Quecksilber(II)-chlorid

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Strukturformel
Strukturformel von Quecksilber(II)-chlorid
Allgemeines
Name Quecksilber(II)-chlorid
Andere Namen
  • Sublimat
  • Hydrargyri dichloridum
Summenformel HgCl2
Kurzbeschreibung

farb- und geruchloser Feststoff[1]

Externe Identifikatoren/Datenbanken
CAS-Nummer 7487-94-7
EG-Nummer 231-299-8
ECHA-InfoCard 100.028.454
PubChem 24085
Wikidata Q143200
Eigenschaften
Molare Masse 271,50 g·mol−1
Aggregatzustand

fest

Dichte

5,4 g·cm−3[2]

Schmelzpunkt

277 °C[2]

Siedepunkt

304 °C[2]

Dampfdruck

10 mPa (20 °C)[1]

Löslichkeit

mäßig in Wasser (74 g·l−1, bei 20 °C)[1]

Sicherheitshinweise
GHS-Gefahrstoffkennzeichnung aus Verordnung (EG) Nr. 1272/2008 (CLP),[3] ggf. erweitert[2]
06 – Giftig oder sehr giftig 05 – Ätzend 08 – Gesundheitsgefährdend 09 – Umweltgefährlich

Gefahr

H- und P-Sätze H: 341​‐​361f​‐​300​‐​310​‐​372​‐​314​‐​410
P: 201​‐​280​‐​301+310​‐​330​‐​303+361+353​‐​304+340​‐​310​‐​305+351+338 [2]
MAK

0,1 mg·m−3[1]

Toxikologische Daten
Soweit möglich und gebräuchlich, werden SI-Einheiten verwendet. Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen.

Quecksilber(II)-chlorid ist eine chemische Verbindung aus der Gruppe der Chloride.

Darstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quecksilber(II)-chlorid entsteht beim Erhitzen von Quecksilber(II)-sulfat mit Natriumchlorid.

Bei der Reaktion von Quecksilber(I)-chlorid mit Chlor oder von Quecksilber(II)-oxid mit Salzsäure oder auch direkt aus den Elementen Quecksilber und Chlor in beheizten Retorten entsteht Quecksilber(II)-chlorid.

Auch die Reaktion von Salzsäure mit Quecksilber(I)-Verbindungen (z. B. Quecksilber(I)-nitrat) ist möglich

Eigenschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quecksilber(II)-chlorid ist eine farblose, kristalline, in Wasser mäßig lösliche, sehr giftige molekulare Verbindung, die bei 281 °C schmilzt. Da sie beim Erhitzen leicht sublimiert, bezeichnet man sie als Sublimat: Der Siedepunkt bei 302 °C ist kaum zu beobachten.[4] Im kristallinen Zustand, in der Dampfphase und in Lösung liegt Quecksilber(II)-chlorid in Form von kovalent gebundenen, linearen Cl−Hg−Cl-Molekülen vor. In wässriger Lösung dissoziieren die Moleküle nur geringfügig in Ionen, daher leitet eine Lösung den elektrischen Strom kaum. Quecksilber(II)-chlorid ist im Vergleich zu anderen Halogeniden wie Quecksilber(II)-iodid, die in Wasser nur in Spuren löslich sind, recht gut löslich.

Aquaporine – Kanalproteine, durch die Wasser eine Biomembran passieren kann – werden durch Quecksilber(II)-chlorid bzw. Quecksilber(II)-ionen spezifisch gehemmt.[5]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Quecksilber(II)-chlorid wirkt pilztötend, darum wurde es früher zum Beizen von Saatgut und zur Imprägnierung von Holz verwendet (Kyanisierung). Da es außerdem antiseptisch wirkt, wurde es als Desinfektionsmittel bei Wunden verwendet. In starker Verdünnung wurde es sogar als Arzneistoff eingesetzt.[6]

Dem französischen Anatomen François Chaussier (1718–1828) gelang der Nachweis, dass Quecksilber(II)-chlorid einen Leichnam vor Fäulnis schützt und seine Austrocknung begünstigt. Damit erzielte er einen wesentlichen Fortschritt im Bereich der Leichenkonservierung.[7] Aufgrund seiner fixierenden Wirkung wurde es bis um 1900 als Konservierungsmittel für anatomische Präparate benutzt. Wegen seiner Giftigkeit werden heute jedoch andere Stoffe benutzt.

Auch in der Leichenkonservierung ging man von der alleinigen Verwendung von Quecksilber(II)-chlorid und anderen Metallverbindungen wieder ab, als bemerkt wurde, dass Metall aus der Lösung ausfiel und entstellende Flecken an den solcherart behandelten Leichen hinterließ. Außerdem bewirkte Quecksilber(II)-chlorid eine graue Verfärbung der Haut.[7]

Quecksilber(II)-chlorid ist Bestandteil von Ätzmitteln für die Stahl- und Kupferätzung, Katalysator in der Synthesechemie (zum Beispiel bei der Herstellung von Vinylchlorid) und wird auch als Depolarisator in Trockenbatterien verwendet.[6]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Datenblatt Quecksilber(II)-chlorid (PDF) bei Merck, abgerufen am 24. April 2010.
  2. a b c d e f g Eintrag zu Quecksilber(II)-chlorid in der GESTIS-Stoffdatenbank des IFA, abgerufen am 19. Dezember 2017 (JavaScript erforderlich).
  3. Eintrag zu Mercury dichloride im Classification and Labelling Inventory der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA), abgerufen am 1. Februar 2016. Hersteller bzw. Inverkehrbringer können die harmonisierte Einstufung und Kennzeichnung erweitern.
  4. A. F. Holleman, E. Wiberg, N. Wiberg: Lehrbuch der Anorganischen Chemie. 91.–100., verbesserte und stark erweiterte Auflage. de Gruyter, Berlin 1985, ISBN 3-11-007511-3.
  5. Ulrich Welsch, Thomas Delle: Lehrbuch Histologie. 3. Auflage, Urban & Fischer Verlag/Elsevier GmbH, 2010, ISBN 978-3-437-44431-9, Seite 19.
  6. a b H. Hager, F.v. Bruchhausen, P. Surmann, E. Nürnberg: Hagers Handbuch Der Pharmazeutischen Praxis. Springer Verlag, 1999, ISBN 3-540-52641-2, S. 472.
  7. a b Magdalena Hawlik-van de Water: Der schöne Tod. Zeremonialstrukturen des Wiener Hofes bei Tod und Begräbnis zwischen 1640 und 1740. Freiburg/Wien 1989, S. 203–211 (über "Die Methoden des Einbalsamierens vom Altertum bis zur Neuzeit").

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Brockhaus ABC Chemie (VEB F. A. Brockhaus Verlag, Leipzig, 1971), S. 1159–1160.
  • Friedrich Moll: Große Männer der Holzimprägnierungstechnik. In: Angewandte Chemie 1930, 43, S. 830–834.