QAnon

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
QAnon-Anhänger bei Kundgebung für US-Präsident Trump (2019)

QAnon ([kjuːəˈnɒn]) oder kurz Q nennt sich eine mutmaßlich US-amerikanische Person oder Gruppe, die seit 2017 Verschwörungstheorien mit rechtsextremem Hintergrund im Internet verbreitet. Das Pseudonym bezeichnet seitdem auch diese Verschwörungsthesen. Zentral ist die beleglose Behauptung, eine einflussreiche, weltweit agierende, satanistische Elite entführe Kinder, halte sie gefangen, foltere und ermorde sie, um aus ihrem Blut eine Verjüngungsdroge zu gewinnen. US-Präsident Donald J. Trump bekämpfe diese Elite und einen vorgeblichen „Deep State“.

Die Behauptungen knüpfen an die von Trumpanhängern im Präsidentschaftswahlkampf 2016 verbreitete „Pizzagate“-These an, wonach hochrangige Politiker der Demokraten angeblich einen internationalen Kinderhändlerring zur Prostitution Minderjähriger betreiben. Sie werden mit vielen weiteren Verschwörungsthesen verknüpft. Daraus entwickelte sich eine Verschwörungsideologie mit Millionen Anhängern. Experten in den USA und Deutschland schätzen sie als schwere aktuelle Gefahr für die repräsentative Demokratie ein.

Herkunft

Der anonyme Benutzer Q erschien im Oktober 2017 auf dem Imageboard 4chan und behauptete dort wie etliche andere zuvor, er besitze einen besonderen Zugang zur Regierung. Denn „Q“ oder auch Q-Clearance bezeichnet in den Vereinigten Staaten die höchste Stufe der Zugriffsberechtigung für Mitarbeiter von Sicherheitsbehörden auf brisantes oder geheimes Material. Die nächst niedrigere Stufe wird Top Secret bezeichnet. „Anon“ wiederum ist das Kürzel für „anonym“, weil Benutzer sich auf 4chan nicht registrieren lassen müssen, so auch Q.[1]

2016 hatte sich „FBIAnon“ als „hochrangigen Analysten und Strategen“ beschrieben, der Wissen über die damalige Untersuchung der Clinton Foundation anbiete. „HLIAnon“ (ein Akronym für „High Level Insider Anonymus“) postete verschiedene Verschwörungsthesen in Rätseln, darunter, Prinzessin Diana sei ermordet worden, weil sie vorab über 9/11 erfahren und die Anschläge zu stoppen versucht habe. „CIAAnon“ und „CIA Intern“ erschienen Anfang 2017. Ab August 2018 bot „WH Insider Anon“ eine angebliche Vorschau für ein Ereignis um die Democratic National Convention und Leaks dazu an. Anfangs waren Qs Posts nur ein gewöhnlicher Teil dieser Art Beiträge. Ab 28. Oktober 2017 postete er, Hillary Clintons Festnahme und Ausweisung aus den USA sei für den 30. Oktober 2017 angesetzt. Man solle mit organisiertem Aufruhr und Flucht ihrer Anhänger rechnen. Die Nationalgarde stehe deswegen in Großstädten bereit. Dies solle man durch einen Anruf bei ihren Mitgliedern prüfen. Diesem ersten Post, der rein erfundene Thesen enthielt, folgten tausende Q-Botschaften, die eine bizarre Theorie webten. Diese umfasst Politiker der Demokraten, Trumpgegner in der Filmbranche und große Unternehmen.[2]

Qs erste Posts knüpften an ein Zitat Trumps an, der am 5. Oktober 2017 vor einem Treffen mit seinen Militärberatern von einer „Ruhe vor dem Sturm“ gesprochen und auf Nachfragen ergänzt hatte, man werde herausfinden, was damit gemeint sei. Trumps Anhänger bezogen das Zitat auf alle möglichen erwarteten Ereignisse, etwa ein Vorgehen gegen angebliche geheime Pädophilie-Clubs von Demokraten oder gegen Robert Muellers Sonderermittlung zur Beeinflussung des Wahlkampfs in den Vereinigten Staaten 2016. Q beteiligte sich mit vagen Aussagen an diesen Spekulationen und bezog den „Sturm“ auf eine mögliche Festnahme von Hillary Clinton, Barack Obama und des Finanzinvestors George Soros. Seine Follower fügten seine Aussagen dann unter Hashtags wie #TheStorm und #Qanon wie ein Puzzle mit zahllosen Verschwörungsthesen zusammen. Einer der so entstandenen QAnon-Threads lautete „Folge dem weißen Kaninchen“, benutzte also eine Phrase aus dem Roman Alice im Wunderland und dem Film Die Matrix von 1999. Trumpunterstützer hatten den Satz schon seit Beginn seiner Kandidatur 2015 für alle möglichen Andeutungen benutzt.[3]

Q knüpfte an die Pizzagate-Verschwörungstheorie an und machte sie zum Nährboden seiner eigenen Ideologie. Rechtsradikale Trumpanhänger hatten diese Theorie im Wahlkampf 2016 aus internen E-Mails von Clintons Wahlkampfteam konstruiert. Dazu deuteten sie etwa Bestellnotizen wie cheese pizza als geheimen Code für child pornography („Kinderpornographie“) und benannten eine Pizzeria in Washington, D.C. als Zentrale des erfundenen Kinderschänderrings.[4]

Verbreitung

Nach wenigen Wochen wechselte Q auf den Anbieter von offenen Internetforen 8chan (heute 8kun). Dort hatten auch mehrere Rechtsterroristen ihre Hasspamphlete verbreitet.[4] Im Oktober 2020 stellte sich heraus, dass James Watkins, der Eigentümer der Plattform, über sein Unternehmen N.T. Technology Webdomains für Kinderpornographie und Pädophilie hostete und verkaufte, also genau das, was QAnon-Anhänger zu beenden angeben. Die Analyse eines Cybersecurityunternehmens ergab zahlreiche einschlägige Ausdrücke in den Domains und IP-Adressen, die zu Watkins' Unternehmen führten.[5]

Die rechte Radiomoderatorin und Trumpanhängerin Tracy Diaz, eine Vertreterin der „Pizzagate“-Theorie, erklärte Qs Andeutungen ab 3. November 2017 für authentisch und verschaffte ihnen über ihren YouTube-Kanal ein großes Publikum. Einige Wochen später nahmen zwei Moderatoren von Qs Forum, der Programmierer Paul Furber („BaruchtheScribe“) aus Südafrika und der Trumpanhänger Coleman Rogers („Pamphlet Anon“) aus den USA, mit Diaz Kontakt auf. Die drei legten auf Reddit das Forum „CBTS_Stream“ für QAnon-Beiträge an, damit Nutzer diese auch auf Facebook, Twitter, YouTube und Instagram verbreiten würden. Dazu schrieben, kommentierten und produzierten sie Videos. Nachdem Reddit ihr Forum sperrte, richteten sie die Nachfolgegruppe „greatawakening“ ein, die bis zu 70.000 Nutzer hatte.[4]

Hunderte bis tausende QAnon-Anhänger in diesen Foren deuten Qs Hinweise aus, analysieren und bestätigen sie scheinbar und verbreiten sie weiter. Daraus entstand der unzusammenhängende, weit verzweigte Charakter der Verschwörungsideologie. Diaz und die beiden Moderatoren machten aus Qs Beiträgen ein einträgliches Geschäftsmodell: Seit sie sich in ihren Videos mit Q befassten, wuchsen deren Klickzahlen auf jeweils bis zu acht Millionen an. Erst verschoben sie die QAnon-Threads auf Reddit, dann auf Facebook und eröffneten schließlich einen eigenen YouTube-Kanal, auf dem sie Spenden einwarben.[6] Diesem auf die QAnon-Anhänger zugeschnittenen Geschäftsmodell folgten später weitere Youtuber.[7]

Von Juni bis August 2020 fand eine interne Untersuchung auf Facebook tausende Gruppen und Seiten von QAnon-Anhängern mit Millionen Followern. Sie wuchsen infolge der Aufnahme von Gruppenposts in Facebooks Empfehlungsalgorithmen. So wurden mindestens 185 Werbeanzeigen für QAnon auf Facebook und Instagram gezeigt. QAnon-Gruppen nutzen diese Medien zum Verbreiten ihres Netzwerks, greifen sie aber zugleich als „Unterdrücker“ an, die „die Wahrheit zu zerstören suchen“.[8]

In den App Stores von Apple und Google Play erschien eine Mobile App namens „QDrops“, mit der Qs Behauptungen verbreitet werden.[9] QDrops wurde von „Tiger Team Inc.“ entwickelt, die den Eheleuten Richard und Adalita Brown aus North Carolina gehört. Die App erschien zunächst für iOS, Anfang Mai 2018 suchte Richard Brown nach einem Entwickler, um sie auf Android zu portieren. Im April war QDrops bei Apple die beliebteste App in der Sektion „Unterhaltung“ und stand auf Position 10 der beliebtesten kostenpflichtigen Apps. Nach einem Bericht von NBC News darüber zog Apple die App vom Verkauf zurück.[10] In Google Play war die App im Juli 2018 noch verfügbar, erreichte dort aber nur geringe Verkaufszahlen.[11] Stand Januar 2021 ist die App auch bei Google Play entfernt.[12]

Laut einer von der britischen NGO HOPE not Hate durchgeführten repräsentativen Umfrage bezeichneten sich im Oktober 2020 rund 10 Prozent aller befragten US-Bürger und mehr als 20 Prozent der Trump-Anhänger als Unterstützer von QAnon. Davon hielten 82 Prozent Gewalt zum Verteidigen ihres Glaubens für gerechtfertigt. Ein Drittel der Befragten glaubte die zentrale QAnon-These eines großangelegten Kindesmissbrauchs durch Eliten. 19 Prozent glaubten, die COVID-19-Pandemie sei Teil eines künstlich erzeugten Entvölkerungsplans der UNO oder der „Neuen Weltordnung“. 15 Prozent glaubten, Impfungen dagegen würden bösartig zum Infizieren mit Gift benutzt. Die Auftraggeber der Studie schlossen daraus auf eine erhebliche demokratiegefährdende Gewaltbereitschaft, falls Trump die Wiederwahl verlieren und dies nicht anerkennen werde.[13]

Identität

Q gab vor, ein hoher Regierungsangestellter zu sein.[3] Sein Nutzername sollte andeuten, dass er die Sicherheitseinstufung „Q clearance“ des US-Energieministeriums und damit Zugang zu streng geheimen Informationen über Atomwaffen und nukleares Material besitze.[14] Das dem Q angehängte „Anon“ steht für „anonym“.[15] Als Beweis seiner Nähe zu Trump veröffentlichte Q unscharfe Fotografien von asiatischen Inseln aus einem Flugzeug. Dies nahmen seine Anhänger als Beweis, Q sei mit Trump in der Präsidentenmaschine Air Force One nach Ostasien gereist. Ferner sagte Q vorhersehbare Einzelwörter wie „small“ in folgenden Tweets Trumps voraus, um sich als eingeweihter und von Trump beauftragter Insider auszugeben.[16] Q behauptet, er gehöre als hochrangiger Militär oder Geheimdienstmitarbeiter zu Trumps engem Regierungskreis und decke alle Arten übler Pläne einer internationalen Bürokratie gegen Trumps Regierung auf. Dazu verbindet er verschiedene Verschwörungstheorien, die Trump als Kämpfer gegen Umtriebe antiamerikanischer Saboteure darstellen, die die Regierung, Industrie, Medien und andere öffentliche Institutionen beherrschten. Das eigentliche Ziel dieser vorgeblichen Herrschaft ist unklar.[17]

Zu Qs Identität wurden viele Vermutungen angestellt, etwa, es handele sich um Spieler eines Alternate Reality Game von Cicada 3301 oder um Trump selbst.[18] BuzzFeed vermutete im August 2018, Q sei ein Produkt der anarchistischen italienischen Gruppe Wu Ming, die die radikale Unterstützerszene Trumps verleiten wolle, sich selbst zu diskreditieren.[19] Personen, die Wu Ming zugeordnet werden, wiesen dies jedoch unter Hinweis auf die Gefährlichkeit solchen Handelns zurück. Im Übrigen würden fanatische Trump-Anhänger auch einen enttarnten Hoax in ihr „paranoides System“ einbauen.[20] Eine Kommentatorin des Magazins Wired vermutete hinter QAnon einen „Kader“ von „Informationsterroristen“, die erstmals um 2014 bei der GamerGate-Kontroverse aufgetaucht seien. Diese Kader veränderten die Art des Medienkonsums in der Gesellschaft und propagierten neben QAnon auch weitere Gruppen, Verschwörungstheorien und Internetphänomene wie Pizzagate, Unite The Right und #releasethememo.[21]

