Quantitative Lockerung

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Quantitative Lockerung (oder QE von englisch quantitative easing) bezeichnet eine unkonventionelle Form der Ausweitung der Geldbasis (expansive Geldpolitik) durch eine Zentralbank. Dabei kauft die Zentralbank meist langfristige private oder öffentliche Wertpapiere, in der Regel handelt es sich um Staatsanleihen, von den Geschäftsbanken auf. Durch diese Käufe wird die Geldbasis erhöht.

Zentralbanken ergreifen diese Maßnahme, wenn konventionelle Geldpolitik mittels Senkung des Leitzinses nicht greift, weil die kurzfristigen Zinsen bereits bei Null oder darunter liegen (negativer Zins). Die Maßnahme der quantitativen Lockerung zielt darauf ab, die langfristigen Zinsen am Anleihemarkt zu senken und zusätzliche Liquidität ins Bankensystem zu schleusen[1][2] sowie die Inflation auf ein Niveau von rund 2 % zurückzuführen.[3]

QE ist von „Quantitative Easing for the People“, von „Helikoptergeld“ und monetärer Staatsfinanzierung zu unterscheiden.

Funktionsweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Für den Verkauf der in ihrem Besitz befindlichen langfristigen Anleihen erhalten die Banken zusätzliches Zentralbankgeld. Durch das große Volumen des Anleihenkaufs entstehen bei den Geschäftsbanken, anders als bei konventioneller Geldpolitik, Überschussreserven. Bei der Zentralbank wächst durch den Wert der aufgekauften Wertpapiere entsprechend die Bilanzsumme an. Ausgangslage für den Einsatz unkonventioneller Maßnahmen wie des QE ist häufig das Vorliegen einer Wirtschaftslage, die durch extrem niedrige Zinsen, Deflation und dementsprechend niedrige Binnennachfrage und mangelnde Investitionstätigkeit gekennzeichnet ist (diese Faktoren müssen jedoch nicht in Kombination vorliegen).[4]

Wirtschaftspolitisches Ziel der Maßnahme ist, dass die Versorgung der Banken mit Geld die Kreditvergabe zu gesenkten Zinsen fördert. Die billigeren Kredite sollen die Investitionstätigkeit der Unternehmen anregen und damit Wirtschaftswachstum erzeugen. Mittels Ausweitung der Geldmenge entsteht eine (moderate) Inflation, mittels derer eine bestehende Deflation überwunden werden soll. Im Idealfall stimuliert diese die Kaufneigung der Konsumenten.

Tritt die erhoffte Wirkung der Konjunkturstabilisierung ein und vergeben die Geschäftsbanken wieder verstärkt Kredite, schaffen die Geschäftsbanken vermehrt Giralgeld. Dieses setzen die Banken zum Rückkauf der Anleihen von der Zentralbank ein und verkleinern damit die Geldmenge wieder. Auf diese Weise kann eine zu starke Kreditausgabe und damit eine Überhitzung der Konjunktur vermieden werden.[5][6]

Abgrenzung von Liquidity-, Quality- und Credit-Easing[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

"Liquidity-Easing" ist die Ausweitung konventioneller Zentralbankinstrumente mit dem Ziel, den Banken Liquidität zu verschaffen, etwa um panische Reaktionen der Marktteilnehmer oder Bank Runs zu verhindern.

