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Putsch in Guinea-Bissau 2025

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Putsch in Guinea-Bissau 2025
Teil von: Putschgürtel

Lage von Guinea-Bissau in Westafrika
Datum 26. November 2025
Ort Bissau, Guinea-Bissau 11° 51′ 50″ N, 15° 35′ 6″ WKoordinaten: 11° 51′ 50″ N, 15° 35′ 6″ W
Ausgang Putsch erfolgreich
Folgen • Staatspräsident Umaro Sissoco Embaló gestürzt und verhaftet
• Die Übernahme der Regierung durch die Streitkräfte Guinea-Bissaus
Oberstes Militärkommando zur Wiederherstellung der nationalen Sicherheit und der öffentlichen Ordnung wird errichtet
Horta Inta-A Na Man zum Interimspräsidenten ausgerufen
Konfliktparteien

Guinea-Bissau Staatspräsident der Republik Guinea-Bissau
Flagge der Streitkräfte Guinea-Bissaus Pro-Regierungsfraktionen der Streitkräfte Guinea-Bissaus
Flagge der Partei PAIGC Partido Africano da Independência da Guiné e Cabo Verde

Guinea-Bissau Oberstes Militärkommando zur Wiederherstellung der nationalen Sicherheit und der öffentlichen Ordnung
Flagge der Streitkräfte Guinea-Bissaus Anti-Regierungsfraktionen der Streitkräfte Guinea-Bissaus
Präsidentengarde

Befehlshaber

Umaro Sissoco Embaló
Botche Candé
Biague Na Ntan
Mamadou Touré
Domingos Simões Pereira

Dinis Incanha
Horta Inta-A Na Man

Truppenstärke

Unbekannt

Unbekannt

Verluste

Unbekannt

Unbekannt

Beim Putsch in Guinea-Bissau 2025 am 26. November 2025 wurde Staatspräsident Umaro Sissoco Embaló vom Brigadegeneral Dinis Incanha, dem Leiter des Militärbüros des Präsidenten, verhaftet und abgesetzt. Militäroffiziere rissen anschließend die Macht an sich, erklärten ihre „vollständige Kontrolle“ über das Land und errichteten das Oberste Militärkommando zur Wiederherstellung der nationalen Sicherheit und öffentlichen Ordnung. Der Putsch erfolgte einen Tag vor der offiziellen Bekanntgabe der Ergebnisse der Präsidentschaftswahl in Guinea-Bissau vom 23. November 2025, bei der Embaló zur Wiederwahl antrat. Nach dem Putsch wurden alle Institutionen sowie Land- und Seegrenzen vorläufig geschlossen.[1]

Seit seiner Unabhängigkeit von Portugal 1974 hat Guinea-Bissau zahlreiche Putsche und Putschversuche erlebt. Die Streitkräfte Guinea-Bissaus haben sich schon seit 1974 stark in die Politik eingemischt. Experten zufolge ist Guinea-Bissau ein Knotenpunkt für den Kokainschmuggel zwischen Lateinamerika und Europa.[2]

Der frühere General und Premierminister Umaro Sissoco Embaló regierte seit 2020 als Staatspräsident des Landes und hatte das Parlament des Landes am Ende 2023 aufgelöst. In der Vergangenheit gab es zahlreiche Putschversuche gegen Embaló, die zuletzt im Oktober stattfanden. Während seiner Präsidentschaft warfen ihm Kritiker vor, Oppositionelle, Journalisten und Menschenrechtler unterdrückt zu haben.[2]

Nach dem Putsch setzte das Militärkommando General Horta Inta-A Na Man als Leiter der interimen Militärregierung ein. Er soll eine einjährige Übergangsperiode überwachen. Inta-A Na Man legte bei einer Zeremonie im Hauptquartier der Armee in der Hauptstadt Bissau am 27. November 2025 seinen Amtseid ab. Das Militär werde die Staatsgewalt übernehmen, „bis die notwendigen Voraussetzungen für die Wiederherstellung der verfassungsmäßigen Normalität“ gegeben seien, sagte Denis Incanha weiter. „Bis auf Weiteres werden alle Aktivitäten der Medienorgane ausgesetzt. Der laufende Wahlprozess wird unverzüglich ausgesetzt“, so Incanhas Sprecher. Die Offiziere verhängten zudem eine nächtliche Ausgangssperre.[3] Die neuen Militärmachthaber lehnten in öffentlichen Stellungnahmen die Bezeichnung „Putsch“ für ihre Machtübernahme ab. Die Machtübernahme des Militärs sei notwendig gewesen, um einen Plan von Politikern zu vereiteln, das Land, das sich zu einem Zentrum des Drogenhandels entwickelt habe, zu destabilisieren. Diese (ungenannten) Politiker würden von „einem bekannten Drogenbaron“ unterstützt.[4]

