Psychische Störung

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Beispiel einer psyschischen Störung anhand dem Verlaufsbild einer Bipolar-I-Störung

Eine psychische oder seelische Störung ist eine krankhafte Beeinträchtigung der Wahrnehmung, des Denkens, Fühlens, Verhaltens oder der sozialen Beziehungen. Auch das Selbstbild (Ich-Erleben), die Erlebnisverarbeitung und die Willensstärke können betroffen sein. Es gehört daher gerade zum Wesen dieser Störungen, dass sie durch Selbstdisziplin kaum oder gar nicht mehr zu beeinflussen sind.[1]

Psychische Erkrankungen sind insgesamt sehr häufig und können großes persönliches Leiden verursachen.[2]

Begriffsabgrenzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Menschliches Erleben umfasst Gefühle und Kognitionen (Denken, Aufmerksamkeit und Gedächtnis). Psychische Störungen betreffen all diese Bereiche und können entweder den emotionalen oder den kognitiven Aspekt stärker beeinträchtigen oder in beiden Bereichen gleich stark ausgeprägt sein. Allerdings ist nicht jede Abweichung des emotionalen oder kognitiven Erlebens gleichzusetzen mit einer Störung mit Krankheitswert. Viele Menschen erleben z. B. über eine kurze Zeit leichte Stimmungsschwankungen, die sich von selbst zurückbilden und von den Betroffenen nicht als Krankheit erlebt werden. Auch gibt es Menschen, die unter einer schweren emotionalen Belastung depressive oder psychotische Episoden erleben und anschließend psychisch stabil weiterleben.[3] Grundsätzlich ist der Krankheitsbegriff in der Medizin unscharf definiert. Neben einer objektiv feststellbaren Abweichung von einer zuvor definierten Norm spielt daher das individuelle, subjektiv erlebte Leid des Betroffenen eine Rolle.[1]

Gerade für die Beurteilung psychischer Störungen sind die Begriffe Norm, Objektivität und Subjektivität eine wissenschaftlich schwierige Fragestellung. Psychisches Verhalten mag oberflächlich gesehen noch einer echten Objektivierung zugänglich sein, jedoch resultiert es häufig aus einem inneren (also subjektiven) Erleben, über das man nur durch die Auskunft des Betroffenen Kenntnis haben kann. Dessen ungeachtet gibt es jedoch recht charakteristische Symptome, die von Untersuchern in hoher Übereinstimmung festgestellt, objektiviert und psychopathologisch zugeordnet werden können, insbesondere aus dem Bereich der inhaltlichen Denkstörungen, der Störungen des Ich-Erlebens und der Wahrnehmungsstörungen.

Grundsätzliches[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der traditionellen Psychiatrie, deren Wurzeln seit Wilhelm Griesinger (1817–1868) vorwiegend biologischer Natur sind, steht der Versuch einer Objektivierung psychischer Symptome im Sinne des Abweichens von der Norm und der Vergleich zu bereits bekannten Hirnerkrankungen im Vordergrund der Klassifikationsversuche. Hier werden die psychischen Störungen im Sinne eines triadischen Systems verstanden: Einerseits kann eine psychische Störung Ausdruck einer nachweisbaren körperlichen Störung sein (z. B. toxisch bedingte Halluzinationen), andererseits wird dabei auch der Endogenität und den Spielarten der Persönlichkeit Rechnung getragen.[4]

Schon seitens der Symptomatologie bestehen Überschneidungen, die eine exakte Diagnose erschweren. Viktor von Weizsäcker sprach in diesem Zusammenhang von einer Ausdrucksgemeinschaft psychischer Symptomatik.[5] Eine Störung kann von daher sehr an eine körperliche Störung erinnern, ohne dass dies (bisher) sicher nachzuweisen wäre: endogene, z. B. schizophrene Psychosen (siehe auch Schizophrenie). Manche glauben, können aber nicht abschließend beweisen, dass es für diese Störungen keine krankhaften, anatomisch-biochemisch definierbaren Ursachen gibt.[6]

