Quartier Latin (Berlin)

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Varieté Wintergarten an der Potsdamer Straße, 2010.
Im Erdgeschoss befand sich 17 Jahre lang das Berliner Quartier Latin.

Das Quartier Latin in der Potsdamer Straße 96 im Berliner Ortsteil Tiergarten war ein Konzert-Veranstaltungsort, der zwischen 1972 und 1990 betrieben wurde. In seinem größten Saal fand ab 1992 das neue Wintergarten-Varieté seinen Platz.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Einrichtung wurde 1972 von dem Ehepaar Christa und Manfred („Manne“) Saß übernommen und unter dem Namen Quartier Latin weitergeführt, womit an die bekanntere Gegend in Paris erinnert wurde.[1]

Die Räumlichkeiten waren 1913 als Kino Biophon im Erdgeschoss eines Wohnhauses, das 1896 entstanden war, von Artur Wolff eingerichtet worden.[2] In der Zeit des Nationalsozialismus trug das Kino den Namen B.T.L.-Lichtspiele, betrieben von den Besitzern Brandt & Deutsch.[3]

Kinokarte B.T.L.-Lichtspiele, um 1940

Das Gebäude blieb im Zweiten Weltkrieg weitestgehend unzerstört. So fanden bereits ab 1946 wieder Kinovorführungen statt, das Kino firmierte nun weiterhin als B.T.L.-Lichtspiele.[2]

Umfangreiche Umbauarbeiten, Mitte der 1950er Jahre geplant und ausgeführt vom Architekten Karl Heger, führten zu einer deutlicher Vergrößerung des Vorführraumes, der nun 800 Besuchern Platz bot. Ab 1962 hatte die FDP ihren Berliner Verwaltungssitz in den Räumlichkeiten, gab diesen aber um 1970 wieder auf.

Nun hatte der Journalist und Fotograf Klaus Achterberg die Idee, in den Räumen eine Musikszene zu etablieren, fokussiert auf Rock und Pop live dargeboten. Er übergab den Betrieb im Jahr 1972 an die Familie Saß.[4]

In den 1960er und 1970er Jahren waren kaum Anstrengungen unternommen worden, um die Räume instand zu halten oder sogar zu modernisieren. Erst im Jahr 1981 konnte die Einrichtung mit Unterstützung des Senats gründlich saniert werden, der dafür rund 500.000 Mark bereitgestellt hatte.[2]

Die Familie Saß betrieb das Quartier Latin (den „Laden“) von 1972 bis 1989. Der Schriftzug über den beiden Eingängen war schwarz auf weißem Untergrund in ovalen Rahmen und in Großbuchstaben gehalten.

Im Quartier Latin fanden hauptsächlich Konzerte statt, zu denen damals bekannte Sänger und Musikgruppen eingeladen wurden. Überliefert sind unter anderem die Auftritte von Peter Brötzmann und Albert Mangelsdorff (1970er Jahre), Udo Lindenberg, Herbert Grönemeyer (1984), Blixa Bargeld mit den Einstürzenden Neubauten (1986), Nina Hagen, Tamara Danz mit der Band Silly (1989), die Puhdys, Pankow, Die Ärzte, Wolfgang Niedecken, Phillip Boa and the Voodooclub oder Barbara Thalheim (1989, 1990). Der West-Berliner Senat unterstützte die Betreiber beispielsweise durch Finanzierung eines jährlichen Rock-Wettbewerbs mit Preisvergabe.[1]

Die Aufgabe des Quartier Latin erfolgte im Frühjahr 1989 wegen einer von den Betreibern nicht mehr zu erwirtschaftenden Mieterhöhung.[1] Nun übernahmen die Privatleute Holger Klotzbach (von den 3 Tornados), Lutz Deisinger und Wolfgang Niedecken von BAP den Laden, der fortan nur noch Quartier hieß. Unter dem verkürzten Namen fanden noch einige Zeit Konzerte statt, aber auch mit Varieté, Kabarett, Theater und anderen öffentlichen Veranstaltungen versuchten die Drei eine wirtschaftliche Weiterführung. Da dies nicht gelang, musste das Latin nun auch schließen, die Räumlichkeiten standen leer. (Klotzbach und Seisinger gründeten anschließend die Bar jeder Vernunft.)

Erst Peter Schwenkow gelang im Jahr 1992 mit der Wiederbelebung des Wintergartens ein Comeback für den Kulturort in der Potsdamer Straße.[5]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Andreas Kurtz: Geliebter Laden. In: Berliner Zeitung, 3. August 2018, S. 15. (Printausgabe).
  2. a b c Kino Biophon auf www.allekinos.com, abgerufen am 25. September 2018.
  3. Potsdamer Straße 96 > Brandt & Deutsch. In: Berliner Adreßbuch, 1943, III, S. 673.
  4. Quartier Latin auf www.rock-in-berlin.de, abgerufen am 25. September 208.
  5. Der Tagesspiegel, 29. Mai 2018.