Vermutet werden der US-Bürger James Arthur Watkins, der seit 2001 auf einer Farm im Süden Manilas auf den Philippinen lebt, sowie sein Sohn Ronald Watkins. Kronzeuge dafür ist Fredrick Brennan, der 8chan 2013 als unkontrolliertes Messageboard gründete, ab 2014 mit James Watkins von Manila aus betrieb und die Website 2015 an ihn verkaufte. Ronald Watkins war dort Administrator und behielt diese Funktion auch auf der Nachfolgeplattform 8kun. Beide bestreiten ihre Identität mit Q. Brennan hält den Vater jedoch für den einzigen, der Q über 8chan jederzeit persönlich kontaktieren und seine Identität aufdecken könne. Brennan veröffentlichte am 23. August eine IP-Adresse von James Watkins, die mit der IP-Adresse von QMaps identisch ist. Damit sei James Watkins als Eigentümer beider Websites erwiesen. So wurde wahrscheinlich, dass er nicht nur Qs Plattform betreibt, sondern auch direkt dessen Botschaften verbreitet und davon profitiert. QMaps verbreitete bis dahin die meisten QDrops im Netz und hatte rund zehn Millionen Besucher pro Monat. Kurz nach Brennans Fund wurde ein IT-Experte aus New Jersey als Entwickler von QMaps enttarnt. Er bestritt jede Verbindung zu Q; jedoch ging die Website daraufhin offline. Der zugehörige Webhost hostete außer QMaps nur noch Watkins' Website 8kun und die Neonazi-Website The Daily Stormer. Der Webhost wurde Ende Oktober 2019 nur Wochen vor 8kun gegründet. Die Medienforscher Brian Friedberg und Mike Rains erklärten, der Zugang zu Qs Inhalten sei wichtiger als dessen Identität. Wer die QDrops verfasse, sei unerheblich; James Watkins als ihr Herausgeber sei der einzige, der entscheide, welche Q-Informationen ins Netz gelangten. Seine Familie und die Betreiber von 8kun hätten in jedem Fall erhebliche Kontrolle über Qs Inhalte und damit Einfluss auf die daraus wachsende internationale Bewegung. Mindestens ihre direkten Kontakte zu Q seien nun erwiesen.[22]

Inhalte und Stil

Q-Poster mit dem Kürzel WWG1WGA

Qs zentrale Behauptung lautet, Barack Obama, Hillary Clinton, George Soros und andere hochrangige Vertreter von Staat und Wirtschaft würden einen Putsch planen, um die USA in eine Diktatur zu verwandeln, und seien gleichzeitig in einen internationalen Kinderhändlerring verstrickt. Die Sonderermittlung zur Beeinflussung des Wahlkampfs in den Vereinigten Staaten 2016 diene in Wahrheit zur Abwehr dieses Staatsstreichs: Trump habe eine Kollusion mit Russland vorgetäuscht, damit Sonderermittler Robert Mueller verdeckt gegen die Demokratische Partei ermitteln könne.

Der Vorwurf des Kinderhandels, in den angebliche Vertreter des „Deep State“ und Prominente verwickelt seien, ist ein ständig wiederkehrendes Motiv. Patriotische Militärs hätten den politischen Außenseiter Trump zum Präsidenten gemacht, damit er diesem Treiben ein Ende setze. Außer Ronald Reagan seien sämtliche US-Präsidenten seit Lyndon B. Johnson kriminell, pädophil und satanistisch gewesen. Der Kinderhandel sei der Hauptzweck, zu dem die Verschwörer den Staat unterwanderten.[23]

Trump sei der einzige Politiker, der es mit den Kinderhändlern, liberalen Globalisten und jüdischen Bankern aufnehmen könne. Der Tag der Abrechnung stehe bevor, an dem Trump ihnen offen den Krieg erklären werde. Dabei werde er von John F. Kennedy, Jr. unterstützt, der seinen Tod nur vorgetäuscht habe und bald zurückkehren werde. Es werde Zehntausende Verhaftungen geben, tausende Vorstände großer Unternehmen würden zurücktreten, da ihre geheime Herrschaft beendet sei, und auch Hillary Clinton werde in Haft genommen.[6]

Anfangs wagte Q konkrete Vorhersagen, etwa, dass Hillary Clinton in den kommenden Tagen inhaftiert, liberale Medienvertreter sterben und Mitglieder der Eliten verhaftet würden. Nachdem dies ausblieb, formulierte Q seine Prognosen nebulöser, so dass sie nicht widerlegbar erschienen. Falsche Vorhersagen schadeten ihm nicht, sondern wurden von seinen Anhängern als bewusst gewählte Andeutungen mit einem tieferen, noch unergründlichen Sinn gedeutet.[24]

Am 16. Februar 2018 beschuldigte Q Debbie Wasserman Schultz, die ehemalige Vorsitzende des Democratic National Committee (DNC), sie habe die Bande MS-13 aus El Salvador zur Ermordung des DNC-Mitarbeiters Seth Rich im Jahr 2016 angeworben.[3]

Weiter behauptete Q, Nordkoreas Staatschef Kim Jong-un sei eine von der CIA installierte Marionette.[25] Trump habe sich mit Kim gegen die Verschwörer verbündet.

Daneben wiederholt und modifiziert Q bekannte Verschwörungstheorien anderer Urheber:

  • Der Bankier J. P. Morgan habe 1912 die Titanic versenken lassen, um Konkurrenten aus dem Bankengewerbe aus dem Weg zu räumen und die Kontrolle über die US-Notenbank FED zu erlangen.[26]
  • Massaker wie das Schulmassaker von Parkland hätten nicht stattgefunden, sondern seien mit Schauspielern inszeniert worden, um einen Vorwand zur Einschränkung des Waffenbesitzes zu erhalten und die Bevölkerung zu entwaffnen.[27]
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel sei mit Adolf Hitler verwandt: „Folge der Blutlinie.“ Hitler sei wiederum nur eine Marionette derselben Mächte gewesen, die heute die Weltverschwörung anführten.[24]
  • Am angeblichen „Deep State“ sei die „globale Bankenelite“ beteiligt. Dies gilt in der Forschung als Codewort für Juden.[28]

Anhänger interpretieren Qs Angaben dahingehend, dass die jüdische Familie Rothschild Anführer eines satanistischen Kults und viele Hollywoodstars pädophil seien.[27]

Die meisten Äußerungen QAnons sind kryptisch und vage, angeblich, weil er sich durch zu konkrete Angaben exponieren und selbst in Gefahr bringen würde. Die meist sehr kurzen Texte enthalten Abkürzungen, militärischen Jargon und unsinnige Schlagworte, die die Inhalte zum Teil fast unverständlich machen. In der Folge suchen die Anhänger im Internet nach Interpretationen und Lösungen der vermeintlichen verschlüsselten Botschaften.[23]

Ab Frühjahr 2020 verbreiteten QAnon-Anhänger Falschinformationen zur COVID-19-Pandemie: Die Massenquarantäne (der „Lockdown“) diene nicht der Pandemiebekämpfung, sondern solle Gelegenheit bieten, Kinder aus Folterkellern zu befreien, wo ihnen im Auftrag der Elite massenhaft Adrenochrom entzogen würde. Von diesem Stoffwechselprodukt des Adrenalins wird fälschlich behauptet, es würde ewige Jugend verleihen.[29] Außerdem machten sich QAnon-Anhänger die ID2020-Verschwörungstheorie zu eigen, wonach Bill Gates plane, bei Impfungen Menschen einen RFID-Mikrochip implantieren zu lassen, der in der Folge sensible Daten übermittle.[30]

Auf Social Media und Demonstrationen verwenden QAnon-Anhänger neben dem Q-Symbol oft die Abkürzung WWG1WGA für den Satz „Where we go one, we go all“.[31] Er bedeutet in etwa „Dort, wohin einer geht, dorthin gehen alle“.[32] Vor der US-Präsidentschaftswahl am 3. November 2020 verknüpften QAnon-Anhänger die Parole „Save the Children“ auf Internetseiten und Werbeplakaten mit Aufrufen, Trump zu wählen: Dieser werde dem angeblichen internationalen Kinderhändlerring ein Ende bereiten. Tatsächlich verfolgte Trumps Regierung sexuellen Missbrauch von Kindern weniger streng als seine Vorgänger. Mit dem weit verbreiteten Hashtag „#SavetheChildren“ werben QAnon-Anhänger unter der Vorgabe eines allgemeinen humanitären Anliegens neue Gläubige an, besonders unter konservativen religiösen Frauen. Dazu eigneten sie sich den Namen der seit 100 Jahren bestehenden Organisation Save the Children an, die weltweit für Kinderrechte eintritt. Diese grenzte sich mehrfach öffentlich von der Kampagne ab. Facebook und Instagram leiteten Suchanfragen zur Parole direkt an die offizielle Webseite der Kinderrechtsorganisation weiter. Die Initiative Polaris, die eine kostenlose Hotline gegen Menschenhandel in den USA betreibt, richtete infolge vieler Anrufe mit Verschwörungsthesen eine Webseite für Richtigstellungen ein. Doch unter dem Hashtag „#SavetheChildren“ werden weiterhin Meme und Verschwörungsthesen gegen Vertreter der Demokratischen Partei verbreitet, auch in populären Foren zu Themen wie Gesundheit, Wellness und Yoga.[33]

Seit Trumps Wahlniederlage verwenden QAnon-Anhänger auch den Erkennungssatz „Trust the Plan“ („Vertraue dem Plan“).[34]

USA

Drohungen, Gewalt- und Straftaten

Am 31. Mai 2018 durchsuchten die Veterans on Patrol („Veteranen auf Streife“) ein verlassenes Obdachlosenlager in Tucson (Arizona). Sie glaubten, der mexikanische Baustoffkonzern Cemex halte dort Kinder in einem unterirdischen Bunker fest, um sie sexuell zu missbrauchen. Die Eindringlinge blieben mehrere Tage auf dem Gelände und zeigten ihre Aktion als Live-Streaming im Internet. Behörden beteiligten sich mit einem Spürhund an der Durchsuchung, fanden aber weder Kinder noch Leichen.[19] Obwohl sie keinerlei Hinweise auf die angeblichen Verbrechen hatten, wiederholten viele Medien unkritisch die Behauptungen des Gründers der Gruppe.[35] Diese patrouillierte später an der Fernverkehrsstraße Interstate 19, um vermeintliche Kinderhändler zu ergreifen. Der Gründer wurde am 22. Juli 2018 festgenommen, da er rechtswidrig Privatgrundstücke durchsucht hatte und einer gerichtlichen Vorladung nicht gefolgt war. Aktivisten rechter Gruppen behaupteten dann, er sei ein von Bundesbehörden bezahlter Provokateur.[36]

Am 15. Juni 2018 fuhr Matthew Phillip Wright mit einem gepanzerten Fahrzeug, einem AR-15-Sturmgewehr und einer Kurzwaffe zum Hoover Dam, blockierte dort 90 Minuten lang den Verkehr[37] und forderte, sofort einen Untersuchungsbericht des US-Justizministeriums über das Verhalten von FBI-Beamten bei Hillary Clintons E-Mail-Affäre freizugeben. Er wurde unter dem Verdacht des Terrorismus und anderer Straftaten festgenommen.[38] Zuvor hatte Q per QDrops behauptet, der geforderte Bericht sei für die Veröffentlichung stark verfälscht worden. Wright gab an, es sei seine Mission, die Herausgabe des angeblich vorhandenen unverfälschten Berichts zu erwirken.[39]

Der Rechtsanwalt Michael Avenatti vertrat 2018 Stormy Daniels, die eine Vertraulichkeitsvereinbarung wegen einer außerehelichen Affäre mit Trump aufheben lassen wollte. Am 29. Juli 2018 veröffentlichte QAnon Fotos eines Mannes mit einer Stichwaffe in der Hand vor Avenattis Büro, dann die Nachricht, man habe ihm eine „Botschaft“ überbracht. Avenatti erstattete Strafanzeige.[40]

Der Kalifornier Forrest Clark hatte dutzende Videos über satanische Rituale, Pizzagate und QAnon gepostet. Im Juli 2018 kündigte er nach einem Streit mit dem Chef der freiwilligen Feuerwehr in Orange County einen schweren Waldbrand an: „Dieser Ort wird brennen, wie du es geplant hast.“ Zwei Wochen später trat der Brand ein. Am 7. August 2018 nahm Polizei Clarke wegen des Verdachts der Brandstiftung fest.[41]

Am 26. August 2018 erschoss David Katz bei einem Spielwettbewerb in Jacksonville (Florida) zwei Personen und verletzte zehn, bevor er sich selbst erschoss. Sofort danach denunzierten QAnon-Anhänger einen Benutzer auf Reddit, der sich kritisch über Trump geäußert hatte, ohne Belege als den angeblichen Täter und sandten ihm viele Morddrohungen. Er hatte zufällig einen ähnlichen Benutzernamen wie der Täter. Rechtsextreme Blogger auf The Gateway Pundit und Information Liberation „bestätigten“ die QAnon-Vorwürfe und forderten, linksgerichtete Trumpgegner dürften keine Waffen besitzen. Der Betroffene schrieb die Blogs an, erhielt aber keine Antwort. Daraufhin konfrontierte er QAnon-Benutzer auf ihrem Redditforum „greatawakening“ mit ihren fehlenden Belegen und der Tatsache, dass er anders als der Mörder lebendig sei. Der Blog The Gateway Pundit gab seinen Fehler dann als „Update“ des Originaltextes zu. Der Blog Informational Liberation und die Verschwörungswebsite InfoWars von Alex Jones veröffentlichten eine Richtigstellung und Entschuldigung, bevor sie alle ihre Falschaussagen zu dem Redditbenutzer löschten.[42]