Die heutige Medizin schreibt psychischen Störungen, die nicht auf eine klar benennbare organische Ursache zurückzuführen sind, keine spezifische Ursache mehr zu. Stattdessen werden Symptomkonstellationen (Syndrome) beschrieben, deren Ursachengefüge meist als multifaktoriell bezeichnet wird. Diese Sichtweise, die dem heutigen Stand der Wissenschaft entspricht, entwickelt sich jedoch stetig weiter. Es ist davon auszugehen, dass sich dieses Verständnis infolge zukünftiger Forschungserkenntnissen noch fortentwickeln wird.[7]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Da das Verständnis psychischer Störungen mit einer hohen Bandbreite an ursächlichen oder assoziativen Erklärungsansätzen einhergeht, sind die Versuche einer Ordnung dieser Störungen immer auch Abbild der vorherrschenden Vorstellungen gewesen. Bis heute sind daher die gängigen Klassifikationssysteme Ausdruck geistiger Strömungen der jeweiligen Zeit, von denen die Forschung maßgeblich geprägt wird.

Die Klassifikation psychischer Störungen war lange Zeit länderspezifisch sehr unterschiedlich und hing auch von psychologischen oder medizinischen Schulen ab. Bis heute werden einzelne Aspekte der Klassifikationsansätze kontrovers diskutiert. Die vorhandenen Systeme werden immer als vorläufiger gemeinsamer Nenner verstanden und stellen kaum endgültige Abgrenzungen im Sinne gültiger medizinischer Krankheiten (sog. nosologische Entitäten) dar.

Während früher noch eine Einteilung der psychischen Störungen in neurotische und psychotische Störungen üblich war, wird in den aktuellen der Klassifikationssysteme auf diese Begriffe weitgehend verzichtet. Das hängt unter anderem mit den Grundannahmen zusammen, die bei der Verwendung dieser Begriffe nach wie vor mitschwingen. Demnach wurden psychotische Störungen vor allem als biologisch verursacht angesehen, während neurotische Störungen eher als psychisch bedingt gesehen wurden. Dennoch verzichtete man nicht ganz auf diese Begrifflichkeiten und deren Konnotationen klingen noch an einigen Stellen durch. Damit sind aber heute keine Spekulationen mehr zur Verursachung verbunden. Vielmehr dienen die Bezeichnungen dazu, eine gemeinsame und einheitliche Sprache zur Verständigung bereitzustellen.

In der klinischen Anwendung spielen heute zwei Diagnose- und Klassifikationssysteme eine dominante Rolle:

ICD[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klassifikation nach ICD-10
F00-F09 Organische, einschließlich symptomatischer psychischer Störungen
F10-F19 Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen
F20-F29 Schizophrenie, schizotype und wahnhafte Störungen
F30-F39 Affektive Störungen
F40-F48 Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
F50-F59 Verhaltensauffälligkeiten mit körperlichen Störungen und Faktoren
F60-F69 Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
F70-F79 Intelligenzminderung
F80-F89 Entwicklungsstörungen
F90-F98 Verhaltens- und emotionale Störungen mit Beginn in der Kindheit und Jugend
F99 Nicht näher bezeichnete psychische Störungen
ICD-10 online (WHO-Version 2016)

Das fünfte Kapitel des ICD-10 enthält die Internationale Klassifikation psychischer Störungen. Das Kapitel umfasst alle psychischen Störungen und ist in hundert Klassen unterteilt (F00–F99). Jeder Klasse wird ein bis zu fünfstelliger Schlüssel zugeordnet. Die ersten drei Stellen ergeben eine grobe Bezeichnung der Diagnose („Dreisteller“).

