Psychodrama

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Dieser Artikel behandelt eine Methode der Psychotherapie. Der Begriff benennt daneben ein Filmgenre.
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Psychodrama (von griechisch ψυχη psyche „Seele“, und δράμα drama „Handlung, Vorgang“) ist eine Methode der Psychotherapie, Beratung und Sozialforschung, entwickelt vom österreichischen Arzt Jacob Levy Moreno (1890–1974) in Wien und New York. Ursprünglich konzipiert als handlungsorientierter Gegenentwurf zur Psychoanalyse von Sigmund Freud hat sich der psychodramatische Ansatz weltweit vor allem als Methode der Gruppen- und Einzelpsychotherapie und Beratung etabliert und Einfluss auf zahlreiche andere Psychotherapieschulen wie die Gestalttherapie, Transaktionsanalyse oder Familientherapie genommen.

Arbeitsformen[Bearbeiten]

Das Verfahren Psychodrama in der Psychotherapie[Bearbeiten]

Gruppenpsychotherapie[Bearbeiten]

Das Psychodrama entstand als „Therapie in der Gruppe, durch die Gruppe, für die Gruppe und der Gruppe“[1] aus dem Stegreiftheater und war die erste Form der Gruppenpsychotherapie. (Aber: „Eine psychodramatische Sitzung z. B. ist weit davon entfernt, immer Gruppenpsychotherapie zu sein. Es ist oft nur die Behandlung eines bestimmten Individuums in der Gruppe“[2]) Der Klient (Protagonist) gestaltet als Hauptdarsteller des psychodramatischen Spiels im Hier und Jetzt einer Psychodrama-Bühne sein therapeutisches Thema.

Als Mitglied der Gruppe erhält der Protagonist mit deren Erlaubnis die Möglichkeit, seine eigene Thematik oder diejenige der Gruppe mit der Unterstützung des Spielleiters und ausgewählten Hilfs-Ichs zu bearbeiten. Die Zuschauer lassen sich vom Spiel des Protagonisten berühren, greifen mit Unterstützung des Spielleiters ein und geben zu guter Letzt wie alle anderen Mitspieler eine empathische und, wo notwendig, kritische Rückmeldung. Allerdings kann es auch bei nicht oder kaum ins Spiel integrierten Zuschauern zu einer heilsamen Erschütterung, einer Katharsis, kommen.

„Ziel des Psychodramas ist die Aktivierung und Integration von Spontaneität und Kreativität. Konstruktives spontanes Handeln ist zustande gekommen, wenn der Protagonist für eine neue oder bereits bekannte Situation eine neue und angemessene Reaktion findet.“

– Moreno, 1959, S. 34

Dieses Ziel wird auch für den Gruppenprozess als Ganzes angestrebt. Mit Hilfe der Gruppe soll sich der Protagonist von festgefahrenen Rollenstrukturen oder Rollenkonserven befreien.

Wir lernen soziale Rollen, welche den Individuen und individuellen Situationen nicht gerecht werden können. Je mehr die natürliche Kreativität – nach Moreno als „allerhöchste nukleare Struktur des Universums“ – durch verschüttete „Spontanität“ nicht zum Einsatz kommen kann, umso mehr sind wir an festgefahrene Rollenbilder verhaftet.

Psychodrama-Techniken sollten nur von entsprechend ausgebildeten Fachleuten angewendet werden, die in der Lage sind, kompetent auf die zuweilen recht starken emotionalen Wirkungen einzugehen und in konstruktive Bahnen zu leiten.

Einzelpsychotherapie bzw. -beratung[Bearbeiten]

(auch als Psychodrama a deux, bipersonales Psychodrama oder – fälschlich – als Monodrama bezeichnet) Obwohl das Psychodrama ursprünglich als Gruppenpsychotherapie konzipiert war, haben sich auch Formen der psychodramatischen Einzelarbeit etabliert, sowohl in der Psychotherapie wie in der Beratungsarbeit (Coaching, Supervision). Die fehlenden Mitspieler werden hierbei durch Gegenstände (Stühle, Kissen etc.) ersetzt, zuweilen übernehmen auch die Berater bzw. Psychotherapeuten kurzfristig Rollen. (vgl. Schaller 2009)

