Public Netbase

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(Public) Netbase wurde 1994 vom Wiener Institut für neue Kulturtechnologien/t0 als Netzkulturinstitution ins Leben gerufen und bot dem Kunst- und Kulturbereich eine Plattform für eine selbstbestimmte Nutzung von neuen Medien. An der Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Technologie und Kunst wurden in einer großen Zahl von Symposien, Ausstellungen und Workshops die vielfältigen Möglichkeiten digitaler Netzwerke ausgelotet und zugleich ein kritischer Blick auf unsere immer stärker von Technologie bestimmte Gesellschaft geworfen. Anfang 2006 hat die Streichung der Finanzierung durch die Stadt Wien das Institut für Neue Kulturtechnologien/t0 dazu gezwungen, den international orientierten Forschungs- und Projektbetrieb von Public Netbase einzustellen

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1994–1997: Anfänge einer Schnittstelle für digitale Netzwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die Anfänge des Jahres 1994 in gemeinsamen Räumen mit dem Depot standen im Zeichen einer neuen kritischen Kulturpraxis, die schon damals aufgrund des emanzipatorischen Verständnisses der Nutzung von Neuen Medien keinen gängigen Normen entsprach. Dennoch fand diese frühe Tätigkeit bei Kunst- und Kulturschaffenden großes Interesse, die damit erstmals die Möglichkeit vorgefunden haben, sich mit den neuen Informations- und Kommunikationstechnologien vertraut zu machen und freien Zugang zum Internet zu erhalten. Einführungsworkshops und begleitende Vorträge erfreuten sich großer Beliebtheit und binnen kurzer Zeit versammelten sich mehr als 1.000 Nutzer auf der t0-Plattform.

Auf dieser Basis war es möglich, mit der Einrichtung eigenständiger Räumlichkeiten im früheren Messepalast (heute MuseumsQuartier) für eine intensive Belebung des in den 90er Jahren noch völlig desolaten Areals zu sorgen. Zu diesem Zeitpunkt wurde Public Netbase ein viel geschätzter Partner in der Allianz mit anderen, im Museumsquartier angesiedelten Institutionen. Mit einem regelmäßigen Veranstaltungsprogramm sowie künstlerischen Projekten und Interventionen im öffentlichen Raum (wie z. B. Flesh Machine und Intergalactic Conference) wurde ein vielfältiges Publikum angesprochen, das den sozio-kulturellen Charakter des Projekts nachhaltig prägte.

1998/1999: FPÖ – Konflikte und Gerichtsverfahren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die daraufhin folgenden Konflikte müssen vor allem im Kontext des Kulturkampfes der Freiheitlichen Partei Österreichs (FPÖ) unter Jörg Haider gesehen werden. Dieser richtete sich gegen kritische Stimmen der zeitgenössischen Kunst und nahm 1998 auch Public Netbase ins Visier. Auslöser war eine Veranstaltungsserie, die sich aus feministischer Sicht mit dem Thema Zensur und Pornographie im Internet beschäftigte. Die FPÖ nahm den Titel sex.net. Sex, Lies and Internet zum Anlass, die angesehene Arbeit von Public Netbase zu diskreditieren. Letztlich mussten die Gerichte damit befasst werden, die Jörg Haider eine Wiederholung seiner Behauptungen unter Strafandrohung untersagten.

Dessen ungeachtet wurde die Projektarbeit mit Ausstellungen, Konferenzen und Interventionen wie z. B. Robotronika und Information Terror fortgesetzt. Mit Period After setzte Public Netbase 1998/1999 ein Zeichen für die internationale Zusammenarbeit zivilgesellschaftlicher Medien zur Zeit des Krieges im ehemaligen Jugoslawien und bot zahlreichen Medienaktivisten der betroffenen Region Ressourcen und Arbeitsgrundlagen in Wien.