DSM[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das DSM wird vor allem in der psychiatrischen und psychologischen Forschung verwendet. Der Begriff „psychische Störung“ wird darin folgendermaßen definiert:

„Eine psychische Störung ist definiert als Syndrom, welches durch klinisch signifikante Störungen in den Kognitionen, in der Emotionsregulation und im Verhalten einer Person charakterisiert ist. Diese Störungen sind Ausdruck von dysfunktionalen psychologischen, biologischen oder entwicklungsbezogenen Prozessen, die psychischen und seelischen Funktionen zugrunde liegen. Psychische Störungen sind typischerweise verbunden mit bedeutsamen Leiden oder Behinderung hinsichtlich sozialer oder berufs-/ausbildungsbezogener und anderer wichtiger Aktivitäten.“

Das aktuelle DSM-5 enthält anders als früher kein multiaxiales System mehr und besteht aus 22 gleichrangigen Kategorien.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Psychische Störungen sind weit verbreitet. Nach einer Studie der WHO leidet weltweit jeder vierte Arztbesucher daran. Deutsche Studien sprechen von ca. 8 Millionen Deutschen mit behandlungsbedürftigen psychischen Störungen. Die meisten würden jedoch nach einiger Zeit abklingen. Psychische Störungen gehören zu den häufigsten Beratungsanlässen in allgemeinmedizinischen Praxen.[9]

Psychische Störungen sind derzeit die vierthäufigste Ursache für Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen im Rahmen der GKV. Seit 1991 stieg die Zahl der Krankheitstage durch psychische Störungen um etwa 33 Prozent. Dieser angeblich ansteigende Trend zu psychischen Erkrankungen ist in der Arbeitsunfähigkeitsstatistik seit deren Einführung im Jahre 1976 zu beobachten (Stand: 2006). Das spiegelt sich auch im stationären Bereich (Krankenhaus) wider: Seit 1986 stieg die Zahl der Krankenhausfälle von 3,8 Fällen je 1000 GKV-Versicherte auf 9,3 Fälle im Jahr 2005, was dem 2,5-fachen entspricht.[10]

Allerdings zeigt eine Studie der Universität Münster, dass es gegenwärtig kaum mehr Betroffene als vor 50 Jahren gibt. Dirk Richter hat mit weiteren Wissenschaftlern anhand von 44 Studien aus Westeuropa, Nordamerika und Australien die Häufigkeit psychischer Störungen erhoben. Insbesondere bei psychischen Erkrankungen im Kindes- und Jugendalter wie etwa Magersucht oder der ADHS gebe es keinen Trend nach oben, lediglich Demenzen nähmen als Folge der steigenden Lebenserwartung in westlichen Gesellschaften zu. Rückläufig ist im Vergleich von 30 Jahren die Anzahl von Suiziden sowie der Alkohol- und Drogenkonsum. Vielmehr würden Diagnosen und Behandlungen verbessert sowie durch verstärkte Aufmerksamkeit Entstigmatisierungen gefördert, was zu einer höheren Akzeptanz von Psychotherapien führt. Wissenschaftler der Universität Dresden berechneten, dass etwa jeder vierte EU-Bürger innerhalb eines Jahres an einer psychischen Erkrankung leidet und das Risiko im Verlauf des Lebens auf 50 Prozent steigt.[11]

Schwierig ist vor allem die Angabe einer Lebenszeitprävalenz. Hier würde es laut einer Studie aus dem Jahr 2014 durch die Einmaligkeit der Befragung zu einer starken Unterschätzung der Neuerkrankungsrate kommen, da im frühen Erwachsenenalter erlebte psychische Erkrankungen für viele nicht mehr erinnerlich seien.[12] Eine Längsschnitt-Studie fand, dass über 80 % aller Untersuchten zwischen Geburt und mittlerem Lebensalter mindestens kurzzeitig unter einer psychischen Erkrankung litt.[13]

Länderübergreifend sind vor der Pubertät Jungen von psychischen Störungen häufiger betroffen als Mädchen (Androtropie), ab der Pubertät hingegen sind Frauen häufiger betroffen als Männer (Gynäkotropie).

Geschlechterverteilung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Grundsätzlich treten psychische Störungen bei Jungen häufiger auf als bei Mädchen (ca. 2:1 bis zum 10. Lebensjahr), z. B. geistige Behinderung, frühe Hirnschäden, Entwicklungsverzögerungen, Ausscheidungsstörungen (Enuresis, Enkopresis) usw. Die Anfälligkeit für emotionale Störungen (Trennungsangst, phobische Störungen usw.) ist bis zur Pubertät etwa gleich. Etwa ab der Pubertät treten psychische Störungen häufiger bei Mädchen auf. 2011 waren insgesamt 35,9 % der Frauen und 30,7 % der Männer in Deutschland psychisch erkrankt (12-Monatsprävalenz).[14][15]

