Amber-Lagoon-Klasse

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Amber-Lagoon-Klasse
Heckansicht des Typschiffs Amber Lagoon
Heckansicht des Typschiffs Amber Lagoon
Schiffsdaten

zugehörige Schiffe

3

Schiffsart Mehrzweckschiff
Reederei MACS Maritime Carrier Shipping, Hamburg
Bauwerft Shanghai Shipyard & Chengxi Shipyard Company, Shanghai
Bauzeitraum 1996 bis 1998
Fahrtgebiete Große Fahrt
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
192,25 m (Lüa)
180,80 m (Lpp)
Breite 26,70 m
Seitenhöhe 15,51 m
Tiefgang max. 11,40 m
Vermessung 23.401 BRZ / 13150 NRZ
Maschinenanlage
Maschine 1 × Sulzer-Zweitakt-Dieselmotor (Typ: 8 RTA 52 U)
Maschinen-
leistungVorlage:Infobox Schiff/Wartung/Leistungsformat
12.480 kW (16.968 PS)
Höchst-
geschwindigkeit
17,0 kn (31 km/h)
Propeller 1 × Festpropeller
Transportkapazitäten
Tragfähigkeit 33.720 tdw
Container 1486 TEU
Sonstiges
Klassifizierungen DNV GL

Die Amber-Lagoon-Klasse ist eine Serie von drei Frachtschiffen der Hamburger Reederei MACS Maritime Carrier Shipping. Bei einem der Schiffe, der Purple Beach, kam es am 25. Mai 2015 in der Nordsee in einem Laderaum zu Rauchentwicklung, bei dem zunächst eine Explosionsgefahr angenommen wurde.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Schiffe wurden in den Jahren 1996 bis 1998 von Shanghai Shipyard & Chengxi Shipyard gebaut und abgeliefert. Anfänglich wurde eines der drei Schiffe im Europa-Afrikadienst und zwei im USA-Südafrikadienst des Schwesterunternehmens Gulf Africa Line (GAL) eingesetzt. Nach der Übernahme neuer Schiffe der Blue-Master-II-Klasse für diesen Dienst transferierte MACS die Amber Lagoon und Purple Beach 2014 auf die neueröffnete Route zwischen Nordeuropa und den USA.

Havarie der Purple Beach 2015[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem unter anderem mit 20.000 Tonnen Nitrophoska[2] beladenen Schiff kam es am Abend des 25. Mai 2015[3] in der Nordsee zu Rauchentwicklung im Laderaum 3. Die Besatzung setzte daraufhin die bordeigene Löschanlage ein und flutete den Laderaum mit Kohlendioxid.[4] Das Schiff, das sich auf dem Weg von Antwerpen nach Brake befand,[5] lag zu diesem Zeitpunkt etwa 30 Kilometer westlich von Helgoland auf der Tiefwasserreede. 54° 3′ 40,1″ N, 7° 27′ 51,4″ O

Die Purple Beach nach der Havarie am Wilhelmshavener Lüneburgkai

Das Havariekommando in Cuxhaven, das die Einsatzleitung für die Havarie übernahm, schickte der Purple Beach zunächst das Mehrzweckschiff Mellum zu Hilfe.[4] Auch ein Brandbekämpfungsteam wurde an Bord gebracht. Nachdem bei Messungen Schadstoffe in der Luft festgestellt worden waren, wurden die 22-köpfige Besatzung und die Mitglieder des Brandbekämpfungsteams vorsorglich zu Untersuchungen in ein Krankenhaus gebracht.[6] Der Bereich im Umkreis von fünf Kilometern um das Schiff wurde evakuiert.[7]

Neben der Mellum kam der Purple Beach auch die Neuwerk sowie der Hochseeschlepper Nordic zu Hilfe. Die Schiffe versuchten, den Rauch mithilfe von Sprühnebel einzudämmen.[8][9] Die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger beteiligte sich mit den Seenotkreuzern Hermann Rudolf Meyer, Bernhard Gruben und Hermann Marwede an der Rettungsaktion.[10] Auch die Behördenschiffe Vogelsand und Nordergründe waren zeitweise im Einsatzgebiet. Insgesamt waren 85 Einsatzkräfte an der Bewältigung der Havarie beteiligt.[6]

An der Außenhaut des Frachters wurden zeitweise 45 Grad gemessen. Es ist unklar, ob es sich um ein Feuer im Laderaum oder eine chemische Reaktion der geladenen Düngemittel handelt.[1] Neben dem Nitrophoska hatte die Purple Beach rund 1300 Tonnen Treibstoff an Bord.

Im Verlauf des 27. Mai 2015 wurde die Qualmwolke kleiner. Die Außenhaut des brennenden Frachters wurde weiter gekühlt. Am 30. Mai gelang es Experten wegen des schlechten Wetters nicht, das Schiff zu betreten.[11] Nachdem die Löscharbeiten am 31. Mai beendet werden konnten, wurde das Schiff am 1. Juni zum JadeWeserPort in Wilhelmshaven geschleppt.[12] Dort wurden Proben aus den von dem Zwischenfall betroffenen Laderäumen entnommen und Teile des Schiffs gereinigt. Nachdem keine Wärmeentwicklung mehr auf dem Havaristen festgestellt werden konnte, beendete das Havariekommando am 12. Juni die Einsatzleitung.[13] Am 12. August 2015 wurde das Schiff vom JadeWeserPort in den Nordhafen geschleppt. Dort wurde das Schiff weiter untersucht[14] und schließlich entladen.[15] Im Januar 2017 wurde das Schiff zum Abbruch verkauft.[16] Das Schiff verließ Wilhelmshaven am 28. März 2017 im Schlepp des Schleppers Onyx[17][18] Richtung Aliağa, wo es am 24. April 2017 in den Abwrackwerften von Aliağa eintraf.

Technische Daten und Ausstattung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Antrieb der Schiffe erfolgt durch einen Achtzylinder-Zweitakt-Dieselmotor. Die Sulzer-Motoren vom Typ 8 RTA 52 U mit einer Leistung von 12.480 kW wurden von der Bauwerft in Lizenz hergestellt und wirken auf einen Festpropeller. Die Schiffe erreichen damit eine Geschwindigkeit von 17 kn.

Für die Stromversorgung stehen drei Generatoren mit einer Scheinleistung von jeweils 920 kVA sowie ein Notgenerator mit einer Scheinleistung von 125 kVA zur Verfügung.

Jedes der Schiffe ist mit vier Kränen ausgestattet, von denen drei jeweils 40 Tonnen und einer 70 Tonnen heben kann. Die Kräne sind mittschiffs angeordnet. Der Rauminhalt der von Faltlukendeckeln verschlossenen Laderäume beträgt insgesamt 45.015 m³ Kornraum bzw. 43.637 m³ Ballenraum. Das Schiff kann 1486 TEU laden. An Deck ist Platz für 20 Reihen 20-Fuß-Container hintereinander und zehn Reihen nebeneinander. Die Container können bis zu fünf Lagen übereinander gestaut werden. Direkt vor dem Deckshaus, das sich im Heckbereich des Schiffes befindet, wurden an Deck Cellguides, ebenfalls für bis zu vier Lagen Container übereinander, angeordnet.

Der Rumpf der Schiffe ist eisverstärkt (Eisklasse „E“).

Klassenübersicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Amber-Lagoon-Klasse
Bauname Bauwerft/
Baunummer
IMO-Nummer Kiellegung
Stapellauf
Ablieferung
Auftraggeber Umbenennungen und Verbleib
Amber Lagoon Shanghai Shipyard/
167
9138123 30. November 1996
20. Mai 1997
Juni 1997
Amber Lagoon Shipping
Vineta Bereederungsgesellschaft
MACS Shipping, Hamburg
Magnolia (2017) → in Fahrt
Purple Beach Shanghai Shipyard/
168
9138135 20. Mai 1997
21. Oktober 1997
Februar 1998
Purple Beach Shipping
Vineta Bereederungsgesellschaft
MACS Shipping, Hamburg
2017 Abbruch in Aliağa[19]
Grey Fox Shanghai Shipyard/
169
9151905 21. Oktober 1997
25. März 1998
30. Juni 1998
Grey Fox Shipping
Vineta Bereederungsgesellschaft
MACS Shipping, Hamburg
Grey (2018) → ab 15. August 2018 Abbruch in Gadani Beach
Lloyd’s Register,[20] Equasis[21], grosstonnage[22]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Amber-Lagoon-Klasse – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Frachter droht in der Nordsee zu explodieren. In: NDR.de. 27. Mai 2015, abgerufen am 27. Mai 2015.
  2. Havariekommando, Pressemitteilung Nr. 7, 27. Mai 2015 (PDF-Datei, 32 kB).
  3. Havarie der „Purple Beach“ – „Es ist nicht klar, was im Laderaum passiert“, Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Mai 2015.
  4. a b Rauchentwicklung auf Frachtschiff – Havariekommando übernimmt Gesamteinsatzleitung, Havariekommando, Pressemitteilung Nr. 1, 26. Mai 2015 (PDF-Datei, 33,1 kB).
  5. MACS Transatlantic Westbound Schedule (Memento vom 27. Mai 2015 im Internet Archive) (PDF-Datei,294 kB).
  6. a b 36 Personen ausgeflogen, Havariekommando, Pressemitteilung Nr. 3, 26. Mai 2015 (PDF-Datei, 20,5 kB).
  7. Notfall auf Nordsee-Frachter: Keine Entwarnung. In: NDR.de. 26. Mai 2015, abgerufen am 26. Mai 2015.
  8. Warnung vor Geruchsbelästigung im Bereich der westlichen Nordsee, Havariekommando, Pressemitteilung Nr. 4, 27. Mai 2015 (PDF-Datei, 20,4 kB).
  9. Eindämmung der Rauchwolke zeigt ersten Erfolg, Havariekommando, Pressemitteilung Nr. 5, 27. Mai 2015 (PDF-Datei, 19,2 kB).
  10. Rauchentwicklung auf Frachtschiff in der Deutschen Bucht, Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger, 26. Mai 2015.
  11. Wind behindert Bergung der „Purple Beach“. NDR, 30. Mai 2015, abgerufen am 30. Mai 2015.
  12. Schleppverband PURPLE BEACH auf dem Weg, Pressemitteilung Nr. 14, Havariekommando, 1. Juni 2015. Abgerufen am 1. Juni 2015.
  13. Das Havariekommando beendet Einsatz „Purple Beach“. (PDF-Datei, 31,6 kB) Havariekommando, Pressemitteilung Nr. 22, 12. Juni 2015, abgerufen am 17. August 2015.
  14. Havarist liegt jetzt im Nordhafen. Jeversches Wochenblatt, 13. August 2015, abgerufen am 17. August 2015.
  15. Frachter „Purple Beach“ wird entladen, Wilhelmshavener Zeitung, 18. Mai 2016. Abgerufen am 6. Januar 2017.
  16. Unglücksfrachter »Purple Beach« wird abgewrackt, Hansa – International Maritime Journal, 5. Januar 2017.
  17. IMO 9752400
  18. Purple Becah fährt zur Verschrottung. 29. März 2017, abgerufen am 19. Dezember 2019.
  19. Unglücksfrachter „Purple Beach“ wird in Abwrackwerft geschleppt. Jeversches Wochenblatt, 1. Januar 2017, abgerufen am 3. Januar 2017.
  20. Lloyd’s Register, London, versch. Jahrgänge
  21. Equasis-Startseite (englisch)
  22. grosstonnage-Startseite (englisch)