Puschlav

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Dieser Artikel behandelt das Tal Puschlav. Für den Hauptort des Puschlavs siehe Poschiavo.
Zentraler Teil des Puschlavs südlich von Poschiavo mit dem See

Das Puschlav (lombardisch Pus’ciaf, italienisch Val Poschiavo, rätoromanisch  Valposchiavo?/i) ist ein italienischsprachiges Südtal im Schweizer Kanton Graubünden. Man erreicht es vom Oberengadin über den Berninapass, vom Veltlin (Italien) über das im äussersten Süden des Tales gelegene Campocologno sowie von Livigno (Italien) über die Forcola di Livigno.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Puschlav wird vom Poschiavino durchflossen und bildet den Bezirk Bernina (Distretto di Bernina) mit den beiden Gemeinden Brusio und Poschiavo. Hauptort ist das zentral gelegene Poschiavo.

Klima[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das auf knapp 25 Kilometer Länge von 2300 auf 550 m ü. M. abfallende Tal weist drei verschiedene Klimazonen auf:

Dementsprechend hat das im Westen und Osten von Dreitausendern gesäumte Puschlav Anteil an fast allen Höhenstufen der Vegetation, von kollin bis nival.

Berge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sprache[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Puschlav gehört wie das Misox, das Calancatal, das Bergell und die im Oberhalbstein gelegene Ortschaft Bivio zum italienischsprachigen Gebiet Graubündens. Umgangssprache im Puschlav ist das Pus’ciavin, ein alpinlombardischer Dialekt. Im Dialekt heisst das Tal Pus’ciav, in der italienischen Schriftsprache Val Poschiavo.

Medien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Über Ereignisse und Themen aus dem Puschlav und anderen italienischsprachigen Südtälern Graubündens berichtet seit 1852 die in Poschiavo publizierte Zeitung Il Grigione Italiano,[1] die wöchentlich erscheint, sowie die Radiosendung Voci del Grigione italiano. Daneben existiert noch die Online-Zeitung Il Bernina.

Konfessionsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wegen der lange anhaltenden Spannungen zwischen Protestanten und Katholiken galt das Puschlav als «Nordirland der Schweiz», in Anspielung auf den Nordirlandkonflikt. Die ersten Protestanten, Flüchtlinge vor der Inquisition aus Italien, siedelten sich 1547 im Puschlav an. 1620 kam es zum Veltliner Mord, bei dem im Rahmen eines Aufstands der Katholiken gegen die Bündner Herrschaft 27 Protestanten getötet und viele vertrieben wurden.

Seither schotteten sich die Konfessionen weitgehend voneinander ab. Öffentliche Ämter wurden dem Bevölkerungsanteil gemäss im Verhältnis 2:1 zwischen Katholiken und Protestanten aufgeteilt. Man ärgerte sich gegenseitig durch demonstrative Missachtung der Feiertage der anderen Konfession. Die öffentlichen Schulen blieben bis 1968 – als die Finanzlage die Zusammenlegung erzwang – nach Konfession getrennt, die Kindergärten bis 1990.

Erst in den 1970er Jahren begann die konfessionelle Trennung im sozialen Alltag in den Hintergrund zu treten. Dies ist auch auf eine verstärkte Auswanderung der tendenziell höheren sozialen Schichten angehörenden Protestanten zurückzuführen; diese machten 2013 noch rund 10 Prozent der Talbevölkerung aus.[2]

Essen und Trinken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Puschlav ist reich an traditionellen kulinarischen Spezialitäten. Bekannt sind insbesondere die Pizzoccheri (Buchweizen-Nudeln mit Gemüse und viel Käse), die Brasciadella (Ringbrot, oft mit Anis, das entweder ganz frisch oder über Monate steinhart getrocknet gegessen wird) sowie die Mortadella, eine Wurstspezialität, die es entweder cotta (gekocht) oder secca (roh) gibt. Dazu gehört ein Rotwein aus dem nahen Veltlin (Italien), wo Puschlaver Weinhändler oft Weinberge besitzen.

Verkehr und Tourismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche San Romerio
Berninabahn bei Ospizio Bernina

Touristisch ist das Puschlav vor allem wegen der 2008 zum UNESCO-Welterbe erklärten Berninabahn bekannt, die seit 1910 das Tal in seiner ganzen Länge erschliesst. Eine gut ausgebaute Kantonsstrasse führt durch das ganze Tal.

Das Tal bietet vielfältige Möglichkeiten für Aktivitäten im Freien. Beliebte Wanderwege finden sich zwischen Berninapass und Alp Grüm, im landschaftlich reizvollen Val di Campo oder zur Kirche von San Romerio, die unmittelbar am Abgrund hoch über dem See liegt. Berühmt ist der historische Ortskern des Städtchens Poschiavo mit seinen Palazzi. Am Rande der Cavaglia-Ebene befindet sich ein grosser Gletschergarten mit zahlreichen Gletschermühlen.

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Besonderheit des Puschlav ist das Crotto, ein steinernes Rundhaus zur Lebensmittellagerung.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Puschlav – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Puschlav – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Cristina Besio: Grigione Italiano, Il im Historischen Lexikon der Schweiz
  2. Sibilla Bondolfi: Im «Nordirland der Schweiz». Auf den Spuren der protestantischen Minderheit im Puschlav. Neue Zürcher Zeitung vom 30. März 2013, S. 17.

Koordinaten: 46° 18′ 32,5″ N, 10° 3′ 40,5″ O; CH1903: 801999 / 132000