Die Verhältnisse sind in der folgenden Tabelle als „Männer: Frauen“ angegeben. Zum Beispiel bedeutet „4,7:1“, dass auf 4,7 Männer mit Alkoholstörungen 1 Frau mit Alkoholstörungen kommt. Zu beachten sind die Fußnoten, da sich manche Zahlen nur auf bestimmte Altersgruppen (18- bis 79-Jährige) beziehen, aus unterschiedlichen Ländern und von unterschiedlichen Untersuchungszeitpunkten stammen usw.

Männer häufiger betroffen[15][16] kein (großer) Geschlechterunterschied[15][16][17] Frauen häufiger betroffen[15][16][17]
Alkoholstörungen“ (4,7:1) Zwangsstörung (1:1,2) einschl. Zwangshandlungen (Handwaschrituale häufiger bei Frauen, „Verzögerung der Handlungsabläufe ohne Wiederholung“ häufiger bei Männern) Angststörung (1:2,3) einschl. der meisten phobischen Störungen (u. a. Agoraphobie). Siehe generalisierte Angststörung (GAS) (ca. 1:2) und Panikstörung (ca. 1:2).
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung Bipolare Störung (1:1,1) Unipolare Depression (1:2,8)
Frühkindlicher Autismus (3-4:1) Schizophrenie (Meist früherer Krankheitsbeginn bei Männern, psychotische Störung aber häufiger bei Frauen.) Psychotische Störung (1:1,7)
die meisten Entwicklungsstörungen, u. a. umschriebene Entwicklungsstörungen schulischer Fertigkeiten Soziale Phobie Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) (1:4,2)
Störung des Sozialverhaltens (Kinder/Jugendliche) Somatoforme Störung (1:2,9)
Asperger-Syndrom (8:1) Anorexia nervosa (1:5,5) und Bulimia nervosa
Ticstörung Körperdysmorphe Störung[18]
Landau-Kleffner-Syndrom Rett-Syndrom (bisher nur bei Mädchen beschrieben)

Behandlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Psychische Störungen werden von Ärzten, Heilpraktikern und Psychotherapeuten behandelt. Der Einsatz von Psychopharmaka und Psychotherapie gilt als Standard, wobei deren jeweilige Bedeutung für die Behandlung von der konkreten Erkrankung abhängt. Ergänzend können Psychoedukation, Ergotherapie und andere Verfahren zum Einsatz kommen. Für den Behandlungserfolg bedeutsam ist auch, dem Patienten das Gefühl der Stigmatisierung zu nehmen. Auch das Wechselspiel zwischen dem Kranken und seiner Umwelt kann von Bedeutung sein, sodass bei einer Behandlung die Umwelt des Kranken mit einbezogen werden kann.[7]

Viele psychische Erkrankungen sind heutzutage gut behandelbar. Sowohl Psychotherapie als auch Psychopharmaka sind wissenschaftlich fundierte Mittel zur Behandlung psychischer Erkrankungen. Bei Störungen, die einen Wert von 40 auf der GAF-Skala nicht unterschreiten, kann Soziotherapie begleitend angewendet werden.

Zwangsbehandlung

Menschen mit schweren psychischen Störungen und einer fehlenden Einsicht über die eigene Behandlungsnotwendigkeit können auch gegen ihren Willen einer Behandlung zugeführt werden, wenn sie aufgrund der Erkrankung andere oder sich selbst gefährden. Die Behandlung erfolgt in einer geschlossenen psychiatrischen Abteilung. Die Regelungen zur Akuteinweisung sind landesrechtlich festgelegt. Ohne zusätzliche richterliche Anordnung darf eine solche Zwangsunterbringung längstens 24 Stunden betragen.

