Pulse (2001)

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Filmdaten
Deutscher TitelPulse
OriginaltitelKairo
ProduktionslandJapan
OriginalspracheJapanisch
Erscheinungsjahr2001
Länge114 Minuten
AltersfreigabeFSK 16
Stab
RegieKiyoshi Kurosawa
DrehbuchKiyoshi Kurosawa
ProduktionShun Shimizu,
Atsuyuki Shimoda,
Ken Inoue,
Seiji Okuda
MusikTakefumi Haketa
KameraJunichirō Hayashi
SchnittJunichi Kikuchi
Besetzung

Pulse (jap. 回路, Kairo) ist ein japanischer Horrorfilm aus dem Jahre 2001 des Regisseurs Kiyoshi Kurosawa, der auch das Drehbuch schrieb.[1]

Handlung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kudo Michi[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kudo Michi arbeitet in einem Gewächshaus in Tokio. Ihr engerer Freundeskreis besteht aus drei Kollegen: Sasano Junko, Toshio Yabe und Taguchi. Taguchi ist schon einige Tage verschwunden, weil er an einer Diskette arbeiten will. Michi sucht ihn in seinem Apartment auf, und er wirkt gesund. Als sie ihm den Rücken zudreht, erhängt er sich blitzschnell – oder sprach sie mit einem Toten?

Sie diskutiert mit ihren Arbeitskollegen, und findet einige Dateien von Taguchi, einschließlich des Fotos seiner schwarzen Wohnung mit der Reflexion seines Gesichts in einer Bildröhre. Der Fernsehempfang scheint auf eine ungewöhnliche Art gestört zu sein. Yabe wird angerufen von Taguchis geisterhafter Stimme, die ein „hilf mir“ zischt. Yabe geht in die Wohnung des Verstorbenen, um festzustellen, dass sich in der Ecke, wo sein Körper hing, ein schwarzer Schatten an der Tapete abzeichnet. Auf dem Rückweg schaut er in ein benachbartes Haus, das mit rotem Band markiert ist. Er entfernt dieses, geht hinein, wird von einem weiblichen Geist angegriffen, und verkriecht sich unter dem Sofa. Nach diesem Vorfall verstummt Yabe und reagiert kaum noch. Später erhält Michi einen vergleichbaren Anruf, nur scheint es diesmal Yabes Stimme zu sein. Sie geht in dessen Wohnung, wo sie wiederum nur einen dunklen Fleck an der Wand entdeckt. Verängstigt stürzt sie davon.

Am Arbeitsplatz von Michi und Junko ist es diesmal viel stiller, und auch der Chef ist nirgends zu sehen. Überall in der Stadt richten Einwohner Türen mit rotem Absperrband her. Junko betritt eine dieser Türen, wo ein Geist sie angreift. Michi rettet sie und hilft ihr. Danach bringt sie sie in ihre Wohnung. Sie ist vollends katatonisch. Als sich Michi abwendet, fragt Junko: „Muss ich nun so sterben?“, und sie entgegnet: „Natürlich nicht“. Als sie wieder hinschaut, hat ein Fleck den Platz ihrer Freundin eingenommen.

Kawashima Ryosuke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kawashima Ryosuke ist ein Student der Wirtschaft. Als absoluter Computeranfänger will er sich das allererste Mal ins Internet einwählen. Sobald er den Albtraum von Windows-Installation und EULA hinter sich hat, wählt sich der PC selbst ein, und besucht stockfinstere Webcams, die versteinerte, schweigende Silhouetten erkennen lassen. Dann zeigt der Computer „Willst du einen Geist treffen?“ an. Ryosuke fragt am nächsten Tag in einem Computersaal um Hilfe, wo er Harue Karasawa begegnet. Sie folgert, der Computer muss gehackt worden sein, und er soll das nächste Mal die URL notieren oder einen Bildschirmabzug fertigen. Tatsächlich wiederholt sich der Ablauf, Ryosuke verliert aber die Nerven; als er einen Mann mit einer Mülltüte über dem Kopf erkennen kann und die Schriftzüge „Hilf mir“ an der Wand hinter ihm, reißt er den Netzstecker heraus. Harue, die er alleine antrifft, ist ratlos; ein Kommilitone namens Yoshizaki berichtet von ähnlichen Erfahrungen, und von immer mehr Geistern auf dem Campus. Er legt seine These dar, das Jenseits sei voll, und das Internet die Schnittstelle dazu. Mittels dieser Schnittstelle versuchen die Verstorbenen dem Jenseits zu entfliehen, da dort nur ewige Einsamkeit wartet. Dies erkläre auch die Unmenge von Selbstmorden. Ryosuke und Harue sprechen über den Tod. Sie fahren zu zweit mit der U-Bahn umher.