Am 13. März 2019 erschoss Anthony Comello den Mobster Frank Cali vor dessen Haus in New York City. Bei seiner Festnahme zeigte Comello das Zeichen Q auf seinen Händen. Laut seinen Angehörigen bekannte er sich etwa sechs Wochen vor dem Mord als QAnon-Anhänger. Laut Anklageschrift wurde daraus eine „wahnhafte Besessenheit“: Comello habe geglaubt, Q spreche ihn direkt an und gebe ihm die große Aufgabe, den American Way of Life zu retten. Er sei überzeugt gewesen, Trump schütze und unterstütze ihn darin. Im Februar 2019 hatte er erfolglos versucht, New Yorks Bürgermeister Bill de Blasio, die Kongressabgeordneten Maxine Waters und Adam Schiff eigenhändig festzunehmen. Laut seinem Anwalt war Comello mental krank und glaubte an die QAnon-Thesen. Er habe de Blasio für einen Wahlfälscher, die beiden Abgeordneten für Rechtsbrecher, Frank Cali für ein Mitglied des „tiefen Staates“ gehalten und als Zielobjekt seiner Mission festnehmen wollen. Bei Cali sei die Situation eskaliert.[43]

Am 30. Mai 2019 beschrieb das FBI Anhänger von „Pizzagate“, „QAnon“ und der Theorie einer „Neuen Weltordnung“ intern erstmals als „inländische Extremisten“, die die nationale Sicherheit zunehmend gefährdeten. Das Dokument verwies auf mehrere Gewaltakte und Anschlagsversuche, die durch diesen verschwörungsideologischen Glauben motiviert gewesen seien, und erwartete weitere Straf- und Gewalttaten, die daraus erwachsen würden. Im Wahljahr 2020 werde diese Gefahr zunehmen. Damit stufte das FBI diese Verschwörungstheorien erstmals explizit als Teil des gegen die Demokratie gerichteten Extremismus ein.[44]

Weitere Straftaten werden auf QAnon-Einflüsse zurückgeführt:

  • Am 19. Dezember 2018 transportierte ein Mann in seinem Pkw Explosivstoffe zum Kapitol in Springfield (Illinois) und wurde festgenommen. Nach FBI-Angaben wollte er das Gebäude als „satanisches Tempelmonument“ sprengen und so auf „Pizzagate“ und die „Neue Weltordnung“ aufmerksam machen.
  • Am 25. September 2019 zerstörte Timothy Larson eine Kapelle in Sedona, Arizona, und schrie dabei, die Katholische Kirche unterstütze Menschenhandel. Auf Webseiten hatte er QAnon-Hashtags benutzt und das Vandalieren von Kirchengebäuden zu seiner „Mission“ erklärt. Er wurde festgenommen.
  • Im Dezember 2019 plante Cynthia Abcug nach Aussage ihrer Tochter, mit ihrem Freund in Colorado Menschen zu entführen, und beschimpfte die Familie ihres Bruders als Pädophile und böse Satanverehrer. Das Jugendamt entzog ihr die Aufsicht über ihren Sohn. Sie verließ Colorado und wurde von einem Netz von QAnon-Anhängern unterstützt, bevor die Polizei sie in Montana festnahm.
  • Am 26. März 2020 wurde Neely Blanchard in Kentucky der Entführung ihrer Zwillingstöchter angeklagt, die in der legalen Obhut ihrer Großmutter waren. Die Polizei fand sie im Haus einer Gruppe von extremistischen Regierungsgegnern. Blanchard war schon 2013 einer Kindesentführung angeklagt worden. Sie rechtfertigte ihr Vorgehen mit der QAnon-Ideologie von Elterngruppen, die Staatsbehörden nachsagen, unter dem Vorwand von Kinderschutz Kinder zu missbauchen.
  • Am 2. April 2020 wurde Eduardo Moreno angeklagt: Er hatte in Los Angeles einen Güterzug nahe dem Hafenanlieger entgleisen lassen, an dem ein Hospitalschiff der US-Marine lag. Als Grund gab er an, das Schiff sei verdächtiger Teil eines finsteren Plans zur Coronapandemie. Er wolle Leute aufwecken und auf den wahren Zweck des Schiffs hinweisen. Antiterror-Ermittler führten seine Aussagen auf QAnon-Einfluss zurück.
  • Jessica Prim postete viele QAnon-Thesen online und drohte auf ihrer Facebookseite, sie könne nur frei sein, wenn Hillary Clinton, Joe Biden und Tony Podesta „im Namen Babylons“ beseitigt würden. Am 30. April 2020 fuhr sie mit ihrem Pkw von Illinois nach New York und gab dabei in einem Livestream der Fahrt an, sie wolle ein Hospitalschiff besuchen. Sie habe eine Pressekonferenz mit Trump im Fernsehen gesehen und das Gefühl gehabt, er spreche direkt zu ihr und fordere sie auf, sich Hilfe zu holen, da sie das Coronavirus sei. Sie wurde daraufhin festgenommen; man fand viele Messer in ihrem Pkw.
  • Am 11. Juni 2020 raste Alpalus Slyman mit seinen fünf Kindern im Auto durch Boston. Nach Hilferufen seiner ältesten Tochter verfolgte die Polizei seinen Wagen. Dabei rief der Mann in einem Livestream von seiner Fahrt Trump um Hilfe an: Er brauche eine Art Wunder. „QAnon, help me. QAnon, help me!“ Er warnte seine Kinder, die Polizei wolle sie entführen oder erschießen. Er beschuldigte seine Ehefrau und Tochter, Teil dieses Plans zu sein. Nachdem er einen Unfall verursacht hatte, wurde er festgenommen. Die Kinder blieben unverletzt.
  • Am 3. Juli 2020 rammte der Reservist Corey Hurren einen Lkw durch das Tor der Residenz von Kanadas Premierminister Justin Trudeau in Ottawa und drohte, er werde Trudeau töten oder verletzen. Zuvor hatte er auf der Webseite seines Unternehmens auf einen „Event 201“ hingewiesen. Gemeint war eine Verschwörungsthese, die Bill Gates als Verursacher der Coronapandemie beschuldigt.
  • Am 12. August 2020 nahm Polizei Cecilia Fulbright in Waco (Texas) fest, die einen anderen PKW verfolgt und mehrfach gerammt hatte. Sie erklärte, sie sei QAnon-Anhängerin und habe einen Pädophilen verfolgt, um ein junges Mädchen vor Versklavung zu retten. Sie war bei der Festnahme stark alkoholisiert.
  • Am 1. Oktober 2020 wurde Emily Jolley aus Utah in Oregon festgenommen. Dorthin hatte sie ihren sechsjährigen Sohn nach einem Besuch des Vaters entführt, der das alleinige Fürsorgerecht hat. Auch sie gehörte zu einer antistaatlichen Elterngruppe und bezog sich auf ihren Internetprofilen oft positiv auf Trump, QAnon und Texte, die behaupten, Kinderschutzbehörden würden Eltern Kinder zum Abzapfen von Adrenochrom für eine globale Elite wegnehmen.[45]

Am 5. November 2020 versuchten die QAnon-Anhänger Antonio Lamotta (61) und Joshua Macias (42) aus Chesapeake (Virginia) das Auszählen von Wählerstimmen in Philadelphia mit Waffengewalt zu beeinflussen. Lokale Polizei nahm sie beim Wahlzentrum fest, wo sie unerlaubt geladene Schusswaffen trugen, darunter ein AR-15-Sturmgewehr. Sie befürchteten laut ihren Textnachrichten, im Wahlzentrum würden gefälschte Wahlzettel gezählt, und beluden ihren Kleinlaster mit gefälschten Wahlzetteln für Trump, großen Mengen Munition und QAnon-Aufklebern. Lamotta, ein entlassener Soldat, war Mitarbeiter eines landesweiten Sicherheitsdienstleisters und hatte sich wegen eines auswärtigen „Auftrags“ mehrere Tage Urlaub genommen.[46] Er hatte QAnon auf Facebook als positive Militäroperation gegen den „deep state“ beschrieben und gewaltsame, antisemitische Grafiken gepostet. In seinem Comic The Trumpinator hatte er Trump als Rambo-artigen Helden gegen die angebliche Verschwörung von elitären demokratischen Kindermördern dargestellt. Er hatte seinen Zugang zu Waffen angepriesen und die COVID-19-Pandemie als „völlig menschengemachte, gefälschte, psychologische Krisenoperation mit einer patentierten, im Labor hochgezüchteten Biowaffe“ und „laufendes Eugenik-Programm“ dargestellt, das einem Verbrechen gegen die Menschlichkeit gleiche. Darum sei das Töten dieser Leute ein „legitimer Akt der Selbstverteidigung und kein Verbrechen“. Trump sei für seinen Angriff auf „Big Pharma“ zu loben. Demokraten sollten sich einen Wahlkampfauftritt Trumps anschauen, dann direkt selbst erschießen und so anderen eine Menge Munition sparen. Ein Abgeordneter der Republikaner in Virginia, der Waffentragen auch im Parlament legalisieren will, ließ sich mit Lamotta vor einer QAnon-Flagge fotografieren. Macias war Mitgründer der Gruppe „Veteranen für Trump“, trat 2015 in Virginia als Vorredner Trumps und 2016 kurz nach dessen Wahlsieg als Sprecher der Gruppe auf. 2020 verlangte er „Wahlbeobachter“ zum Einschüchtern wartender Wähler. Nach der Wahl verbreiteten er und seine Gruppe beleglose QAnon-Thesen zu einem großangelegten Wahlbetrug in Pennsylvania. Ihr Leiter behauptete, Macias habe sich in Philadelphia nur als Wahlhelfer anbieten wollen und keine Gewalt beabsichtigt. Die Ermittler sahen keine Spuren, dass Lamotta und Macias zu einer größeren extremen Gruppe gehören.[47]

Prominente Anhänger

Im November 2017 fragte die Schauspielerin Roseanne Barr auf Twitter, „Wer ist Q?“, und forderte Q auf, sich innerhalb von 24 Stunden bei ihr zu melden. Nachdem sie ihre Fernsehshow wieder aufgenommen hatte, in der sie Trump unterstützte, gratulierte dieser ihr am 28. März 2018 mit einem Direkttelefonat. Am 30. März behauptete Barr in einem Tweet, Trump habe weltweit jeden Monat hunderte von Kindern aus der Gefangenschaft von Zuhältern befreit und „ganz oben“ Kinderhändlerringe zerbrochen. Dafür gebühre ihm ein Vertrauensbonus.[48] Diese Zustimmung zu QAnon wurde als Reaktion auf Trumps persönliche Gratulation gedeutet.[49] Vertreter von Printmedien und einige Republikaner kritisierten Barrs Tweet als reine Fiktion. Der frühere Regierungsmitarbeiter John Dean warf der American Broadcasting Company vor, Barr eine Bühne für QAnon-Thesen zu geben und damit in ein Wettrennen mit Fox News um die dümmsten Zuschauer einzutreten. Barr beharrte auf ihrer Botschaft: Sie habe angenommen, der Pessach-Termin (30. März 2018) sei ein guter Anlass gewesen, über die Befreiung von Kindern aus Sexsklaverei zu reden. Sie wolle sich aber künftig damit zurückhalten, um ihre Kritiker nicht zum „Schikanieren“ einzuladen.[50]

Am 13. März 2018 bezeichnete die Abtreibungsgegnerin Cheryl Sullenger QAnon als kleine, Präsident Trump nahestehende Insidergruppe, die seit Beginn seiner Amtszeit geheime Informationen veröffentlicht habe.[51]

Der frühere Baseballspieler Curt Schilling trat seit seiner Pensionierung auf dem rechten Breitbart News Network als Trump-Unterstützer auf und hatte am 7. November 2016 (einen Tag vor der US-Präsidentschaftswahl) einen Aufruf zum Lynchmord an Journalisten auf Twitter verbreitet.[52] Im Juni 2018 verlinkte er ein QAnon-Video auf seiner Facebookseite. Es stellte alle US-Präsidenten seit Ronald Reagan als kriminelle Mitglieder von Geheimbünden dar, die für alle Übel der Welt verantwortlich seien, darunter die Massenmorde in Sandy Hook (2012) und Las Vegas (2017). Sie hätten Nordkoreas Diktatoren zur Herstellung von Atomraketen gezwungen, ebenso die Popsängerin Miley Cyrus zum Ablegen ihres Hannah-Montana-Images, um die amerikanische Familie zu destabilisieren. Unter diesen Umständen sei eine Rettung nur von einer Allianz Trumps mit dem Militär und dem russischen Staatspräsidenten Wladimir Putin zu erhoffen. Dieser habe Trump von der Präsidentschaftskandidatur überzeugt, damit er die Bürokraten des „tiefen Staates“ entmachten und inhaftieren könne. Das Video stellte einige Prominente als angebliche Kinderschänder dar, darunter Eminem, Jonah Hill, Jackie Chan und Emma Watson, und drohte ihnen baldige schwere Strafen auf Guantanamo Bay an. Schilling kommentierte: Er habe das Video am selben Tag erhalten, seit er sich über QAnon informiere. Man werde es nur bis zu Ende anschauen können.[53]

Die Schauspielerin Kelly Dodd, in den USA bekannt durch die Serie The Real Housewives of Orange County, unterstützt die QAnon-Kampagne „#SavetheChildren“ seit Sommer 2020 und gab ihr Auftrieb.[54]

Republikaner und Donald Trump

Am 4. Juli 2018 veröffentlichte die Republikanische Partei von Hillsborough County (Florida) im Netz ein Video, in dem QAnon als „geheimnisvoller anonymer Leaker über die Aktivitäten des Deep State und die Gegenmaßnahmen von Präsident Trump“ bezeichnet wurde. Die Beiträge wurden später wieder gelöscht.[55]

