Psychologists/Psychotherapists for Future

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Psychologists/Psychotherapists for Future
(Psy4F)
Logo der Psychologists for Future
Gründung April 2019 in Deutschland
Gründer Lea Dohm & Mareike Schulze
Motto Climate change is a psychological crisis, whatever else it is. (Poulsen, 2018)
Website www.psychologistsforfuture.org

Psychologists/Psychotherapists for Future (kurz Psy4F) ist eine Initiative von Psychologen, Psychotherapeuten und Studierenden der Psychologie zur Unterstützung der "Fridays for Future"-Bewegung.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 2019 gründeten sich die Psy4F auf Initiative der tiefenpsychologisch orientierten Psychologischen Psychotherapeutinnen Mareike Schulze und Lea Dohm.[1][2]

Im Mai 2019 veröffentlichten die Psy4F eine Stellungnahme zu den Protesten für mehr Klimaschutz,[3] die bis April 2020 laut Psy4F von mehr als 4400 Personen aus 28 Ländern unterzeichnet wurde.[4]

Im November 2020 wurden die Psy4F mit dem taz-Panter-Preis ausgezeichnet.[5]

Stellungnahme[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In ihrer Stellungnahme unterstreichen die Psy4F nachdrücklich die Forderungen der Fridays-for-Future-Bewegung nach einem schnellen und konsequenten Handeln, einem grundsätzlichen klimapolitischen und gesellschaftlichen Paradigmenwechsel sowie nach Einhaltung der Ziele des Pariser Abkommens.[3]

Die Psy4F postulierten in ihrer Stellungnahme unter anderem Folgendes:

  • Der Klimawandel und die ökologische Krise würden intuitiv unterschätzt. Damit verbundene, als unangenehm erlebte Gefühle würden mittels psychischer Abwehrprozesse (individuell und kollektiv) unbewusst gehalten. Dadurch würden viele Menschen, auch Politiker, in hohem Maße das Ausmaß der Bedrohung verkennen. Diese kollektive Verleugnung stehe sowohl individuellem als auch kollektivem Handeln im Weg.
  • Es sei ein psychologisches Problem, Menschen zu Verhaltensänderungen in Richtung eines zunehmenden Umwelt- und Klimabewusstseins zu bewegen. Dem Aktiv-Werden würden oft Gewohnheit und das Gefühl, keinerlei Kontrolle zu haben und nichts bewirken zu können, im Wege stehen.
  • Das Bewusstwerden der Brisanz der Klimakrise und ökologischen Krise könne Symptome bis hin zur psychischen Störung hervorrufen. Es könne zu intensiven, als überwältigend erlebten Gefühlen kommen, die in Handlungsunfähigkeit und psychischen Störungen resultieren können.
  • Der Zustand der Umwelt wirke sich auf komplexe Weise auf menschliches Erleben, Verhalten und die Gesundheit aus.

Dabei werden unter anderem Veröffentlichungen von Renee Lertzmann, die sich auf psychodynamische/psychoanalytische Theorien bezieht,[6] sowie einzelne Studien zu den Folgen der globalen Erwärmung für die psychische Gesundheit zitiert.

Der Stellungnahme wurde ein Zitat von Bruce Poulsen, einem psychodynamisch orientierten Psychotherapeuten, voran gestellt: „Climate change is a psychological crisis, whatever else it is“.[7]

Organisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Psy4F organisieren sich in Regionalgruppen.[8] Ein internationaler Austausch mit thematisch verwandten Fachinitiativen wird gepflegt. Bundesweite Arbeitsgruppen existieren u. a. zu Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, Social Media, Mental Health für Aktivisten, Psychoanalyse, Klimakommunikation.

Aktivitäten und Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Psy4F bieten seit Juni 2019 ein kostenfreies Beratungsangebot für Klimaengagierte an, sowie Workshops, Vorträge und Gesprächsrunden. Die Weitergabe des vorhandenen psychologischen Wissens an Klimaaktivisten und andere Multiplikatoren, das eigene Aktivwerden und das Aufzeigen von Möglichkeiten dieser gesellschaftlichen Bewegung sind erklärte Ziele der Psy4F.

Die Sprecherin der Psy4F, Katharina von Bronswijk, wurde wiederholt interviewt oder in den Medien zitiert, meist zum Thema „Klimaangst“ und der „Verdrängung“ der Klimakrise.[9][10][11] Zudem gibt es verschiedene Veröffentlichungen von Mitgliedern der Psy4F.[12][13][14]

Auf dem 35. Deutschen Psychotherapeutentag stellte Mareike Schulze die Positionen der Psy4F den Delegierten der Bundespsychotherapeutenkammer vor. Die Delegierten begrüßten die Initiative und riefen in einer Resolution zu konsequenterem Klimaschutz auf. Sie sprachen sich dafür aus, die psychotherapeutischen Herausforderungen des Klimawandels mehr in den Blick zu nehmen und das eigene Handeln kritisch auf Nachhaltigkeit zu überprüfen.[15]

Auf ihrer Website positionieren sich die Psy4F zum Begriff "Klimaangst" folgendermaßen: Die inflationäre Verwendung des Begriffes Klimaangst ist im Rahmen der öffentlichen Diskussion um die Klimakrise als Folge des menschengemachten Klimawandels zu einem eigenen Phänomen geworden. Dieses Phänomen droht, die Bedeutung der Klimakrise zu verdecken: Wenn nämlich die Angst vor den Auswirkungen der Klimakrise zunehmend pathologisiert wird, rückt eine zu überwindende Angst in den Fokus der Bemühungen. Die Klimakrise würde damit individualisiert werden und als ein individuelles Anpassungsproblem erscheinen. Dabei geht es eigentlich um eine globale Bedrohung, die nur gesellschaftlich-politisch überwindbar ist. Der Versuch der Pathologisierung kann auch als eine Strategie gesehen werden, gesellschaftliches Engagement für den Klimaschutz zu diffamieren und notwendige politische Entscheidungen zu verhindern.[16]

