Punt (American Football)

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Punt der Baylor Bears (in grün-weißen Trikots) gegen Texas A&M

Der Punt ist ein Spielzug und eine Kicktechnik im American Football, bei dem der Punter den Football fallen lässt und, noch bevor er auf dem Boden auftrifft, zur gegnerischen Mannschaft kickt. Da beim Punt die Spieler der gegnerischen Mannschaft das Recht haben, den Ball als erste vor den Spielern der puntenden Mannschaft zu berühren, führt ein Punt praktisch immer zum Verlust des Angriffsrechts.

Der Punt wird in der Regel ausgeführt, wenn nach drei Versuchen absehbar ist, dass der Raumgewinn von zehn Yards im letzten Versuch, dem Vierten, nicht erreichbar ist und die Distanz für ein Field Goal zu weit ist. Während sich zwei läuferisch besonders starke Spieler (die sogenannten Gunners) rechts und links außen an der Line of Scrimmage aufstellen und sofort nach dem Snap in Richtung gegnerische Endzone rennen, versuchen acht Mann dem Punter, der etwa 15 Yards weiter hinten steht, durch Blocken Zeit zu geben, den Ball nach dem Longsnap mit einem Fallkick wegzupunten. Der weitere Verlauf des Spielzugs kann unterschiedlich sein:

  • Der Punter der angreifenden Mannschaft versucht den Ball so weit wie möglich in die gegnerische Hälfte, aber nicht bis in die Endzone, zu kicken. Der Punt Returner der nun gegnerischen Mannschaft fängt den Ball und trägt ihn so weit wie möglich vorwärts. Die vormals angreifende Mannschaft versucht den Ballträger so schnell wie möglich und so weit hinten wie möglich durch ein Tackle zu stoppen.
  • Der Punt Returner bemerkt, dass die heranstürmenden Gegner (die Gunners) zu nah sind und kein Return möglich ist. Er signalisiert einen Fair Catch und der Spielzug ist an der Stelle beendet, an der er den Ball fängt, ohne dass er getackelt werden darf.
  • Der Punter kickt den Ball so weit, dass er die Goalline erreicht, was als Touchback gilt, woraufhin das ehemals verteidigende Team an seiner eigenen 20-Yard-Linie seine Angriffsserie beginnt. Ein Touchback kann auch erzielt werden, wenn der Ball auf den Boden trifft und von der gegnerischen Mannschaft unberührt bis in die Endzone rollt oder springt.
  • Der Punt fliegt, springt oder rollt über die Seitenlinie ins Aus. Die Offense beginnt danach an genau dieser Stelle. Präzise Punter können die gegnerische Mannschaft dadurch nahe ihrer eigenen Endzone festnageln.
  • Berührt der Returner den Ball nicht, wird das Team, das gepuntet hat, den Ball in der Nähe der Endzone fangen oder den rollenden Ball berühren; da sie damit das generelle Recht der gegnerischen Mannschaft verletzt, den Ball zuerst zu berühren, verwirkt sie im aktuellen Spielzug an dieser Stelle jegliches Recht auf den Ball. Mit dieser sogenannten „First Touching Violation“ wird der Ball daran gehindert, in die Endzone zu rollen. Anstelle eines Touchbacks und dem anschließenden Scrimmage an der 20 Yard Linie muss die gegnerische Mannschaft nun ihre Angriffsserie weit hinten ganz nah an der Endzone an der Stelle der „Violation“ beginnen.
  • Berührt der Returner vor den Gegnern den Ball, gewinnt aber keine Kontrolle über ihn (Muff), so wird der Ball frei und beide Mannschaften, auch Spieler der puntenden, können ihn erobern, ähnlich einem Fumble.

Den längsten Punt in der Geschichte des professionellen Footballs hat Steve O'Neal geschossen, der Punter der New York Jets. Sein Punt im AFL-Spiel gegen die Denver Broncos (1969) erreichte 98 Yards. Von seiner eigenen 1-Yard-Linie trat er den Football über Denvers Punt Returner Bill Thompson, so dass er etwa an der 30-Yards-Linie aufprallte und bis an die Goalline rollte, ehe ihn Thompson aufhob und bei einem Yard Raumgewinn getackelt wurde.[1]

Quick Kick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Regel wird ein Team bis zum vierten Down warten, um den Ball zu punten. Wird vor dem vierten Down gepuntet, so spricht man von einem Quick Kick. Der Punt muss sehr schnell ausgeführt werden, damit er erfolgreich ist. Das Ziel dieser Strategie ist es, die Verteidigung zu überraschen und dem Ball zu ermöglichen, Distanz zu gewinnen oder einfach nur einen Return durch die Verteidigung zu verhindern. Diese Strategie wird selten verwendet, weil sie nicht in der Lage ist, positive Offensivleistungen zu bieten.[2] Seit 1994 wurde der Quick Kick in der National Football League (NFL) neun Mal angewandt.[3]

