Quadrat Bottrop

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Bottrop, Museum Quadrat, im Mai 2005
Bottrop, Museum Quadrat, seitlich

Das Quadrat ist ein Museumszentrum im Stadtgarten von Bottrop, das zuerst als Heimatmuseum und wenig später mit der Sammlung des in Bottrop geborenen Künstlers Josef Albers erweitert und in seiner heutigen Form als „Josef Albers Museum Quadrat“ am 25. Juni 1983 eröffnet wurde.

Entwicklungsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Architekt des Quadrat ist der Bottroper Stadtbaumeister und ehemalige leitende Baudirektor Bernhard Küppers. Von Anfang an war das Museum als Quadrat konzipiert und somit als Hommage an den Bauhauslehrer und bildenden Künstler Josef Albers gedacht, der sich u. a. intensiv mit der Wahrnehmung von Farben auf der Grundlage von Quadraten beschäftigte. Es wurde am 4. September 1976 als Heimatmuseum eröffnet und enthielt zu dieser Zeit auch einige Bilder und Grafiken von Josef Albers, der 1970 Ehrenbürger der Stadt geworden war. Noch vor der Eröffnung des Museums verstarb Josef Albers im März 1976 in Amerika. Seine Ehefrau Anni übergab 1979 dem Museum über 300 Werke (85 Gemälde, 250 Grafiken) als Schenkung, so dass bald die Erweiterung des Museums beschlossen wurde. So entstand die heutige Form der quadratisch streng gegliederten Kunsträume aus Glas und Stahl, die sich in die Natur des Stadtgartens harmonisch und zugleich kontrastreich einfügen und von Metall-Plastiken „umrahmt“ werden.

Der Name Quadrat lässt sich erstens auf Albers’ berühmteste Bilderserie „Hommage to the Square“ beziehen, zweitens auf den Grundriss der Gebäude und drittens auf die vier Einzelmuseen, aus denen das Gesamtmuseum besteht: Neben dem Josef-Albers-Museum sind dies das Museum für Ur- und Ortsgeschichte, in dem prähistorische Funde anschaulich gezeigt werden, sowie die Studio-Galerie und die Moderne Galerie, in denen regelmäßig Wechselausstellungen internationaler Künstler stattfinden, sowie ein Medienzentrum für Konzerte, Lesungen und andere Veranstaltungen.

Mammut in der Eiszeithalle
Galerie der Moderne

Josef-Albers-Museum[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Dauerausstellung im „hinteren Quadrat“, erreichbar über eine architektonisch interessante Brücke aus Metall und Glas, ist die weltweit größte Albers-Sammlung des Bottroper Ehrenbürgers. Sie umfasst eine bedeutende Sammlung von Werken des Bauhauskünstlers, von den frühen expressionistischen Werken, Selbstporträts, Landschaftsdarstellungen, Glasarbeiten, Resopalgravuren bis zu den „Huldigungen an das Quadrat“, in denen er sich mit dem Phänomen der Farbe auseinandergesetzt hat. 2013 wurden dank Stiftungsgeldern, dem Land Nordrhein-Westfalen und Privatspenden sieben Gemälde von Josef Albers angekauft, die durch seine Reisen nach Mexiko inspiriert sind. 2015 erwarb das Museum mit Fördermitteln 27 Fotomontagen von Josef Albers aus den 1930er bis 1950er Jahren.[1]

Ur- und Ortsgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der ältere Teil des „Quadrates“, eine denkmalgeschützte alte Villa, beherbergt Sammlungen zur Natur- und Siedlungsgeschichte der Region, zur Ortsgeschichte (Heimatmuseum), eine bergbaubezogene Mineraliensammlung und die Eiszeithalle. Diese Sammlung mit Exponaten seltener eiszeitlicher Tiere und einer Sammlung von Werkzeugen aus der Zeit des Neandertalers gehört zu den bedeutendsten in Europa. Im Mittelpunkt steht ein imposantes Skelett eines Mammuts. Viele der Exponate wurden bei Bauarbeiten während der industriellen Besiedlung des Ruhrgebietes gefunden, beispielsweise beim Bau von Straßen, Talsperren, Kanälen oder Schachtanlagen. Von 2011 bis 2013 wurde dieser Museumsbereich für insgesamt 500.000 Euro aus städtischen Mitteln und Geldern des Konjunkturpaketes II grundsaniert, darin eingeschlossen Mittel der Nordrhein-Westfalen-Stiftung Naturschutz, Heimat- und Kulturpflege in Höhe von 125.000 Euro. Durch eine Spende der RAG-Stiftung in Höhe von 150.000 Euro kann ab 2013 der zweite Bauabschnitt zur Renovierung des Museums realisiert werden, die die inhaltliche Ausgestaltung der Innenräume umfasst.[2] Die Naturgeschichte und damit die erdgeschichtliche Entwicklung von der Karbonzeit bis zur nachindustriellen Morphologie der Gegenwart wird dann auf rund 200 Quadratmetern im Erdgeschoss der Villa präsentiert. Das Obergeschoss widmet sich dann der historischen Stadtentwicklung von der Ur- und Frühgeschichte (Schwerpunkt das Urnengräberfeld am Westring) über das Mittelalter mit bedeutenden Herrensitzen bis zur Industrialisierung und der modernen Stadtgeschichte.[3]

