Pyramus und Thisbe

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Dieser Artikel behandelt die antike Sage, der Fluss mit dem antiken Namen Pyramos heißt heute Ceyhan, für die Beteiligungsgesellschaft Pyramus S.à r.l. siehe Apax Partners.
Niklaus Manuel (1484–1530): "Pyramus und Thisbe" (1520)

Die Sage von Pyramus und Thisbe wird erstmals in Ovids Metamorphosen (Buch 4) erwähnt. Die Geschichte ist in den Bericht einer Feier zu Ehren des Gottes Bacchus eingebettet, in dem die Töchter des Minyas verschiedene Liebesgeschichten erzählen.

Inhalt[Bearbeiten]

Pyramus und Thisbe sind ein babylonisches Liebespaar, welches sich aufgrund der Feindschaft seiner Eltern nicht sehen darf. Die einzige Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren, stellt ein Spalt in einer Wand dar, die die Mitte der Häuser bildet, in denen auf der einen Seite Pyramus mit seinen Eltern und auf der anderen Seite Thisbe mit ihren Eltern leben.

Nach längerer Zeit vereinbaren Pyramus und Thisbe ein nächtliches Treffen unter einem Maulbeerbaum, um Babylon für immer hinter sich zu lassen. Thisbe, die früher als Pyramus bei dem Maulbeerbaum eintrifft, flüchtet vor einer Löwin, die an einer Quelle trinkt und vom Fressen gerissenen Viehs noch ein blutiges Maul hat. Dabei verliert Thisbe ihren Schleier, der von der Löwin zerrissen und mit Blut beschmiert wird. Als Pyramus erscheint, findet er den zerrissenen, blutgetränkten Schleier, nimmt an, dass Thisbe von der Löwin getötet worden sei und stürzt sich daher unter dem Maulbeerbaum in sein Schwert. Als Thisbe zurückkehrt, findet sie den sterbenden Geliebten, ist überwältigt von ihren Tränen und ihrer Liebe und stürzt sich ebenfalls in dessen noch warmes Schwert. Das Blut der Liebenden benetzt die Wurzeln des Maulbeerbaumes. Die Maulbeeren, die bisher weiß waren, haben von nun an eine dunkelrote[1] Farbe. Sie bleiben immer dunkel als Zeichen der Trauer. Die Eltern beider Liebenden lassen die Asche des unglücklichen Paares in dieselbe Urne füllen, um ihren Wunsch, zusammen zu sein, zu erfüllen.

Motive der bereits im Altertum populären Geschichte wurden von Shakespeare in seinem Theaterstück „Romeo und Julia“ als Tragödie, in „Ein Sommernachtstraum“ als Parodie verarbeitet. Bei Andreas Gryphius’ Barockkomödie „Absurda Comica oder Herr Peter Squenz“ ist sie ebenfalls das Kernthema – und von Giovannino Guareschi wurde sie in „Don Camillo und Peppone“ verwendet. Von Johann Adolf Hasse stammt ein Intermezzo tragico mit dem Titel Piramo e Tisbe nach einem Libretto von Marco Coltellini, dass 1768 in Wien erstmals aufgeführt wurde.[2]

Literatur[Bearbeiten]

  • Franz Schmitt-von Mühlenfels: Pyramus und Thisbe. Rezeptionstypen eines Ovidischen Stoffes in Literatur, Kunst und Musik. Winter, Heidelberg 1972, ISBN 3-533-02244-7.
  • Rudolf Hüls: Pyramus und Thisbe. Inszenierungen einer „verschleierten“ Gefahr. Winter, Heidelberg 2005, ISBN 3-8253-5119-X.
  • Marion Oswald: Pyramos und Thisbe. In: Maria Moog-Grünewald (Hrsg.): Mythenrezeption. Die antike Mythologie in Literatur, Musik und Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band 5). Metzler, Stuttgart/Weimar 2008, ISBN 978-3-476-02032-1, S. 641–646.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Pyramus und Thisbe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Ferdinand Peter Moog: Eine Lanze für Ovid - Anmerkungen zu ‚Metamorphosen‘ IV 119-123. Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 23 (2004), S. 7-18; S. 7 f. und 11
  2. Nachweis im DNB-Katalog: Piramo e Tisbe.