Das "Credit-Easing" bezeichnet den Fall, dass die Zentralbank neben Staatsanleihen vornehmlich private Immobilien-Hypotheken beziehungsweise private Geldmarktpapiere ankauft, um den Kreditmarkt von belastenden Wertpapieren zu befreien. Damit wird das Zinsniveau am privaten Anleihenmarkt gesenkt, weil die Banken mit neuem Geld versorgt werden. Bernanke beschrieb das EZB-Programm der Outright Monetary Transactions als Credit Easing im Unterschied zum QE, das auf den Kauf von Staatsanleihen beschränkt sei.[7]

Als "Quality-Easing" wird die Strategie der Zentralbank bezeichnet, die Bilanz nicht zu vergrößern, sondern die privaten Anleihen im Bestand der Zentralbankbilanz durch weniger wertvolle und riskantere, auch „toxische“ Papiere zu ersetzen, wodurch die Zentralbank die Funktion einer Bad Bank für die anderen Banken bekommen kann.[8]

Erfolgt in diesen Fällen eine geldpolitische Sterilisation, haben die Maßnahmen keine Auswirkung auf die Geldbasis und verursachen folglich keinen Effekt über den Zinskanal. Erfolgt hingegen keine Sterilisation, handelt es sich um eine Variante der quantitativen Lockerung.[9][10]

Abgrenzung von „Quantitativer Lockerung für die Menschen“, „monetärer Staatsfinanzierung“ und „Helikoptergeld“[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bei dem Konzept der Quantitativen Lockerung für die Menschen wird nach dem Konzept des Labour-Vorsitzenden Corbyn Zentralbankgeld in Anleihen einer Nationalen Investmentbank angelegt, die diese Geldmittel in Übereinstimmung mit den wirtschaftspolitischen Zielen der Regierung in Infrastrukturmaßnahmen oder in den Sozialen Wohnungsbau investiert. So sollen mit einer Belebung der Konjunktur gleichzeitig Beschäftigung und Inflation erhöht werden.

Bei monetärer Staatsfinanzierung stellt die Zentralbank der Regierung gewünschte Geldmittel zur Verfügung, ohne dafür einen Gegenwert zu erhalten. Die Bilanz der Bank würde sich also nicht vergrößern. Die Geldmenge würde durch Geldschöpfung ohne gleichzeitige Kreditschöpfung vergrößert, was bei gleichbleibendem BIP zur Geldentwertung führen kann.

Helikoptergeld wird an Bürger direkt ausgezahlt. Auch hier wird keine Gegenleistung in der das Geld erzeugenden und verteilenden Bank verzeichnet, sodass die Bankbilanz schrumpft, während die Geldmenge wächst. Dies kann zur Geldentwertung führen, wenn das zusätzliche Geld keine zusätzlichen Waren und Dienstleistungen schöpft.

Anwendungsbeispiele[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Japan (seit 2001)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Angewandt wurde quantitative Lockerung erstmals von der Japanischen Zentralbank im März 2001. In größerem Umfang erfolgte quantitative Lockerung seit der Finanzkrise ab 2007.[11]

Trotz des Ankaufs japanischer Staatsanleihen im Rahmen einer quantitativen Lockerung befindet sich Japan weiterhin am Rande einer Deflation und hat dabei seit Jahrzehnten unter allen OECD-Ländern die höchste Staatsschuldenstandsquote. Erklärt wird dies mit einer in Japan herrschenden Bilanzrezession.[12] Als weitergehende Maßnahme ist daher Helikoptergeld im Gespräch.[13]

Vereinigte Staaten (2009–2014)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Finanzkrise ab 2007 hatte die US-Zentralbank im Dezember 2008 den Leitzins-Satz auf null bis 0,25 Prozent abgesenkt, so dass dann eine "quantitative Lockerung" hätte einsetzten müssen, um geldpolitisch handlungsfähig zu bleiben.

Quantitative Easing 1 (QE1, Dezember 2008 bis März 2010)
Am 25. November 2008 verkündete die US-Zentralbank, dass sie bis zu 600 Milliarden Dollar durch Hypotheken gesicherte Wertpapiere (Mortgage Backed Securities - MBS) kaufen werde. Am 16. Dezember wurde das Programm offiziell gestartet. Der Offenmarktausschuss (Federal Open Market Committee - FOMC) kündigte am 18. März 2009 an, dass das Programm durch zusätzliche 750 Milliarden Dollar zum Erwerb von durch Hypotheken gesicherte Wertpapiere und 300 Milliarden zum Kauf von US-Staatsanleihen erweitert werde.

Quantitative Easing 2 (QE2, November 2010 bis Juni 2011)
Ein neues Programm zum Ankauf von Staatsanleihen, auch „Quantitative Easing II“ („QE2“) genannt, wurde vom Offenmarktausschuss am 3. November 2010 eingeleitet und dauerte bis Ende Juni 2011 an.[14] Dabei wurden für 600 Milliarden Dollar langfristige US-Staatsanleihen (US Treasuries) in Höhe von 75 Milliarden Dollar pro Monat gekauft.

Operation Twist (September 2011)
Am 22. September 2011 kündigte die US-Zentralbank eine Neuauflage der „Operation Twist“ an, welche schon einmal 1961 zur Anwendung gekommen ist. Im Rahmen dieses Programmes kaufte die US-Zentralbank für 400 Milliarden Dollar Anleihen mit Laufzeiten von 6 bis 30 Jahren und verkaufte gleichzeitig Anleihen mit einer Laufzeit von weniger als 3 Jahre im gleichen Umfang, um die durchschnittliche Laufzeit des eigenen Portfolios zu verlängern. Die US-Zentralbank wollte dadurch die Senkung der Langfristzinsen erreichen, wodurch Kredite tendenziell billiger werden sollten.[15]

Quantitative Easing 3 (QE3, September 2012 bis Oktober 2014)
Am 13. September 2012 kündigte die US-Zentralbank eine dritte Runde der quantitativen Lockerung (QE3),[16] auch QE III,[17] bezeichnet wird. Bei dieser neuen Runde der quantitativen Lockerung wurden 40 Milliarden Dollar hypothekenbesicherte Wertpapieren (MBS) und 45 Milliarden Dollar längerfristige US-Staatsanleihen pro Monat gekauft, bis sich der Arbeitsmarkt "erheblich" verbessert. Am 18. Dezember 2013 kündigte der Offenmarktausschuss (FOMC) an, dass QE3 nach und nach auf 10 Milliarden Dollar pro Monat reduziert werde. Die US-Zentralbank beendete dieses Programm im Oktober 2014, zehn Monate nachdem es mit der Reduzierung des monatlichen Ankaufsvolumens begonnen hatte.

Großbritannien (2009–2014)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit dem 6. März 2009 betreibt die britische Zentralbank quantitative Lockerung. In einem ersten Schritt wurden 75 Mrd. Pfund in den Markt gepumpt, ebenfalls über den Kauf mittel- und langfristiger Staatsanleihen. Am 5. November 2009 wurde eine Ausweitung des Programms auf die von der Bank gehaltene Höhe von 200 Mrd. Pfund beschlossen.[18]

Am 6. Oktober 2011 kündigte die Bank of England eine Ausweitung des Programmes der quantitativen Lockerung an. Das Volumen der angekauften Vermögenswerte stieg von bisher 200 Mrd. Pfund auf 275 Mrd. Pfund an. Mit den zusätzlichen 75 Mrd. Pfund sollten innerhalb der nächsten vier Monate hauptsächlich britische Staatsanleihen erworben werden.[19]

Am 9. Februar 2012 beschloss die Bank of England eine erneute Ausweitung der Staatsanleihenkäufe um 50 Mrd. Pfund auf insgesamt 325 Mrd. Pfund.[20]

Schweiz (2009–2015)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auch die Schweizer Nationalbank hat am 12. März 2009 angekündigt Fremdwährungen als auch Anleihen aufzukaufen.[21] Dabei wurde nicht bekannt gegeben, in welchem Umfang die Intervention stattfindet.[22]

Euroraum (ab 2015)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 8. Mai 2009 erklärte der ehemalige EZB-Präsident Jean-Claude Trichet (bis 2011), dass die Europäische Zentralbank keine quantitative Lockerung betreibe, sondern etwas, was man als „credit easing“ bezeichnen könne.[23] Auch der seit dem 10. Mai 2010 von der EZB vorgenommene Ankauf staatlicher und privater Anleihen fällt nicht unter die quantitative Lockerung, weil die Käufe sterilisiert werden, um Auswirkungen auf das Geldmengenwachstum zu vermeiden.[24]

Am 22. Januar 2015 kündigte die EZB an, sie wolle zwischen März 2015 und September 2016 Anleihen – Staatsanleihen und Anleihen von privaten Schuldnern – mit einem Kaufpreis von über 1100 Milliarden Euro auf dem Sekundärmarkt kaufen. Die Käufe sollten zunächst bis Herbst 2016 andauern bzw. auf jeden Fall so lange, bis die EZB die Inflationsrate wieder nahe zwei Prozent sieht.[25]

Ausweitung des EZB-Anleihekaufprogramms

Im März 2016 verkündete Draghi, dass das QE Programm um 6 Monate verlängert wird. Außerdem wurden die monatlichen Ankäufe ab April 2016 von 60 Mrd. € auf 80 Mrd. € erhöht.[26]

Im Dezember 2016 wurde das Anleihekaufprogramm durch die EZB erneut um mindestens neun Monate bis Ende 2017 verlängert. Die monatlichen Ankäufe werden ab April 2017 von 80 Mrd. € auf 60 Mrd. € reduziert. Um den Pool kaufbarer Staatsanleihen zu erhöhen, werden künftig auch Papiere mit einer Laufzeit ab einem Jahr sowie mit einer Rendite von weniger als minus 0,4 Prozent erworben.[27]

Das Volumen der aufgekauften Staatspapiere soll bis Ende Dezember 2017 inklusive Hypothekenpapieren, Pfandbriefen, Regional- und Firmenbonds einen Umfang von insgesamt 2,28 Billionen Euro haben.[28][29]

Da das Zinsniveau im Euroraum bereits sehr niedrig ist und die schwache Preisentwicklung auch von Faktoren bestimmt wird, die geldpolitisch nur schwer von der EZB zu beeinflussen sind, ist die weitere Wirkung des Anleihekaufprogramms ungewiss. Für die Wirkung der Anleihekäufe der EZB gibt es noch keine eindeutigen empirischen Ergebnisse, weil die Wirkung der Anleihekäufe auf Inflation und gesamtwirtschaftliche Produktion nur schwer messbar sind. Der Erfolg hängt entscheidend von der ausgelösten Konsum- und Investitionstätigkeit ab.[30]

Sofern das Ankaufprogramm in Zukunft weiter verlängert werde sollte, dürften die Notenbanken der Eurozone zu einem der größten Gläubiger der Mitgliedsstaaten aufsteigen und die Bilanzsummen der nationalen Notenbanken sich entsprechend erhöhen. Allerdings wirken die Ankäufe der Anleihen entkoppelnd auf das Refinanzierungsrisiko und damit weniger disziplinierend auf die Finanzpolitik der Mitgliedsstaaten. Der Druck für Strukturreformen wird gedämpft. Sollten die Leitzinsen in Folge höherer Inflation wieder ansteigen und dadurch Wertverluste in den Anleihebeständen auftreten, besteht die Gefahr, in ein Regime fiskalischer Dominanz abzugleiten.[31] In diesem Regime sind nationale Regierungen nicht bereit, etwaige Wertverluste bei der Notenbank zu übernehmen. Dies steht jedoch einer effektiven Steuerung der Inflationsrate entgegen. Die EZB könnte nicht mehr unabhängig von der Politik die Leitzinsen bestimmen. Ein Ausstieg kann daher nur gelingen, wenn die monetäre Dominanz der Zentralbanken gewahrt bleibt.[32]

Am 15. August 2017 hat der Zweite Senat des Bundesverfassungsgerichts (dem Gerichtspräsident Andreas Voßkuhle vorsteht) mitgeteilt, dass er diese Käufe durch den Europäischen Gerichtshof prüfen lässt.[33][34] Dem Senat liegen drei Verfassungsbeschwerden vor; Kläger sind Markus Kerber, Peter Gauweiler und Bernd Lucke.[35][36][37]

Wirkungskanäle quantitativer Lockerung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mittels einer quantitativen Lockerung wird das Ziel verfolgt, stimulierend auf das Wirtschaftswachstum und damit die Inflationsentwicklung einzuwirken. Dabei werden verschiedene Wirkungskanäle unterschieden:[38][39]

  • Portfolioumschichtungskanal

Kauft eine Zentralbank Wertpapiere in großem Umfang (beispielsweise Staatsanleihen), reduziert sie deren Angebot auf dem Kapitalmarkt und erhöht die umlaufende Geldmenge. In Folge des Ankaufs steigt der Preis der angekauften Wertpapiere und die Verzinsung dieser Papiere sinkt. In Folge der gesunkenen Verzinsung versuchen Investoren, ihre Portfolios in alternative Anlageformen mit höherer Rentabilität umzuschichten, wodurch auch deren Preis steigt beziehungsweise deren Verzinsung sinkt. Die dadurch an breiter Front fallenden Zinsen stimulieren den privaten Konsum und die Investitionstätigkeit, die wiederum die Inflation antreiben. Bei einem gesunkenen Zinsniveau werden Investitionsvorhaben eher realisiert (z.B. Kreditvergabe einer Bank an einen Unternehmer) als vorher, da das Geschäft zu riskant erschien. Der Konsum wird angeregt, da das Sparen durch die gesunkenen Zinsen unattraktiver geworden ist.

  • Signal- und Ankündigungskanal

Die mit der Einführung eines Anleihekaufprogramms verbundene Signalwirkung spielt eine wichtige Rolle im Hinblick auf die Inflations- und Zinserwartungen der Marktteilnehmer. Entsprechend sollten Marktteilnehmer ihre kurzfristigen Zinserwartungen senken. Ein sinkendes Zinsniveau und die Erwartung expansiver Geldpolitik wertet die eigene Währung ab und regt auf diese Weise Investitions- und Konsumnachfrage an.[40] Der Außenwert der Währung sinkt, erleichtert Exporte ins Ausland und verteuert Importe. Gleichzeitig setzt die Zentralbank ein Zeichen, dass sie mit allen Mitteln gegen deflationäre Tendenzen vorgeht.

  • Fiskalischer Kanal

Umfassen die Käufe von Wertpapieren durch die Zentralbank vor allem Staatsanleihen und werden diese Käufe auf unbegrenzte Zeit gekauft oder werden auslaufende Papiere durch neue ersetzt, kommt dies in seiner Wirkung einer Monetarisierung von Staatsschulden gleich. Die öffentliche Verschuldung sinkt de facto in Höhe der Anleihekäufe. Sind die Käufe von Staatsanleihen nicht dauerhaft, verringert sich die Neuverschuldung um die mit den angekauften Anleihen verbundene Zinslast. Der Staat schüttet Zinszahlungen statt an private Gläubiger der Anleihen nun an die Zentralbank aus. Die Zentralbank schüttet ihre Gewinne, die dann ebenfalls Zinserträge aus Anleihen enthalten, an den Staat aus. Der finanzpolitische Spielraum von Staaten wird erhöht, ohne dass dadurch der öffentliche Schuldenstand erhöht wird. Den gewonnenen finanzpolitischen Spielraum können Staaten für Konsum- und Investitionstätigkeit nutzen.

Evaluierung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Studien zu der quantitativen Lockerung in den Vereinigten Staaten zeigen, dass diese grundsätzlich geeignet ist, auch bei nominalen Zinsen an der Nulllinie die Realzinsen zu senken. Die Wirkung nimmt aber im Zeitverlauf ab.[41]

Quantitative Lockerung hat in den USA und Großbritannien dazu beigetragen, das Preisstabilitätsziel (die meisten Zentralbanken streben knapp 2 % Inflation an) durch eine Erhöhung der Inflationserwartungen besser zu erreichen. In Simulationen haben Hausken/Ncube einen positiven Beitrag auf die Industrieproduktion und Beschäftigung festgestellt, eine signifikante Erhöhung des Bruttoinlandsprodukts wurde aber nur für Großbritannien festgestellt. Sie kommen zu dem Schluss, dass quantitative Lockerung nur in Kombination mit Strukturreformen und anderen wirtschaftspolitischen Maßnahmen eine nachhaltige wirtschaftliche Erholung herbeiführe.[42]

Alternativen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das alternative Konzept der Freiwirtschaft installiert eine Umlaufsicherung, um die Existenz negativer Zinssätze zu ermöglichen. In einem freiwirtschaftlichen Wirtschaftssystem lässt sich die Geldmenge hierdurch auch bei einem Zentralbankzins nahe null durch Zinssenkung aufweiten, so dass eine Politik der quantitativen Lockerung vermieden werden kann. Im Zuge der weltweiten Finanzkrise werden diese Ideen in Fachkreisen wieder vermehrt diskutiert.[43]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. What is Quantitative Easing?
  2. Deutsche Bundesbank - Glossar - Quantitative Lockerung. In: www.bundesbank.de. Abgerufen am 23. April 2016.
  3. EZB: Wie funktioniert quantitative Lockerung?
  4. Lisa Smith: Quantitative Easing: What's In A Name? | Investopedia. In: Investopedia. Abgerufen am 23. April 2016 (amerikanisches englisch).
  5. Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, Jahresgutachten 2014/2015, Strukturelle Anpassung und geldpolitische Lockerung im Euro-Raum, S. 151–153
  6. Makram El-Shagi, Geldschöpfung in der Krise, Institut für Wirtschaftsforschung in Halle, doi:10.1007/s10273-012-1421-0
  7. Credit Easing versus Quantitative Easing. Federalreserve.gov (13 January 2009).
  8. Willem Buiter (9 December 2008). "Quantitative easing and qualitative easing: a terminological and taxonomic proposal". Retrieved 2 February 2009.
  9. IMW: International Financial Stability Report, April 2009, Chapter 1: Stabilizing the Global Financial System and Mitigating Spillover Risks (PDF; 1,8 MB), Box 1.6
  10. Internationaler Währungsfonds, Vladimir Klyuev, Phil de Imus, and Krishna Srinivasan, Unconventional Choices for Unconventional Times: Credit and Quantitative Easing in Advanced Economies 4. November 2009, Box 1
  11. Kjell Hausken, Mthuli Ncube, Quantitative Easing and Its Impact in the US, Japan, the UK and Europe, Springer Science & Business Media, 2013, ISBN 9781461496465, S. 1
  12. Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung November 2012: Jahresgutachten 2012/13 „Stabile Architektur für Europa - Handlungsbedarf im Inland“, S. 93f.
  13. Grosses Konjunkturpaket in Japan: Rätselraten über den Einsatz von Helikoptergeld, NZZ, 27. Juli 2016
  14. Pressemitteilung des FOMC am 3. November 2010
  15. http://de.reuters.com/article/topNews/idDEBEE78L03V20110922
  16. Nils Rüdel, Handelsblatt 14. September 2012: „US-Notenbank befeuert die Aktienmärkte“
  17. Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung November 2012: Jahresgutachten 2012/13 „Stabile Architektur für Europa - Handlungsbedarf im Inland“, S. XX: QEIII „quantitative easing program 3“
  18. Die Bank of England belässt den Leitzins bei 0,5 % und den Umfang des Programms zum Aufkauf von Vermögenswerten bei 200 Milliarden £, Pressemitteilung der Bank of England am 4. August 2011
  19. http://de.reuters.com/article/economicsNews/idDEBEE7950LF20111006
  20. http://www.nzz.ch/nachrichten/wirtschaft/aktuell/bank_von_england_dreht_erneut_den_geldhahn_auf_1.14915924.html
  21. Schweizer intervenieren aus Angst vor Deflation, FAZ.net vom 29. März
  22. Die Notenbanken öffnen die Schleusen, NZZonline vom 29. März
  23. [1] Video Pressekonferenz, die letzten Minuten.
  24. ECB Plans to Buy European Bonds to Ease Greek Crisis, Bloomberg vom 10. Mai
  25. sueddeutsche.de 22. Januar 2015: Der 1.140.000.000.000-Euro-Plan
  26. EZB erhöht Strafzinsen, von Anja Schuchardt, Bayernkurier, 10. März 2016
  27. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9. Dezember 2016, Nr. 288, Seite 15.
  28. EZB verringert Schlagzahl bei Anleihenkäufen, Reuters, 4. April 2016
  29. Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 9. Dezember 2016, Nr. 288, Seite 15.
  30. Bernoth, Kerstin; König, Phillip; Reib, Carolin; Fratzscher Marcel (2015): Unbekanntes Terrain: Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank, DIW-Wochenbericht, ISSN [http://dispatch.opac.d-nb.de/DB=1.1/CMD?ACT=SRCHA&IKT=8&TRM=1860-8787 1860-8787, Vol. 82, Iss. 13, S. 313]
  31. Regime Fiskalischer Dominanz Jens Weidmann (Bundesbank) am 24. Mai 2013
  32. Bernoth, Kerstin; König, Phillip; Reib, Carolin; Fratzscher, Marcel (2015): Unbekanntes Terrain: Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank, DIW-Wochenbericht, ISSN 1860-8787, Vol. 82, Iss. 13, S. 315
  33. Verfahren zum Anleihenkaufprogramm der EZB ausgesetzt und dem Gerichtshof der Europäischen Union vorgelegt (Pressemitteilung Nr. 70/2017 vom 15. August 2017)
  34. Zeit.de: Bundesverfassungsgericht sieht EZB-Geldschwemme kritisch
  35. FAZ.net: Europäischer Gerichtshof soll EZB-Anleihenkäufe überprüfen
  36. FAZ.net / Philip Plickert: Eine juristische Klatsche für die EZB
  37. FAZ.net / Reinhard Müller: Aus Prinzip. Wieder bindet Karlsruhe den Europäischen Gerichtshof ein, um die EZB zu kontrollieren. Die EU ist keine uferlose Haftungsunion, sondern Rechtsgemeinschaft. (Kommentar)
  38. Bernoth, Kerstin; König, Phillip; Reib, Carolin; Fratzscher, Marcel (2015): Unbekanntes Terrain: Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank, DIW-Wochenbericht, ISSN 1860-8787, Vol. 82, Iss. 13, S. 314
  39. Stefan Gutbrunner, so funktioniert Quantitative Easing am 21.01.2015 (Memento vom 22. Januar 2015 im Internet Archive)
  40. Die Geldpolitik des Eurosystems, Deutsche Bundesbank, S. 207
  41. Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, November 2012: Jahresgutachten 2012/13 „Stabile Architektur für Europa - Handlungsbedarf im Inland“ (PDF) S. 84–85
  42. Kjell Hausken, Mthuli Ncube, Quantitative Easing and Its Impact in the US, Japan, the UK and Europe, Springer Science & Business Media, 2013, ISBN 9781461496465, S. 4
  43. Hans Christian Müller: Geldpolitik und Finanzkrise: Negative Leitzinsen – das Undenkbare denken.. Handelsblatt. S. 3. 18. Mai 2009. Abgerufen am 6. Januar 2011.