Am 31. Juli 2018 kamen viele QAnon-Anhänger zu einem Auftritt von Donald Trump in Tampa (Florida). Sie trugen Schilder mit einem großen eingekreisten Q, der Aufschrift „QAnon“, dem Satz „We Are Q“ oder Parolen zu dem DNC-Mitarbeiter Seth Rich, um dessen Tod viele Verschwörungsthesen kreisen.[56] Dabei wurde der prominente CNN-Journalist Jim Acosta von Trump-Anhängern verbal massiv angegriffen und beleidigt.[57] Bei einer folgenden Pressekonferenz erklärte die Pressesprecherin des Weißen Hauses Sarah Huckabee Sanders auf die Frage, ob Trump „QAnon-Randgruppen“ unterstütze: Seine Regierung lehne jede Gruppe ab, die zur Gewalt gegen andere Menschen aufstachele. Trump werde sicher keine Gruppen unterstützen, die ein derartiges Verhalten zeigten.[58] Jedoch hatten Personen mit Q-Logos auf ihren T-Shirts sichtbar hinter Trump auf der Tribüne gestanden.[59] Mehrere Nachrichtenmoderatoren des Senders MSNBC[60] und der nichtkommerzielle Fernsehsender Public Broadcasting Service befassten sich daraufhin mit ihren Verschwörungstheorien.[61]

Am 4. August 2018 erklärte der frühere Pressesprecher des Weißen Hauses Sean Spicer auf Nachfrage in einem Subreddit, er halte QAnon nicht für authentisch.[62]

Am 23. August 2018 empfing Trump den bekannten Fernseh- und Radiomoderator Michael Lebron (Lionel), der QAnon-Thesen verbreitet, und seine Ehefrau im Weißen Haus und posierte mit ihnen für ein Foto im Oval Office. Dieses veröffentlichte Lebron dann mit zahlreichen für QAnon einschlägigen Bemerkungen. The Daily Beast bezeichnete das Treffen als „neuen Tiefpunkt.“[63]

Q-Abzeichen an Uniform eines SWAT-Mitglieds beim Empfang des US-Vizepräsidenten in Florida, 30. November 2018.

Im November 2018 empfing ein SWAT-Team den Vizepräsidenten Mike Pence am Flughafen des Broward County in Florida; einer der Uniformierten trug neben dem Symbol seiner Einheit auch ein „Q“-Abzeichen. Nachdem das Büro von Pence eine Fotografie des Empfangs veröffentlichte, wurde der Mann entlassen und disziplinarisch belangt, da die Regeln seines Teams das Tragen solcher Symbole verboten.[64]

QAnon fand zunehmend Anklang in der Republikanischen Partei. Im Mai 2020 gewann die QAnon-Anhängerin Jo Rae Perkins als Kandidatin für das Senatorenamt in Oregon die Vorwahlen.[65] Schon 2017 bezeichnete die Republikanerin Marjorie Taylor Greene in Georgia Q in einem Video als „Patrioten“. Trumps Präsidentschaft biete die einmalige Gelegenheit, „diese globale Bande von Satan-verehrenden Pädophilen“ zu beseitigen.[66] Im August 2020 setzte sich Greene bei Vorwahlen in Georgia als Kandidatin der Republikaner gegen Mitbewerber ihrer Partei durch. Trump gratulierte ihr auf Twitter und nannte sie den „künftigen republikanischen Star“.[67] Nach Angaben des Vereins Media Matters for America stimmten bis August 2020 mehr als 70 Kandidaten für den US-Kongress Teilen der QAnon-Ideologie zu.[8]

Am 17. August 2020 fragte eine Reporterin Trump nach seinem Verhältnis zur QAnon-Bewegung. Er sagte, er wisse nicht viel darüber, habe aber gehört, dass „es Leute sind, die unser Land lieben“: „Wie ich verstehe, mögen sie mich sehr, was ich zu schätzen weiß“. Auf den Hinweis der Reporterin, QAnon-Anhänger glaubten, er rette die Welt „vor einem satanischen Kult aus Pädophilen und Kannibalen“, sagte Trump: „Ich habe das nicht gehört. Aber soll das etwas Schlechtes sein oder etwas Gutes? Wenn ich helfen kann, die Welt vor Problemen zu retten, bin ich bereit dazu.“ Er rette die Welt schon vor „radikaler linker Philosophie“. Trump distanzierte sich weder von der QAnon-Ideologie noch ihren Anhängern. Seine Antwort wurde als Teil seiner Wahlkampfstrategie interpretiert, auch unter extremen Randgruppen und gewaltbereiten Rechtsradikalen um Stimmen zu werben.[68]

Trotz der FBI-Einstufung von QAnon-Anhängern als gefährlichen Extremisten lud Trumps Wahlkampfteam zum Parteitag der Republikaner vom 24. bis 28. August 2020 mehrere QAnon-Anhänger ein.[66] Am 25. August 2020 empfahl die für denselben Tag als Parteitagsrednerin vorgesehene Mary Ann Mendoza ihren Followern auf Twitter einen QAnon-Text, der die antisemitische Verschwörungstheorie eines Weltjudentums vertritt. In dem Text werden die britische Königin Elizabeth II., der frühere US-Präsident Barack Obama, der Milliardär George Soros und „die satanische Hohepriesterin Hillary Diane Rodham Clinton“ als Teil einer Verschwörung der jüdischen Familie Rothschild ausgegeben, um die Nichtjuden ihres Eigentums zu berauben. Ein Großteil des Textes kreist um das antisemitische Pamphlet Protokolle der Weisen von Zion und behauptet faktenwidrig, es sei keine Erfindung. Das herauszustellen sei nicht antisemitisch. Mendoza verwies auf einen Tweet, der dieses Pamphlet lobte und seine Titelseite abbildete. Nach Medienberichten darüber sagte die Parteitagsleitung Mendozas Rede ohne Angabe von Gründen kurzfristig ab. Sie war schon 2016 von Trump zu politischen Auftritten eingeladen worden und vertritt eine besonders strenge Politik gegen Einwanderer, die sie kollektiv als Illegale bezeichnet.[69]

Am 26. August 2020 lud Trump die QAnon-Anhängerin Marjorie Taylor Greene zu seiner Nominierung zur Wiederwahl ins Weiße Haus ein.[66] Im September 2020 retweetete er ein Video, das seinen Gegenkandidaten Joe Biden als Pädophilen darstellte,[22] und erklärte in einem Interview, Biden werde von „dunklen Mächten gesteuert“. Nach einer repräsentativen Meinungsumfrage glaubten im September 2020 ein Drittel der Republikanerwähler an die QAnon-Thesen; weitere 25 Prozent halten Teile davon für wahr.[24]

Dagegen brachte der Republikaner Denver Riggleman am 26. August 2020 eine Resolution im US-Repräsentantenhaus ein, die QAnon verurteilt: Es handele sich um eine gefährliche Bedrohung, die keinen Raum in amerikanischer Politik habe.[66] Nachdem ein Abgeordneter der Demokraten von QAnon-Anhängern Morddrohungen erhielt, stimmten 371 Abgeordnete am 2. Oktober 2020 für diese Resolution. 17 Republikaner stimmten dagegen, darunter Drew Ferguson, Steve King und Paul Gosar.[70]

Am 13. Oktober 2020 teilte Trump eine QAnon-Verschwörungsthese als Tweet: Sein Amtsvorgänger Barack Obama und dessen Vizepräsident Joe Biden hätten den Tod des Terroristen Osama bin Laden vorzutäuschen versucht, dazu ein geheimes Abkommen mit dem Iran getroffen und nach dessen Scheitern die Tötung von Navy Seals angeordnet. Der Tweet verlinkte zudem einen Text, wonach ein Whistleblower der CIA Bidens angebliche Rolle bei der Tötung der Navy Seals aufgedeckt habe. Tatsächlich hatte die US-Army in zwei Untersuchungen festgestellt, dass ein Taliban-Kämpfer 2011 einen Hubschrauber mit 15 Mitgliedern des Navy Seal Team 6 abgeschossen hatte. Die Falschbehauptungen stammten von der verschwörungstheoretischen Website eines bekannten Trump-Anhängers in Texas und wurden von der Trump-freundlichen Epoch Times und von QAnon-Anhängern unterstützt. Twitter sperrte das Konto, dessen Tweet Trump teilte. Sein Retweet wurde jedoch auf den Plattformen Parler und Facebook sofort als Beweis für Bidens angebliche direkte Beteiligung an einem Mordplan gegen das Navy Seal Team 6 weiterverbreitet. Der Faktencheckverein Politifact stellte heraus, dass die Verschwörungsthese in allen Teilen völlig unbelegt ist und schon vielfach widerlegt worden war. Er bewertete sie als reine Lüge.[71] Am 14. Oktober retweetete Trump ein Video, das die Tötung Osama Bin Ladens als Täuschungsaktion darstellt. Der an der Operation Neptune Spear beteiligte Marinesoldat Robert O’Neill trat Trumps Behauptung auf Twitter entgegen: Er wisse genau, dass er keinen Doppelgänger Bin Ladens getötet habe. Er dankte Obama für den damaligen Einsatzbefehl.[72]

Bei einer Fragestunde mit Wählern am 15. Oktober 2020 weigerte sich Trump erneut, sich von QAnon zu distanzieren: Er wisse nichts darüber, nur, dass sie sehr gegen Pädophilie seien.[73] Bis Ende Oktober 2020 verbreitete Trump durch Retweets von mindestens 152 Einzelkonten von QAnon-Anhängern mindestens 265 Mal QAnon-Thesen, besonders oft seit der Covid-19-Pandemie. Zudem verbreiteten Familienangehörige Trumps, sein persönlicher Anwalt Rudolph Giuliani, frühere und aktuelle Kampagnenmitarbeiter und amtierende Mitglieder seiner Regierung QAnon-Inhalte.[74]

Ein QAnon-Anhänger demonstriert in Peoria (Arizona), 25. Oktober 2020. Der auch als „QAnon-Schamane“ bekannte Mann nahm am 6. Januar 2021 in derselben Aufmachung am Sturm auf das Kapitol teil.

Im Wahlkampf bekannte sich Marjorie Taylor Greene zu „Q“, vertrat QAnon-Thesen wie „Kinder sollten keine Masken tragen“ und verbreitete ein Foto, auf dem sie mit einem Sturmgewehr bewaffnet auf die demokratischen Abgeordneten Alexandria Ocasio-Cortez, Ilhan Omar und Rashida Tlaib zielte und konservative Christen ermutigte, „gegen diese Sozialisten, die unser Land zerreißen wollen, in die Offensive zu gehen“. Sie propagierte den Slogan „Rettet Amerika, stoppt den Sozialismus“ und warnte wie Trump vor „Antifa-Terroristen“. Bei den Wahlen vom 3. November 2020 gewann Greene einen Sitz im US-Repräsentantenhaus.[75]

Nach Trumps Wahlniederlage

Seit dem Wahltag am 3. November 2020 postete Q keine Botschaften mehr. Ronald Watkins trat am Wahlabend als 8kun-Administrator zurück. Seit dem 7. November, als Trumps Wahlniederlage rechnerisch feststand, wuchs in der QAnonszene die Verunsicherung, ob Qs jahrelange Vorhersagen („Vertraue dem Plan“) und die eigenen Erwartungen daran sich erfüllen würden. Unabhängig davon verbreiteten QAnon-Anhänger alle möglichen Falschbehauptungen zu einer angeblichen Wahlfälschung. Twitter und Facebook erschwerten deren Verbreitung stärker als bisher und schlossen ganze QAnonkanäle mit hunderttausenden Followern. Experten erwarten daher einen Umzug vieler QAnon-Anhänger auf weniger regulierte Plattformen wie Parler.[76]

Trotz seiner Wahlniederlage erreichte Trump in einigen Bundesstaaten weit größere Wähleranteile als vorherige Wahlumfragen etwa der New York Times erwarten ließen. Eine Studie der University of Southern California zu mehr als 240 Millionen wahlbezogenen, von Juni bis September 2020 geposteten Tweets stellte fest, dass Wahlumfragen sich umso mehr verschätzten, je stärker QAnon-Anhänger in Bundesstaaten aktiv waren. Die Umfragen etwa in Wisconsin, Michigan und Ohio hatten QAnon-Anhänger nicht angemessen erfasst, die wegen ihres Misstrauens gegen die durchführenden Medien nicht daran teilnahmen. Dieses seit langem bekannte und verlässlich messbare Misstrauen müsse daher in künftige Umfragen einbezogen werden.[77]

Am 15. November 2020 demonstrierten nach bundesweiten Aufrufen etwa 10.000 QAnon- und Trumpanhänger vor dem Obersten Gerichtshof der USA gegen einen angeblichen Wahlbetrug, darunter die rechtsextremen Proud Boys, weitere Milizen, Verschwörungsideologen wie Alex Jones und Vertreter der Alt-Right-Bewegung wie Stephen Bannon. Geistliche erklärten Trump zum „letzten Beschützer unserer Zivilisation“. Trump bestärkte die Szene, indem er an der Demonstration in seiner Limousine vorbeifuhr und sich weigerte, Joe Bidens Wahlsieg anzuerkennen.[78]