Währenddessen reiste der abgesetzte Staatspräsident Umaro Sissoco Embaló ins Nachbarland Senegal aus. Der Staatschef sei „wohlbehalten“ in einem von der senegalesischen Regierung gecharterten Flugzeug gelandet, erklärte das Außenministerium in Dakar.[5]

Die Militärmachthaber hoben unterdessen in Guinea-Bissau eine zuvor erlassene Ausgangssperre auf. Wie Journalisten der Nachrichtenagentur Agence France-Presse berichteten, war in der Hauptstadt Bissau am 27. November dennoch weiterhin ein großer Teil der Läden und Märkte geschlossen. Ein großes Aufgebot an Sicherheitskräften war auf den ansonsten fast menschenleeren Straßen zu sehen. Im Viertel rund um den Präsidentenpalast patrouillierten Soldaten. Nach Angaben der Militärführung wurden die am Vortag geschlossenen Grenzen zu den Nachbarländern wieder geöffnet. Sämtliche „Medienprogramme“ sowie Demonstrationen wurden von den Machthabern hingegen weiterhin für illegal erklärt.[5]

Die Volksfront, ein zivilgesellschaftliches Bündnis in Guinea-Bissau, beschuldigte Embaló und das Militär eines inszenierten Putsches, um die Veröffentlichung der Wahlergebnisse zu verhindern und an der Macht zu bleiben. Gemäß der Volksfront sei das Ziel der Putschisten, einen neuen Präsidenten und Premierminister zu ernennen, der Neuwahlen ansetzen sollte, bei denen Embaló erneut kandidieren könnte.[6] Die Tatsache, dass Embaló einen Tag nach dem vermeintlichen Putsch „begleitet wie ein Tourist mit seiner Familie und seinem Gepäck, ohne jegliche Hindernisse oder Widerstand“ ins Nachbarland habe ausreisen können, spreche gegen einen echten Putsch.[4] Ähnliche Ansichten vertrat Fernando Dias da Costa. Die PAIGC rief zu Protesten gegen den Putsch und zur Veröffentlichung der Wahlergebnisse auf.[7]

Andere Analysten widersprachen dieser Meinung, und äußerten, dass das Militär, angesichts der Tatsache, dass sowohl Embaló, als auch Dias beide den Wahlsieg für sich beanspruchten, gut auch aus eigener Initiative gehandelt haben könnte. Auch die rasche Eskortierung Embalós ins Ausland könne durchaus im Sinne des Militärs sein, um eine reibungslose Machtübernahme zu gewährleisten.[4]

Schon in der Vergangenheit war Embaló von seinen politischen Gegnern vorgeworfen worden, dass er Putschversuche inszeniere, um eine Gelegenheit zu bekommen, gegen die Opposition vorzugehen. Im Dezember 2023 ließ Embaló nach einem Putschversuch das von der Opposition dominierte Parlament auflösen.[8] Im November 2024 verschob Embaló die anstehende Parlamentswahl und verkündete später den 30. November 2025 als neuen Wahltermin.[9]

Die Staats- und Regierungschefs der Westafrikanischen Wirtschaftsgemeinschaft (ECOWAS) verurteilten bei einem virtuellen Sondergipfel den Putsch und dessen Versuch zur gewaltsamen Machtübernahme scharf. Zudem hätten sie „die Wiederherstellung der verfassungsmässigen Ordnung“ und „die unverzügliche Freilassung von Präsident Umaro Sissoco Embaló und aller inhaftierten Personen“ gefordert. In einer Abschlusserklärung ihres Sondergipfels teilten die Staats- und Regierungschefs der ECOWAS mit, Guinea-Bissau sei bis zur Rückkehr zu einer verfassungsmäßigen Ordnung suspendiert. Außerdem riefen die Vereinten Nationen zu einem sofortigen Ende der Kämpfe auf.[10] Die Afrikanische Union suspendierte die Mitgliedschaft von Guinea-Bissau.[11]

