Punt (American Football)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Punt der Baylor Bears (in grün-weißen Trikots) gegen Texas A&M

Der Punt ist ein Spielzug und eine Kicktechnik im American Football, bei dem der Punter den Football fallen lässt und, noch bevor er auf dem Boden auftrifft, zur gegnerischen Mannschaft kickt. Da beim Punt die Spieler der gegnerischen Mannschaft das Recht haben, den Ball als erste vor den Spielern der puntenden Mannschaft zu berühren, führt ein Punt praktisch immer zum Verlust des Angriffsrechts.

Der Punt wird in der Regel ausgeführt, wenn nach drei Versuchen absehbar ist, dass der Raumgewinn von zehn Yards im letzten Versuch, dem Vierten, nicht erreichbar ist und die Distanz für ein Field Goal zu weit ist. Während sich zwei läuferisch besonders starke Spieler (die sogenannten Gunners) rechts und links außen an der Line of Scrimmage aufstellen und sofort nach dem Snap in Richtung gegnerische Endzone rennen, versuchen acht Mann dem Punter, der etwa 15 Yards weiter hinten steht, durch Blocken Zeit zu geben, den Ball nach dem Longsnap mit einem Fallkick wegzupunten. Der weitere Verlauf des Spielzugs kann unterschiedlich sein:

  • Der Punter der angreifenden Mannschaft versucht den Ball so weit wie möglich in die gegnerische Hälfte, aber nicht bis in die Endzone, zu kicken. Der Punt Returner der nun gegnerischen Mannschaft fängt den Ball und trägt ihn so weit wie möglich vorwärts. Die vormals angreifende Mannschaft versucht den Ballträger so schnell wie möglich und so weit hinten wie möglich durch ein Tackle zu stoppen.
  • Der Punt Returner bemerkt, dass die heranstürmenden Gegner (die Gunners) zu nah sind und kein Return möglich ist. Er signalisiert einen Fair Catch und der Spielzug ist an der Stelle beendet, an der er den Ball fängt, ohne dass er getackelt werden darf.
  • Der Punter kickt den Ball so weit, dass er die Goalline erreicht, was als Touchback gilt, woraufhin das ehemals verteidigende Team an seiner eigenen 20-Yard-Linie seine Angriffsserie beginnt. Ein Touchback kann auch erzielt werden, wenn der Ball auf den Boden trifft und von der gegnerischen Mannschaft unberührt bis in die Endzone rollt oder springt.
  • Der Punt fliegt, springt oder rollt über die Seitenlinie ins Aus. Die Offense beginnt danach an genau dieser Stelle. Präzise Punter können die gegnerische Mannschaft dadurch nahe ihrer eigenen Endzone festnageln.
  • Berührt der Returner den Ball nicht, wird das Team, das gepuntet hat, den Ball in der Nähe der Endzone fangen oder den rollenden Ball berühren; da sie damit das generelle Recht der gegnerischen Mannschaft verletzt, den Ball zuerst zu berühren, verwirkt sie im aktuellen Spielzug an dieser Stelle jegliches Recht auf den Ball. Mit dieser sogenannten „First Touching Violation“ wird der Ball daran gehindert, in die Endzone zu rollen. Anstelle eines Touchbacks und dem anschließenden Scrimmage an der 20 Yard Linie muss die gegnerische Mannschaft nun ihre Angriffsserie weit hinten ganz nah an der Endzone an der Stelle der „Violation“ beginnen.
  • Berührt der Returner vor den Gegnern den Ball, gewinnt aber keine Kontrolle über ihn (Muff), so wird der Ball frei und beide Mannschaften, auch Spieler der puntenden, können ihn erobern, ähnlich einem Fumble.

Den längsten Punt in der Geschichte des professionellen Footballs hat Steve O'Neal geschossen, der Punter der New York Jets. Sein Punt im AFL-Spiel gegen die Denver Broncos (1969) erreichte 98 Yards. Von seiner eigenen 1-Yard-Linie trat er den Football über Denvers Punt Returner Bill Thompson, so dass er etwa an der 30-Yards-Linie aufprallte und bis an die Goalline rollte, ehe ihn Thompson aufhob und bei einem Yard Raumgewinn getackelt wurde.[1]

Quick Kick[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Regel wird ein Team bis zum vierten Down warten, um den Ball zu punten. Wird vor dem vierten Down gepuntet, so spricht man von einem Quick Kick. Der Punt muss sehr schnell ausgeführt werden, damit er erfolgreich ist. Das Ziel dieser Strategie ist es, die Verteidigung zu überraschen und dem Ball zu ermöglichen, Distanz zu gewinnen oder einfach nur einen Return durch die Verteidigung zu verhindern. Diese Strategie wird selten verwendet, weil sie nicht in der Lage ist, positive Offensivleistungen zu bieten.[2] Seit 1994 wurde der Quick Kick in der National Football League (NFL) neun Mal angewandt.[3]

Datum Team Gegner Quarter Zeit Down To Go Ort Spielstand Details
16. Okt. 1994 Eagles Cowboys 2 3 12 PHI 4 7:0 Randall Cunningham puntet 80 Yards
03. Sep. 1995 Bears Vikings 2 1 10 CHI 36 7:7 Todd Sauerbrun puntet 39 Yards
28. Dez. 2008 Patriots Bills 4 1:18 3 3 NWE 40 13:0 Chris Hanson puntet 41 Yards, returnet von Fred Jackson für 30 Yards (getacklet von Matt Slater)
06. Okt. 2002 Raiders Bills 1 11:08 3 22 RAI 33 0:0 Shane Lechler puntet 39 Yards, returnet von Charlie Rogers für 12 Yards (getacklet von Zack Crockett)
23. Okt. 1994 Browns Bengals 3 3 12 CLE 21 10:13 Tom Tupa puntet 44 Yards, returnet von Darryl Williams für 4 Yards (getacklet von Eric Metcalf)
12. Sep. 1999 Giants Buccaneers 3 11:55 3 4 NYG 49 7:10 Brad Maynard puntet 40 Yards, Out of Bounds
10. Okt. 1999 Cowboys Eagles 1 12:07 3 8 PHI 43 0:0 Toby Gowin puntet 41 Yards
28. Dez. 2008 Patriots Bills 4 5:16 3 8 NWE 41 13:0 Matt Cassel puntet 57 Yards
29. Dez. 2013 Patriots Bills 3 7:49 3 32 NWE 46 16:3 Tom Brady puntet 32 Yards, Fair Catch von Jim Leonhard

Quellen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bouncing … bouncing, Pro Football Hall of Fame
  2. Quick Kick. Abgerufen am 11. Juni 2017.
  3. Game Play Finder. From 1994 to 2016, any team vs. any team, in the regular season, play type is punt, on 1st or 2nd or 3rd down. Abgerufen am 11. Juni 2017.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

American Football. Die offiziellen Regeln. Wissenswertes von A – Z, Falken-Verlag 2000, ISBN 3-8068-1673-5