Pumpspeicherwerk Niederwartha

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PSW Niederwartha – Kraftwerk am Unterbecken

Das Pumpspeicherwerk Niederwartha ist eines der ersten im Großmaßstab verwirklichten Pumpspeicherkraftwerke. Es befindet sich in den Dresdner Stadtteilen Cossebaude und Niederwartha. Das PSW Niederwartha wurde von 1927 bis 1930 gebaut und hat eine Nennleistung von 120 Megawatt, die von sechs Maschinensätzen erzeugt werden kann. Vier davon sind allerdings stillgelegt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Ober- und Unterbecken
Luftbild PSW Niederwartha

Zur Bauzeit leisteten sich die Ingenieure des PSW Niederwartha einen wahren Wettlauf um die erste Inbetriebnahme mit dem PSW Koepchenwerk an der Ruhr (am Hengsteysee) im westfälischen Herdecke. Nach Auskunft des heutigen Betreibers Vattenfall ging das PSW Niederwartha schließlich mit der ersten Maschine schon am 27. November 1929 ans Netz. Die endgültige Fertigstellung und Inbetriebnahme des letzten Maschinensatzes erfolgte jedoch erst im März 1930. Das Koepchenwerk wurde am 28. Januar 1930 vollständig mit 132 MW in Betrieb genommen. Folgerichtig wurden damals – je nach Betrachtungsweise – beide Kraftwerke als „Erste ihrer Art“ und „große technische Neuerung“ gefeiert.

Die architektonische Gestaltung des Kraftwerkes geht auf einen Entwurf des Dresdner Architekten und Hochschullehrers Emil Högg zurück.

1945 wurde die elektrische Ausrüstung als Reparationsleistung demontiert und in die Sowjetunion verbracht. Einige Jahre später wurde es mit zunächst vier neuen Maschinen schrittweise wieder aufgebaut; später kamen die vier ursprünglichen aus der Sowjetunion zurück. Zwei stammten von der Firma Escher Wyss und zwei von Voith. Man verschrottete die Aggregate der Firma Escher-Wyss und baute für die anderen beiden eine neue Rohrbahn und erweiterte das Maschinenhaus elbseitig für diese zwei alten Maschinensätze. Damit sind nun alle Aggregate von der Firma Voith. 1955 (?) waren zwei Turbinen in Betrieb (40 MW), 1957 vier (80 MW) und 1960 erstmals sechs (120 MW). Ursprünglich hatten die zurück erhaltenen alten Turbinen nur eine Leistung von 15 MW; sie wurden beim Wiederaufbau auf je 20 MW erweitert.

Im August 2002 wurde das Kraftwerk durch das Elbhochwasser beschädigt. Ab November 2003 wurde es schrittweise mit zwei Turbinen wieder in Betrieb genommen, die restlichen wurden nicht repariert. Nachdem 2008 Planungen für einen Neubau vorgestellt wurden, teilte Vattenfall 2015 mit, das Werk zum 1. Januar 2016 vom Netz zu nehmen. Vattenfall ist jedoch verpflichtet, das Werk auch weiterhin für den Schwarzstartfall vorzuhalten. Ein entsprechender Vertrag wurde mit den Dresdner Stadtwerken Drewag geschlossen.[1]

Die Wasserbauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fallrohre mit den Wasserschlössern

Das Pumpspeicherkraftwerk Niederwartha besteht aus einem Oberbecken und einem Unterbecken. Diese sind mit Druckrohrleitungen verbunden: es gibt heute drei Rohrleitungen aus Stahl von 3,20 beziehungsweise 2,50 m Durchmesser und 1760 m Länge. Die Fallhöhe beträgt etwa 143 m.

Oben am Berghang, an dem Knickpunkt der Fallrohre, steht an jedem Rohr ein oben offener Turm, das sogenannte Wasserschloss. Es dient dazu, einen Druckstoß im Rohr zu verhindern, wenn ein Ventil geschlossen wird. Druckstöße könnten sonst bewirken, dass ein Rohr bricht.

Das Kraftwerk arbeitet mit Francis-Turbinen. Das Energie-Speichervermögen (Arbeitsvermögen) der Anlage beträgt schwankenden Angaben zufolge 560 oder 591 MWh.

Das Unterbecken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Unterbecken wurde zur Bauzeit etwa zur Hälfte auf Kötzschenbrodaer Flur errichtet, der gesamte nordwestliche Teil des Beckens überdeckt etwa die Hälfte der ehemals linkselbischen Weiherwiesen des späteren Radebeuler Stadtteils Am Fährhaus. Auch der sich dort befindliche Reidl’s Hof wurde überflutet. Die 45 ha Speicheroberfläche entsprechen etwa den 43 ha Kötzschenbrodaer Flur, die direkt an der Elbe anfing und flussaufwärts der Niederwarthaer Elbbrücke lag. 1954 kam diese gesamte Flur zu Niederwartha und ist damit heute Teil von Dresden.

Das Absperrbauwerk des Unterbeckens ist ein Staudamm. Die in der Nähe vorbeifließende Elbe ist aber nicht aufgestaut. Am Unterbecken (Stausee Cossebaude) gibt es eine Badeanstalt.

Die Bauwerksdaten:

  • Bauart: Erddamm
  • Höhe über Gründungssohle: …
  • Höhe über Talsohle: 8 m
  • Kronenlänge: 2500 m
  • Bauwerksvolumen: …
  • Speicherraum: 2,5 Mio m³
  • Speicheroberfläche: 45 ha

Das Oberbecken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

PSW Niederwartha – Einlaufbauwerk am Oberbecken
Oberbecken

Das Absperrbauwerk des Oberbeckens ist ebenfalls ein Staudamm. Dem Oberbecken laufen drei kleine Bäche zu, von denen der Unkersdorfer Silberbach der größte ist. Am Zulauf dieser drei Zuflüsse befindet sich eine Vorsperre nahe Rennersdorf.

Auch am Oberbecken gibt es Bademöglichkeiten, allerdings inoffizieller Art. Der Betreiber Vattenfall toleriert aber das wilde Baden.

Die Bauwerksdaten:

  • Bauart: Zonendamm aus Lehm, Ton, Sand, Schotter und Kies
  • Kronenhöhe: 256,50 m ü. NN
  • Höhe über Talsohle: 42 m
  • Kronenlänge: (mindestens) 800 m
  • Kronenbreite: 10 m
  • Bauwerksvolumen: 550.000 m³
  • Speicherraum: 2,9 Mio m³, nach anderen Angaben: 2,84 Mio m³
  • Speicheroberfläche: 30 ha

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pumpspeicherkraftwerk Niederwartha – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Jana Mundus: Es hat sich ausgepumpt. Der Energiekonzern Vattenfall weiß endlich, was aus dem Pumpspeicherwerk werden soll – nicht mehr viel. Sächsische Zeitung, 29.08.2015, abgerufen am 12. November 2015 (html, deutsch).

Koordinaten: 51° 5′ 36″ N, 13° 36′ 37″ O