Psychotherapie mit Kindern und Jugendlichen[Bearbeiten]

Als besondere Herausforderung hat sich die psychodramatherapeutische Arbeit mit Kindern erwiesen. Es wurde ab 1976 im Psychotherapeutischen Institut Bergerhausen von Hans-Werner Gessmann, Ingrid Sevecke und Stefanie Unsin entwickelt.[3] Hierbei haben sich Arbeitsweisen bewährt, die dem Rollenspiel einen klaren strukturellen Rahmen geben. In der Erwärmungsphase wird gemeinsam mit den Kindern erarbeitet, welches Szenario spielerisch exploriert werden soll, und auch die Rollen werden untereinander verteilt. Daraufhin erfolgt die gemeinsame Einrichtung der Bühne. Erst dann erfolgt das Spiel, bei dem besonders auf die Einhaltung des „Als-Ob-Charakters“ geachtet werden muss. Nach der Spielphase erfolgt die gemeinsame Auflösung des Spiels mit dem Ablegen der Rollen und dem Aufräumen der Bühne. Eine Nachbesprechung über das Erlebte ist dabei unabdingbar. In Österreich wird das Kinderpsychodrama heute wesentlich durch Alfons Aichinger, Walter Holl und Hildegard Pruckner vertreten.

Pädagogische Anwendungsformen[Bearbeiten]

Psychodrama in der Erwachsenenbildung (Personal- und Organisationsentwicklung)[Bearbeiten]

Techniken des Psychodramas können in der Erwachsenenbildung lernwirksam in unterschiedlichen Fachbereichen eingesetzt werden (siehe hierzu Schaller 2006).

Psychodrama im Unterricht (Szenische Didaktik)[Bearbeiten]

Die Anwendung in der Schule ist erprobt. Methoden des Psychodramas können in der schulischen Arbeit eingesetzt werden.Bereits in den 40er Jahren kamen psychodramatische Methoden im Unterricht an Schulen der USA zum Einsatz. Moreno selbst war einer der Autoren. 1947 (Hendry, Lippitt und Zander), 1949 (Haas), in Deutschland 1994 (Schmitz-Gessmann) [4], 2006 (Gessmann/Hossbach)[5] erschienen Veröffentlichungen der pädagogischen und didaktischen Möglichkeiten mit psychodramatischen Methoden, die von Lehrkräften beschrieben wurden. Schmitz-Gessmann zeigt an einem Unterrichtsentwurf und konkret durchgeführten Beispiel, wie die Methoden des Psychodramas im Grundschulunterricht didaktisch und richtlinienorientiert genutzt werden können. Gessmann-Hossbach stellen Methoden des Psychodramas beim Unterrichtseinsatz in einer Deutschstunde der gymnasialen Oberstufe durch Videodokumentation vor. Gegenwärtig scheint die Neurobiologie zu bestätigen, was lange bekannt war: Die erlebnisaktivierenden Methoden des Psychodramas öffnen Sinneskanäle zum Gehirn und verankern Wissen. Weil in der Schule didaktische Ziele verfolgt werden und das Wort Psychodrama für Lehrende fremd ist, ist auch der Begriff „szenische Didaktik“ statt „Psychodrama“ verbreitet. Die szenische Didaktik hat eine Reihe von Beispielen geliefert, wie diese Methode didaktisch und pädagogisch genutzt werden kann (siehe Koesel und andere 1995). Anlass für die Anwendung der psychodramatischen Bildungsarbeit und verwandter Methoden (für Fremdsprachenunterricht: Psychodramaturgie Linguistique, aus Frankreich: Jeux Dramatique) im praktischen Schulalltag ist die immer wieder festgestellte Beziehungslosigkeit zwischen Lehrern und Schülern. Sie stellt eine der Ursachen für breites Versagen, Aussteigertum und Aggression in der Schule dar. Wenn Lehrer die emotionale Beziehung zu ihren Schülern verlieren, steigen Schüler aus der Schule aus und verlieren ihre Neugier zu Bildungsinhalten. Psychodramatische Bildungsarbeit ist geeignet, einerseits das Beziehungsdefizit zwischen Lehrer (Selbstverständnis „reiner Fachlehrer“ = Unterrichtsvollzugsbeamter) und Schüler, wie auch unkooperatives, auffälliges Verhalten von Kindern und Jugendlichen in der Gruppensituation einer Schulklasse zu bearbeiten.