Trump nahm die QAnon-Vertreterin Sydney Powell in sein Anwälteteam auf, um die Wahlniederlage durch Klagen in wahlentscheidenden Bundesstaaten anzufechten. Powell war seit 2018 durch Retweets von QAnoninhalten, seit 2019 selbst in QAnon-Videos als Verteidigerin des inhaftierten Sicherheitsberaters und früheren Viersternegenerals Michael T. Flynn hervorgetreten. Flynn verwendete einschlägige QAnon-Phrasen und legte mit seiner ganzen Familie öffentlich einen „QAnon-Eid“ ab. Er wurde später von Trump begnadigt. Bei einer Pressekonferenz des Anwälteteams am 19. November 2020 vertrat Powell die auf QAnon-Seiten verbreitete Behauptung, der angebliche Wahlbetrug sei durch Kommunisten in Venezuela, Kuba und China finanziert worden, und endete mit der QAnon-Phrase „stick to the plan“ („Haltet euch an den Plan“). Man werde Trumps Wahlsieg beweisen, „das Chaos aufräumen“ und die USA für die Trumpwähler „zurückholen“. Dies wurde als Aufforderung an die QAnon-Anhänger verstanden, ihre Desinformationskampagnen fortzusetzen und zu steigern. Der von Trump entlassene Direktor der Wahlsicherheitsbehörde (CISA) Chris Krebs kritisierte den Auftritt als „die gefährlichsten und wohl verrücktesten 45 Fernsehminuten der amerikanischen Geschichte.”[79]

Seit Mitte Dezember 2020 drängen QAnon-Anhänger Trump mit dem Hashtag #crosstherubicon, analog zu Julius Caesar einen Bürgerkrieg und eine Militärdiktatur herbeizuführen. Den Hashtag erfand Kelli Ward, Vorsitzende der Republikaner in Arizona. Ronald Watkins, der frühere Chef von 8kun, rief seine Follower am 17. und 18. Dezember auf, den Hashtag zu verbreiten. Er gilt seit Qs Schweigen als Hauptvertreter der QAnon-Bewegung und vertrat auf dem rechtsextremen Kanal One America News Network (OAN) mehrmals falsche Verschwörungsthesen über Wahlmaschinen von Dominion Voting Systems. Michael Flynn erklärte am 17. Dezember in einem Interview mit Newsmax TV, Trump solle das Militär einsetzen, um eine Wahlwiederholung in einigen Bundesstaaten zu erzwingen. Am 18. Dezember traf sich Trump im Oval Office mit Flynn und seiner Anwältin Sydney Powell. Am 20. Dezember behauptete Trump per Tweet, dabei habe man nicht über einen Ausnahmezustand diskutiert; solche Berichte seien Falschmeldungen. Doch das Treffen stärkte die Begeisterung von QAnon-Anhängern für eine Militärregierung. Manche glauben, Trump bleibe nichts anderes übrig als das Kriegsrecht auszurufen, und stützen sich dabei auf Gerüchte, wonach er sich in einem Geheimkrieg mit China auf dem Boden der USA befinde. Der Radiomoderator und Verschwörungsideologe Hal Turner behauptete, China sende über Kanada heimlich Panzer in den Bundesstaat Maine. Ein schwaches Erdbeben, das Anfang Dezember dort registriert wurde, sei Folge von Gegenangriffen Trumps. Verfassungsrichter John Roberts habe seine Kollegen am Supreme Court persönlich bedroht, keine Klage zu angeblicher Wahlfälschung anzunehmen. Tatsächlich haben sich die Richter seit Beginn der Covidpandemie 2020 nicht persönlich getroffen.

Beobachter sehen diese neuen QAnonaktivitäten als besorgniserregende Radikalisierung. Denver Riggleman fürchtet, QAnon-Vertreter wie Ronald Watkins und Michael Flynn schüfen eine „alternative Machtstruktur“, die Menschen in gefährliche und fantastische Glaubenssysteme hineinzwinge. Laut Sozialwissenschaftler Mike Rothschild werden QAnon-Anhänger den Regierungswechsel im Januar 2021 als niederschmetterndes Ereignis erleben und unvorhersehbar reagieren. Denn ihnen sei ein Erdrutschsieg Trumps vorgegaukelt worden, dessen Wahrheit sich mirakulös jeden Moment offenbaren werde.[80]

Am 3. Januar 2021 drängte Trump den Staatsminister Brad Raffensperger in einem einstündigen Telefonat zum Umstoßen des Wahlergebnisses in seinem Bundesstaat Georgia. Dabei stützte er sich auf „Gerüchte“, die „im Internet trenden“, nämlich erfundene, von rechtsextremen Webseiten verbreitete QAnon-Thesen der letzten Monate. Er behauptete etwa, während eines Wasserrohrbruchs habe eine Wahlhelferin tausende gefälschte gegen echte Wahlzettel vertauscht. Das Überwachungsvideo zeigte jedoch nur ein gewöhnliches Ver- und Entpacken bisher ungezählter Wahlzettel; damit hatte der Wahlaufseher die These Anfang Dezember 2020 widerlegt. Doch Trump nannte die Wahlhelferin 18-mal namentlich, bezeichnete sie als „professionelle Stimmenbetrügerin“ und „Straßennutte“ und zitierte einen Hashtag, mit dem QAnon-Anhänger sie gesucht und bedroht hatten. Er behauptete auch, in einem Wahlbezirk seien tausende Wahlzettel verbrannt und geschreddert worden. Die Wahlaufseher in Georgia hätten mit den Demokraten ein „völlig verfassungswidriges Abkommen“ getroffen, Wahlbeobachter vom Prüfen von Signaturen auszuschließen. Die Dominion Voting Systems habe ihre Wahlmaschinen oder deren „innere Teile“ rasch aus Georgia entfernt. Dies hatten vor allem QAnon-Vertreter wie Lin Wood, Ron Watkins und Sydney Powell verbreitet. Alle diese Behauptungen stammten von QAnon-Seiten wie 4chan, 8kun, Newsmax, OAN, Parler und The Gateway Pundit, waren von Trump zuvor mehrmals retweeted, von Faktcheckern aber widerlegt worden. Sobald Trumps Gesprächspartner beim Telefonat eine Verschwörungsthese zurückwiesen, ging er zur nächsten über. Seine Internetquellen bezeichnete er als „Trump-Medien“.[81]

Zum 6. Januar 2021 riefen Trump- und QAnon-Anhänger im Netz zu einem Marsch zur „Rettung Amerikas“ nach Washington D.C. auf, um den dort tagenden Kongress der Vereinigten Staaten zu zwingen, zugunsten Trumps das Wahlergebnis zu annullieren. Auf Facebook, Twitter, YouTube und Webseiten wie TheDonald nahmen Gewaltaufrufe erheblich zu und wurden nicht administrativ entfernt. Trump- und QAnon-Anhänger riefen zur Ermordung von Kongressabgeordneten auf, um den angeblichen Wahlbetrug zu stoppen. Sie forderten etwa: „Fangt zu schießen an, Patrioten. Tötet diese […] Verräter“; „Wir wollen Blut“; Aufrufe, die Kongressführerin Nancy Pelosi zu töten; „Drohungen von Gewalt sind das einzige, was Tyrannen verstehen“. Auf einen Post von Trumps Anwalt Lin Wood reagierten am 5. Januar tausende QAnon-Konten auf Twitter mit Posts, die den Vizepräsidenten Mike Pence als „Verräter“ brandmarkten und bedrohten. Bis zum 6. Januar wurden solche Posts mehr als 128.000 mal retweetet oder beantwortet. QAnon-Anhänger behaupteten, Aktivisten von Black Lives Matter und Antifa planten, Trumpanhänger zu töten; deshalb sollten diese sich für den Independence Day bewaffnen. Aufrufe zur Selbstbewaffnung auch mit in der Hauptstadt illegalen Waffen fanden auf TikTok hunderttausende Zuschauer. Private und öffentliche Facebookgruppen drängten auf Bürgerkrieg, falls Abgeordnete der Demokraten nicht wegen angeblicher Wahlmanipulationen verhaftet würden. Polizeibeamten wurde Zusammenarbeit mit der „Antifa“ unterstellt. Ein Video rief auf, Pfefferspray, Tränengas, Schlagstöcke, Taser und Messer mitzubringen. Eine Facebookseite verlangte, Zwangsmittel zum „Verteidigen der Zivilisation“ vorzubereiten. Eine weitere Seite namens „Red-State Secession“ teilte Adressen von „Feinden“ mit, darunter Kongressabgeordneten.

In seiner Rede vor diesen Anhängern behauptete Trump dann erneut breiten Wahlbetrug, rief zum „Starksein“ und „Loswerden“ von Republikanern auf, die das Wahlergebnis anerkannt hatten, und forderte, den tagenden Kongress unter Druck zu setzen, damit dieser ihm statt Joe Biden den Wahlsieg zusprechen würde. Daraufhin drangen tausende Zuhörer gewaltsam in das Kapitol ein, unterbrachen die Sitzung des Kongresses, der dort gerade das Wahlergebnis bestätigen wollte, bedrohten Abgeordnete, Pressevertreter und anwesende Polizei und verwüsteten Büros. Dies beurteilten Analysten als direkte Folge der jahrelangen Desinformationen aus Trumps Regierung, die eine online-Radikalisierung bei Millionen US-Bürgern bewirkt hätten. Trump selbst habe dies angestiftet und damit die Leben gewählter Kongressabgeordneter und ihrer Mitarbeiter gefährdet. Seine Konten auf Facebook und Twitter müssten sofort geschlossen werden. Diese schlossen Trumps Konten. Auf Parler riefen QAnon-Gruppen und Rechtsextreme daraufhin zum Fortsetzen der Gewalt auf: „Der Krieg beginnt heute.”[82]

Bei dem Einbruch in das Kapitol starben fünf Menschen, darunter die Air-Force-Veteranin Ashley Babbitt. Ihre Internetposts zeigten ihre Radikalisierung zur QAnon-Anhängerin: Seit Februar 2020 sah sie Demokraten als böse Pädophile und lehnte Mundnasenschutz, Ausgangsbeschränkungen und Massenimpfungen gegen COVID-19 strikt ab. Ab November 2020 übernahm und verbreitete sie Trumps Lügen über einen Wahlbetrug und Aufrufe, dem US-Kongress Angst vor dem Volk zu machen. Am 5. Januar 2021 tweetete sie, der Protest am Folgetag werde entscheidend sein für das Land und viele von QAnon erwartete Schlüsselereignisse erfüllen: „Nichts wird uns aufhalten… sie können es versuchen und versuchen und versuchen, aber der Sturm ist da und kommt auf DC hernieder in weniger als 24 Stunden… Finsternis zum Licht!“ Sie gehörte zu den Zuhörern der Rede, in der Trump zum Marsch auf das Kapitol aufrief, und äußerte kurz vor ihrem Tod in einem Facebookvideo: Es sei ergreifend, die Rede des Präsidenten zu sehen. „Wir gehen zum Kapitol in einem Mob. Da ist ein Meer von nichts als rot-weiß-blauen Patrioten.“ Sie gehörte zur Menge, die sich Einlass in das Gebäude erzwang und eine verrammelte Innentür gewaltsam öffnen wollte. Auf deren anderer Seite schützte Wachpersonal Kongressabgeordnete mit gezogenen Schusswaffen. Als sie durch ein zerschmettertes Glasfenster der Tür zu klettern versuchte, schoss ein Wachmann auf sie und tötete sie. Augenzeugen sahen das Verhalten des Mobs als Auslöser des tödlichen Schusses.[83]

Deutschland

In Deutschland knüpfte die QAnon-Bewegung an existierende rechtsextreme Esoterik an. So argumentierte der antisemitische Verschwörungsideologe Jan Udo Holey (Autorenname „Jan van Helsing“) bereits 2018 mit Erzählungen von Q. Darauf verwies der Religionswissenschaftler und evangelische Theologe Matthias Pöhlmann. Er warnte, dass Qs deutsche Anhänger sich auf gefährliche Weise mit Rechtsextremen, Reichsbürgern und rechten Esoterikern vernetzen und teils dieselben Gruppen umfassen.[84]

Während der COVID-19-Pandemie in Deutschland 2020 entstanden zahlreiche deutschsprachige Q-Gruppen im Netz, darunter der Telegramkanal „Qlobal Change“ mit mehr als 120.000 Abonnenten (September 2020).[85] Die Zeitschrift Der Spiegel schätzt die deutsche Anhängerschaft auf mehrere Zehntausend.[4] Nach Recherchen der Süddeutschen Zeitung gehört der Berliner Programmierer Falk O. zu den Hauptfiguren, die die QAnon-Ideologie über Internetforen in Deutschland verbreiten.[86]

Der rechtsextreme Attentäter Tobias R., der beim Anschlag in Hanau 2020 (19. Februar) neun Menschen ermordete, hatte in seinem Bekennervideo von geheimen US-Militärbasen gesprochen, in denen Kinder misshandelt würden. In seinem Pamphlet hatte er Webinhalte von US-Verschwörungstheoretikern verlinkt.[87] Der Sänger Xavier Naidoo veröffentlichte im April 2020 ein emotionales Video, in dem er Adrenochrom als aus Kinderblut gewonnenes Verjüngungsmittel ausgab und behauptete, aktuell würden „in verschiedenen Ländern der Erde Kinder aus den Händen pädophiler Netzwerke befreit“. Der frühere Journalist Oliver Janich verbreitet QAnon-Thesen in Artikeln für rechtsextreme Zeitschriften, auf seinem YouTube-Kanal (121.000 Follower) und seinem Telegram-Kanal (mehr als 73.000 Follower). Ein Video, in dem Janich den Massenmissbrauch von Kindern und deren anstehende Befreiung behauptet, sahen in vier Tagen fast 500.000 Zuschauer.[88]