Einige afrikanische Politiker bezweifelten öffentlich, dass es sich um einen echten Putsch handle. Dazu zählten unter anderem der senegalesische Premierminister Ousmane Sonko und der frühere nigerianische Präsident Goodluck Jonathan, die beide öffentlich die Meinung äußerten, dass die ganze Aktion durch Embaló selbst inszeniert worden sei. Jonathan, der Mitglied einer internationalen Beobachtergruppe für die Präsidentschaftswahl war, äußerte, dass ein Staatsoberhaupt üblicherweise während eines Putsches nicht über das Telefon mit ausländischen Medien sprechen könne und nannte die Ereignisse einen „zeremoniellen Putsch“ (ceremonial coup).[4]

Das Außenministerium der ehemaligen Kolonialmacht Portugal in Lissabon rief alle Beteiligten auf, „sich jeglicher institutioneller oder ziviler Gewalt zu enthalten und den regulären Betrieb der Institutionen wieder aufzunehmen, damit der Prozess der Auszählung und Verkündung der Wahlergebnisse abgeschlossen werden kann“. Das Ministerium teilte außerdem mit, dass es in ständigem Kontakt mit der portugiesischen Botschaft in Bissau stehe, „um die Situation der portugiesischen Bürger und die Lage im Allgemeinen zu gewährleisten“.[12] Osttimors Präsident José Ramos-Horta, der sich persönlich seit Jahren für die Demokratisierung Guinea-Bissaus einsetzte, verurteilte den Putsch.[13]

Einzelnachweise

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  1. Militär in Guinea-Bissau setzt mit Putsch Präsidenten ab. In: Tagesschau. Abgerufen am 28. November 2025.
  2. a b Mutmasslicher Putsch: Guinea-Bissaus Präsident ausgeflogen. In: Swissinfo. 28. November 2025, abgerufen am 28. November 2025 (Schweizer Hochdeutsch).
  3. Nach Putsch in Guinea-Bissau: Militär ernennt neue Regierung. In: Deutsche Welle. 27. November 2025, abgerufen am 29. November 2025.
  4. a b c d Nicolas Negoce, Wedaeli Chibelushi: Was it a coup or was it a 'sham'? Behind Guinea-Bissau's military takeover. In: BBC News. 3. Dezember 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025 (englisch).
  5. a b Guinea-Bissau: Militär ernennt General Horta N'Tam zum Chef der Junta. In: Der Spiegel. 28. November 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 29. November 2025]).
  6. Assana Sambu, Mark Banchereau: Soldiers in Guinea-Bissau appear on state television saying they have seized power. In: Associated Press. 26. November 2025, abgerufen am 29. November 2025 (englisch).
  7. General Horta N'Tam sworn in as Guinea-Bissau transitional leader following coup. In: France 24. 27. November 2025, abgerufen am 29. November 2025 (englisch).
  8. Basillioh Rukanga, Natasha Booty: Guinea-Bissau: Attempted coup was foiled, says President Embaló. In: BBC News. 3. Dezember 2023, abgerufen am 3. Dezember 2025 (englisch).
  9. Basillioh Rukanga: West African mission leaves Guinea-Bissau after 'president's threats'. In: BBC News. 3. März 2025, abgerufen am 3. Dezember 2025 (englisch).
  10. Konstantin Furrer: Regierung von Guinea-Bissau hat Putschversuch offenbar abgewehrt. 2. Februar 2022, abgerufen am 28. November 2025 (Schweizer Hochdeutsch).
  11. Manuel Ribeiro: União Africana suspende Guiné-Bissau após golpe militar. Embaló refugia-se no Congo. EuroNews, 29. November 2025, abgerufen am 1. Dezember 2025 (portugiesisch).
  12. Inês dos Santos Cardoso: Putsch in Guinea-Bissau - Präsident Embaló vom Militär abgesetzt. In: Euronews. 27. November 2025, abgerufen am 29. November 2025.
  13. Press Statement – President Ramos-Horta Condemns Recent Coup in Guinea-Bissau | President José Ramos-Horta. Abgerufen am 1. Dezember 2025.