Ziel der Arbeit mit psychodramatischen Methoden ist z.B. beim Reflektieren von Gewalt, Aggression oder Mobbing, die Übertragung von alternativen Verhaltensmustern in die eigene Rolle. Das Kind oder der Jugendliche kann durch Doppeln, Rollentausch, Rollenwechsel, Spiegeln von dem hierzu ausgebildeten (!) Pädagogen, Rückmeldung (im Sinne von Hypothesen) erhalten über Rollenverhalten und was dies bewirkt. Ein Rollentausch findet nicht auf der realen Ebene statt. Stattdessen ist ein Arbeiten auf der Symbolebene ausschlaggebend für die erfolgreiche Anwendung der psychodramatischen Methoden. Also nicht der Schüler nimmt die Rolle des Lehrers ein und der Lehrer spielt den rebellischen Schüler, sondern durch Symbole und symbolische Handlungen wird das Thema abgearbeitet. Im Unterricht (Politik/Wirtschaftskunde) oder in Projektwochen kann die Methode „Soziodrama“ beispielsweise diese Möglichkeiten bieten. Mittels Verfremdung in einem gestellten Szenario (zum Beispiel Schulhof und Gewalt, Spielplatz und Störer, Schulfest und Drogenkonsum, Schüler und Schulleitung, aber auch Arbeitgeber und Betriebsrat) und der Übernahme von Rollen aus diesem Szenario können die Schüler eine Art der Verhaltensweise nach ihren Kenntnissen ausleben. Durch einen Rollentausch mit den jeweils Andersdenkenden wird ihnen anschließend ein dazu konträres Gefühl vermittelt. Die Rolle schützt sie davor selbst gemeint zu sein: Immer wird aus der Rolle heraus gehandelt. So können sie Andersdenkende erleben und sich in deren Denkweise einfühlen. Der Lehrer wird dabei Beobachter bleiben oder Rollen übernehmen, die nicht der Lehrerrolle entsprechen. Er kann z.B. als Journalist Interviews mit den Spielern durchführen.

Ein weiteres Feld sind Unterrichtssequenzen, die psychodramatische Methoden verwenden. Diese Form bringt Bewegung in den Unterricht und verbessert die Beziehung zwischen Lehrern und Schülern, da sie selbst ihre Gedanken und Vorstellungen zu dem Thema des Unterrichts darstellen. Und vor allem, es macht allen Beteiligten Spaß.

Unterrichtsbeispiele mit Methoden des Psychodramas[Bearbeiten]

Aufstellung nach Alter, Herkunft, Arbeitsort, Hobby, nach Wünschen für eine Klassenfahrt, nach Zimmerbelegung

Klärung von Aufgabenverteilungen in einer Projektarbeit, Orientierung bei dem Verbalisieren einer Projektdokumentation, Klärung von Beziehungen in der Klasse, mit anderen Schülern, Beziehungsaufstellung unter Kollegen

  • Soziodrama, Gesellschaftliche Konflikte darstellen

Kontrahenten der aktuellen politischen Bühne werden nachgespielt und im freien Spiel interpretiert. Danach folgt eine weitere Sequenz mit Rollenwechsel in die jeweilig anderen Rollen; Zum Schluss: Sharing und Erlebnisse in den Rollen (Rollenfeedback)

  • Symboltechnik, bewegte/unbewegte Skulpturen und Standbilder zur Darstellung von Unterrichtsinhalten
    • aus der Elektrotechnik: Darstellung von Spannung, Strom; Ladungsverhältnisse im Kondensator; Verhalten des Elektronenstroms im Leiter/Nichtleiter
    • aus der Informatik: Spielen von Kontrollstrukturen und Algorithmen in einem Wegespiel für Roboter; Objektorientierte Programmierung: Darstellung von Objekten, Klassen, Eigenschaften und Tätigkeiten durch bewegte Skulpturen
    • aus der Wirtschaftskunde und Politik: Darstellung einer wichtigen Aussage in einem Vortrag mit einer Skulptur oder einem Standbild; vor einem Film: Darstellung eines passenden Begriffes als Warming-up
  • Vignetten zu Darstellung und Besprechung von Konfliktsituationen