An den Berliner Protesten gegen Coronamaßnahmen vom 1. und 29. August 2020 nahmen auch QAnon-Anhänger teil. Der „Querdenken“-Initiator Michael Ballweg zitierte dort den QAnon-Slogan „Where We Go One, We Go All.“[24] Das rechtspopulistische Magazin Compact hatte mit einem Q auf dem Cover zur Kundgebung aufgerufen. Viele Demonstranten trugen den Buchstaben Q, das Kürzel WWG1WGA oder das Motiv der Gadsden-Flagge aus dem Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg auf Fahnen und Schildern sowie T-Shirts mit der Aufschrift „Rettet die Kinder“. Ein Träger sagte auf Nachfrage, welche Kinder gemeint seien: „In Deutschland verschwinden jedes Jahr Hunderttausende Kinder, das wissen Sie ja, oder?“[85]

Zu den deutschen Q-Anhängern gehört die Heilpraktikerin Tamara Kirschbaum. Sie war 2019 als Anmelderin der von Rechtsextremen durchsetzten Gelbwesten in Aachen aktiv, arbeitet am Webportal Qlobal Change mit und verbreitet als „die Stimme“ des „X22 Report“ täglich auch ins Deutsche übersetzte QAnon-Themen über ihren Blog, einen YouTube- und einen Telegram-Kanal. Gegen 19:00 Uhr rief sie zum Sturm auf das Reichstagsgebäude auf. Dabei trug sie ein T-Shirt mit QAnon-Symbolen. Sie behauptete, Trump sei in Berlin und die Polizei werde keinen Widerstand mehr leisten. Daraufhin durchbrachen bis zu 400 Personen die Absperrungen, besetzten die Treppe und versuchten ins Gebäude einzudringen, darunter Reichsbürger mit Schwarz-Weiß-Rot-Flaggen. Auch Kirschbaum gehört laut Verfassungsschutz Nordrhein-Westfalen zur Reichsbürgerszene. Die Gebäudebesetzung war zuvor in Chatgruppen und auf der Demonstration selbst gefordert worden.[89]

QAnon-Anhänger nahmen an einer „Querdenker“-Demonstration von rund 30.000 Menschen am 9. November 2020 in Leipzig teil. Einen Programmierer aus Berlin, der sich im Netz Internet Resignation Anon nannte, enttarnten NDR, WDR und Süddeutsche Zeitung (SZ) durch gemeinsame Recherchen. Er erstellte zunächst deutschsprachige Webseiten, auf denen er QDrops sammelte und übersetzte. Diese ließ er dann durch rechte Influencer verbreiten. Später verbreitete er sie über einen eigenen Telegramkanal per Livestreams. Nach den Berichten über ihn erhielt ein großer deutscher Telegramkanal von QAnon 7.000 neue Follower.[90]

Rezeption

Wissenschaft

Die zentralen QAnon-Thesen sind frei erfunden, ähneln aber den seit der Antike bekannten Ritualmordlegenden, die im christlichen Antijudaismus seit dem Hochmittelalter und später im Antisemitismus gegen Juden und Häretiker erfunden und verbreitet wurden: Geheimzirkel träfen sich nachts für finstere Pläne gegen die Mehrheitsgesellschaft und beteiligten sich an rituellem Missbrauch, Folter und/oder Mord an Unschuldigen, meist Kindern. Der Historiker Norman Cohn prägte für derartige Legenden den Begriff Nocturnal Ritual Fantasy („Nächtliche Ritualfantasie“). Der Historiker Michael Barbezat und der Extremismusexperte Chip Berlet stufen Pizzagate und QAnon als aktuelle Varianten dieser Legenden ein. Ihre Funktion bestehe wie bei ihren historischen Vorläufern darin, die vermeintlichen Kindesmörder mit einer „kodierten Rhetorik“ zu dämonisieren, zu Gewalt gegen sie anzustiften und jedes Gewaltmittel gegen sie bis hin zu Massenmord zu rechtfertigen.[91]

Sozialwissenschaftler sehen bei QAnon Züge einer Religion und eines Kultes. Es gebe für die Gläubigen einen Propheten, Q, und eine gottgleiche Figur, Trump. Sie folgten zentralen Glaubenssätzen wie, dass Trump einen Heiligen Krieg gegen eine Geheimelite von Pädophilen innerhalb der Regierung führe. Das Konsumieren von YouTubevideos und Ausdeuten von QDrops sei ihre Religionsausübung. Ihr zentraler Slogan „Where we go one, we go all“ ähnele einem Kreuzzug-Aufruf. QAnon habe die Funktion eines Dachs angenommen, unter dem altbekannte Verschwörungstheorien zu den Illuminati und andere wiederbelebt und zusammengeführt würden. Laut Michael Barbezat dienten diese Legenden historisch immer zur Unterdrückung einer unliebsamen Minderheit und wirkten mörderisch, wenn politische Machthaber sie übernahmen und (oft aus anderen Motiven als die Urheber der Legenden) für ihre Zwecke benutzten und die vermeintlichen rituellen Kindesmörder verfolgten.[92]

Auch laut der Extremismusforscherin Julia Ebner knüpft QAnon an die alten antisemitischen Ritualmordlegenden an, wonach Juden das Blut von Christen trinken und die Weltherrschaft anstreben. Ebner schätzt QAnon als potentielle Gefahr für die nationale Sicherheit ein und verweist auf besonders gefährliche Faktoren: Die QAnon-Ideologie sei in kurzer Zeit aus Nischen im Internet mit Hilfe von Trumpanhängern und Rechtsextremen ins reale Leben vorgedrungen. Ihre Anhänger zeigten dort bereits ihr Gewalt- und Mordpotential. Weil sie nicht mehr für Argumente erreichbar seien, wirke ihre Bewegung demokratiezersetzend.[93] Der Religionswissenschaftler Michael Blume sieht QAnon als Neuauflage des im Hexenhammer von 1486 beschriebenen Verschwörungsmythos, wonach Juden und Hexen beim „Hexensabbat“ christliche Kinder töten, um aus ihrem Blut Hexensalbe herzustellen.[94]

Die Politikwissenschaftler Nancy L. Rosenblum und Russell Muirhead beschreiben QAnon als „eine Verschwörung, die so verwickelt ist, dass sie beinahe jeder Beschreibung trotzt“. Der Verbreitungsprozess der QDrops imitiere Zusammenarbeit und Peer Review: Eine These werde gepostet und akzeptiert, wenn andere sie wiederholen und darauf aufbauen. Die bloße Versicherung werde durch Bestätigung einer Masse bekräftigt: Dies kennzeichne heutige netzbasierte Verschwörungsideologien. QAnon sei ein „Kampfname der bizarrsten verschwörungsideologischen politischen Narrative“, die anders als klassische Verschwörungstheorien gänzlich auf Belege und Indizien verzichten und sich nur auf Behauptungen und insinuierende Fragen stützen. Sie erheben einen Besitzanspruch auf die Realität, der nicht durch Fakten, sondern nur durch Wiederholung und Zustimmung scheinbar verifiziert werde. Wenn dieser Angriff auf den gesunden Menschenverstand in Parteipolitik und Wahlkämpfe eindringe, bestehe Grund zur Sorge. Dagegen komme es darauf an, den gesunden Menschenverstand (im Sinne Thomas Paines) zum Schutz der Demokratie zu stärken.[6]

Michael Blume sagte im Oktober 2020 voraus, die QAnon-Bewegung werde nach der Präsidentschaftswahl in den USA zerfallen. Die restlichen Anhänger würden sich radikalisieren; aus ihren Reihen könne weitere Gewalt hervorgehen. Sie werde wie die meisten Verschwörungsmythen beim Antisemitismus landen, also Juden mit der fiktiven weltbeherrschenden Elite gleichsetzen. Auch Gebildete seien für diese Mythen und die dazugehörige „Tyrannophilie“ anfällig, die Sehnsucht nach einem befreienden Erlöser, wie gerade die deutsche Geschichte gezeigt habe. Auch gegenwärtig komme der verschwörungsideologische Antisemitismus aus der Mitte der Gesellschaft. Die „Digitalsekte“ QAnon sei gefährlich, weil sie als Mitmachspiel konzipiert sei. Die Beteiligten verknüpften ihre eigenen Verschwörungsmythen mit Qs Thesen, verbreiteten sie über verschiedene Plattformen und immunisierten ihren Glauben so gegen jede Widerlegung, selbst dann, wenn Qs Vorhersagen sich als falsch herausstellten. Dass diese Ideologie auch in Deutschland und anderen Staaten Europas sowie Brasilien und der Türkei viele Anhänger finde, spreche für die These von der Tyrannophilie: „Das ist die Verschwörungsunterseite der Globalisierung“, die durch die Klimakrise noch heftiger werden dürfte.[95]

Laut dem Verschwörungsforscher Timothy Melley kennen viele US-Bürger die Einzelelemente der QAnon-Ideologie (drops) gut und verfolgen sie wie einen „Detektivroman, bei dem man der Wahrheit immer näher kommt“. Indem Q seine Anhänger mit bread crumbs (Brotkrumen) füttere, denen sie zum Ziel folgen müssten, wachse das Narrativ der Elitenverschwörung fast von allein. Indem er seinen Followern, die den Medien nicht vertrauten, den Auftrag zum eigenen Recherchieren gebe, mache er aus ihnen scheinbar Forscher und Rechercheure. Der Drang, an einer Enthüllung teilzuhaben, lasse sie weitermachen, obwohl Q nie Beweise liefere. Das mache diese Ideologie so attraktiv. Sie mische den altbekannten Glauben, dass die Illuminaten oder andere Geheimzirkel die Welt beherrschten, mit der Hypothese eines Staates im Staat, der heimlich die Geschicke des Volkes lenke. Somit reduziere sie wie alle Verschwörungstheorien Machtstrukturen und komplexe soziale Vorgänge auf ein Komplott.[4]

Die Kampagne „SavetheChildren“ ist für die Kommunikationsforscher Whitney Phillips und Ryan Milner eine Methode, QAnon vom extremen Rand in die Mitte der Gesellschaft zu bringen.[96] Für die Politikwissenschaftlerin Sara Kamali knüpft QAnons Theorie eines „tiefen Staates“ an die seit etwa 1990 verbreitete Verschwörungstheorie der „Neuen Weltordnung“ (NWO) an und setzt deren missionarisches Feindbild fort: „Wir retten die Welt von der Philosophie der radikalen Linken, die dieses Land zerstören wird.“[97]

Der Politikwissenschaftler und Antiterrorexperte Peter R. Neumann erwartet, dass die QAnon-Bewegung nach dem Ende der Präsidentschaft Trumps zwar schrumpfen, aber die von ihr ausgehende Terrorgefahr erheblich wachsen werde. Denn mit Trumps Abtritt und dem gescheiterten Putschversuch vom 6. Januar 2021 gehe es für QAnon-Anhänger nun „um’s Ganze“. Die Kontrolle der Demokraten über die Exekutive und die absehbar verschärfte Strafverfolgung werde ihre Gewaltbereitschaft erhöhen. Zudem würden sie den Tod der beim Sturm auf das Kapitol erschossenen QAnon-Anhängerin zu rächen versuchen. Auch bei nur einem Prozent Gewaltbereiter unter einer Million QAnon-Unterstützer übertreffe die Zahl von rund 10.000 Gefährdern die von Dschihadisten bei weitem. Zudem seien sie schwer bewaffnet, vielfach in Bürgermilizen aktiv und hätten viel breitere Unterstützung in der Bevölkerung, auch unter Abgeordneten der Republikaner, bei Finanziers und in Militär und Polizei. Neumann verwies auf aktuelle Umfragen, wonach 20 Prozent der Republikaner für den Sturm aufs Kapitol Verständnis zeigten, und auf Berichte über Soldaten und Polizisten unter den Teilnehmern des Putschversuchs. QAnon und andere Rechtsextreme hätten Militär und Polizei seit Jahren aktiv unterwandert. Die US-Regierungen hätten die Mittel zur Bekämpfung des Rechtsextremismus in den letzten Jahren massiv gekürzt; in den Staatsbehörden fehle es an Wissen und Personal dafür. Daher sei der Sturm aufs Kapitol eher der Beginn einer jahrelangen massiven terroristischen Bedrohung.[98]

Medien

Laut The Washington Post übernimmt Q ein „jahrhundertealtes antisemitisches Muster eines internationalen Bankenkomplotts,“ indem er der Familie Rothschild die Finanzierung einer globalen Verschwörung unterstelle.[26] Nach Einschätzung der Nachrichtenagentur Jewish Telegraphic Agency sind Qs Theorien zwar nicht spezifisch antisemitisch, greifen jedoch sowohl historische als auch aktuelle antisemitische Verschwörungstheorien auf.[99] Chip Berlet verwies darauf, dass praktisch jede im westlichen Kulturkreis verbreitete Verschwörungstheorie das Element der Entführung von Kindern durch Juden enthalte. Die Geschichten über sexuellen Missbrauch von Kindern durch Globalisten seien nicht weit entfernt von den mittelalterlichen Ritualmordlegenden, wonach Juden das Blut von Kindern zum Herstellen von Matzen bräuchten.[100]