Zu längerdauernden Zwangsbehandlungen kann es in folgenden Zusammenhängen kommen:

„Aktionsbündnis Seelische Gesundheit“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor einigen Jahren wurde in Deutschland mit Unterstützung des Bundesministeriums für Gesundheit das „Aktionsbündnis für Seelische Gesundheit“ (ABSG) ins Leben gerufen. Zu den über 60 Mitgliedern des Bündnisses zählen die Selbsthilfe-Verbände sowie zahlreiche Vertreter aus den Bereichen Psychiatrie, Gesundheitsförderung und Politik, darunter die Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie, Psychotherapie und Nervenheilkunde sowie der Verein Open the doors als Gründer des Netzwerks. Es hat die Ziele, verstärkt über psychische Erkrankungen aufzuklären und die Initiativen zur Förderung der seelischen Gesundheit zu vernetzen.

Das ABSG nutzt zum Beispiel den 10. Oktober, der „internationale Tag der seelischen Gesundheit“ (1992 von der World Federation for Mental Health mit Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) ins Leben gerufen) für Informationstage, Aktionswochen und Veranstaltungen; diese sollen über Aspekte der Prävention und Therapie psychischer Erkrankungen informieren und auf die Belange psychisch erkrankter Menschen aufmerksam machen.[20]

Volkswirtschaftliche Kosten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Depressionen, Alkoholerkrankungen, bipolare Störungen und Schizophrenien zählen in Europa zu den häufigsten Erkrankungen.[21] Allerdings wurde dieses Problem erst in den letzten Jahren enttabuisiert und zunehmend in der Gesellschaft diskutiert. Laut WHO leidet gut ein Viertel der Weltbevölkerung einmal in ihrem Leben an einer behandlungsbedürftigen psychischen Erkrankung.[22] Eine Metaanalyse der TU Dresden geht sogar von einem Lebenszeitrisiko von mehr als 50 Prozent aus.[23]

