Quarnbek

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Quarnbek
Quarnbek
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Quarnbek hervorgehoben
Koordinaten: 54° 20′ N, 9° 59′ O
Basisdaten
Bundesland: Schleswig-Holstein
Kreis: Rendsburg-Eckernförde
Amt: Achterwehr
Höhe: 16 m ü. NHN
Fläche: 16,18 km2
Einwohner: 1753 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 108 Einwohner je km2
Postleitzahl: 24107
Vorwahl: 04340
Kfz-Kennzeichen: RD, ECK
Gemeindeschlüssel: 01 0 58 130
Adresse der Amtsverwaltung: Inspektor-Weimar-Weg 17
24239 Achterwehr
Webpräsenz: www.quarnbek.de
Bürgermeister: Herbert-Klaus Langer (Grüne)
Lage der Gemeinde Quarnbek im Kreis Rendsburg-Eckernförde
Karte

Quarnbek ist eine Gemeinde im Kreis Rendsburg-Eckernförde in Schleswig-Holstein. Im Gemeindegebiet, das in seiner heutigen Form seit 1928 besteht, liegen Dorotheenthal, Flemhude, Heitholm, Holm, Landwehr, Rajensdorf, Reimershof, Stampe, Strohbrück und Ziegelhof.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Zentrum der Gemeinde mit einer Grundschule und den Sportanlagen des SV Fortuna Stampe befindet sich in Strohbrück. In Landwehr kreuzt den Nord-Ostsee-Kanal (NOK) eine kostenlose Fähre, bei der es sich um die östlichste Autofähre handelt. Auch der mit dem NOK verbundene Achterwehrer Schifffahrtskanal führt durch das Gemeindegebiet. Sowohl der Achterwehrer Kanal selbst als auch die Schleuse zwischen ihm und dem NOK stehen unter Denkmalschutz. Beide Bauwerke stammen aus dem Jahr 1913.

Durch die Gemeinde verläuft der 10. Längengrad östlich von Greenwich. 2009 ist sein Verlauf durch eine in den Straßenbelag eingearbeitete Markierung hervorgehoben worden.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Flemhude[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirche St. Georg und Mauritius - ganz rechts Desmercières-Gruft

Flemhude verdankt seinen Namen flämischen Händlern, die hier ihre Waren, die sie auf der Eider transportierten, auf Wagen umladen mussten.[2] Von ihnen wurde die St.-Georg-und-Mauritius-Kirche um 1240 aus Feldsteinen an einem strategisch günstigen Ort direkt am Flemhuder See errichtet.[3] Auf dem Dachboden lagerten vermutlich die Kaufleute ihre Waren. 1316 erstmals erwähnt, blieb das Kirchenäußere bis heute fast unverändert. Dachreiter und Rokoko-Stuckdecke verdankt sie dem damaligen Kirchenpatron Jean Henri Desmercières (1687–1778), dessen Sarkophag sich in einer an die Kirche angebauten Gruft befindet. Im Inneren befinden sich Spuren aus den vergangenen Jahrhunderten: ein romanisches Taufbecken, eine mittelalterliche Darstellung der Geißelung Christi, ein barocker Altar mit der Darstellung des Gebets Jesu im Garten Getsemane und eine klassizistische Kanzel. Den Altar stiftete 1685 der damalige Patron Hans Heinrich Kielmann von Kielmansegg († 1686), ein Sohn von Johann Adolph Kielmann von Kielmannsegg, nachdem im Dreißigjährigen Krieg die gesamte Inneneinrichtung zerstört worden war. Er ist eins der frühsten Werke von Theodor Allers, einem Meister des Akanthusbarocks in Schleswig-Holstein, der auch die sehr ähnlichen Altäre der Kirchen zu Tellingstedt und Probsteierhagen, sowie die Kanzel der Kieler Nikolaikirche schuf.

Gut Quarnbek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Torhaus des Gutes Quarnbek

Das adlige Gut Quarnbek wurde 1282 erstmals erwähnt. Der älteste bekannte Besitzer war ein Ritter Schak Rantzau. Das Herrenhaus wurde im 16. Jahrhundert als Wasserburg erbaut.[4] Erstmals dargestellt ist es auf der von Heinrich Rantzau um 1587 in Auftrag gegebenen Rantzau-Tafel, einem Stammbaum der Familie.[5] Das Torhaus ließ 1671 Hans Henrich von Kielmansegg mit Blickachse auf die Wasserburg errichten. Er intensivierte die Landwirtschaft und betrieb mit Glaubensflüchtlingen aus den Niederlanden die Meiereien Dorotheenhof und Mettenhof, sogenannte Holländereien.[6] 1733 kaufte Desmercières das Gut[7] und vererbte es später seiner Halbschwester. Die Wasserburg wurde Ende des 18. Jahrhunderts abgerissen. Das 1903 errichtete Herrenhaus befindet sich im Privatbesitz und ist für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Kanalbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1777–1784 wurde der Eider-Kanal gebaut, der auch das Gebiet des Gutes durchschnitt. Durch die Erweiterung des Kanals zum Nord-Ostsee-Kanal wurde der Wasserspiegel des Flemhuder Sees um 7 Meter abgesenkt. Über den Achterwehrer Schifffahrtskanal konnten landwirtschaftliche Produkte verschifft werden.