Konflikt mit dem Chef wegen Urlaubswunsch; Konflikt als Verkäufer mit einem Kunden: Kennenlernen der Perspektive des Kunden bei der Bestellung von Produkten

Psychodrama in weiteren Anwendungsfeldern[Bearbeiten]

Weitere Anwendungsfelder, in denen das Psychodrama angewendet wird, sind:

Ablauf einer psychodramatischen Arbeitseinheit[Bearbeiten]

Das Psychodrama besteht aus drei Phasen:

  • Erwärmungsphase (warming-up)
  • Aktionsphase (Spiel und Handlung)
  • Integrationsphase (Sharing und Feedback durch die Gruppe)

Im Weiterbildungs- und Supervisionskontext wird dies Vorgehen ergänzt durch eine weitere Phase, die

  • Prozessanalyse

Techniken[Bearbeiten]

Die Psychodramatischen Techniken sind außerordentlich zahlreich und schwer überschaubar. Reinhard Krüger[12] arbeitete eine Systematik aus, die im deutschsprachigen Raum inzwischen zum Standard geworden ist. In seiner Darstellung unterscheidet er acht zentrale Psychodramatechniken:

  • Szenenaufbau
  • Doppel
  • Szenische Aktion
  • Rollenspiel und Spiegeln
  • Rollentausch
  • Rollenfeedback und Interpretation
  • Szenenwechsel und szenische Interaktion
  • Sharing und Amplifikation

Doppeln[Bearbeiten]

Das Doppel kommuniziert im Humanistischen Psychodrama als Gruppenmitglied emanzipiert-partnerschaftlich und gleichzeitig protagonistenzentriert immer nur mit dem Hauptdarsteller. Es verständigt sich mit diesem über seine Gefühle, seine Denkweisen und Wertevorstellungen. Dabei geht es darum, Gemeinsamkeiten und Unterschiede in den Vorstellungen von Protagonist und Doppel zu finden. Dieses Sich-Austauschen findet sowohl auf der verbalen Ebene, als auch auf der emotionalen-, wie auf der Handlungsebene statt, um dem Protagonisten Vertrauen in Bezug auf das Doppel, und dem Doppel die Einsichtnahme in die Vorstellungen des Protagonisten zu vermitteln. Dieser gemeinsame Prozess der Verständigung von Protagonist und Doppel wird von den anderen Gruppenmitgliedern miterlebt und mitempfunden und motiviert diese, den Doppelprozess von sich aus fortzuführen, zu ergänzen, zu variieren, wie es für ihre eigene Konzeptionsbildung förderlich ist. Dieses interpersonelle und interaktionelle Geschehen ist eine wesentliche sozialpsychologische Dimension des gruppentherapeutischen Prozesses (Gessmann, 1996).[13]

Dieses Verständnis vom Doppelprozess unterscheidet sich von einer eher tiefenpsychologisch orientierten Orientierung, bei der das Doppel dem Protagonisten hilft, seine nicht bewussten oder abgewehrten Motive und Gefühle zu erkennen. Ein Teilnehmer stellt sich hinter ihn und flüstert ihm die Gefühle und Gedanken über die Schulter, die er intuitiv durch Einfühlung und Gegenübertragung beim Protagonisten wahrnimmt. Der Protagonist prüft dann, ob das Gehörte mit selbst Gedachtem oder Gefühlten übereinstimmt. Wenn ja, nimmt er es in seine Spielhandlung mit auf, wenn nein, schüttelt er verneinend den Kopf.

Feedback: Sharing, Rollenfeedback und Identifikationsfeedback[Bearbeiten]

Im Sharing berichten die Gruppenmitglieder, Mitspieler wie Zuschauer, welche eigenen Lebenserfahrungen vom gesehenen und miterlebten Spiel angesprochen und in Erinnerung gerufen worden sind. Gessmann (1998) beschreibt umfassend die Bedeutung des Sharings für das Humanistische Psychodrama.[14] Alle Formen von Analyse des Spielgeschehens, Wertungen, Ratschläge oder Tipps sind hierbei nicht gestattet. Das Sharing dient vor allem dazu, den Aspekt der Gleichheit zwischen Protagonisten und Gruppenmitgliedern durch das Teilen von Lebenserfahrungen wieder herzustellen. Ein wesentlicher heilsamer Aspekt von Gruppenpsychotherapie ist nach Yalom die Erkenntnis, nicht der einzige Mensch mit diesem Schicksal zu sein.[15]

Im Rollenfeedback berichten und ergänzen die Mitspieler dem Protagonisten und der Gruppe, was sie in den Rollen erlebt haben. Dies ist oft auch ein wichtiger Schritt zum Ablegen der Rolle und zur Distanzierung von ihr.

