 20
83-000 Pruszcz Gdański
Webpräsenz: www.pruszcz-gdanski.pl



Pruszcz Gdański (deutsch Praust) ist eine Stadt in der polnischen Woiwodschaft Pommern. Sie ist Sitz des Powiat Gdański (Danziger Kreis).

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Praust südlich von Danzig und nordwestlich von Dirschau auf einer Landkarte von 1910

Die Stadt liegt im Süden der sogenannten Dreistadt mit den Zentren Gdańsk (Danzig), Gdynia (Gdingen) und Sopot (Zoppot) in der historischen Region Westpreußen. Im Norden der Stadt schließt sich Danzig an, dessen Stadtzentrum etwa zehn Kilometer nördlich liegt. Die Danziger Bucht liegt etwa 14 Kilometer nordöstlich der Stadt.

Ortsname[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die erste schriftliche festgehaltene Erwähnung des Ortes erfolgte als Prust. Die Bedeutung ist nicht gesichert. Eine Deutung ist die Ableitung von Preußen, aber auch die Ableitung vom Wort Propstei ist möglich. Weitere Namensversionen waren Pruszy (1315), Prust (1438), Pruscz (1504) und Pruszcz (1583). Die Bezeichnung Pruszcz wurde bis Ende des 18. Jahrhunderts verwendet. Als der Ort 1772 zu Preußen kam, wurde der Name eingedeutscht, der Ort hieß danach Praust.[2] Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt die Stadt wieder ihren polnischen Namen, seit 1951 mit dem Zusatz Gdański.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Stadtkirche (bis 1945 evangelisch)

Der erste urkundliche Hinweis als Prust auf das heutige Pruszcz Gdański stammt aus dem Jahr 1315. Von 1348 bis 1354 wurde von dem Fluss Radaune ein Kanal nach Danzig errichtet, der primär der Trinkwasserversorgung diente.[2] Im Jahr 1367 wurde der Ort durch den Deutschen Orden zu einer vollberechtigen Siedlung erhoben. Der Ort entwickelte sich gut, nicht zuletzt durch die Nähe zu Danzig. Als sich die Städte des Preußischen Bundes vom Deutschordensstaat abspalteten und sich freiwillig der Krone Polens unterstellten, was zu einer vorläufigen Zweiteilung Preußens führte, kam Praust 1454 an das autonome Preußen Königlichen Anteils.

Durch sein staatsstreichartiges Dekret vom 16. März 1569 auf dem Lubliner Reichstag, das darauf abzielte, das autonome Preußen Königlichen Anteils in eine polnische Provinz umzuwandeln, kündigte König Sigismund II. August die Autonomie Westpreußens unter Androhung herber Strafen einseitig auf,[3][4] weshalb die Oberhoheit des polnischen Königs in diesem nun nur noch bedingt autonomen Teil des ehemaligen Gebiets des Deutschen Ordens von 1569 bis 1772 vornehmlich als Fremdherrschaft empfunden wurde.[5]

Im Rahmen der Wiedervereinigung von West- und Ostpreußen 1772 kam die Stadt zum Königreich Preußen. Im 19. Jahrhundert ging der Aufschwung der Gemeinde weiter. So wurden unter anderem ein Krankenhaus, eine Schule sowie eine Zuckerfabrik errichtet. Weiterhin erfolgte 1852 der Anschluss von Praust an das Schienennetz von Danzig nach Dirschau (Tczew). Am Anfang des 20. Jahrhunderts hatte Praust eine evangelische Kirche, ein bakteriologisches Institut der westpreußischen Landwirtschaftskammer und eine Molkereischule.[6]

Mit der erzwungenen Bildung der Freien Stadt Danzig aufgrund der Bestimmungen des Versailler Vertrags nach dem Ersten Weltkrieg wurde Praust 1920 Teil derselben. Als Folge des Polenfeldzugs 1939 wurde die Stadt wieder Teil des Deutschen Reiches. Zum 1. April 1942 wurde Praust ein Stadtteil Danzigs.[7] In der Stadt wurden drei Außenstellen des KZ Stutthof eingerichtet, eine am Flughafen, eine am Bahnhof und eine in der Zuckerfabrik.[2]

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs wurde Praust im März 1945 von der Roten Armee besetzt. Im Sommer 1945 wurde Praust von der sowjetischen Besatzungsmacht zusammen mit ganz Westpreußen und der südlichen Hälfte Ostpreußens unter polnische Verwaltung gestellt. Die Polen führten für Praust die Ortsbezeichnung Pruszcz ein. Soweit die Bewohner nicht geflohen waren, wurden sie in der Folgezeit von der örtlichen polnischen Verwaltungsbehörde aus Praust vertrieben.

1951 erhielt der Ort den Namenszusatz Gdański. 1975, im Rahmen einer allgemeinen Verwaltungsreform, verlor die Stadt den Powiatsitz, erhielt ihn aber bei einer erneuten Reform 1999 wieder.

Bevölkerungsentwicklung bis 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr Einwohner Anmerkungen
1816 0270 [8]
1852 1.485 [9]
1864 1.666 am 3. Dezember[10]
1875 1.762 [11]
1880 2.135 [11]
1905 2.811 davon 1.068 Katholiken und 38 Juden[6]
1929 3.878 [11]

Einwohnerentwicklung seit 1945[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Jahr 1945 2007
Einwohnerzahl[12] 5.000 24.656

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Bevölkerung von Praust hatte sich der Reformation angeschlossen, die vor 1945 anwesenden Einwohner gehörten deshalb mehrheitlich dem evangelischen Glaubensbekenntnis an. Die Namen der evangelischen Pfarrer der Ortskirche sind seit 1578 und vollständig lückenlos seit 1587 bekannt.[13]

Die Kirche, die vermutlich noch zur Zeit des Deutschordensstaats gegründet wurde, hat einen kreuzförmigen Grundriss und einen viereckigen Westturm mit einem achteckigen Spitzdach. Zum Glockengestühl führt durch das Gemäuer der Kirche eine gemauerte Wendeltreppe, die in einem abgesonderten Treppentürmchen verläuft. Das Vorhandensein dieses Anbaus deutet auf den mittelalterlichen Ursprung der Kirche hin. Sie soll nach der Reformation von Franziskaner-Mönchen dem Stadtrat von Danzig übergeben worden sein, der dann auch das Patronat über sie ausübte.[13] 1728 erhielt die Kirche eine Orgel, die der Danziger Orgelbauer Andreas Hildebrand erbaut hatte und deren Klangfülle besonders gerühmt wurde. Im Jahr 1831 wurde die Kirche vollständig renoviert.[13]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bürgermeister der Stadt ist (2007) Janusz Wróbel. Seine Stellvertreter sind Andrzej Szymański und Ryszard Świlski. Die Stadt ist in vier Wahlbezirke (okręg) eingeteilt.

Städtepartnerschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit April 2012 besteht eine Städtepartnerschaft mit Hofheim am Taunus in Deutschland.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der Stadt zeigt auf roten Grund ein goldenes P und einen goldenen Löwen. Das P steht für den Namen der Stadt und passt sowohl zur deutschen Bezeichnung Praust als auch zur polnischen Pruszcz. Der goldene Löwe ist leicht abgewandelt einer der Löwen der Stadt Danzig.

Landgemeinde Pruszcz Gdański[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Landgemeinde Pruszcz Gdański, zu der die Stadt selbst nicht gehört, umfasst eine Fläche von 142,56 km² und hat 26.472 Einwohner (Stand 30. Juni 2015).

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Zuckerfabrik in Pruszcz Gdański

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pruszcz Gdański liegt an der Europastraße 75, welche in Polen von Danzig über Łódź nach Bielsko-Biała führt. Am Rand der Stadt führt die Schnellstraße 6 (Droga ekspresowa 6) entlang. Die Woiwodschaftsstraße 226 (droga wojewódzka) führt durch die Stadt, und die Woiwodschaftsstraße 227 beginnt in Pruszcz Gdański.

Durch die Stadt führt die Bahnstrecke von Danzig nach Tczew. Bis 1994 (Personenverkehr) und bis 2002 (Güterverkehr) bestand eine Bahnlinie von Pruszcz Gdański über Kartuzy und Lębork nach Łeba.

Der Lech-Wałęsa-Flughafen Danzig liegt etwa 15 Kilometer nördlich der Stadt.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pruszcz Gdański – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Fußnoten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Population. Size and Structure by Territorial Division. As of June 30, 2015. Główny Urząd Statystyczny (GUS) (ZIP-Ordner mit XLS-Dateien; 7,82 MiB), abgerufen am 28. Mai 2016.
  2. a b c http://www.katins.com/praust/geschichte/
  3. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104.
  4. A. Reusch: Westpreussen unter polnischem Scepter. Festrede gehalten am Elbinger Gymnasium am 13. Spt. 1872. In: Altpreußieche Monatsschrift, NF, Band 10, Königsberg 1873, S. 140–154, insbesondere S. 146.
  5. Hans Prutz: Geschichte des Kreises Neustadt in Westpreußen. Danzig 1872, S. 104 ff..
  6. a b Meyers Großes Konversatuions-Lexikon. 6. Auflage, Band 16, Leipzig und Wien 1908, S. 269.
  7. http://www.pruszcz-gdanski.pl/historia.php
  8. Alexander August Mützell und Leopold Krug: Neues topographisch-statistisch-geographisches Wörterbuch des preussischen Staats. Band 4: P–S, Halle 1823, S. 77, Ziffer 2754.
  9. Kraatz: Topographisch-statistisches Handbuch des Preußischen Staats. Berlin 1856, S. 482.
  10. Preußisches Finanzministerium: Ergebnisse der Grund- und Gewerbesteuerveranlagung im Regierungsbezirk Danzig. Danzig 1867. Siehe: 2. Kreis Danzig (Landkreis), S. 1–43, insbesondeer S. 18, Ziffer 2127.
  11. a b c http://www.verwaltungsgeschichte.de/dan_danzig.html#ew29danzpraust
  12. http://www.katins.com/praust/geschichte/wappen.asp, für 2007: Główny Urząd Statystyczny, „LUDNOŚĆ - STAN I STRUKTURA W PRZEKROJU TERYTORIALNYM“, Stand vom 30. Juni 2007 (Memento vom 16. Februar 2008 im Internet Archive)
  13. a b c E. Gebauer: Die Kirche in Praust bei Danzig. Preußische Provinzialblätter. Band VII, Königsberg 1855, S. 139–143 (Online)