1999/2000: Wenderegierung und elektronischer Widerstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Durch den Wahlerfolg der Haider-FPÖ und der darauf folgenden Regierungsbildung mit der Österreichischen Volkspartei (ÖVP) zur Jahrtausendwende wurde die Arbeit im Museumsquartier jedoch zusätzlich erschwert und eine künftige Einbindung von Public Netbase durch die Bestellung einer neuen Geschäftsführung jeder Grundlage beraubt. Kritische Initiativen wurden mannigfach Schikanen sowie vertragsrechtlichen Unsicherheiten ausgesetzt, um sie aus dem Areal zu vertreiben.

Diese Entwicklung sollte den Regierungswechsel fortan generell kennzeichnen. Die ÖVP-Kulturverantwortlichen betrieben eine Politik der Beseitigung kritischer und unliebsamer Projekte. Public Netbase geriet als Technik- und Kommunikationsplattform der nunmehr als "Internet-Generation" bezeichneten Protestbewegung besonders ins Fadenkreuz. Der letztlich gänzlichen Streichung jeder Basisfinanzierung durch die Bundesregierung gingen Monate andauernde ergebnislose Betriebs- und Finanzprüfungen sowie der Widerruf wichtiger internationaler Projektgelder voraus, die als Beitrag zur Kulturhauptstadt Brüssel 2000 längst zugesichert worden waren.

2000/2001: Konflikt und Auszug aus dem Museumsquartier[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor diesem Hintergrund erklärte sich die Stadt Wien bereit, die durch das Vorgehen der Bundesregierung drohende Absage des EU-Projektes abzuwenden und die erforderlichen Mittel zur Verfügung zu stellen. Das in Wien damals von der ÖVP geführte Kulturressort weigerte sich aus Rücksichtnahme auf die national-konservative Bundesregierung, die dringend benötigte Auszahlung der Gelder durchzuführen, und verstärkte stattdessen den politischen Druck auf die Wiener Kulturpolitik.

Eine im Jahr 2001 durch zahlreiche internationale Proteste herbei geführte Vereinbarung sollte auf Vermittlung der Stadt Wien den Verbleib von Public Netbase im Museumsquartier sichern. Doch schon 10 Monate später wurde diese Abmachung ohne jeglichen Widerstand der städtischen Kulturpolitik missachtet, und Public Netbase musste das Kulturareal verlassen. Damit wurde die Phase der räumlichen Improvisation zum Dauerzustand.

2001–2006: Verstärkte Aktivitäten unter erschwerten Bedingungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

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Die Forderung nach Standorten für eine zukunftsweisende Kunst- und Kulturentwicklung rückte dadurch erneut ins Blickfeld. Der Karlsplatz im Zentrum Wiens, der auf Wunsch des Bürgermeisters zu einem Kunstplatz umgestaltet werden sollte, bot die Möglichkeit, ein Zeichen gegen den repräsentativen Kulturalismus der rechtskonservativen Bundesregierung zu setzen. Darüber hinaus versprach das damals gemeinsam von der Sozialdemokratischen Partei (SPÖ) und Grünen ausgearbeitete Programm der Wiener Stadtregierung ernsthafte Anstrengungen im Bereich Kultur und Medien.

Im Sommer 2003 wurden Protestmaßnahmen notwendig, um die Stadt Wien an die Umsetzung dieser bislang unerledigten Programmpunkte zu erinnern. Insbesondere das "Mediencamp" am Karlsplatz sowie die Manifestationen der "FreeRePublic-Soundpolitisierung" sorgten für breite Unterstützung dieser Anliegen. Dies machte den Karlsplatz auch zum geeigneten Rahmen für künstlerische Interventionen und Medienprojekte wie u.a. "Nikeground", "Bürgerinitiative Öffnet den Karlsplatz!" und "System-77CCR".

Tatsächlich wurde schon im Jahr 2002 ein Angebot der Wiener Stadtplanung an Public Netbase herangetragen, im Zuge der Umbauarbeiten des Karlsplatzes und der U-Bahnanlagen neue Räumlichkeiten zu erhalten. Die auf die vorangegangenen kritischen Aktivitäten zurückzuführende Streichung von Fördermitteln von Seiten der Stadt Wien 2003/2004, bedeuteten jedoch einen schweren Rückschlag, der die Planung für einen neuen Standort erheblich erschwerte und erste Einschränkungen im Tätigkeitsfeld der Public Netbase nach sich gezogen hat.

Die Weigerung der Stadt Wien, die Grundlagen der laufenden internationalen Projektaktivitäten zu sichern und bereits zugesagte Ko-Finanzierungen auszuzahlen, erzwang im Herbst 2004 die Einstellung des Public Netbase Internet-Service-Providings für tausende Kunst- und Kulturschaffende. Davon betroffen waren auch Workshop- und Vermittlungsangebote sowie öffentliche Services. Es wurde damit unumgänglich, das Profil der Aktivitäten an die Kürzungsentwicklung anzupassen, was sich auch in einem Wechsel in nochmals kleinere Räumlichkeiten niederschlug. Dieser erzwungenen Reduktion des Leistungsumfangs wurde durch eine Namensänderung Rechnung getragen: Aus Public Netbase wurde Netbase.

Zu Beginn des Jahres 2006, nur wenige Monate nach der Eröffnung in den neu adaptierten Räumen sowie einem international viel beachteten Projekt in Bangalore (Indien) wurde der erfolgreichen Medienkultur-Institution der endgültige Entzug aller Förderungen aus dem Kulturressort der Stadt Wien mitgeteilt.

Das Institut für neue Kulturtechnologien/t0, die Trägerorganisation von Public Netbase, ist durch die 1999 gegründete World-Information.Org (und deren Einrichtung für Forschung und Diskurs, das World-Information Institute) sowie die 2002 gestartete österreichische Online-Politikorientierungshilfe wahlkabine.at weiterhin aktiv.

Projekte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • WORKSHOPS / EINZELVERANSTALTUNGEN

Im Folgenden werden vor allem 'Highlights' - größere Projekte, Konferenzen, Ausstellungen, Websites etc. - aufgelistet. Dazu ist aber anzumerken, dass vor allem in der zweiten Hälfte der 1990er und zu Beginn der 2000er Jahre - als Public Netbase noch über die entsprechende Infrastruktur verfügte - eine Vielzahl von Workshops und phasenweise ein fast tägliches Veranstaltungsprogramm (Präsentationen, Diskussionsveranstaltungen, Screenings, Musikevents,...) stattfanden. In einer Phase der Entwicklung von Netzkultur und Medienkunst, in der vor allem wichtig war, ein breites komplexes Angebot zu schaffen, um den Bereich in seiner Vielfalt bekannt zu machen, Diskurse zu entwickeln und den Erwerb von Medienkompetenz zu ermöglichen, ist diese Ebene wohl als zumindest gleich bedeutend mit den großen Projekten zu betrachten. Dies im Detail aufzulisten würde den Rahmen eines Enzyklopädieartikels aber sprengen. Nachzulesen ist dies im Buch Public Netbase: Non Stop Future[1] als auch in einem online zugänglichen Tätigkeitsbericht[2], der die Aktivitäten bis Herbst 2004 erfasst.

  • Intergalactic Conference der Association of Autonomous Astronauts (1997)

Hinter dem dadaistisch anmutenden Unterfangen einer „Intergalaktischen Konferenz“ über ein unabhängiges communitybasiertes Raumfahrtprogramm steht eine kritische Auseinandersetzung mit der Zugänglichkeit von Technologie und mit Politiken des Raumes.[3]

  • Infobody Attack (1997)

Diese im Oktober 1997 durchgeführte Veranstaltungsreihe beschäftigte sich mit Überwachung und Kontrolle in der Informationsgesellschaft.[4]

  • Flesh Machine: A Genexploitation Project (1997)

Das Projekt des Critical Art Ensemble zur “biotechnologischen Revolution” wurde erstmals in Wien realisiert. Es konnten u.a. in ’’The Cloning Project’’ Freiwillige ihre DNA einem Screening unterziehen lassen und erfahren, ob sie im allumfassenden Biokapitalismus als geeignet für die Reproduktion eingeschätzt würden oder nicht. In einer multimedialen Lecture stellten Mitglieder des CAE die Hintergründe des Projekts dar.[5]