Im Identifikationsfeedback berichten die Zuschauer, mit welchen Rollen des Spiels sie sich wie identifiziert haben, in welcher Form sie emotional mitgegangen sind. Das Identifikationsfeedback der Zuschauer entspricht dem Rollenfeedback der Mitspieler.

Spielarten des Psychodramas[Bearbeiten]

Es gibt eine ganze Reihe von Spielarten des Psychodramas, wobei in der Praxis häufig nur schwer zu klären ist, ob es sich tatsächlich um einen eigenständigen Ansatz handelt oder ob es sich um eine Spielart handelt, die vor allem aus Marketing-Gründen eine eigene Bezeichnung erhalten hat.

Systemisch orientiertes Psychodrama[Bearbeiten]

Systemisch orientierte Formen des Psychodramas betonen den lösungsorientierten Aspekt der Methode bzw. arbeiten mit szenischen Umsetzungen systemisch-lösungsorientierter Methoden wie Skalenarbeit, Wunderfrage, der Inszenierung von Zielszenarien etc. Zugleich werden aber auch psychodramatische Kern-Konzepte wie Spontaneität, Tele, Rolle etc. auf dem Hintergrund systemischer Denkmodelle einem zeitgemäßen Denken anschlußfähig gemacht. Bedeutende Vertreter dieser Spielart sind Anthony Williams (Australien), Jan Bleckwedel, Ulf Klein (Deutschland), Chris Farmer (Großbritannien), Rory Remer (USA)

Transpersonales Psychodrama[Bearbeiten]

Das transpersonale Psychodrama ist konfrontativer beim Doppeln, benutzt auch Gesprächsrunden als Bühne und integriert systemische Methoden. Der Leiter hat beim transpersonalen Psychodrama eine etwas stärkere Rolle als im herkömmlichen Psychodrama. Es wird weniger dem Zufall und den Selbstheilungskräften überlassen (was der Ebene von Selbsterfahrung entspricht), sondern der Protagonist wird in einen Veränderungsprozess gelenkt.

Humanistisches Psychodrama[Bearbeiten]

Das Humanistische Psychodrama (HPD) legt das Menschenbild der Humanistischen Psychologie zugrunde. Damit folgen alle Regeln und Methoden den Axiomen der Humanistischen Psychologie. Es wurde von Hans-Werner Gessmann in den 1980er-Jahren am Psychotherapeutischen Institut Bergerhausen in Duisburg in der Auseinandersetzung mit den bis dahin geübten Formen des Klassischen Psychodramas, dem Behaviordrama und dem tiefenpsychologisch-fundierten Psychodrama entwickelt.[16] Das HPD versteht sich als entwicklungsorientierte Psychotherapie und ist von der Katharsistheorie gänzlich abgerückt.[17] Selbsterfahrung und Selbstverwirklichung sind wesentliche Aspekte im therapeutischen Prozess. Subjektive Erlebnisse, Gefühle und Gedanken und die eigenen Erfahrungen sind Ausgangspunkt für eine Veränderung oder Neuorientierung im Erleben und Verhalten in Richtung auf mehr Selbstakzeptanz und Zufriedenheit. Die Auseinandersetzung mit der Biographie des Einzelnen ist eng verbunden mit der Soziometrie der Gruppe.[18]