Galerie der Moderne[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu dem Schwerpunktprogramm des Museums gehört die Präsentation von konstruktiv-konkreter Kunst. Mit Ausstellungen von Max Bill, Richard Paul Lohse oder Günther Uecker hat sich die Moderne Galerie einen Namen gemacht. In regelmäßigen Abständen werden auch Klassiker der Moderne vorgestellt, so wurden Werke von Pablo Picasso, Paul Klee, Marc Chagall, Oskar Kokoschka und Emil Nolde gezeigt, ebenso künstlerische Fotografie. Einmal im Jahr findet auch eine Ausstellung mit Werken von Bottroper Künstlern statt.

Skulpturenpark[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rund um die im Bottroper Stadtgarten stehenden Museumsgebäude befindet sich der frei zugängliche Skulpturenpark Quadrat Bottrop. In ihm sind Skulpturen von unter anderem Max Bill, Walter Dexel, Hermann Glöckner, Friedrich Gräsel, Douglas Abdell, Erwin Heerich, Ernst Hermanns, Donald Judd, Norbert Kricke, Marcello Morandini, Hans Steinbrenner und Bernar Venet ausgestellt.

Sonderausstellungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 2018 in der Villa Hügel (Essen): interaction. josef albers[4]
  • 2018: Bernd und Hilla Becher. Bergwerke, Teil des Projekts Kunst & Kohle der RuhrKunstMuseen
  • 2018: Jonas Weichsel. Parcours
  • 2017/18: 42. Jahresausstellung Bottroper Künstler. Malerei und Grafik, Skulptur und Fotografie. Einzelausstellung
Karina. LOVE
  • 2017/18: Axel Hütte. Frühwerk
  • 2017: Tobias Pils. Untitled (Room) & Marfa Paintings
  • 2017: Claus Goedicke. Dinge. Fotografien 2007-2015
  • 2016: Jerry Zeniuk. How to Paint
  • 2016: Hubert Kiecol. WeissGlasSchwarzRot
  • 2016: Andreas Karl Schulze. B OT BO TBO T
  • 2016: Miles Coolidge. Fotografien und Chemical Pictures
  • 2015/16: Walker Evans. Tiefenschärfe. Die Retrospektive
  • 2015: Sol LeWitt. Wall Drawing 1176. For Josef Albers. Seven Basic Colors And All Their Combinations. In A Square Within A Square
  • 2015: Ricardo Saro. Calle de Madrid. Malerei
  • 2014/2015: Wade Guyton. Zum Projekt „25/25/25“ im Josef Albers Museum
  • 2014: Fred Sandback. Zeichnungen und Skulpturen
  • 2014: Bernhard Fuchs. Waldungen
  • 2014: Josef Albers. First and Last. Homage to the Square 1950–1976
  • 2013/14: Kunst als Erfahrung. Josef Albers als Lehrer - der Maler und seine Schüler
  • 2013: Robert Adams: The Place We Live. Retrospektive des fotografischen Werks
  • 2013: Kurt Kocherscheidt. Im Fluss der Bilder. Malerei
  • 2012: Kazuo Katase. Gegenwart
  • 2012: Ian McKeever. Hartgrove. Malerei und Fotografie
  • 2012: Simone Nieweg. Natur der Menschen. Landschaftsfotografie
  • 2011/12: Gotthard Graubner. Gespräch mit Josef Albers
  • 2011: Yuji Takeoka. Museo
  • 2011: Malerei auf Papier. Josef Albers in Amerika
  • 2010/11: Letzte Bilder. Ad Reinhardt
  • 2010: Alexej von Jawlensky und Josef Albers. Farbe. Abstraktion. Serie
  • 2010: Bernd und Hilla Becher. Bergwerke und Hütten – Industrielandschaften
  • 2009: Michael Venezia. Nacht wird Tag – Malerei
  • 2009: Josef Albers. Farbbeziehungen – Studien und Malerei auf Papier 1940 – 1960. Ein Erwerb für die Sammlung des Josef Albers Museum
  • 2009: Raimund Girke. Farbe und Licht – Malerei aus fünf Jahrzehnten
  • 2009: Bernhard Fuchs. Straßen und Wege
  • 2009: John Szarkowski. Photographs
  • 2008: Farbe, Material, Raum. Donald Judd und Josef Albers