  • Information Terror (1998)

Im Rahmen dieses in Kooperation mit The Society of the Unknown (London/UK) durchgeführten Projektes wurde ein Transport-Container vor der Wiener Oper „in ein psychogeographisches Feedback-System transformiert“.[6]

  • Robotronika (1998)

In dieser aus einem Symposium und einer Ausstellung bestehenden fünftägigen Veranstaltung wurden aktuelle Entwicklungen im Bereich Automatisierung und Robotik vorgestellt und die Auswirkungen hinterfragt.[7]

  • Period After (1998/99)

Dieses in einem Netzwerk mit südosteuropäischen Medieninitiativen betriebene Projekt befasste sich mit den potenziellen Konsequenzen der ‚Balkankrise’ und den Entwicklungen im Bereich Medien und zeitgenössische Kultur.[8]

  • Synworld playwork:hyperspace (1999)

beschäftigte sich mit dem Verhältnis zwischen populären Games und wissenschaftlich und sozial relevanten Entwicklungen. Es bot ein sehr umfassendes Programm aus Vorträgen, Installationen, Multimediapräsentationen, Games Stations und einer Lounge.[9]

  • Kultur.Netz.2000+ (1999)

In einer Veranstaltung und der Entwicklung eines kulturpolitischen Forderungspapiers wurden u.a. die Schaffung eines „österreichischen Cultural Backbone zur Vernetzung der Kulturschaffenden“[10], die Unterstützung von Infrastrukturen zu Förderung von Medienkompetenz und die verstärkte Einbeziehung von Kunst und Kultur im Bereich der Informations- und Kommunikationstechnologien gefordert.[11]

  • European Cultural Backbone (1999–2003)

European Cultural Backbone (ECB) war ein Zusammenschluss von Organisationen und Einzelpersonen im Medienkulturbereich, die gemeinsam an der kreativen Nutzung partizipativer Medien im Sinne sozialer Veränderung arbeiteten.[12]

  • fremd.netz (1999)

Dieses antirassistische Projekt, das zu Zeiten der Formierung der rechtskonservativen ÖVP-FPÖ-Regierung in einer Wiener U-Bahn-Station durchgeführt wurde, umfasste u.a. die Medienkunstinstallation „Fremdsteuerung“ von Franz Xaver [13], mehrere Vorträge sowie Präsentationen von Period After und der sich gerade formierenden Plattform Get to Attack[14].

  • government-austria.at (2000/2001)

Am 4. Februar wurde die rechtskonservativen ÖVP-FPÖ-Regierung angelobt, am 19. Februar fand die erste Großdemonstration gegen sie statt, und in der Zeit dazwischen wurde diese Website gestartet, die eine Diskursserie repräsentiert, „die sich explizit dem Dialog mit der schwarz-blauen Regierung verweigert hat und stattdessen eine eigene Identität aufbauen wollte.“[15][16]

  • free.netbase.org (2000–2004)

dokumentierte die politischen Repressionen, denen Public Netbase durch die rechte österreichische Regierung ausgesetzt war, sowie internationale Solidaritätsbekundungen.[17]

  • Interface Explorer (2001)

präsentierte aktuelle Trends in der Entwicklung von neuen Interfaces und Webbrowsern. Im Rahmen der Veranstaltung Interface Explorer wurden einerseits konkrete Projekte internationaler Künstler vorgestellt, die sich in verschiedenster Weise mit der Thematik auseinandersetzen, andererseits wurde im Gespräch mit Experten ein Forum zur Diskussion des aktuellen Entwicklungsstandes und der Zukunft von Netzkommunikationsmitteln angeboten.[18]

  • Basecamp (2001/2002)

Unter diesem Titel wurden in diesem Zeitraum drei Installationen im öffentlichen Raum im und vor dem Wiener Museumsquartier errichtet, die je ein Medienprojekt präsentierten: die virtuelle Plakatwand „Remote Viewing“, das SMS-Projekt „Text-FM“ und das Musikprojekt „Remote Jam“ statt.[19]