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • A. Aichinger, W. Holl: Psychodrama-Kinder-Gruppentherapie, Mainz: Grünewald, 1997, ISBN 978-3-7867-2001-0
  • A. Aichinger, W. Holl: Kinder-Psychodrama in der Familien- und Einzeltherapie, im Kindergarten und der Schule, Mainz: Grünewald, 2002, ISBN 3-7867-2413-X
  • F. v. Ameln, R. Gerstmann, J. Kramer: Psychodrama (2. Auflage), Springer Verlag, 2009, ISBN 3-540-89912-X
  • J. Fürst, K. Ottomeyer, H. Pruckner: Psychodrama-Therapie, Facultas 2004, ISBN 3-85076-663-2
  • E. Koesel: Persoenlichkeitsentwicklung in beruflichen Feldern auf der Grundlage des Psychodramas, Freiburg. 1989
  • E. Koesel und andere: Psychodrama im Unterricht. Beispiele für eine subjektorientierte Didaktik, in: Zeitschrift Pädagogik – Heft 11. 1995
  • E. Koesel: Psychodrama in der Schule und im Unterricht, in Buddrus, V.: Humanistische Pädagogik. Bad Heilbrunn
  • Reinhard Krüger, 1997: Kreative Interaktion. Tiefenpsychologische Theorie und Methoden des klassischen Psychodramas. Digital zu erhalten unter www.psychodrama-netz.de/content/reinhard-t-krueger-kreative-interaktion
  • J. L. Moreno: Gruppenpsychotherapie und Psychodrama, Thieme Verlag, Stuttgart 1959
  • H. Pruckner: Das Spiel ist der Königsweg der Kinder inScenario Verlag, München 2001, ISBN 3-929296-10-1
  • Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie, Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, ISSN 1619-5507
  • Internationale Zeitschrift für Humanistisches Psychodrama, Duisburg: Verlag des PIB, ISSN 0949-3018
  • Zeitlinger-Hochreiter: Kompendium der Psychodrama-Therapie, in Scenario 1996
  • D. Gipser und S. Kunze: Katzen im Regen. Das Drama mit dem Psychodrama, Hamburg: Edition Zebra, 1989
  • H.-W. Gessmann: Humanistisches Psychodrama I–IV, Verlag des PIB Duisburg, ISBN 3-928524-23-2
  • H.-W. Gessmann: Empirische Untersuchung der therapeutischen Wirksamkeit der Doppelmethode im Humanistischen Psychodrama, in: Humanistisches * * Psychodrama IV, Verlag des PIB, Duisburg, 1996, ISBN 978-3-928524-31-5
  • H.-W. Gessmann: Empirischer Beitrag zur Prüfung der Wirksamkeit psychodramatischer Gruppenpsychotherapie bei Neurosepatienten (ICD-10: F3, F4). Zeitschrift für Psychodrama und Soziometrie, Sonderheft Empirische Forschung. VS Verlag für Sozialwissenschaften - Sonderheft Empirische Forschung, 2011.
  • R. Schaller: Das grosse Rollenspiel-Buch, Beltz 2006 (2.Auflage), ISBN 3-407-36434-2
  • R. Schaller: Stellen Sie sich vor, Sie sind... Das Ein-Personen-Rollenspiel in Beratung, Coaching und Therapie, Huber 2009, ISBN 978-3-456-84670-5
  • P. Soppa: Psychodrama – Praxishandbuch, Leske und Budrich 2001, ISBN 3-8100-2903-3
  • Ch. Stadler/ Kern: Psychodrama. Eine Einführung, Wiesbaden: VS 2010; ISBN 978-3-531-16539-4
  • A. Ploeger, K. Greven, L. Gührs, B. Schmidt: Tiefenpsychologisch fundierte Psychodramatherapie, Kohlhammer Verlag 1983, ISBN 978-3-17-005615-2
  • G. Weiss: Kinderpsychodrama in der Heil- und Sozialpädagogik, Stuttgart: Klett-Cotta, 2010, ISBN 978-3-608-94495-2