Weil mittlerweile tausende Amerikaner Qs „Heilsbotschaft“ verbreiten und eine Art kosmischen Endkampf zwischen Gut und Böse erwarten, spricht die amerikanische Zeitschrift The Atlantic von einer neuen amerikanischen Religion.[101] Manfred Dworschak attestierte den QAnon-Anhängern im Spiegel Züge einer Sekte: Angeboten werde ein starkes Gemeinschaftserlebnis, das sich etwa im Motto WWG1WGA zeige. Zudem verlange QAnon seinen Anhängern viel ab, was religionssoziologisch den Zusammenhalt einer Gruppe stärkt und deren Langlebigkeit ermöglicht. Zudem werde eine konkrete Erlösung der als apokalyptisch böse geschilderten Welt durch den als Retter dargestellten US-Präsidenten angeboten. All das mache QAnon attraktiv.[102]

Auf dem Trump-freundlichen Sender Fox News und auf Russia Today (RT) wurde wiederholt über QAnon berichtet.[103] Die Verschwörungstheorien von QAnon wurden von Alex Jones und Jerome Corsi weiterverbreitet.[3] Right Wing Watch meldete im Mai 2018, dass Jones and Corsi ihre Unterstützung eingestellt hätten, da die Quelle „völlig kompromittiert“ sei.[104]

Am 28. Juni 2018 führte die Zeitschrift Time den anonymen Q als eine der 25 einflussreichsten Personen im Internet auf. Sie berief sich auf über 130.000 Diskussionsvideos auf Youtube, das breite Spektrum der von ihm vertretenen Verschwörungstheorien, die breite Berichterstattung und seine prominenten Follower.[105]

CNET schrieb, QAnon biete ein Umfeld, das verschwörungstheoretisches Denken willkommen heiße und die Stichworte liefere, um entsprechende Bilder zu zeichnen. Trump werde als Held dargestellt, der einen Kreuzzug gegen den „Deep State“ und die tief eingegrabenen Bürokraten führe, die für alle Übel verantwortlich seien, die die Welt plagten.[106] Ein wissenschaftlicher Mitarbeiter der Syracuse University sagte, während man bei den Mitgliedern hergebrachter proselytierender Organisationen wie den Mormonen davon ausgehen könne, dass diese davon überzeugt seien, das Richtige zu tun, gebe es keine Gewähr dafür, dass die Verbreiter von QAnons Behauptungen tatsächlich an das glaubten, was sie verkauften.[107]

Andere Medien wiesen darauf hin, dass die von QAnon erzeugte öffentliche Hysterie objektiv Menschenleben gefährde.[23] Das Magazin „Wired“ schrieb, aus dem vermuteten Umfeld, das hinter QAnon stehe, kämen auch die Drohungen gegen Christine Blasey Ford, die diese zwangen, mit ihrer Familie unterzutauchen. Im Hinblick auf die konzertierten Drohungs- und Einschüchterungskampagnen dieses Netzwerks sei es gerechtfertigt, von einer Form des Terrors zu sprechen.[21]

Der Journalist Isaac Stanley-Becker bezeichnete die Anhängerschaft QAnons als eine „geistesgestörte Verschwörungssekte“.[27]

Patricia Zhubi und Alexander Reid Ross analysierten QAnon im Zusammenhang mit anderen rechtsradikalen Online-Netzwerken. Der Täter des Anschlags in Hanau 2020 habe sie intensiv rezipiert und sie hätten ihn in seinen Obsessionen bestärkt.[108]

Laut dem Spiegel hat der deutschsprachige QAnon-Kanal auf Telegram (Stand September 2020) mehr als 120.000 Abonnenten.[9] Die Zeitschrift bezeichnete die Inhalte von QAnon als „jahrhundertealte Fiktionen vom rechten, antisemitischen Rand, die mit den Mitteln des 21. Jahrhunderts ins Netz und damit in die Weltöffentlichkeit gepusht werden“, sowie als „Mischung aus Dreyfus-Affäre und Dan Brown“.[4]

Internet

Anonymous kündigte 2018 an, die Personen hinter QAnon aufzudecken.[109]

Am 14. März 2018 schloss der Social-News-Aggregator Reddit das QAnon-Forum „CBTS-Stream“, weil dort wiederholt zu Gewalt aufgerufen und persönliche und vertrauliche Daten verbreitet worden waren.[110] Daraufhin wanderten Teilnehmer zu Discord ab.[111] Am 12. September 2018 sperrte Reddit auch das Nachfolgeforum „greatawakening“ mitsamt gleichartigen Foren, ebenfalls wegen Anstiftung zu Gewalt, Belästigung und Weitergabe persönlicher Daten. Am Tag zuvor hatte The New York Times ausführlich über jene Foren berichtet.[112]

Im Juli 2020 kündigte Twitter an, Konten zu sperren, die QAnon-Inhalte verbreiten, weil diese gegen die Richtlinien des Unternehmens verstießen. Von solchen Konten aus seien in letzter Zeit Menschen in koordinierter Weise drangsaliert worden, die Botschaften hätten „Schäden im wirklichen Leben“ verursacht. Insgesamt gehe es um etwa 150.000 Konten, 7.000 seien bereits gesperrt.[113]

Bis zum 16. Oktober 2020 entfernte YouTube nach Eigenangaben zehntausende QAnon-Videos und sperrte von QAnon-Anhängern genutzte Kanäle, darunter Gewaltdrohungen oder Leugnungen von Gewalttaten. Zudem kündigte die Plattform an, ihre Richtlinien auszuweiten, um Verschwörungstheorien zu Einzelpersonen und/oder Gruppen zu verbieten.[114]

Im September 2020 kündigte Mark Zuckerberg an, Facebook werde vor den US-Präsidentschaftswahlen 2020 gegen tausende „Milizen, Verschwörungsnetzwerke wie QAnon und andere Gruppen, die nach den Wahlen zur Organisation von Gewalt oder Unruhen genutzt werden könnten“, vorgehen. Bis dahin hatte Facebook fast 800 QAnon-Gruppen gesperrt, die größte mit mehr als 200.000 Mitgliedern.[9] Für mehr als 10.000 Instagram-Konten, 440 Facebookseiten und fast 2000 Facebookgruppen wurden Restriktionen verhängt, die die Reichweite von QAnon-Inhalten beschränken sollen, und mehr als 300 Hashtags mit QAnon-Bezug blockiert. Die Extremismusforscherin Julia Ebner hielt die Aktionen jedoch nicht für wirksam, da Facebook viel zu spät reagiert habe.[4] Am 7. Oktober 2020 kündigten Facebook und Instagram an, künftig alle Seiten und Gruppen der QAnon-Bewegung und alle Instagramkonten mit Verbindungen zu QAnon zu löschen, auch wenn sie keinen gewalttätigen Inhalt hätten.[115] Hintergrund war ein Anzeigenboykott vieler Unternehmen, durch den Facebook starke Einkommensverluste erlitt.[116]

Im Internet bildeten sich mehrere Websites, auf denen sich Freunde, Bekannte oder Angehörige von QAnon-Anhängern austauschen. Die Gruppe „QAnon Casualties“ bei Reddit hatte bis September 2020 mehr als 24.000 Mitglieder.[9]

Literatur

  • Adrienne LaFrance: The Prophecies of Q. In: Writers of The Atlantic: The American Crisis: What Went Wrong. How We Recover. Simon & Schuster, London 2020, ISBN 978-1-982157-05-0, S. 71–79
  • Gabriele Cosentino: From Pizzagate to the Great Replacement. In: Gabriele Cosentino (Hrsg.): Social Media and the Post-Truth World Order: The Global Dynamics of Disinformation. Springer VS, Wiesbaden 2020, ISBN 978-3-030-43005-4, S. 63–73