Ende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Tokio ist wie leergefegt. Harue ist nirgendwo zu finden, und Ryosuke trottet durch die entvölkerte Stadt, wo allmählich ein Sturm aufzieht. Ähnlich ergeht es Michi, die ziellos umherfährt, jetzt da alle ihre Bekannten Suizid begangen oder sich in Luft bzw. schwarze Flocken aufgelöst haben. Ihr Auto bleibt liegen, Ryosuke begegnet ihr und hilft bei der Reparatur. In einer stillgelegten Fabrik treffen sie eine wankende Person mit einem schwarzen Müllsack über dem Kopf. Als diese von sich aus die Plastiktüte ablegt, ist Harue darunter. Sofort zieht Harue eine Waffe und schießt sich in den Kopf, ohne dass sie es verhindern können. Ryosuke sucht Benzin, und entdeckt stattdessen den vor kurzem noch mit rotem Band versiegelten „Verbotenen Raum“. Ein Gespenst nähert sich und enthüllt, dass der „Tod ewige Einsamkeit“ war, und bettelt: „Hilf mir!“.

Ryosuke verliert den Lebenswillen. Sie fahren weiter durch die bewölkte Stadt, die immer apokalyptischer wird: Ein Jumbo stürzt in eine Häuserzeile, die brennenden Häuser färben den Himmel braun und grau. Das US-Armee-C-130-Frachtflugzeug stürzt aus dem Himmel. Mit einem Motorboot flüchten sie aufs Meer. Sie schaffen es auf ein Fahrgastschiff, wo sie den Kapitän antreffen, der Funksignale von Überlebenden aus Lateinamerika empfangen hat. Ryosuke verschwindet vor Michis Augen.

Sonstiges[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Laut IMDb[2] hatte der Film seine Welturaufführung am 10. Februar 2001 in Japan. Erst am 9. November 2005 lief er in den Vereinigten Staaten an (Magnolia Pictures). Der Film erlebte seine Erstaufführung in Deutschland auf DVD am 28. April 2006, eine Special-Edition-DVD erschien am 16. November 2006.[3]

Der IMDb zufolge waren für die Spezialeffekte Shūji Asano als visual effects supervisor und Masaru Tateishi als CG director verantwortlich.

Jim Sonzero drehte 2006 in den Vereinigten Staaten ein Remake unter dem Titel Pulse – Du bist tot, bevor Du stirbst (alias Pulse).

Der japanische Filmtitel "Kairo" (回路) hat nichts mit der Stadt Kairo (auf Japanisch カイロ) zu tun, sondern bedeutet Schaltung.

Kritiken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rotten Tomatoes[2] stuft Pulse am 8. August 2012 mit 48 ausgewerteten Kritiken mit 73 Prozent ein, Metacritic[2] am gleichen Tag mit 70 Prozent, in die 21 Kritiken eingegangen sind. In der IMDb[2] steht der Film am 8. August 2012 bei 6,7 von 10 Punkten mit den Stimmen von 7361 Zuschauern.

  • „[Der Film geht] unter die Haut, weil er Einsamkeit und Todessehnsucht in der Gesellschaft zu zentralen Themen des Horrors macht. Die nahezu bewegungslose Kamera und der nervenaufreibende Soundtrack, der mitunter abrupt abbricht, um die Stille bedrohlich wirken zu lassen, verstärken die Wirkung.“ – Lexikon des internationalen Films[3]
  • „konzentriert sich auf den Kern der Horror-Definition […] die Innenräume sind so dunkel, dass man beinahe die Augen zusammenkneifen muss, um erkennen zu können, was in den Schatten lauert“ – James Emanuel Shapiro, Reel.com[4]
  • „Die grauenhafteste Sache […] ist, wie sich diese Geister bewegen. […] es gibt nur sehr wenige Stellen, die nicht ein traumartiges Entsetzen vor dem wirklich Unbekannten evozieren […] Und du weisst nie, wovor du wegrennst.“ – Anita Gates, The New York Times[5]
  • „Und wenn die Apokalypse schließlich eintritt, tut sie es nicht mit einer Atomexplosion, sondern mit riesiger Leere.“ – Jeremiah Kipp, Slant[6]
  • „Kurosawa […] versteht, dass Erklärungen oder Ergebnisse manchmal ein gelungenes Werk der Vorstellungskraft ruinieren können.“ – Jeffrey M. Anderson, Combustible Celluloid[8]
  • „einer der unheimlichsten Filme aller Zeiten“ – Molodezhnaja.ch[9]
  • „Oft ist's zum Fürchten, nur macht all die Angst so wenig Sinn, dass, addiert man sie zusammen, die Summe des Entsetzens kleiner ist als jeder virtuose Schreckmoment.“ – Ekkehard Knörer, Jump Cut[10]
  • „Die Personen versuchen nicht herauszufinden, was sich abspielt […] niemand wendet sich an die Behörden, und, zu dem Zeitpunkt, als der Held merkt, dass die Welt stirbt, ist sie bereits tot. […] sie werden nicht charakterisiert […] Das sind einfach berufstätige Jugendliche […] und dann die finale Flucht in das… nun, ins Nichts.“ – Stephen Hunter, Washington Post[11]
  • „..."Pulse" thematisiert in diesem Umfeld die Einsamkeit; die Gefahr, dass die virtuelle Welt die Menschen buchstäblich nicht mehr loslässt und sie schließlich in einem Einsamkeitskristall einschließt...“ arte [12]

Auszeichnungen und Nominierungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Japanese Professional Movie Awards 2002

  • Japanese Professional Movie Award in der Kategorie Beste Schauspielerin für Kumiko Aso (und für einen weiteren Film)

Sitges – Catalonian International Film Festival 2001

  • José Luis Guarner Critic's Award für Kiyoshi Kurosawa
  • Nominiert in der Kategorie Bester Film (Kiyoshi Kurosawa)

Internationale Filmfestspiele von Cannes 2001

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Dieser Artikel basierte am 27./28. August 2008 in Teilen auf einer Übersetzung des Artikels aus der englischsprachigen Wikipedia vom gleichen Tag. Eine Liste der Autoren ist hier verfügbar.
  2. a b Pulse im Lexikon des internationalen Films
  3. James Emanuel Shapiro: Pulse (2001). In: Reel.com. Abgerufen im 28. August 2008 (englisch): „concentrates on the core definitions of horror. […] interiors are so dark that you almost have to strain your eyes to see what lurks in the shadows“
  4. Anita Gates: Pulse (2001). In: The New York Times. 9. November 2005, abgerufen im 28. August 2008 (englisch): „The most horrifying thing […] is the way the ghosts move. […] there are very few moments that don't evoke a dreamlike dread of the truly unknown. […] And you never know what to run from“
  5. Jeremiah Kipp: Pulse. In: Slant. 20. Juni 2005, abgerufen im 28. August 2008 (englisch): „And when the apocalypse finally does happen, it happens not through an atomic blast but a vast emptiness“
  6. Anton Bitel: Pulse. In: Eye For Film. Abgerufen im 28. August 2008 (englisch): „an update of the Book of Revelations“
  7. Jeffrey M. Anderson: Pulse (2001). In: Combustible Celluloid. Abgerufen im 29. August 2008 (englisch): „Kurosawa […] understands that explanations and payoffs can sometimes ruin a great work of imagination.“
  8. Asian Movies – Japan 2001. Molodezhnaja.ch, abgerufen im 1. April 2009.
  9. Ekkehard Knörer: Kiyoshi Kurosawa: Pulse (Japan 2001). In: Jump Cut. Abgerufen im 28. August 2008.
  10. Stephen Hunter: 'Pulse': A Quiet Game of Doom. In: Washington Post. 23. November 2005, abgerufen im 28. August 2008 (englisch): „The characters don't try to figure out what's going on […] no one consults civil authorities, and by the time the hero notices the world is dying, the world is dead. […] they're not characterized […] They're just hard-working kids […] and a final escape to … well, to nothing.“
  11. arte.tv
  12. FIPRESCI – Awards – 2001. In: http://www.fipresci.org. FIPRESCI, abgerufen im 22. September 2008 (englisch/französisch).
  13. Awards for Kiyoshi Kurosawa. In: IMDb. IMDb.com, Inc., abgerufen im 22. September 2008 (englisch).
  14. Cannes 2001. In: http://www.filmfestivals.com. Filmfestivals.com, abgerufen im 22. September 2008 (englisch).