Datum Team Gegner Quarter Zeit Down To Go Ort Spielstand Details
16. Okt. 1994 Eagles Cowboys 2 3 12 PHI 4 7:0 Randall Cunningham puntet 80 Yards
03. Sep. 1995 Bears Vikings 2 1 10 CHI 36 7:7 Todd Sauerbrun puntet 39 Yards
28. Dez. 2008 Patriots Bills 4 1:18 3 3 NWE 40 13:0 Chris Hanson puntet 41 Yards, returnet von Fred Jackson für 30 Yards (getacklet von Matt Slater)
06. Okt. 2002 Raiders Bills 1 11:08 3 22 RAI 33 0:0 Shane Lechler puntet 39 Yards, returnet von Charlie Rogers für 12 Yards (getacklet von Zack Crockett)
23. Okt. 1994 Browns Bengals 3 3 12 CLE 21 10:13 Tom Tupa puntet 44 Yards, returnet von Darryl Williams für 4 Yards (getacklet von Eric Metcalf)
12. Sep. 1999 Giants Buccaneers 3 11:55 3 4 NYG 49 7:10 Brad Maynard puntet 40 Yards, Out of Bounds
10. Okt. 1999 Cowboys Eagles 1 12:07 3 8 PHI 43 0:0 Toby Gowin puntet 41 Yards
28. Dez. 2008 Patriots Bills 4 5:16 3 8 NWE 41 13:0 Matt Cassel puntet 57 Yards
29. Dez. 2013 Patriots Bills 3 7:49 3 32 NWE 46 16:3 Tom Brady puntet 32 Yards, Fair Catch von Jim Leonhard

Puntformationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei der Shield Punt Formation positioniert sich eine Offensive Line aus fünf Spielern, die zwei bis vier Yards voreinander entfernt stehen. Eng bei ihnen steht an jeder Seite ein Gunner. Etwa sechs Yards hinter ihnen stehen drei Spieler die den sogenannten Shield bilden, dahinter befindet sich der Punter.[4] Der mittlere Spieler des Shields befindet sich dabei anfangs hinter einem der beiden anderen Spieler, damit der Snap ungehindert zum Punter gelangen kann. Erst dannach bildet er mit den anderen eine Reihe.[5] Die Spieler an der Line of Scrimmage blocken ihre Gegenspieler kurz an und laufen dann bereits das Feld herunter. Alle Gegner die durchgekommen sind, werden nun von den Spielern im Shield aufgenommen, die die Blocks deutlich länger halten. Da in der NFL die Spieler vor dem Punt nicht die Line of Scrimmage überqueren dürfen, findet sich diese Formation vor allem in der NCAA wieder.[4] Vorteilhaft ist diese Formation in der hinsicht, dass sie eine schnellere Deckung des Punt Returners ermöglicht. Nachteilig ist, dass der Punter anstürmende Gegner meist erst sehen kann, wenn sie das Shield bereits durchbrochen haben und den Punt blocken.[6]

Die Spread Punt Formation ist die häufigste Puntformation. Sie besteht aus einer Offensive Line und acht bis zehn Yards von ihnen entfernt auf beiden Seiten stehende Gunner. Neben der Offensive Line, jedoch leicht nach hinten versetzt stehen zwei weitere Spieler und fünf Yards hinter einem der Guards steht ein Upback. Etwa fünfzehn Yards hinter dem Long Snapper steht dann der Punter. Diese Formation ist anfällig gegen das überladen einer Seite durvh die Gegenspieler.[7] Eine Variation dieser Formation ist die Tight Punt Formation. Hierbei werden die Gunner durch zusätzliche Blocker ersetzt und der Punter nur etwa zehn Yards hinter dem Long Snapper steht.[8] Diese Formation wird meist nur nahe der eigenen Endzone ausgeführt, da hier aufgrund der hohen Ausbeute eines Blocks (Touchdown oder Safety) der Rush agressiver gespielt wird. Nachteilig ist die starke Vernachlässigung der Punt Coverage.[9]

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bouncing … bouncing, Pro Football Hall of Fame
  2. Quick Kick. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  3. Game Play Finder. From 1994 to 2016, any team vs. any team, in the regular season, play type is punt, on 1st or 2nd or 3rd down. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  4. a b ITP Glossary: Shield Punt Formation. Abgerufen am 19. Januar 2018 (englisch).
  5. Punting Formations: A Guide To Safe Punting. Abgerufen am 19. Januar 2018 (englisch).
  6. Shield’ punt formation is simple, provides coverage. Abgerufen am 19. Januar 2018 (englisch).
  7. ITP Glossary: Spread Punt Formation. Abgerufen am 19. Januar 2018 (englisch).
  8. Richard O'Brien: The Ultimate Sports Handbook: How to Steal Home, Slam Dunk, Score a Penalty Kick, and Play Like the Pros. Quirk Books, 2005, ISBN 978-1-59474-034-3, S. 52.
  9. Rick Sang, Ray Guy: Football Kicking and Punting. Human Kinetics, 2009, ISBN 978-1-4504-0758-8, S. 138–140.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

American Football. Die offiziellen Regeln. Wissenswertes von A – Z, Falken-Verlag 2000, ISBN 3-8068-1673-5.