  • free:re:public (2001–2004)

Im Zeichen der „Soundpolitisierung“ fand ab 2001 in Wien jährlich eine Jugendkultur-Kundgebung statt. „FREE RE PUBLIC steht für einen freien Zugang zu Bildung und eine partizipative Nutzung von elektronischen Medien, für gesellschaftliche Selbstbestimmung und für das Recht auf Selbstorganisation.“ [20]

  • Dark Markets (2002)

Diese strategische Konferenz untersuchte aktuelle Zusammenhänge zwischen Medienpolitiken, Informationstechnologien und Demokratietheorien. Untersucht wurden die Strategien oppositioneller politischer Bewegungen und die Rolle neuer Medien.[21]

  • Flughafenaktion gegen illegalen Datentransfer (2003)

Als Teil seiner Kooperation im „European Digital Rights“ Netzwerk[22] führte Public Netbase eine Aktion am Wiener Flughafen durch, in der Passagiere darüber informiert wurden, dass durch eine neue Verordnung der EU-Kommission Daten ohne ihr Wissen an US-Behörden weitergegeben werden können.[23]

  • Open Cultures (2003)

Dieses aus einer zweitägigen Konferenz, Workshops und einer Ausstellung bestehende Projekt beschäftigte sich mit Politiken der Infosphäre und inventiven Ansätzen zur Weiterentwicklung eines „free flow of information“.[24]

  • Demokratie und Öffentlichkeit in der Informationsgesellschaft (2003)

Wenige Tage nachdem der Weltgipfel zur Informationsgesellschaft (World Summit on the Information Society, WSIS) in Genf stattgefunden hatte, setzte sich Public Netbase in zwei öffentlichen Veranstaltungen kritisch damit auseinander.[25]

  • Free Media Camp (2003)

Am 27. Juni 2003 wurde am Wiener Karlsplatz ein Camp der Freien Medien eingerichtet, um der Öffentlichkeit ins Bewusstsein zu rufen, dass die Existenz der unabhängigen und partizipativen Medieninitiativen in Wien unverändert massiv gefährdet ist. In den vier Monaten, in den das Camp bestand, fanden etwa 100 Einzelveranstaltungen (Diskussionen, Präsentationen, Konzerte, Screenings etc.) statt. Eine Kooperation von Public Netbase mit der IG Kultur Wien, der unabhängigen Zeitung MALMOE, dem Community Radio Orange 94.0 sowie der Medienkooperative PUBLIC VOICE Lab.[26][27]

  • nikeground (2003)

Das in Kooperation mit 0100101110101101.ORG realisierte Projekt reagierte auf die zunehmende kommerzielle Schließung des öffentlichen Raums. Die Umbenennung des Karlsplatzes, eines der prominentesten historischen Plätze in Wiens Zentrum, in “Nikeplatz” wurde angekündigt. Als Teil dieser Umbenennung wurden Pläne für die Errichtung eines 36 Meter hohen Monuments in Form des Firmenlogos bekannt gegeben. Wirklich errichtet wurde ein futuristisch anmutender gläserner Pavillon, der für einen Monat ein weithin sichtbares Zeichen dieser angeblichen Umbenennungspläne bildete. Das Projekt führte zu Diskussionen in den auf Kunst, Kultur, Urbanismus etc. fokussierten Szenen, war aber auch gleichzeitig spektakulär und glaubwürdig genug, um verschiedenste Protestbekundungen von Bürgern wie auch ein breites Medienecho auszulösen.[28]

  • Kein Asylverfahren im World Wide Web! (2003/2004)

Dieses antirassistische Projekt reagierte auf die Verschärfung der Asylpolitik durch die ÖVP-FPÖ Bundesregierung in Österreich. In Workshops wurde jugendlichen Asylsuchenden die Möglichkeit geboten, sich wichtige Kenntnisse im Umgang mit Informations- und Kommunikationstechnologien anzueignen.[29]

  • S-77CCR - System 77 Civil Counter-Reconnaissance (2004)