Gemeinde Quarnbek[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seit 1928, als die preußischen Gutsbezirke aufgelöst wurden, ist Quarnbek eine selbständige Kommune. Seit den 1970er Jahren wandelt sich der Charakter des Dorfes zur Kieler Umlandgemeinde.[8]

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Von den 13 Sitzen in der Gemeindevertretung hatte die CDU seit der Kommunalwahl 2003 fünf Sitze, die Wählergemeinschaft WIR vier Sitze, die Grünen drei und die Wählergemeinschaft FWG einen.

Von den 13 Sitzen in der Gemeindevertretung hatte die Wählergemeinschaft WIR seit der Kommunalwahl 2008 bis 2013 sechs Sitze, die CDU vier und die Grünen drei. Herbert-Klaus Langer löste Wilhelm Möller als Bürgermeister ab.

Gemeinderatswahl 2013
 %
50
40
30
20
10
0
49 %
28 %
23 %
WIR
Sitzverteilung im Gemeinderat
   
Von 14 Sitzen entfallen auf:
  • Grüne: 7
  • WIR (nicht besetzt): 4
  • CDU (nicht besetzt): 3

Seit der Kommunalwahl 2013 hatten die Grünen in der Gemeindevertretung sieben Sitze, die Wählergemeinschaft WIR vier Sitze und die CDU drei Sitze. Im Februar 2016 sind alle Gemeindevertreter und Ausschussmitglieder der WIR und der CDU von ihren Ämtern zurückgetreten.[9]

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blasonierung: „Unter gezinntem silbernen Schildhaupt in Rot über einen blau-silbernen Wellenschildfuß eine silberne Mühlenhaue.“[10]

Wirtschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde ist überwiegend landwirtschaftlich geprägt, die Zahl der aktiven Höfe geht jedoch zurück.

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henning v. Rumohr: Schlösser und Herrenhäuser im nördlichen und westlichen Holstein, neu bearbeitet von Cai Asmus v. Rumohr und Carl-Heinrich Seebach 1988, 2. Auflage, Verlag Weidlich Würzburg, ISBN 3-8035-1272-7, S. 52.
  • Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler. Hamburg, Schleswig-Holstein. 3. überarbeitete und aktualisierte Auflage, Deutscher Kunstverlag, München 2009, ISBN 978-3-422-03120-3, S. 761.
  • Eva von Engelberg-Dočkal: Kulturkarte Schleswig-Holstein. 1000mal Kultur entdecken., 2. Auflage, Wachholtz-Verlag, Neumünster 2005, ISBN 3-5290-8006-3.
  • Jörg Matthies: „Diese Parks sind die Poesie der Herzogthümer“ – Gutsgärten in Schleswig-Holstein. In: Marion Bejschowetz-Iserhoht, Reiner Hering (Hrsg.): Die Ordnung der Natur. Historische Gärten und Parks in Schleswig-Holstein. Ausstellungskatalog Landesarchiv Schleswig (= Veröffentlichungen des Landesarchivs Schleswig-Holstein. 93). Hamburg University Press, Schleswig 2008, ISBN 978-3-931292-83-6, S. 91–116.
  • Jörg Matthies, Margita Marion Meyer: Der Landschaftspark von Gut Quarnbek – Ein Gartenkunstwerk des Hannoverschen Gartendirektors Julius Trip. In: Denkmal. Zeitschrift für Denkmalpflege in Schleswig-Holstein. 18/2011, ISSN 0946-4549, S. 74–83.
  • Deert Lafrenz: Gutshöfe und Herrenhäuser in Schleswig-Holstein. Herausgegeben vom Landesamt für Denkmalpflege Schleswig-Holstein, 2015, Michael Imhof Verlag Petersberg, 2. Auflage, ISBN 978-3-86568-971-9, S. 451.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Quarnbek – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistikamt Nord – Bevölkerung der Gemeinden in Schleswig-Holstein 4. Quartal 2015 (XLSX-Datei) (Fortschreibung auf Basis des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Die Feldsteinkirche in Flemhude. Kirchengemeinde Flemhude; abgerufen am 12. April 2016.
  3. Hermann Kobolt: Die St. Georg- und Mauritius-Kirche in Flemhude. Flemhuder Hefte Heft 1 1989, S. 7
  4. Geschichte des Guts Quarnbek
  5. Unsere schöne Gemeinde Quarnbek (PDF; 8,4 MB) S. 11; Darstellung auf der Rantzau-Tafel
  6. Quarnbek vor 1928
  7. Laut der Kirchenchronik (Kobolt: Die St. Georg- und Mauritius-Kirche in Flemhude. 1989, S. 38) trat er jedoch bereits 1724 bei einer Kirchenrenovierung als Patron auf.
  8. Geschichte Quarnbeks nach 1928
  9. Gemeindevertretung Quarnbek
  10. Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein