Qualityland

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QualityLand ist ein Buchprojekt des deutschen Autors, Liedermachers, Kleinkünstlers und Kabarettisten Marc-Uwe Kling. Es erschien am 22. September 2017 im Ullstein Verlag in zwei Versionen: hell und dunkel. Diese unterscheiden sich durch die Texte zwischen den Kapiteln, welche u. a. fiktive Werbung enthalten.[1] Als Hörbuch wurde es vom Autor eingelesen und gleichzeitig mit dem Buch veröffentlicht.

Inhalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Buch ist eine satirische Dystopie, die einige bereits heute erkennbare Tendenzen der Digitalisierung weiterspinnt.[1][2] Es gibt drei Arten von Inhalt: Neben der eigentlichen Erzählung erklärt ein „Reiseführer“ das Leben und die Eigenheiten von QualityLand. Zudem ist zwischen den Kapiteln auch noch „Werbung“ bzw. zur Werbung umgearbeitete „News“ eingestreut.

Der Handlungsort ist ein umgestaltetes Land. Alle Städte wurden umbenannt, und die Nachnamen der Einwohner bezeichnen den Beruf des gleichgeschlechtlichen Elternteils zum Zeitpunkt der Zeugung. Adjektive werden nur im Superlativ verwendet.

Die Welt in Qualityland wird durch die Algorithmen einiger weniger marktbeherrschender Plattformen gesteuert. „TheShop“ liefert Produkte ohne Bestellung, d. h. bevor der Kunde überhaupt weiß, dass er sie benötigt, und die Partnersuchmaschine „QualityPartner“ schlägt sogar Verheirateten bessere Partner vor und sorgt auch gleich für die Auflösung der bestehenden Beziehung. „Intelligente“ Maschinen sind allgegenwärtig. Sie sind so weit entwickelt, dass sie selbst ein Bewusstsein und auch manchmal Defekte haben, zum Beispiel eine Drohne mit Flugangst oder ein Roboter-Autor mit Schreibblockade.

Jede Person hat einen „Level“ (1–100), der ihre Bedeutung für die Gesellschaft angibt. Der Level kann sich ändern, sowohl nach oben als auch nach unten. Mit einem einstelligem Level gilt man als „Nutzloser“. Menschen mit höherem Level haben eine Reihe von Vorteilen. Sie werden zum Beispiel beim Arzt zuerst aufgerufen oder können Ampeln steuern.

Die Geschichte folgt im Wesentlichen drei Figuren: Peter Arbeitsloser, John of Us und Martyn Vorstand.

Peter Arbeitsloser ist ein Maschinenverschrotter. Er hat einen persönlichen digitalen Assistenten, den er „Niemand“ nennt. An einem Tag bekommt Peter ein unerwünschtes Produkt von TheShop (dem weltweit beliebtesten Versandhandel): ein rosafarbener Delfinvibrator. Peter versucht im weiteren Verlauf der Handlung, diesen zurückzugeben, was sich aber als schwieriger herausstellt als gedacht.

John of Us ist ein Androide und Kandidat für die anstehende Präsidentschaftswahl, in der er gegen einen Menschen antritt. Seine Theorien über die Gesellschaft und die Tatsache, dass er eine Maschine ist, sorgen dabei für viele Probleme.

Martyn Vorstand ist in derselben Partei wie John of Us. Er ist ein eher unbedeutendes Mitglied und ist unglücklich verheiratet.

Figuren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter Arbeitsloser[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Peter ist ein netter, aber kritischer Bewohner von Qualityland. Man erfährt wenig über sein Privatleben, u. a. aber dass er ein Einzelkind ist. Er rettet durch einen Aufzug in der Schrottpresse viele Maschinen in seinem Keller, da durch die Konsumschutzgesetze das Reparieren von Maschinen verboten wurde. Bekannt ist Peter Arbeitsloser ursprünglich aus dem Buch "Die Känguru-Chroniken", in welchem er von der Wirtin Herta Müller als Beispiel in einem ihrer Monologe genannt wird.

John of Us[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

John of Us ist ein Androide. Er gehört zur Fortschrittspartei und ist deren Präsidentschaftskandidat. Optisch sieht er aus wie der Schauspieler Bill Pullman.

Martyn Vorstand[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Martyn ist ein unbedeutendes Parteimitglied. Sein Vater ist sehr enttäuscht von ihm. Das liegt auch daran, dass Martyn (schon vor der Geschichte) unbeabsichtigt eine junge Frau schwängerte, so dass ihre gemeinsame Tochter nun Schülerin mit Nachnamen heißt. Sein Vater ist der Großunternehmer Bob Vorstand, der John of Us Ansichten als schädlich für sein Unternehmen empfindet.

Kalliope 7.3[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kalliope 7.3 ist eine so genannte E-Poetin, also ein Androide, der zum Schreiben von Büchern entwickelt wurde. Wegen einer Schreibblockade soll sie von Peter Arbeitsloser verschrottet werden. Sie ist (innerhalb des Buches) die Autorin des Buches „Qualityland“.

Kiki[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kiki ist eine selbstbewusste, starke Frau, die Peter in einem selbstfahrendem Auto kennenlernt und ihm den Hinweis gibt sich mit "dem Alten" in Verbindung zu setzen.

Conrad Koch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Conrad Koch ist Johns Rivale im Wahlkampf und somit der menschliche Gegenkandidat. Er gehört zur Qualitätsallianz. Koch kann als stereotypischer Populist und eventuell auch als eine Karikatur auf den Präsident der Vereinigten Staaten Donald Trump angesehen werden.

Der Alte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Alte ist ein „weiser“ Mann, der sich in seinem Haus in einer Glaskugel eingesperrt hat (aus Sicherheit) und Peter diverse Tipps gibt. Mehrfach wird im Buch angedeutet, dass es sich bei ihm um den Autor Marc-Uwe Kling selbst handelt.

Pink, das Qualitypad[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Pink, das Qualitypad, ist ein Tablet, welches von seinem Besitzer die Identität des Kängurus aus den Känguru-Chroniken zugewiesen bekommen hat. Deswegen vertritt es die gleichen Interessen und politischen Richtungen wie schon das Beuteltier aus Mark-Uwe Klings anderen Schöpfungen. Pink wird die meiste Zeit von dem unter posttraumatischen Belastungsstörungen leidendenden Kampfroboter Mickey in der Hand gehalten.

Organisationen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Everybody[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Everybody ist das größte soziale Netzwerk der Welt und ähnelt Facebook. Das Motto von Everybody lautet „Everybody is on everybody“, weshalb das Netzwerk begonnen hat, auch für noch nicht registrierte Personen Nutzerprofile anzulegen, die dann durch Chatbots betrieben werden.

QualityPartner[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

QualityPartner ist ein Partnersuchprogramm. Es informiert jederzeit über bereitstehende bessere Partner, unabhängig vom derzeitigen Beziehungsstatus.

TheShop[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

TheShop ist der weltweit größte Versandhändler, der auch nicht bestellte Pakete verschickt, deren Inhalt aber laut Algorithmus dem Kunden trotzdem gefallen.

WIN[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

WIN (ein Akronym für What-I-Need) ist ein ursprünglich als Suchmaschine gestarteter Internetdienst, der sich inzwischen zum algorithmusbasierten digitalen Assistenzsystem weiterentwickelt hat. Die Geschäftsführung des Unternehmens übernimmt die künstliche Intelligenz Zeppola. Im Roman werden die entsprechenden Geräte als WIN-Assistenten bzw. PDF (persönlicher digtaler Freund) bezeichnet.[3]

Kritik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eva Thöne bewertete das Buch auf Spiegel Online als weniger witzig im Vergleich zu Marc-Uwe Klings vorigen Werken und bezeichnete den Aufbau der Geschichte als „[…] konventionell, aber okay […]“.[2] In der Süddeutschen Zeitung kritisierte Maximilian Sippenauer ebenfalls den Aufbau der Handlung, u. a. im Bezug auf die Charaktere John of Us und seine Assistentin, lobte jedoch den gegen Ende des Buches stattfindenden Handlungsbogen um den Kampf gegen The Shop.[4]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marc-Uwe Kling: QualityLand (dunkle Edition). Ullstein, Berlin 2017, ISBN 3550050151.
  • Marc-Uwe Kling: QualityLand: Roman (helle Edition). Ullstein, Berlin 2017, ISBN 3550050232.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Stefan Hauck: Marc-Uwe Klings neuer Roman in zwei Versionen / Absurde Technik und ein sprechendes Tablet. In: boersenblatt.net. 22. September 2017, abgerufen am 5. Juni 2018.
  2. a b Eva Thöne: Marc-Uwe Kling – „Qualityland“: Im Schatten des Kängurus. In: Spiegel Online. 22. September 2017, abgerufen am 3. Juni 2018.
  3. Willkommen in QualityLand. Abgerufen am 7. August 2018.
  4. Maximilian Schönauer: Gegenwartsliteratur – An der Schwelle des Makels. In: Süddeutsche.de. 13. November 2017, abgerufen am 5. Juni 2018.
  5. „QualityLand“ ist der beste SF-Roman. Börsenblatt, 6. August 2018, abgerufen am 7. August 2018.