In einem Beitrag für die Fachzeitschrift des Berufsverbandes Deutscher Psychologinnen und Psychologen (BDP) werden ökonomische Interessen und politische Ideologien als Einflussgrößen darauf benannt, warum dem Thema anthropogener Klimawandel ablehnend begegnet wird. In diesem Zusammenhang wird auf die entwarnende Funktion klimawandelnegierender Botschaften verwiesen, wie sie unter anderem von den Wissenschaftshistorikern Naomi Oreskes und Erik M. Conway in ihrem Sachbuch Merchants of Doubt zusammengetragen wurden.[17]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kritisiert wurde als Reaktion auf den Artikel von Fabian Chmielewski im Psychotherapeutenjournal in Leserbriefen unter anderem die grundlegende Annahme der Psy4F, dass der mangelnde Klimaschutz in den letzten Jahrzehnten auf Angstabwehr zurückzuführen sei. Es gebe auch andere Gründe, den Klimawandel zu ignorieren, etwa wenn „Menschen einfach nicht genug darüber wissen, eine andere Überzeugung, andere Prioritäten, oder eigennützige, i.d.R. wirtschaftliche Interessen haben“. Zudem sei es problematisch, die verbreitete Ignoranz gegenüber dem Klimawandel zum „gesamtgesellschaftlichen Gesundheitsproblem“ zu erklären, das Psychotherapeuten mit ihrem „psychologischen Rüstzeug“ behandeln müssen.[18]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Lea Dohm: Wir sind Vorbilder. In: Psychotherapeutenjournal. 2016, Nr. 3, 2016, S. 37.
  2. Praxen für Psychotherapie. Psychotherapeutenkammer RLP, abgerufen am 12. Juli 2020.
  3. a b Unsere Stellungnahme. Psychologists for Future, 26. April 2020, abgerufen am 12. Juli 2020.
  4. Ein Jahr Psychologists/Psychotherapists for Future: Ein Rück- und ein Ausblick. Abgerufen am 12. Juli 2020.
  5. Pia Stendera: Panter Preis 2020: Es geht nur gemeinsam. In: Die Tageszeitung. 14. November 2020, abgerufen am 2. Dezember 2020.
  6. Renee Lertzman: Environmental Melancholia: Psychoanalytic Dimensions of Engagement. Routledge, 2017, ISBN 978-1-317-91693-2.
  7. Bruce Poulsen: On Mourning Climate Change. In: Psychology Today Blog. 16. Dezember 2018, abgerufen am 12. Juli 2020.
  8. https://www.psychologistsforfuture.org/ueber-uns/regional-arbeitsgruppen/
  9. Petra Bühring: Interview mit Katharina van Bronswijk, Sprecherin der Bewegung „Psychologists/Psychotherapist for Future“: „Wie existenziell bedrohlich die Klimakrise ist, wird verdrängt“. In: Deutsches Ärzteblatt. September 2019, abgerufen am 17. Oktober 2020.
  10. Carla Baum, Anaïs Kaluza: Keine Panik. In: ZEIT Campus. 2. Januar 2020, abgerufen am 17. Oktober 2020.
  11. Leonie Sontheimer: Psychologin über Krisenangst: „Angst, Trauer, Wut sind normal“. In: Die Tageszeitung. 27. März 2020, abgerufen am 17. Oktober 2020.
  12. Lea Dohm, Felix Peter, Bianca Rodenstein: Warum die Klimakrise auch eine psychologische Krise ist. In: psylife.de. 23. April 2020, abgerufen am 17. Oktober 2020.
  13. Fabian Chmielewski: Die Verleugnung der Apokalypse – der Umgang mit der Klimakrise aus der Perspektive der Existentiellen Psychotherapie. (PDF) In: Psychotherapeutenjournal. 2019, Nr. 3, 2019, S. 253–260.
  14. Fabian Chmielewski, Felix Peter, Bettina Knülle und Katharina van Bronswijk: Wir brauchen alle eine Therapie. In: Frankfurter Rundschau. 21. September 2019, abgerufen am 23. Oktober 2020.
  15. Petra Bühring: 35. Deutscher Psychotherapeutentag: „Unser Berufsstand ist jetzt deutlich stärker aufgestellt“. In: Deutsches Ärzteblatt. Dezember 2019, abgerufen am 17. Oktober 2020.
  16. Klimaangst – Anmerkungen zu einem aktuellen Schlagwort der Klimakrise. Abgerufen am 3. Dezember 2020.
  17. Dohm, L., Peter, F. & Rodenstein, B. (2020). Wenn Warnungen ungehört verhallen – Psychische Prozesse im Umgang mit der Klimakrise. Report Psychologie, 2/2020, 2–5.
  18. Leserbriefe in Reaktion auf den Artikel „Die Verleugnung der Apokalypse – der Umgang mit der Klimakrise aus der Perspektive der Existentiellen Psychotherapie“. (PDF) In: Psychotherapeutenjournal. 2019, Nr. 4, 2019, S. 409–413.