Rund zwölf Prozent der Fehltage bei den aktiv Berufstätigen gehen auf Erkrankungen der Psyche zurück.[24][25] Das entspricht einer Steigerung in den letzten 15 Jahren um 80 Prozent. Psychische Störungen sind eine wesentliche Ursache für Arbeitsunfähigkeit und Frühverrentung.[10] Die wirtschaftlichen Belastungen durch diese Erkrankung sind wegen der Kombination aus hohem Verbreitungsgrad, frühem Einsetzen und oft ungünstigem, langem Krankheitsverlauf bedeutend. Die jährlichen Gesamtkosten wurden in Europa für das Jahr 2004 auf 240 Milliarden € geschätzt. Der größte Teil entfällt dabei auf die indirekten Kosten, die mit 132 Milliarden € beziffert werden können.[26] In Deutschland betrugen die Kosten für psychische und Verhaltensstörungen im Jahre 2002 280 Euro pro Einwohner, doch schon 2008 stieg diese Summe auf 350 Euro pro Einwohner.[27]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Horst Dilling: Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10 V (F). Klinisch-diagnostische Leitlinien. 10. Auflage. Hogrefe, 2015, ISBN 978-3-456-85560-8.
  • Peter Falkai, Hans-Ulrich Wittchen (Hrsg.): Diagnostisches und statistisches Manual psychischer Störungen DSM-5. Hogrefe, Göttingen 2014, ISBN 978-3-8017-2599-0.
  • Andreas Heinz (Hrsg.): Der Begriff der psychischen Krankheit. Suhrkamp/Insel Verlag, 2014. ISBN 978-3-518-29708-7.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Heiko Waller (2007): Sozialmedizin. Grundlagen und Praxis. 6. Aufl. Kohlhammer. S.217f. ISBN 9783170191709
  2. Bundesministerium für Bildung und Forschung (2011): Seele aus der Balance - Erforschung psychischer Störungen, S. 16.
  3. Informationen der DGPPN: Keine Gesundheit ohne psychische Gesundheit (Imagebroschüre).
  4. Eugen Bleuler: Lehrbuch der Psychiatrie (1916). 13. Auflage: Springer, Berlin 1975, ISBN 978-3-540-07217-1. (GoogleBooks)
  5. Gerd Huber (1974): Psychiatrie. Systematischer Lehrtext für Studenten und Ärzte. F.K. Schattauer Stuttgart, 1974, ISBN 3-7945-0404-6. S.  40, 165, 246, 252 zu Stichwort „Ausdrucksgemeinschaft psychogener und enzephalogener Störungen“.
  6. Poehlke, T.: Psychiatrie. 17. Auflage 2009.
  7. a b Brigitte Vetter: Psychiatrie - ein systematisches Lehrbuch. 7. Auflage, Schattauer 2007. ISBN 9783794525669.
  8. Eva Asselmann, Psychotherapeutenkammer Hamburg (2014): DSM-5 – Wesentliche Neuerungen und Implikationen für ICD-11 (Folie 5).
  9. Nach W. Fink, G. Haidinger: Die Häufigkeit von Gesundheitsstörungen in 10 Jahren Allgemeinpraxis. Z. Allg. Med. 83 (200) 102–108. Zitiert nach „Womit sich Hausärzte hauptsächlich beschäftigen“, MMW-Fortschr. Med. Nr. 16 / 2007 (149. Jg.)
  10. a b Mehr Fehltage durch psychische Leiden. Süddeutsche Zeitung, 3. Januar 2007, S. 20
  11. Immer mehr Depressive. Die tageszeitung vom 7. Mai 2009
  12. Yoichiro Takayanagi, Adam P. Spira, Kimberly B. Roth, Joseph J. Gallo, William W. Eaton, Ramin Mojtabai: Accuracy of Reports of Lifetime Mental and Physical Disorders. In: JAMA Psychiatry., S. , doi:10.1001/jamapsychiatry.2013.3579.
  13. Klinische Psychologie: Nur eine Minderheit bleibt ein Leben lang psychisch gesund. (spektrum.de [abgerufen am 31. Oktober 2017]).
  14. Miki Kandale & Kai Rugenstein (2014). Das Repetitorium: für die Abschlussprüfungen zum Psychologischen Psychotherapeuten und zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Deutscher Psychologen Verlag GmbH: Berlin.
  15. a b c d 12-Monatsprävalenz von 18- bis 79-jährigen in Deutschland 2011 gemäß Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland (DEGS1) mit Zusatzmodul Psychische Gesundheit (DEGS1-MH). Quelle: Wittchen & Jacobi (2012). Was sind die häufigsten psychischen Störungen in Deutschland?
  16. a b c Siehe Text zur jeweiligen Erkrankung in der ICD-10 der Weltgesundheitsorganisation: Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10 Kapitel V (F). Klinisch-diagnostische Leitlinien. 10. Auflage. Hogrefe, 2015, ISBN 978-3-456-85560-8.
  17. a b Facts about Common Mental Illnesses. (Memento vom 16. November 2010 im Internet Archive) Substance Abuse and Mental Health Services Administration, abgerufen 9. März 2015 (englisch).
  18. Body Dysmorphic Disorder (BDD). Anxiety and Depression Society of America
  19. BGH, Beschluss vom 1. Februar 2006 – XII ZB 236/ 05; OLG Celle (Lexetius.com/2006,324)
  20. Über uns. In: seelischegesundheit.net. DGPPN, abgerufen am 6. September 2016.
  21. Wittchen, H.U, F. Jacobi, J. Rehm, A. Gustavsson, M. Svensson, B. Jönsson, J. Olesen, C. Allgulander, J. Alonso, C. Faravelli, L. Fratiglioni, P. Jennum, R. Lieb, A. Maercker, J. van Os, M. Preisig, L. Salvador-Carulla, R. Simon, and H.-C Steinhausen (2011). The size and burden of mental disorders and other disorders of the brain in Europe 2010. European Neuropsychopharmacology 21, S. 655–679.
  22. Mental disorders affect one in four people. WHO, 2001, abgerufen am 6. September 2016 (englisch).
  23. Deutsches Ärzteblatt Heft 1 Januar 2006, S. 25. (PDF; 33 kB).
  24. Gesund im Job – Das Magazin für Betriebliches Gesundheitsmanagement. Nov. 2012, Markt1 Verlag S. 2.
  25. BKK Gesundheitsreport 2011 „Zukunft der Arbeit“, S. 17. (PDF; 6,0 MB).
  26. EU Grünbuch psychische Gesundheit 2005 (PDF; 946 kB).
  27. Statistisches Bundesamt.
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