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Moreno nach Leutz (1974): Psychodrama. Bd. 1., Springer
  2. Moreno 1947, zitiert nach Hutter, Schwehm (2009): J. L. Morenos Werk in Schlüsselbegriffen. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften, S. 415
  3. Gessmann, H.-W.: Kinderpsychodramatherapie. Dokumentation über den Beginn der Therapieform. Verlag des Psychotherapeutischen Instituts Bergerhausen, Duisburg, 2011.
  4. Schmitz-Gessmann, Mariele: „Ich bin dick, rund und ein bisschen klebrig.“ – Unterrichten mit psychodramatischen Methoden. In: Gessmann, Hans-Werner (Hrsg.): Humanistisches Psychodrama 2. Verlag des Psychotherapeutischen Instituts Bergerhausen, Duisburg, 1994, Seiten 137–171
  5. Gessmann, H.-W./Hossbach, H.: Peter Härtling – Trauer und Trost. Erarbeitung eines literarischen Textes mithilfe szenischer Methoden aus dem Humanistischen Psychodrama. Verlag des Psychotherapeutischen Instituts Bergerhausen, Duisburg, 2006.
  6. z.B. Gessmann, Hans-Werner; Viethen, Christel (2009): Humanistisches Psychodrama mit älteren und alten Menschen. Marienkloster. Verlag des Psychotherapeutischen Instituts Bergerhausen, Duisburg
  7. z.B. Fausch-Pfister, Heidi (2011): Musiktherapie und Psychodrama. Wiesbaden: Reichert-Verlag; Moreno, Joseph J. (1999): Acting your inner music. Music Therapy and Psychodrama. Saint Louis, MO, USA: MMB Music.
  8. z.B. Haimerl, E.; Lebok, U., Leuschner, D.: Rollenspiel und Psychodrama als Instrumente für die Marktforschung mit Kindern und Jugendlichen. In: GfK-Jahrbuch der Absatz- und Verbrauchsforschung, 1/2003, 49. Jg. , S. 27-44.
  9. Haimerl, E.; Roleff, R. (1996): Rollenspiel und Psychodrama als Marktforschungsmethoden. Integration von Beobachtung, Befragung und Experiment. In: Jahrbuch der Absatz- und Verbrauchsforschung, 3/1996, S. 266–280.
  10. z.B. Jüngst, Peter; Meder, Oskar (1990): Experimente zur szenisch-räumlichen Dynamik von Gruppenprozessen. Territorialität und präsentative Symbolik von Lebens- und Arbeitswelten. Kassel: Gesamthochschule (Urbs et regio, 54).
  11. z.B. Dudler, Agnes; Bosselmann, Rainer (1995): Soziodrama in großen Gruppen – Soziodramatische Geschichtsforschung und Soziodramaeinsatz in verschiedenen Großgruppenverfahren. In: Wittinger, Thomas (Hrsg.): Handbuch Soziodrama. Die ganze Welt auf der Bühne. S.17–38.
  12. Reinhard Krüger, 1997: Kreative Interaktion. Tiefenpsychologische Theorie und Methoden des klassischen Psychodramas. Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht. ISBN 3-525-45794-4
  13. http://www.pib-zentrum.de/fortbildung/veroeffentlichungen/doppelmethode.html
  14. Gessmann, H.-W.: Das Sharing im Humanistischen Psychodrama. In: Internationale Zeitschrift für Humanistisches Psychodrama (Hrsg. Hans-Werner Gessmann). Heft 1, Juni 1998, 4. Jahrgang, Verlag des Psychotherapeutischen Instituts Bergerhausen, Duisburg, S. 42-63. ISSN 0949-3018
  15. Theorie und Praxis der Gruppentherapie. Ein Lehrbuch (Theory and Practice of Group Psychotherapy), 1970, 2005 (5th Ed.) (2005)
  16. Gessmann, H.-W.: Humanistisches Psychodrama. Band I–IV, Verlag des Psychotherapeutischen Instituts Bergerhausen, Duisburg, 1990, ISBN 3-928524-21-6; 22-4; 23-2; 31-5
  17. Gessmann, H.-W.: Erste Überlegungen zur Überwindung des Katharsisbegriffs im Humanistischen Psychodrama. In: Internationale Zeitschrift für Humanistisches Psychodrama (Hrsg. Hans-Werner Gessmann). Heft 2, Dez 1999, 5. Jahrgang, Verlag des Psychotherapeutischen Instituts Bergerhausen, Duisburg, S. 5-26, ISSN 0949-3018
  18. Gessmann, H.-W.: Die Humanistische Psychologie und das Humanistische Psychodrama. In: Humanistisches Psychodrama, Band IV, Verlag des Psychotherapeutischen Instituts Bergerhausen, Duisburg, 1996, ISBN 978-3-928524-31-5