  • 2008: Judith Joy Ross. Living With War. Portraits 1983–2007
  • 2007/2008: James Bishop. Leinwand und Papier
  • 2007: Klaus Staudt. Amerikanische Zeichnungen
  • 2007: Pia Fries. Malerei 1990–2007
  • 2007: Joachim Brohm. Ruhr
  • 2007: Anni und Josef Albers. Begegnung mit Lateinamerika
  • 2006/2007: Anton Stankowski. Aspekte des Gesamtwerks
  • 2006: Globus Dei. Der Ball und die Kunst
  • 2006: Helmut Dorner. Malerei 1988–2005
  • 2006: Sabine Funke. Gemälde. Skulptur. Ein Raum für Luis Barragán.
  • 2005: Sol LeWitt. Seven Basic Colors And All Their Combinations In A Square Within A Square. Walldrawing for Josef Albers
  • 2005: Carol Huebner Venezia. Boxers Fotografien aus New York und Italien
  • 2005: Ernst Hermanns. Skulpturen
  • 2005: Giorgio Morandi. Landschaft
  • 2005: Arno Schmidt. Vier mal vier – Fotografien aus Bargfeld
  • 2004/2005: Kimber Smith. Malerei 1956–1980
  • 2004: Ulrich Rückriem im Albers Museum
  • 2004: Nicholas Nixon. The Brown Sisters
  • 2004: Jan Jedlicka. Maremma 1980–2001
  • 2004: Agnes Martin. The Islands
  • 2004: Albers in Bottrop. Die Sammlung in neuer Gestalt.
  • 2004: Robert Adams. The New West
  • 2003/2004: James Ensor. Vision und Aufruhr
  • 2003: Leo Erb. Ein Leben in Weiß
  • 2003: Judith Joy Ross. Portraits in America
  • 2003: Antonio Calderara. Hommage zum 100. Geburtstag
  • 2003: Rolf Nolden. Prioritäten. Skulpturen und Zeichnungen
  • 2002: Francisco de Goya. Die graphischen Zyklen
  • 2002: Klaus Staudt. Retrospektive 1957–2002
  • 2002: Miyoshi Kazuyoshi. Weltkulturerbe in Japan
  • 2002: Alfred Erhardt. Photographien
  • 2002: Ben Willikens. Orte und Räume der Moderne
  • 2002: Georg Tappert. Photographische Augenblicke eines Malers
  • 2002: Lichtseiten
  • 1986: Raimund Girke. Malerei 1956–1986
  • 1986: Hans Steinbrenner. Skulpturen 1982–1985

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die deutsche Sektion des Internationalen Kunstkritikerverbandes (AICA) wählte im November 2006 das Josef Albers Museum Quadrat zum „Museum des Jahres 2006“. Die Jury würdigte das Haus für das „intelligente und von modischen Tendenzen des Kunstmarktes unabhängige, seit über 30 Jahren konsequent verfolgte Ausstellungs- und Sammlungsprogramm“.

Außergewöhnlich sind die Kombination von Heimatmuseum und moderner Kunst sowie der kostenfreie Eintritt zu den Dauerausstellungen.

Leitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dem Gründungsdirektor Ulrich Schumacher, Sohn des bedeutenden informellen Malers Emil Schumacher, folgte ab 1. März 2003 der Detmolder Heinz Liesbrock, der das Museum bis heute (2016) leitet.[5]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Der Westen Kultur vom 5. Januar 2016: Museum Quadrat erwirbt weitere 27 Albers-Werke, von Dirk Aschendorf, abgerufen am 5. Januar 2016.
  2. WAZ Lokale Kultur vom 8. November 2013: RAG spendet 150 000 € ans Museum für Ur- und Ortsgeschichte (fri), abgerufen am 8. November 2013.
  3. WAZ Bottrop vom 16. November 2012 Natur und Kunst gehören zusammen, von Dirk Aschendorf.
  4. Villa Hügel Essen Homepage, abgerufen am 15. März 2018
  5. kunstmarkt.com News vom Heinz Liesbrock neuer Chef am Bottroper Quadrat, abgerufen am 11. August 2013

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Quadrat Bottrop – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 51° 31′ 52,6″ N, 6° 55′ 4,5″ O