Purpurrote Taubnessel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Purpurrote Taubnessel
Purpurrote Taubnessel (Lamium purpureum)

Purpurrote Taubnessel (Lamium purpureum)

Systematik
Euasteriden I
Ordnung: Lippenblütlerartige (Lamiales)
Familie: Lippenblütler (Lamiaceae)
Unterfamilie: Lamioideae
Gattung: Taubnesseln (Lamium)
Art: Purpurrote Taubnessel
Wissenschaftlicher Name
Lamium purpureum
L.

Die Purpurrote Taubnessel (Lamium purpureum) ist eine Taubnesselart aus der Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pflanze ist eine einjährige krautige Pflanze mit purpurnen Blüten und wird 15 bis 45 cm groß; sie blüht von April bis Oktober. Junge Blätter sind purpurn überhaucht, sie werden mit zunehmender Reife dunkelgrün. Die Laubblätter sind eiförmig oder rundlich-eiförmig, 1-5 cm lang und 1-3 cm breit, gekerbt oder gekerbt-gesägt.

Der Kelch ist 5-7 mm lang, seine Zähne sind etwa so lang wie die Röhre. Die Blütenkrone ist 10-23 mm lang, sie hat eine 7-12 mm lange, gerade Röhre, die den Kelch überragt. Die Oberlippe ist etwa 4-6 mm lang, die Unterlippe ist ca. 2 mm lang und verkehrt herzförmig. Die Antheren sind behaart.

Die Chromosomenzahl von Lamium purpureum var. purpureum beträgt 2n = 18[1].

Rote Taubnessel (Lamium purpureum)
Rote Taubnessel (Lamium purpureum)

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Rote Taubnessel ist ein Archäophyt und ein Kulturbegleiter. Sie ist schnellwüchsig und benötigt oft nur wenige Wochen von der Keimung bis zur Samenreife. Daher sind pro Jahr 3-4 Generationen möglich. Die Blüten sind homogame, nektarführende Lippenblumen; sie werden durch Apoidea bestäubt; der Nektar wird durch einen Haarring (Saftdecke) geschützt; Fremdbestäubung wird dadurch begünstigt, dass der Griffel die Staubblätter überragt; bleibt diese aus, tritt spontane Selbstbestäubung ein; neben den chasmogamen Blüten kommen nicht selten kleistogamen Blüten vor. Zum Teil blüht sie auch noch im Winter.

Die Teilfrüchte tragen ein Elaiosom, daher ist auch Verbreitung durch Ameisen möglich.

Habitus
Seitenansicht einer Blüte. Die Kronröhre ist gerade.
Detailansicht einer Krone. Die Seitenlappen der Unterlippe sind zu fädlichen Anhängseln verkümmert. Die Antheren sind bärtig.

Standorte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Man findet die Purpurrote Taubnessel verbreitet in lückigen Unkrautgesellschaften der Äcker, Gärten und Weinberge, auch an Schuttplätzen und Wegen. Sie bevorzugt frische, nährstoffreiche, lockere Böden. Nach Ellenberg ist sie eine Halblichtpflanze, ein Mäßigwärmezeiger, ein Frischezeiger, stickstoffreiche Standorte anzeigend und eine Ordnungscharakterart Nährstoffreicher Acker- und Garten-Beikrautfluren (Polygono-Chenopodietalia).

In den Allgäuer Alpen steigt sie im Lechtal am Eingang zum Hochalptal zwischen Schröcken und Warth bis zu 1250 m Meereshöhe auf[2].

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptsächlich bei Frauenleiden werden die getrockneten Blüten als Tee verabreicht oder man saugt aus den kleinen Blüten die süße Flüssigkeit heraus. Darin enthalten sind unter anderem Gerbstoffe, ätherische Öle, Vitamine und vieles mehr. Der Tee wird auch bei Blasenleiden, Husten oder Darmbeschwerden getrunken. Waschungen mit dem Tee werden bei Verbrennungen und anderen Hautverletzungen vollzogen.

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von der Purpurroten Taubnessel werden folgende Varietäten unterschieden[3] :

  • Lamium purpureum var. ehrenbergii (Boiss. & Reut.) Mennema: Sie kommt von der südwestlichen Türkei bis zum Libanon vor.
  • Lamium purpureum var. hybridum (Vill.) Vill. (Syn.: Lamium hybridum Vill.): Sie kommt in Makaronesien vor und vom westlichen und zentralen Mittelmeergebiet bis zur Schweiz.
  • Eingeschnittene Taubnessel (Lamium purpureum var. incisum (Willd.) Pers.; Syn.: Lamium incisum Willd.): Sie kommt in Europa und im Mittelmeergebiet vor.
  • Lamium purpureum var. moluccellifolium Schumach.: Sie kommt vom westlichen und nordwestlichen Europa bis zur Schweiz vor.
  • Lamium purpureum var. purpureum: Sie ist die am weitesten verbreitete Varietät und kommt in Makaronesien, im Mittelmeergebiet und in ganz Europa bis nach Sibirien vor.