Weblinks

Commons: QAnon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Rudi Grande: Wer oder was ist QAnon? In: Deutscher Kinderverein. Deutscher Kinderverein, 1. Oktober 2020, abgerufen am 14. Januar 2021 (deutsch).
  2. Brandy Zadrozny, Ben Collins: How three conspiracy theorists took 'Q' and sparked Qanon. NBC News, 14. August 2018.
  3. a b c d Michael Edison Hayden: How 'the Storm' Became the Biggest Fake News Story of 2018. Newsweek, 1. Februar 2018.
  4. a b c d e f g Patrick Beuth et al.: QAnon und seine deutschen Anhänger: Der gefährlichste Kult unserer Zeit. Spiegel, 18. September 2020.
  5. AJ Vicens, Ali Breland: QAnon Is Supposed to Be All About Protecting Kids. Its Primary Enabler Appears to Have Hosted Child Porn Domains. Mother Jones, 29. Oktober 2020.
  6. a b c Nancy L. Rosenblum, Russell Muirhead: A Lot of People Are Saying. The New Conspiracism and the Assault on Democracy. Princeton University Press, Princeton 2019, ISBN 978-0-691-20225-9, S. 132–135.
  7. Daniel C. Schmidt et al.: QAnon: Der gefährlichste Kult unserer Zeit. Spiegel, 20. September 2020.
  8. a b Ari Sen, Brandy Zadrozny: QAnon groups have millions of members on Facebook, documents show. NBC News, 10. August 2020.
  9. a b c d Facebook stemmt sich gegen mögliches Wahl-Chaos in den USA. Spiegel Online, 3. September 2020.
  10. Simon Hurtz: App verbreitet Verschwörungstheorien – und schafft es in die Top 10. SZ, 17. Juli 2018; Ben Collins, Brandy Zadrozny: Apple, Google cashed in on Pizzagate-offshoot conspiracy app. NBC, 16. Juli 2018.
  11. Qdrops: Apple wirft populäre Verschwörungs-App aus dem Store. Der Standard, 20. Juli 2018.
  12. qdrops – Android-Apps auf Google Play. Abgerufen am 15. Januar 2021.
  13. Alex Woodward: Trump and QAnon: One fifth of president’s supporters believe conspiracy theory, poll reveals. The Independent, 27. Oktober 2020.
  14. Randall Colburn: There's a new, insane conspiracy theory tearing up 4chan. AV Club, 19. Dezember 2017.
  15. Christian Zaschke: Die wirre Welt der Verschwörungstheoretiker. Süddeutsche Zeitung (SZ), 7. August 2018.
  16. Paris Martineau: The Storm Is the New Pizzagate – Only Worse. Intelligencer, 19. Dezember 2017.
  17. Justin Bank, Liam Stack, Daniel Victor: What Is QAnon: Explaining the Internet Conspiracy Theory That Showed Up at a Trump Rally. The New York Times, 1. August 2018.
  18. Mike Rothschild: Who is Q Anon, the internet's most mysterious poster? The Daily Dot, 29. Mai 2018.
  19. a b Ryan Broderick: People Think This Whole QAnon Conspiracy Theory Is A Prank On Trump Supporters. BuzzFeed, 8. Juni 2018.
  20. Jörg Häntzschel: Die Verschwörung hinter der Verschwörung. SZ, 9. August 2018.
  21. a b Molly McKew: Brett Kavanaugh and the Information Terrorists Trying to Reshape America. Wired, 18. März 2018.
  22. a b Chris Francescani: The men behind QAnon. ABC News, 22. September 2020.
  23. a b c Ellie Hall: What Is QAnon? Here's What You Need To Know About The Baseless Mega-Conspiracy Theory. In: BuzzFeed. 2. August 2018.
  24. a b c d Sebastian Leber: Die gefährlichen Lügen des QAnon: Ein Verschwörungsglaube geht um die Welt. Tagesspiegel, 6. September 2020.
  25. Justin Caffier: A Guide to QAnon, the New King of Right-Wing Conspiracy Theories. Vice, 12. Juni 2018.
  26. a b Erick Trickey: Fact-checking QAnon conspiracy theories: Did J.P. Morgan sink the Titanic? Washington Post, 4. August 2018.
  27. a b c Isaac Stanley-Becker: QAnon: A deranged conspiracy cult leaps from the Internet to the crowd at Trump’s ‘MAGA’ tour. In: Washington Post. 1. August 2018.
  28. Marc Pitzke: Trumps Trolle zeigen sich. In: Der Spiegel. 3. August 2018.
  29. Sebastian Kempkens: Verschwörungstheorien: Das große Komplott. Die Zeit, 14. Mai 2020 (kostenpflichtig).
  30. Elise Thomas und Albert Zhang: ID2020, Bill Gates and the Mark of the Beast. How Covid-19catalyses existing online conspiracy movements. Australian Strategic Policy Institute, Januar 2020, Zugriff am 11. Oktober 2020.
  31. Was bedeutet WWG1WGA ? auf bedeutung-online.de, abgerufen am 6. Januar 2021.
  32. Patrick Gensing, Wulf Rohwedder: Verschwörungsanhänger: Was ist QAnon? Tagesschau.de, 4. August 2020.
  33. Amanda Seitz: QAnon’s ‘Save the Children’ morphs into popular slogan. AP News, 28. Oktober 2020.
  34. Eden Gillespie: ‘Trust the plan’: QAnon followers react to Trump’s defeat. SBS.au, 11. November 2020.
  35. Ishmael N. Daro: Claims Of A 'Child Sex Camp' In Arizona Are Fueling The Latest Conspiracy Theory. BuzzFeed, 6. Juni 2018.
  36. Andy Campbell: The QAnon Conspiracy Has Stumbled Into Real Life, And It’s Not Going To End Well. Huffington Post, 24. Juli 2018.
  37. Henderson man who parked armored vehicle near Hoover Dam indicted. Las Vegas Review-Journal, 22. Juni 2018.
  38. Bill Morlin: Terrorism suspect makes reference to extremist conspiracies. Southern Poverty Law Center, 20. Juli 2018; Henry Brean: Suspect in Hoover Dam standoff writes Trump, cites conspiracy in letters. Las Vegas Review-Journal, 13. Juli 2018.
  39. Justin Bank, Liam Stack, Victor Daniel: What Is QAnon: Explaining the Internet Conspiracy Theory That Showed Up at a Trump Rally. The New York Times, 1. August 2018.
  40. Will Sommer: Avenatti Targeted in Person by QAnon, the Crazy Pro-Trump Conspiracy Theory. The Daily Beast, 30. März 2018.
  41. Sebastian Murdock: California Wildfire Suspect Posted About QAnon, Other Conspiracies. Huffpost, 10. August 2018.
  42. Gene Park: Conspiracy theorists misidentify Minnesota Reddit user as Madden shooter. Washington Post / Benmidji Pioneer, 28. August 2018.
  43. Meghan Keneally, Aaron Katersky: Man who shot mob boss Francesco 'Franky Boy' Cali believed in QAnon, thought he had Trump's 'full support': Court docs. ABC News, 22. Juli 2019.
  44. Jana Winter: Exclusive: FBI document warns conspiracy theories are a new domestic terrorism threat. Yahoo News, 1. August 2019.
  45. Lois Beckett: QAnon: a timeline of violence linked to the conspiracy theory. Guardian, 16. Oktober 2020.
  46. Jason Hanna, Rob Frehse, Sonia Moghe: Armed men arrested in Philadelphia may have believed fake ballots were being counted, Philadelphia DA Office says. CNN, 7. November 2020.
  47. Will Sommer, Pilar Melendez: Disinformation: ‘Backbone of the #MAGA Movement’: Armed Man Busted Near Philly Vote Center Is ‘Vets for Trump’ Founder. The Daily Beast, 6. November 2020.
  48. Kelly Weill: Roseanne Keeps Promoting QAnon, the Pro-Trump Conspiracy Theory That Makes Pizzagate Look Tame. The Daily Beast, 30. März 2018.
  49. Devan Cole: Roseanne tweets support of Trump conspiracy theory, confuses Twitter. CNN, 31. März 2018; David Weigel: Analysis: The conspiracy theory behind a curious Roseanne Barr tweet, explained. Washington Post, 31. März 2018.
  50. Tohn Bowden: Roseanne Barr faces backlash over Trump conspiracy theory tweet. The Hill, 31. März 2018.
  51. Miranda Blue: Operation Rescue Hypes QAnon ‘Blockbuster Intel Drop’ About Planned Parenthood. Right Wing Watch, 15. März 2018; Cheryl Sullenger: Blockbuster Intel Drop Reveals Trump is Trying to “End” Planned Parenthood – Twitter Attempts Censorship. Operation Rescue, 13. März 2018.
  52. Oliver Darcy: Curt Schilling shares photo on Twitter suggesting journalists be lynched, calls it 'awesome'. Business Insider, 8. November 2016.
  53. Will Sommer: Curt Schilling Backs Pro-Trump ‘QAnon’ Conspiracy Theory. Daily Beast, 27. Juni 2018 (anmeldepflichtig).
  54. Anna North: How #SaveTheChildren is pulling American moms into QAnon. Vox, 18. September 2020.
  55. William March: Conspiracy theorist QAnon promoted, then deleted, by Hillsborough County GOP. Tampa Bay Times, 16. Juli 2018; Jacqueline Thomsen: Florida county GOP promoted, then deleted, conspiracy theory on Twitter. The Hill, 18. Juli 2018.
  56. Tom Porter: What Is QAnon? Conspiracy Theorists Showed Up to Support Trump at Tampa Rally. Newsweek, 1. August 2018.
  57. Tom Embury-Dennis: Trump supporters filmed hurling sustained abuse at journalists following 'Make America Great Again' rally. The Independent, 1. August 2018.
  58. Chris Cillizza: QAnon is the one conspiracy theory to rule them all. CNN, 1. August 2018.
  59. Bob Fredericks: Sanders denounces media hecklers at Trump rally – then slams the media. New York Post, 1. August 2018.
  60. Hallie Jackson: Who is 'QAnon'? Bizarre conspiracy cult leaps from web to Trump rally. MSNBC, 1. August 2018; Brian Williams: What does the conspiracy group QAnon have to do with Trump? MSNBC, 2. August 2018; Chris Hayes: What is QAnon? MSNBC, 1. August 2018.
  61. How the false, fringe 'QAnon' conspiracy theory aims to protect Trump. PBS Newshour, 1. August 2018.
  62. Nathan Francis: Sean Spicer Just Sparked A Civil War Among Reddit’s Trump-Loving Corners By Saying That QAnon Is Fake. The Inquisitr, 4. August 2018.
  63. Asawin Suebsaeng, Will Sommer: Trump Meets QAnon Kook Who Believes Democrats Run Pedophile Cult. The Daily Beast, 24. August 2018.
  64. Howard Altman: Double trouble for Broward deputy: One patch for QAnon conspiracy, another for his SWAT team. Tampa Bay Times, 4. Dezember 2018.
  65. G.O.P. Voters Back QAnon Conspiracy Promoter for U.S. Senate. New York Times, 21. Mai 2020.
  66. a b c d Charles Davis: Trump invites 'QAnon' conspiracy theorist to RNC speech, while members of Congress introduce resolution condemning the anonymous hoax. Businessinsider, 26. August 2020.
  67. Martin Kilian: Von Parteikollegen bekämpft: Trump sieht Rassistin als «künftigen republikanischen Star». Basler Zeitung, 13. August 2020.
  68. Trump über QAnon-Verschwörungstheoretiker: „Sie mögen mich offensichtlich“. Spiegel Online, 20. August 2020.
  69. Ian Millhiser: The RNC yanked a speaker who promoted an anti-Semitic conspiracy theory. Vox.com, 25. August 2020.
  70. Catie Edmondson: 17 Republicans decline to condemn QAnon as the House votes to reject its conspiracy theories. New York Times, 2. Oktober 2020.
  71. Daniel Funke: Trump retweets Benghazi conspiracy theory that falsely claims Biden, Obama killed Navy SEALs. PolitiFact, 14. Oktober 2020.
  72. Ellen Mitchell: Navy SEAL who says he killed bin Laden pushes back after Trump amplifies unfounded claims operation was a hoax. The Hill, 14. Oktober 2020.
  73. Chris Cillizza: Donald Trump's new low on QAnon. CNN, 16. Oktober 2020.
  74. Alex Kaplan: Trump has repeatedly amplified QAnon Twitter accounts. The FBI has linked the conspiracy theory to domestic terror. Mediamatters.org, 30. Oktober 2020.
  75. Tanja Tricarico: Wahlen in den USA: QAnon jetzt im Repräsentantenhaus. taz, 5. November 2020.
  76. William Turton: What Happens to QAnon After Trump? Bloomberg, 11. November 2020.
  77. Cade Metz: Study Considers a Link Between QAnon and Polling Errors. New York Times, 6. November 2020.
  78. Roland Peters: „Scheiß auf eure Gefühle“: So oder so, Trump bleibt ihr Präsident. N-tv, 15. November 2020.
  79. David Gilbert: Trump’s Lawyer Sidney Powell Is Hardcore QAnon. Vice, 20. November 2020.
  80. Ben Collins: As Trump meets with QAnon influencers, the conspiracy's adherents beg for dictatorship. NBC, 22. Dezember 2020.
  81. Ben Collins, Brandy Zadrozny, Jane C. Timm: Trump pushed QAnon and 4chan-created conspiracy theories in Georgia call. NBC, 4. Januar 2021; Aaron Mak: Where the President Got His Lies About Georgia. Slate, 4. Januar 2021.
  82. Jessica Guynn: „Burn down DC“: Violence that erupted at Capitol was incited by pro-Trump mob on social media. USA Today, 7. Januar 2021.
  83. Lois Beckett, Vivian Ho: „She was deep into it“: Ashli Babbitt, killed in Capitol riot, was devoted conspiracy theorist. Guardian, 9. Januar 2021.
  84. Silke Weber: Matthias Pöhlmann: „QAnon wächst in Deutschland rasant“. Zeit Online, 9. September 2020.
  85. a b QAnon: Warum Menschen an die bizarre Verschwörungstheorie glauben. t3n.de, 8. September 2020.
  86. Lena Kampf, Hannes Munzinger: QAnon: Der brave Anon. SZ, 26. Oktober 2020 (kostenpflichtig).
  87. Jörg Köpke, Jan Sternberg: Terror in Hanau: Die kranke rassistische Gedankenwelt des Tobias R. RND, 20. Februar 2020.
  88. “QAnon” – der Aufstieg einer gefährlichen Verschwörungstheorie. RND, 7. April 2020.
  89. Maike Baumgärtner et al.: Chats zeigen Planung des „Sturms auf den Reichstag“: „Für so was braucht man Waffen“. Spiegel, 3. September 2020.
  90. Caroline Schmidt: QAnon: Eine Recherche führt nach Berlin. NDR, 11. November 2020.
  91. Anna Merlan: Republic of Lies: American Conspiracy Theorists and Their Surprising Rise to Power. Arrow, 2020, ISBN 1-78746-020-7, S. 69.
  92. Talia Lavin: QAnon, Blood Libel, and the Satanic Panic. New Republic, 29. September 2020.
  93. Julia Ebner: Radikalisierungsmaschinen: Wie Extremisten die neuen Technologien nutzen und uns manipulieren. Suhrkamp, Frankfurt am Main 2019, ISBN 978-3-518-76322-3.
  94. Michael Blume: Verschwörungsmythen. Woher sie kommen, was sie anrichten, wie wir ihnen begegnen können. Patmos, Ostfildern 2020, S. 113.
  95. Hubertus Volmer: Interview mit Michael Blume: „Verschwörungsmythen sind immer gefährlich“. N-tv, 18. Oktober 2020.
  96. Whitney Phillips, Ryan M. Milner: You Are Here: A Field Guide for Navigating Polarized Speech, Conspiracy Theories, and Our Polluted Media Landscape. MIT Press, 2021, ISBN 0-262-53991-8.
  97. Sara Kamali: Homegrown Hate: Why White Nationalists and Militant Islamists Are Waging War Against the United States. University of California Press, 2021, ISBN 0-520-36002-8, S. 66 f.
  98. Peter R. Neumann: Sturm aufs Kapitol: Die gefährlichste Bewegung unserer Zeit. Spiegel, 10. Januar 2021.
  99. Charles Dunst: Is the Q-Anon conspiracy theory antisemitic? JTA / Jerusalem Post, 5. August 2018.
  100. Is QAnon, the Latest pro-Trump Conspiracy Theory, anti-Semitic? Haaretz, 3. August 2018.
  101. Christian Röther: Verschwörungsmythen. Die Bewegung „QAnon“ wird zur Religion. Deutschlandradio, 10. Juni 2020.
  102. Manfred Dworschak: Die Apokalypse nach Q. Spiegel, 18. Juli 2020, S. 104 ff. (anmeldepflichtig).
  103. Kashmira Gander: What is The Storm? Conspiracy theory that mysterious White House official leaks secrets. International Business Times, 15. Januar 2018.
  104. Kyle Mantyla: Stick A Fork In QAnon: Alex Jones And Jerome Corsi Claim That QAnon Has Been ‘Completely Compromised’. Right Wing Watch, 11. Mai 2018.
  105. Melissa Chan: 25 Most Influential People on the Internet. Time, 28. Juni 2018.
  106. Morgan Little: What is QAnon? The Deep State vs. Trump conspiracy, explained. CNET, 6. August 2018.
  107. Avi Selk, Abby Ohlheiser: How QAnon, the conspiracy theory spawned by a Trump quip, got so big and scary. Washington Post, 1. August 2018.
  108. Patricia Zhubi, Alexander Reid Ross: Rechtsradikale Onlinenetzwerke: Knotenpunkte des Irrsinns. Zeit Online, 14. März 2020.
  109. Morgan Little: QAnon: The conspiracy theory that's sparked Reddit bans, explained. CNET, 14. September 2018.
  110. Andrew Wyrich: Reddit bans popular deep state conspiracy forum for 'inciting violence'. Dailydot, 15. März 2018.
  111. Alexander Julia: How closely do Discord and Reddit work together? Polygon, 15. März 2018.
  112. Adi Robertson: Reddit has banned the QAnon conspiracy subreddit r/GreatAwakening. The Verge, 12. September 2018.
  113. Katharina Wilhelm: Verschwörungstheorien im Netz: Twitter geht gegen QAnon-Botschaften vor. Tagesschau.de, 22. Juli 2020.
  114. Johannes Korge: Krude Verschwörungstheorien: YouTube löscht Zehntausende QAnon-Videos. AFP / Spiegel Online, 16. Oktober 2020.
  115. Verschwörungsmythen: Facebook geht härter gegen QAnon vor. Tagesschau.de, 7. Oktober 2020.
  116. Facebook dreht QAnon-Verschwörern die Accounts ab. Spiegel Online, 7. Oktober 2020.