Pumpenlose extrakorporale Membranoxygenation

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In der Notfall- und Intensivmedizin bezeichnet die pumpenlose extrakorporale Membranoxygenierung bzw. pumpenlose extrakorporale Lungenunterstützung (pECLA) eine Technik, mit der sich bei Patienten mit akutem Lungenversagen unter Vermeidung der Risiken der bekannten Pumpenverfahren Kohlendioxid aus dem Blut entfernen und Sauerstoff zuführen lässt. Dabei werden zwei großlumige Kanülen in je eine Arterie und Vene, z. B. die Arteria femoralis und die Vena femoralis oder Vena jugularis externa, eingebracht. Über einen relativ kurzen Schlauch fließt das Blut entlang des Druckgefälles durch einen sogenannten Oxygenator, der mit einem Sauerstoff-Stickstoff-Gemisch begast wird. Im klinischen Alltag erfolgt die Dosierung mithilfe eines Schwebekörper-Durchflussmessers. Ergänzt wird das System durch einen kontaktlosen Blutflussmesser.[1]

Entsprechend der Funktionsweise der pECLA ist das Verfahren auf ein ausreichendes oder sogar überhöhtes Herzzeitvolumen angewiesen. Bei der pumpenlosen Lungenunterstützung hängt der extrakorporale Fluss direkt von der, durch das Herz erzeugten, Druckdifferenz von arteriellem zu venösem System ab. Ist der extrakorporale Fluss zu gering, kann mitunter nicht ausreichend Sauerstoff in der Körper eingebracht bzw. nicht ausreichend Kohlenstoffdioxid dem Blutkreislauf entnommen werden. In solchen Fällen bleibt als letzte Möglichkeit der Lungenersatztherapie die Extrakorporale Membranoxygenation.[2]

Die pECLA stellt ein sehr junges Verfahren dar, welches eine wachsende Bedeutung als adjuvante Maßnahme in der Therapie des akuten, reversiblen Lungenversagens z. B. nach Trauma, Pankreatitis, schwerer Pneumonie, Sepsis und ARDS erfährt.[3]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. R. Kopp, R. Bensberg, M. Wardeh, R. Rossaint, R. Kuhlen, D. Henzler: Pumpless arterio-venous extracorporeal lung assist compared with veno-venous extracorporeal membrane oxygenation during experimental lung injury. In: British journal of anaesthesia. Band 108, Nummer 5, Mai 2012, S. 745–753, ISSN 1471-6771. doi:10.1093/bja/aes021. PMID 22374939.
  2. A. Liebold, A. Philipp, M. Kaiser, J. Merk, F. X. Schmid, D. E. Birnbaum: Pumpless extracorporeal lung assist using an arterio-venous shunt. Applications and limitations. In: Minerva anestesiologica. Band 68, Nummer 5, Mai 2002, S. 387–391, ISSN 0375-9393. PMID 12029251.
  3. T. Bein, C. Prasser, A. Philipp, T. Müller, F. Weber, H. J. Schlitt, F. X. Schmid, K. Taeger, D. Birnbaum: [Pumpless extracorporeal lung assist using arterio-venous shunt in severe ARDS. Experience with 30 cases]. In: Der Anaesthesist. Band 53, Nummer 9, September 2004, S. 813–819, ISSN 0003-2417. doi:10.1007/s00101-004-0699-8. PMID 15221117.
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