Purismus (Kunst)

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Kvarteret Bergsund des schwedischen Künstlers Torsten Jovinge, 1931

Purismus, aus dem Adjektiv pur (lat. purus = rein, unverfälscht, ehrlich) bedeutet in der Ästhetik ein Schwergewicht auf dem Klaren, Genauen, Regelmäßigen, auch Unverfälschten. Puristische Strömungen folgen oft auf Wellen des Manierismus und des Eklektizismus, die zum Beispiel ein Überborden des Ornamentalen mit sich bringen.

Die Puristen streben eine einfache funktionale Malerei und Bauweise an, in der sich Ästhetik und Maschinenwelt vereinigen sollen. Beim Weglassen konzentriert sich die Wahrnehmung auf das Zusammenspiel von Mass und Material, von Raum und Licht.[1]

Der Purismus ist jedoch für viele mehr als nur ein ästhetischer Aspekt oder ein Stil - vielmehr wird er als eine Geisteshaltung angesehen, oder wie es der Architekt John Pawson ausdrückt: "eine Art zu denken, zu arbeiten und zu leben."[1] Die Überzeugung der Anhänger ist, wer sich von puristischem umgibt, verändert sich. So sagt der englische Künstler Adam Baker-Mill: "Es gehört Disziplin dazu und zwingt einen, bewusst zu leben. Bewusster leben, das bedeutet: Wichtiges von unwichtigem zu trennen, zurückkehren zum Ursprung der Dinge, zu sich selbst."[1]

Ludwig Mies van der Rohe prägte später die Formel "less is more" (weniger ist mehr) und baute 1929 die Inkarnation dieser Jahrhundert-Maxime: den deutschen Pavillon auf der Weltausstellung in Barcelona. In der Kunst des Weglassens übten sich Literaten - die Kurzgeschichte zwängt ein Leben auf zwei Seiten - wie auch Komponisten vom Schlage eines Philip Glass oder des Theatermachers Robert Wilson. Der Purismus hat ebenfalls längst Eingang in die Konsumwelt gefunden. Ladenkonzepte wie "Habitat" und "Conran" profitieren vom Hang zum Schlichten und Soliden, zu ehrlichen Materialien und klaren Linien. In der Welt der Mode und des Luxus haben Marken wie Calvin Klein und Jil Sander mit minimalen Schnitten viel Erfolg geerntet. Einfachheit wird demnach zum Statussymbol und Purismus zum Erfolgsrezept.[1] Junge Designer Labels, wie das 2015 gegründete Schweizer Label Nirvan Javan, haben sich ebenfalls dem Purismus als Philosophie verschrieben: "Elegantes, zeitloses Design entsteht, wenn alles Überflüssige weggelassen wird – die reine, ästhetische Essenz der Produkte."[2] Bereits 1996 sprach Hans Magnus Enzensberger von einer "Kehrtwendung" und sah die Zukunft des Luxus nicht wie bisher in der Vermehrung, sondern in der Verminderung, nicht in der Anhäufung, sondern in der Vermeidung."[3]

Ähnlichkeiten mit dem Purismus hat der Minimalismus.

Purismus als Kunstrichtung des frühen 20. Jahrhunderts[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Purismus (Kunstrichtung)

Im engeren Sinn ist der Purismus eine Richtung der Kunst und Architektur des 20. Jahrhunderts. Sie wurde von Amédée Ozenfant und Charles-Edouard Jeanneret (Le Corbusier) 1918 mit dem Manifest Après le cubisme (Nach dem Kubismus) gegründet.[4]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d Wolfgang Nagel: Einrichten: Reine Leere. In: Der Spiegel. 1. Mai 1997 (spiegel.de [abgerufen am 12. Oktober 2017]).
  2. Philosophie - NIRVAN JAVAN. (nirvanjavan.com [abgerufen am 12. Oktober 2017]).
  3. Hans Magnus Enzensberger: : Reminiszenzen an den Überfluß. In: Der Spiegel. Band 51, 16. Dezember 1996 (spiegel.de [abgerufen am 12. Oktober 2017]).
  4. von Moos, Stanislaus: Der Purismus und die Malerei Le Corbusier. Hrsg.: Das Werk : Architektur und Kunst = L'oeuvre : architecture et art. Band 53, Nr. 10, 1966, S. 413–415, doi:10.5169/seals-41272.