Pultstockspringen

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Informationstafel mit Beispielen zum Klotstockspringen in den Elbmarschen
Fierljeppen in Heerenveen/Niederlande
Eine Kachel aus dem 17. Jh. zeigt einen Pultstock- bzw. Klotstockspringer

Als Pultstockspringen (auch Pullstockspringen, Paddstockspringen, Pulsstockspringen) wird der Stabweitsprung über Wasserläufe bezeichnet. Diese Form der Fortbewegung hat seinen Ursprung in einer Zeit, in der es in den Marschen noch nicht die heute verfügbare Infrastruktur gab.

Die Pultstöcke und das Pultstockspringen sind regional unter verschiedenen Begriffen bekannt. Pultstockspringen selbst ist der im niedersächsischen Raum verbreitete Begriff. In den schleswig-holsteinischen Elbmarschen, Dithmarschen und Nordfriesland ist diese Fortbewegungsart als Klotstockspringen oder Klootstockspringen und in den Niederlanden als Fierljeppen (westfriesisch) oder Polsstokverspringen (niederländisch) bekannt. In Dänemark wird der Pultstock als Klyverstav bezeichnet. Die nordfriesische Bezeichnung ist Klüwer(stook) [1].

Verbreitung und Anwendung[Bearbeiten]

Verbreitet ist das Pultstockspringen besonders in den Marschen in Nordwestdeutschland, den Niederlanden und Dänemarks. Da etwa Ost- und Nordfriesland von sehr vielen Wasserläufen (Wassergräben, Sielen und die sogenannten Tiefs) durchzogen sind, die bis zu acht Meter breit sein können, müssen Fußgänger über eine Möglichkeit verfügen, diese trockenen Fußes überqueren zu können. Dabei wird an einem drei bis sechs Meter langem Stock (Pultstock oder Klotstock) über Gräben und Siele in der Art des Stabhochsprungs gesprungen. Dabei wird jedoch in die Weite statt in die Höhe gesprungen. Dies erfordert sowohl Kondition als auch ein gutes Augenmaß, um die Distanz auf die andere Landseite überwinden zu können und nicht mit dem Stock im Gewässerboden stecken zu bleiben. Um mit dem Pultstock die entsprechende Stabilität zu erreichen, ist am Ende des Stocks eine runde Platte abgebracht (in Ostfriesland: Pultstöckchen, in Dänemark: pluns), die ein Einsinken in den meist schlammigen Grund verhindert.

War das Pultstock- bzw. Klotstockspringen früher ein weit verbreitetes Fortbewegungsmittel in den Marschregionen, wird es heute vor allem im Tourismus oder in Form von Sportwettkämpfen praktiziert. Zum Teil wird das Klotstockspringen auch noch bei Jagd angewandt - so etwa auf der nordfriesischen Halbinsel Eiderstedt.

Geschichtliche Bedeutung[Bearbeiten]

Geschichtliche und militärische Bedeutung erlangten die Klotstöcke in der Schlacht bei Hemmingstedt im Jahr 1500, als ein etwa 12.000 Mann starkes Heer des dänischen Königs und des Herzogs von Schleswig und Holstein Johann die Bauernrepublik Dithmarschen überfiel. Nachdem Meldorf bereit eingenommen war, marschierte das dänisch-holsteinische Heer weiter nach Norden. Zirka 6.000 Dithmarscher bauten daraufhin bei Hemmingstedt eine Schanze und öffneten die Siele, so dass die aufkommende Flut das Land unter Wasser setzte. Während das Heer des Herzogs in Panik geriet, nutzten die Dithmarscher ihre Klotstöcke als Spieße und griffen das Heer immer wieder an. Dabei wurde das Heer großenteils aufgerieben und die Dithmarscher konnten bis 1559 (Letzte Fehde) ihre Unabhängigkeit bewahren.

Fierljeppen in den Niederlanden[Bearbeiten]

In den Niederlanden finden jährlich eine Nationale Fierljep Manifestation (NMF) sowie sechs Ligawettbewerbe und Clubmeisterschaften statt. Die gegenwärtigen niederländischen Rekordhalter sind:

  • Senioren: 21,51 Meter, Bart Helmholt
  • Junioren: 20,41 Meter, Jaco de Groot aus Kamerik, Utrecht (9. August 2006, Linschoten)
  • Jugendliche: 18,45 Meter, Alwin Fonk aus Burgum, Friesland (26. August 2006, IJlst)
  • Damen: 15,55 Meter, Sjoukje Tjalma aus It Heidenskip, Friesland (13. August 2005, Winsum)

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pultstockspringen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten]

  1. Frasch Uurdebök, Neumünster 2002, auch Plumperstook od. Sprängstook, vgl. auch nordfr. Klötjstook