Eingeschnittene Taubnessel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eingeschnittene Taubnessel (Lamium purpureum var. incisum (Willd.) Pers., Syn. Lamium incisum Willd.), auch als Schlitzblatt-, oder Bastard-Taubnessel bezeichnet, ist ein in Mitteleuropa nur stellenweise verbreitet vorkommender Angehöriger der Lippenblütengewächse (Lamiaceae).

Beschreibung der Eingeschnittenen Taubnessel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingeschnittene Taubnessel

Die Eingeschnittene Taubnessel ist eine einjährige krautige Pflanze, die neuerdings als Varietät der Roten Taubnessel (Lamium purpureum) angesehen wird. Früher wurde sie als eigenständige Art betrachtet, von der man vermutete, sie sei als fruchtbare Hybride aus der nicht in Mitteleuropa heimischen Lamium bifidum und der Stängelumfassenden Taubnessel (Lamium amplexicaule) hervorgegangen. Von der ähnlichen Mittleren Taubnessel (Lamium confertum) unterscheidet sie sich unter anderem durch die tiefer eingeschnittenen Laubblätter und die deutlich gestielten obersten Tragblätter.

Die Eingeschnittene Taubnessel, die im Habitus der Roten Taubnessel ähnelt, erreicht eine Wuchshöhe von etwa 10 bis 40 cm. Der vierkantige Stängel ist vom Grund an sehr ästig verzweigt. Er ist spärlich behaart bis fast kahl und oft mehr oder weniger rot überlaufen. Die oberen Laubblätter sind von ei-rautenförmiger Gestalt, oft rötlich überlaufen und deutlich gestielt. Alle Laubblätter sind grob eingeschnitten gekerbt bis nahezu fiederspaltig und in einen Stiel verschmälert. Sie besitzen eine Länge von 1 bis 2, manchmal auch bis 4 cm.

Die hell karminroten Blüten sind etwa 1 cm lang und befinden sich in dichten, einander meist stark genäherten Scheinquirlen. Der Haarring innerhalb der Blütenkrone kann sowohl fehlen als auch vorhanden sein. Der Blütenkelch ist meist stärker behaart als bei Lamium purpureum var. purpureum, aber schwächer als bei Lamium amplexicaule.

Die Eingeschnittene Taubnessel blüht vorwiegend in den Monaten März bis Juni, kann aber auch noch einmal im Herbst bis in den Winter hinein erneut blühen.

Die Chromosomenzahl beträgt im Gegensatz zu der der Varietät var. purpureum 2n = 36[1].

Standortansprüche und Verbreitung der Eingeschnittenen Taubnessel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eingeschnittene Taubnessel

Lamium purpureum var. incisum wächst auf feuchten Äckern, in Gärten, Weinbergen und an Wegrändern. Sie bevorzugt frische, nährstoffreiche und meist sandige Böden.

Die Varietät scheint im größten Teil Europas zerstreut vorzukommen.

In Deutschland kommt die Eingeschnittene Taubnessel fast ausschließlich im Norddeutschen Raum vor. (Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen). Dort ist sie zum Teil recht verbreitet. Wenige Funde sind auch aus Bayern oder Baden-Württemberg bekannt. In Österreich ist die Varietät sehr selten in Tirol und Vorarlberg zu finden. In der Schweiz ist sie in kollinen bis montanen Höhenlagen selten vor allem im südwestlichen Gebiet auftretend.

Variabilität der Eingeschnittenen Taubnessel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Eingeschnittene Taubnessel ist sehr formenreich. Früher wurde sie zusammen mit der Mittleren Taubnessel (Lamium confertum), die eine artgewordene Hybride von Lamium purpureum var. purpureum und Lamium amplexicaule darstellt, als eine selbstständige Art behandelt. Da offenbar auch Übergangsformen zwischen der Eingeschnittenen und der Mittleren Taubnessel auftreten, ist eine genaue Zuordnung zum Teil recht schwierig. Dies ist insbesondere auch bei älteren Verbreitungsangaben zu berücksichtigen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Stuttgart, Verlag Eugen Ulmer, 2001. ISBN 3-8001-3131-5
  2. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2. IHW-Verlag, Eching bei München, 2004. ISBN 3-930167-61-1
  3. Rafaël Govaerts (Hrsg.): Lamium - Datenblatt bei World Checklist of Selected Plant Families des Board of Trustees of the Royal Botanic Gardens, Kew. Zuletzt eingesehen am 21. August 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Purpurrote Taubnessel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien