Pyramus und Thisbe

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Dieser Artikel behandelt die antike Sage, der Fluss mit dem antiken Namen Pyramos heißt heute Ceyhan, für die Beteiligungsgesellschaft Pyramus S.à r.l. siehe Apax Partners.
Niklaus Manuel (1484–1530): "Pyramus und Thisbe" (1520)

Die Sage von Pyramus und Thisbe war in der Antike weit bekannt und ist in den erhaltenen Werken mehrfach erwähnt. Die früheste und ausführlichste Schilderung findet man in Ovids Epos über Verwandlungssagen mit dem Titel Metamorphosen[1]. Seine Darstellung gipfelt, wie es der Absicht dieses Werks entspricht, in einer Verwandlung: Die Früchte des Maulbeerbaums sind seitdem nicht mehr weiß, sondern blutrot. Eine kürzere Fassung der Geschichte bietet Servius in seinem Kommentar zu den Eklogen des Vergil.[2]

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pyramus und Thisbe sind ein babylonisches Liebespaar, welches sich aufgrund der Feindschaft ihrer Eltern nicht sehen darf. Die einzige Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren, stellt ein Spalt in einer Wand dar, die die Mitte der Häuser bildet, in denen auf der einen Seite Pyramus mit seinen Eltern und auf der anderen Seite Thisbe mit ihren Eltern leben.

Nach längerer Zeit vereinbaren Pyramus und Thisbe ein nächtliches Treffen unter einem schneeweiße[3] Früchte tragenden Maulbeerbaum, um Babylon für immer hinter sich zu lassen. Thisbe trifft dort früher als Pyramus ein und flüchtet vor einer Löwin, die an einer Quelle trinkt und vom Fressen gerissenen Viehs noch ein blutiges Maul hat. Dabei verliert das Mädchen seinen Mantel, der von der Löwin zerrissen und mit Blut beschmiert wird. Diesen findet Pyramus dann, nimmt an, dass Thisbe von der Löwin getötet worden sei, stürzt sich daher unter dem Maulbeerbaum in sein Schwert „und die vom Blute getränkte Wurzel färbt(e) mit Purpurs Schwarz die hangenden Beeren.“[4]. Als Thisbe zurückkehrt und den sterbenden Geliebten findet, erkennt sie die Situation und stürzt sich, überwältigt von Schmerz und Liebe, in dessen von seinem Blut noch warmes Schwert. Ihre Bitte, der Baum möge zur Erinnerung an ihrer beider Tod die dunkle Farbe seiner Früchte behalten, wird von den Göttern erhört, und ebenso erfüllen ihr die Eltern den Wunsch, die Asche des unglücklichen Paares in derselben Urne zu bestatten, damit sie beide für immer vereint seien.[5]

Rezeption[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Motive der bereits im Altertum populären Erzählung oder die ganze Geschichte findet man auch in anderen Werken:

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Franz Schmitt-von Mühlenfels: Pyramus und Thisbe. Rezeptionstypen eines Ovidischen Stoffes in Literatur, Kunst und Musik. Winter, Heidelberg 1972, ISBN 3-533-02244-7.
  • Rudolf Hüls: Pyramus und Thisbe. Inszenierungen einer „verschleierten“ Gefahr. Winter, Heidelberg 2005, ISBN 3-8253-5119-X.
  • Marion Oswald: Pyramos und Thisbe. In: Maria Moog-Grünewald (Hrsg.): Mythenrezeption. Die antike Mythologie in Literatur, Musik und Kunst von den Anfängen bis zur Gegenwart (= Der Neue Pauly. Supplemente. Band 5). Metzler, Stuttgart/Weimar 2008, ISBN 978-3-476-02032-1, S. 641–646.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Pyramus und Thisbe – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ovid, Metamorphosen 4.55-166
  2. Servius: zu Vergil, Ecloge 6,22; zur Erklärung des Ausdrucks „mit blutroten Maulbeeren“.
  3. Ovid, Metamorphosen 4.89
  4. Ovid, Metamorphosen 4.126 f. Übersetzung: Erich Rösch, Publius Ovidius Naso […] übertragen und herausgegeben von Erich Rösch. München 1992.
  5. Ovid, Metamorphosen 4.162-166
  6. Nachweis im DNB-Katalog: Piramo e Tisbe.