S-77CCR beschäftigte sich kritisch mit Überwachungstechnologien und spielte mit der Idee, der Zivilgesellschaft ihre eigenen Tools zur Überwachung des öffentlichen Raums zur Verfügung zu stellen. “Überwachung von oben für Bewegungen von unten!” (Brian Holmes) [30]

  • Kunst != Bioterrorismus (2004)

Nachdem der Künstler und Wissenschaftler Steve Kurtz, Gründungsmitglied des Critical Art Ensemble, vom FBI verhaftet wurde und ihm eine Verurteilung nach dem US-amerikanischen Terrorismusgesetz drohte, organisierte Public Netbase in Wien Solidaritäts- und Protestveranstaltungen.[31]

  • Free Bitflows (2004)

Im Rahmen dieses Projektes, das sich mit “Cultures of Access and Politics of Dissemination” beschäftigte, fand im Juni 2004 ein umfassendes Programm aus Konferenz, Workshops und einer Ausstellung statt.[32]

  • Voll geil oder voll daneben? (2005)

Anlässlich des vom Europarat für 2005 ausgerufenen Jahres der Politischen Bildung beschäftigte sich diese Diskussionsveranstaltung mit der Frage, ob die angeblich geringe Begeisterungsfähigkeit der Jugendlichen für Politik nicht doch auf die Methoden der Politischen Bildung und die Politikdarstellung in Gesellschaft und Medien zurückzuführen ist.[33]

  • ZKW kf45 2005

Sechzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und fünfzig Jahre nach der Unterzeichnung des österreichischen Staatsvertrags wurde 2005 als offizielles „Jubiläumsjahr“ begangen, womit sich dieses „virtuelle Drama in vier Akten“ kritisch auseinandersetzte.[34]

  • Patriotismus oder Vaterlandsverrat (2005)

Ein weiteres Projekt zum österreichischen „Jubiläumsjahr“ 2005: ein Quiz mit 22 Fragen stellte fest, welchem von acht Typen im Spannungsfeld von „Patriotismus und Vaterlandsverrat“ man am ehesten entspricht.[35]

  • Raubkopieren macht impotent! (2005/2006)

Dieses Medienguerilla-Projekt reagierte auf die "Raubkopierer sind Verbrecher"-Kampagne der deutschen Filmwirtschaft. Die Gründung eines „Konsortium ZKM“ wurde bekannt gegeben und die Übernahme der Kampagne auch in Österreich angekündigt. U.a. wurde in Wiens bekanntester Einkaufsstraße eine Pressekonferenz fingiert, in der Raubkopierer für Delikte wie „geschützte Klingeltöne an Freundin geschickt“ öffentlich an den Pranger gestellt wurden.[36]

Publikationen über Public Netbase[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Clemens Apprich, Felix Stalder (Hrsg.): Vergessene Zukunft. Radikale Netzkulturen in Europa. transcript, Bielefeld 2012, ISBN 978-3-8376-1906-5.
  • Clemens Apprich: Interventionen im Datenraum: Public Netbase (1994-2006). In: Hans-Joachim Lenger, Michaela Ott, Sarah Speck, Harald Strauß (Hrsg.): Virtualität und Kontrolle. "querdurch"-Schriftenreihe der Hochschule für bildende Künste Hamburg. Textem, Hamburg 2010, ISBN 978-3-941613-26-3, S. 288–296.
  • Martin Wassermair: Public Netbase: Wem gehört die Kultur der Zukunft? In: Elke Bippus, Andrea Sick (Hrsg.): Industrialisierung < > Technologisierung von Kunst und Wissenschaft. Schriftenreihe 01 der Hochschule für Künste Bremen. transcript, Bielefeld 2005. (online)
  • Kuda.org, Branka Curcic, Zoran Pantelic (Hrsg.): Public Netbase: Non Stop Future - New practices in Art and Media. Revolver, Frankfurt a.M. 2008, ISBN 978-3-86588-455-8.
  • Clemens Apprich: Public Netbase: 1994-2006. Eine Wiener Netzinstitution öffnet den digitalen Raum für neue Formen der Medienpraxis. In: netzpioniere.at, 2007. (online)
  • Josephine Bosma: Die Konstruktion von Medienräumen. Zugang und Engagement: das eigentlich Neue an der Netz(werk)kunst. In: Medien Kunst Netz. 2004. (online)
  • Inke Arns: Netzkulturen. Europäische Verlagsanstalt, Hamburg 2002, ISBN 3-434-46107-8, S. 46 und 81.
  • Armin Medosch: Public Netbase Wien. Netzbasis für Kulturschaffende. In: telepolis. 1998. (online)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Kuda.org, Branka Curcic, Zoran Pantelic (Hrsg.): Public Netbase: Non Stop Future - New practices in Art and Media. Revolver, Frankfurt a.M. 2008
  2. http://free.netbase.org/english/texts/about/t0_profile_activities.pdf,, abgerufen am 16-07-2013
  3. Dokumentation einiger Vorträge: http://future-nonstop.org/p/ce4617121b162ff4425f0193ca0f0f78,, abgerufen am 16-07-2013
  4. http://www.t0.or.at/scl/scl7/msg00151.html
  5. http://t0.or.at/t0/projects/fleshmachine,, abgerufen am 16-07-2013
  6. http://www.t0.or.at/about_de/t0_about_06.html,, abgerufen am 11-07-2013
  7. http://robot.t0.or.at/presse.htm,, abgerufen am 11-07-2013
  8. http://periodafter.t0.or.at/pa2/index.html, abgerufen am 11-07-2013
  9. http://synworld.t0.or.at/, abgerufen am 16-07-2013
  10. http://netz2000.netbase.org/press.htm, abgerufen am 11-07-2013
  11. http://netz2000.netbase.org/, abgerufen am 11-07-2013
  12. http://www.e-c-b.net/ (Memento vom 15. Januar 2005 im Internet Archive), abgerufen am 11-07-2013
  13. http://fax.priv.at/fremdsteuerung/, abgerufen am 16-07-2013
  14. http://www.springerin.at/dyn/heft_text.php?textid=237&lang=de, abgerufen am 11-07-2013
  15. Konrad Becker im Interview, in: Clemens Apprich, Felix Stalder (Hrsg.): Vergessene Zukunft. Radikale Netzkulturen in Europa. transcript, Bielefeld 2012, S. 161
  16. http://government-austria.at/, abgerufen am 11-07-2013
  17. http://free.netbase.org/, abgerufen am 11-07-2013
  18. http://interface.t0.or.at/, abgerufen am 16-07-2013
  19. http://basecamp.netbase.org/, abgerufen am 11-07-2013
  20. http://future-nonstop.org/c/f693abd08f6baac27c1b62fd2849bc28, abgerufen am 11-07-2013
  21. http://darkmarkets.t0.or.at/, abgerufen am 11-07-2013
  22. http://edri.org/
  23. http://www.netbase.org/t0/projects/edri, abgerufen am 11-07-2013
  24. http://opencultures.t0.or.at/oc
  25. http://www.t0.or.at/wsis2003/, abgerufen am 09-07-2013
  26. http://future-nonstop.org/c/7b93f0e13e6acf445f9fb66280e54d63, abgerufen am 09-07-2013
  27. http://www.nettime.org/Lists-Archives/rohrpost-0306/msg00177.html, abgerufen am 09-07-2013
  28. http://www.t0.or.at/nikeground, abgerufen am 09-07-2013
  29. http://workshop.t0.or.at/workshop/about/asyl, abgerufen am 09-07-2013
  30. http://s-77ccr.org/, abgerufen am 09-07-2013
  31. http://www.t0.or.at/t0/caedefense/deutsch, abgerufen am 09-07-2013
  32. http://freebitflows.t0.or.at/, abgerufen am 09-07-2013
  33. http://www.netbase.org/t0/projects/20050302, abgerufen am 09-07-2013
  34. http://zkw.netbase.org/, abgerufen am 09-07-2013
  35. http://quiz.oesterreich-2005.at/, abgerufen am 09-07-2013
  36. http://netbase.org/hartabergerecht2006, abgerufen am 09-07-2013