Pyromanie

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Klassifikation nach ICD-10
F63.1 Pathologische Brandstiftung (Pyromanie)
ICD-10 online (WHO-Version 2019)

Der Begriff Pyromanie (von altgriechisch πῦρ pyr, deutsch ‚Feuer‘ und μανία maníā ‚Raserei, Wut‚ Wahnsinn‘) bezeichnet die pathologische Brandstiftung und wurde im frühen 19. Jahrhundert geprägt, siehe dazu auch Monomanie. Betroffene Personen verspüren den Drang, Feuer zu legen und beziehen aus der Tat Befriedigung.

Von der Krankheit betroffene Personen werden auch Pyromanen genannt.

Begriff[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff entstammt der Monomanielehre der französischen Psychiater Jean-Étienne Esquirol und Charles Chrétien Henry Marc. Er bedeutet zunächst „Monomanie der Brandstiftung“. Im deutschen Sprachraum treten Entsprechungen wie „pathologische“, „triebhafte“, „süchtige“ oder „zwanghafte Brandstiftung“ auf. Nicht selten wird der Begriff auch außerhalb eines psychiatrischen Kontextes gebraucht, um Personen zu charakterisieren, die gern mit Feuer umgehen (Zündeln).

Klinisches Krankheitsbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klassifikation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff der Pyromanie findet sich in der ICD-10 im Kapitel F63 („Abnorme Gewohnheiten und Störungen der Impulskontrolle“) mit der Kategorie F63.1 „pathologische Brandstiftung [Pyromanie]“. Im Diagnostischen und Statistischen Manual psychischer Störungen ([DSM-IV]) ist die Pyromanie als Unterkategorie der Störung der Impulskontrolle auf Achse I zu finden.

Problematisch an der Aufnahme des Begriffs in psychiatrische Klassifikationssysteme ist, dass hiermit die Erwartung geweckt wird, Brandstiftungen mit Merkmalen der „Pyromanie“ würden als psychische Störungen von Gerichtspsychiatern und Gerichten als schuldmindernd anerkannt.

Kriterien[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Diagnostic and Statistical Manual of Mental Disorders, dem international gültigen Diagnosekatalog der Psychiatrie, finden sich folgende Kriterien:

  • Die bewusste und vorsätzliche Brandstiftung in mehreren Fällen
  • Große Anspannung und Erregung vor der Tat
  • Großes Interesse an Feuer und allem, was damit zu tun hat
  • Freude oder Erleichterung während der Brandstiftung
  • Die Brandstiftungen wurden nicht aus finanziellen Gründen, Rachegelüsten etc. unternommen

Komorbidität[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Pyromanie geht häufig mit anderen Störungen einher:

  • Störungen des Sozialverhaltens
  • Lernschwierigkeiten
  • Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitäts-Störung
  • Impulskontrollstörungen
  • Intelligenzminderung
  • körperliche Defizite

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Karl Birnbaum: Die psychopathischen Verbrecher. Thieme, Leipzig 1926.
  • Horst Dilling u. a. (Hrsg.): Internationale Klassifikation psychischer Störungen. ICD-10, Kapitel V (F); klinisch-diagnostische Leitlinien. Huber, Bern 2006, ISBN 3-456-84286-4.
  • Jean Etienne Dominique Esquirol: Allgemeine und specielle Pathologie und Therapie der Seelenstörungen. Hartmann, Leipzig 1827.
  • Jean Etienne Dominique Esquirol: Die Geisteskrankheiten in Beziehung zur Medizin und Staatsarzneikunde. Voß, Berlin 1838 (2 Bände).
  • Werner Janzarik: Themen und Tendenzen in der deutschsprachigen Psychiatrie. Springer, Berlin 1974.
  • Charles Chretien Henry Marc: Die Geisteskrankheiten in Beziehung zur Rechtspflege. Voß, Berlin 1843/1844 (2 Bände).
  • André Matthey: Nouvelles recherches sur les maladies de l’esprit précédées considérations sur les difficulté de l’art de guérir. Paschoud, Paris 1816.
  • Tobias Müller: Störungen der Impulskontrolle – Alter Wein in neuen Schläuchen? In: Rolf Baer u. a. (Hrsg.): Wege psychiatrischer Forschung. Perimed, Erlangen 1991, ISBN 3-88429-390-7.
  • Henning Saß u. a.: Diagnostische Kriterien des diagnostischen und statistischen Manuals psychischer Störungen. DSM-IV-TR. Hogrefe, Göttingen 2003, ISBN 3-8017-1661-9.
  • Ulrich Venzlaff, Friedemann Pfäfflin: Persönlichkeitsstörungen und andere abnorme seelische Entwicklungen. In: Klaus Foerster (Hrsg.): Psychiatrische Begutachtung. Elsevier, München 2004, ISBN 3-437-22900-1.
  • S. Brunnhuber, S. Frauenknecht, K. Lieb: Intensivkurs Psychiatrie und Psychotherapie. Urban & Fischer, 2005.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WiktionaryWiktionary: Pyromanie – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
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